Antlasseier

In der Osterzeit sind Eier mehr als nur ein Frühstücksbestandteil. Sie sind ein Symbol für Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und das ewige Leben. Besonders in Österreich gibt es eine reiche Tradition rund um das Osterfest und seine Eier.

Die Eier, die am Gründonnerstag gelegt werden, tragen einen besonderen Namen – sie werden als Antlasseier bezeichnet. Der Gründonnerstag, der Tag vor Karfreitag, ist ein wichtiger Tag im christlichen Kalender, da er das letzte Abendmahl von Jesus Christus mit seinen Jüngern markiert.

Ebenso bedeutsam sind die Eier, die am Karfreitag gelegt werden. Diese werden als Karfreitagseier bezeichnet. Der Karfreitag ist ein Tag der Trauer und des Gedenkens an die Kreuzigung Jesu Christi.

Diese speziellen Eier, insbesondere das erste Ei, das an diesem Tagegelegt wird, haben eine besondere Bedeutung. Es wird angenommen, dass sie Glück für den Besitzer und seinen Hühnerstall bringen. Sie werden auch mit der Fähigkeit zur Abwehr von Unheil in Verbindung gebracht.

Eine gängige Praxis besteht darin, das geweihte Ei auf dem Dachboden zu verstauen. Es wird geglaubt, dass dies dazu beiträgt, Unheil von dem Haus und seinen Bewohnern fernzuhalten. Dieser Brauch ist ein schönes Beispiel dafür, wie alte Traditionen und Glaubenssysteme bis heute fortbestehen und in unseren modernen Lebensstil integriert werden.

Aperschnalzen

Mit diesem kräfteraubenden Lärmbrauch versuchen Passen aus mindestens 9 Personen den Winter zu vertreiben.

Das, kurz Schnalzn genannte, Aperschnalzen ist ein Brauch im Alpenvorland. Besonders stark ausgeprägt ist es im Salzkammergut und im Salzburger Raum und hier im Rupertiwinkel. Ausgeübt wird der Brauch vom Stephanitag (26. Dezember) bis zum Faschingsdienstag.

Dabei treten sogenannte Passen auf. Dies sind Gruppen von mindestens 9 Personen – aber immer mit ungerader Teilnehmeranzahl, welche in einer gemeinsamen Vereinstracht und mit einer Goaßl den Brauch ausüben.

Dabei entsteht durch das Schwingen der Peitsche (Goaßl) durch den Richtungswechsel ein Knall. Die Peitsche ist an einem kurzen Holzstiel (3cm Durchmesser und etwa 50cm Länge) drehbar fixiert. Die Peitsche ist aus mehreren Hanfschnüren gedreht Hanfseil und ist maximal 4 Meter lang. Zum Ende verjüngt sich das Seil und wird mit dem sogenannten Bast (auch als Poschn bezeichnet) genannt beendet.

Die Kunst dieses Brauchs ist nicht nur den Knall zu erzeugen, denn dazu wird einiges an Geschicklichkeit und noch mehr Kraft gebraucht. Das Ziel ist, dass die ganze Gruppe auf Schlag ist. Damit ist gemeint, dass entweder alle gleichzeitig einen gemeinsamen Schlag erzeugen oder eine vorher festgelegte Choreographie einhalten. Diese kann frei sein, oder wie bei den Prangerstutzenschützen, ein Schlag alle 3 Sekunden, danach alle Sekunden und zum Schluß alle gleichzeitig. Um diese Choreographie einzuhalten stellt sich die Gruppe in einer Reihe mit genügend Abstand für die Goaßln auf und der Aufdrahra (der erste in der Reihe) gibt das Kommando zum Beginn. Um sich gegenseitig zu messen werden nicht nur einzelne Auftritte in den Gemeinden oder bei Veranstaltungen durchgeführt, sondern auch Bewerbe wie das bekannte Rupertigau-Preisschnalzen.

Aufdraht!
Oans – Zwoa – Drei
Dahin geht’s!

Kommando des Aufdrahras

Das Aperschnalzen wurde nachweislich bereits im 18. Jahrhundert erwähnt und wurde 2013 als immaterielles Kulturerbe der UNESCO eingetragen.

Aperschnalzen – GemeindeschnalzenJänner 2024 in Muntigl bei Salzburg

Kirchtag

Der Begriff Kirchweih hat im Laufe der Jahrhunderte eine Fülle an regionalen Varianten entwickelt: Kirta, Kirbe, Kerb, Kerwe, Kirmes, Kertl, Kirchtag, Kirtag, Kilbi, Chilbi und noch viele mehr. Dahinter steckt ein und dasselbe Grundprinzip: Der Begriff verweist auf die Verbindung mit der Kirche und der dort gehaltenen Messe. Am Weihetag oder am Tag des Kirchenpatrons gesellte sich zur kirchlichen Feier der profane Jahrmarkt.

Es gibt dabei grundsätzlich zwei verschiedene Formen: den „Kleinen Kirchtag“, also das Patroziniumsfest des örtlichen Kirchenheiligen, und den „Großen Kirchtag“, das Fest der Kirchweihe selbst. Beide darf man nicht durcheinanderbringen.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Ursprünglich feierte jedes Dorf den Weihetag seines Gotteshauses. Für die ländliche Bevölkerung war das einer der wichtigsten Termine im Jahr: selten genug hatte man sonst die Möglichkeit, bei Musik, Tanz und gutem Essen die Mühen des Alltags hinter sich zu lassen.
Sehr früh schon verbanden sich mit den Kirchweihgottesdiensten Jahrmärkte, die man wegen ihrer Verbindung mit dem Gottesdienst „Messen“ nannte. Der norddeutsche Begriff „Kirmeß“ oder „Kirmse“ leitet sich daraus ab.

Das Problem: Weil jedes Dorf seinen eigenen Termin hatte, konnte das Feiern leicht ausufern. Die Obrigkeit führte deshalb die sogenannte Allerweltskirchweih ein, um das Herumziehen des Gesindes von Ort zu Ort einzuschränken. Den dritten Sonntag im Oktober setzte man als einheitlichen Termin fest. Seit der Aufklärung war dieses Datum in weiten Teilen Bayerns landesweit verbindlich.

Ablauf und typische Elemente

Ein Kirchtag war und ist mehr als ein Gottesdienst mit anschließendem Marktbesuch. Üppiges Essen und Trinken, Musik, Tanz, Geselligkeit und Brautschau waren für die ländlichen Kirtage charakteristisch. Organisiert wurden sie meist von den örtlichen Vereinen.

Schon am Vorabend gab es in Bayern Brühsuppe, Schweinefleisch, Würste, Bier und Krapfen. Nach der Sonntagsmesse ging es dann richtig los, und die Feier dauerte oft zwei bis drei Tage.
Ein zentrales Ereignis war dabei stets der Tanz, der gelegentlich mit Elementen spielerischer Paarbildung verbunden war. Der Kirchtag war eben auch ein sozialer Ort, an dem sich Ledige kennenlernten.
Zu den typischen Speisen gehörten Enten- oder Gänsebraten mit Knödel und Blaukraut sowie in Schmalz herausgebackenes Schmalzgebäck. In Oberbayern heißen diese Küchlein Auszogne, in Tirol Kiachl, in anderen Teilen Österreichs Bauernkrapfen.

Ein weithin sichtbares Zeichen des Festtages war die rot-weiße Fahne, die am Kirchweihsonntag von den Kirchtürmen wehte. Sie wird auch Zachäus oder Zacherl genannt, nach der Bibelstelle vom Zöllner Zachäus, der auf einen Baum gestiegen war, um Jesus zu sehen.

Der Rupertikirtag in Salzburg, der rund um den Namenstag des heiligen Rupert am 24. September gefeiert wird, zieht jährlich mehr als 100.000 Besucher an. Ein besonderes Merkmal ist das historische Kettenkarussell aus dem Jahr 1848, das nur während dieses Fests in Betrieb geht.

Bedeutung heute

Der Kirchtag hat sich gewandelt, aber er lebt. Bis heute ist der Jahrmarkt mit Gegenständen des täglichen Bedarfs und Süßigkeiten wie großen verzierten Lebkuchenherzen, Schaumrollen oder Zuckerwatte fester Bestandteil des traditionellen Kirtags.

Der Kirchtag wird nach örtlichem Brauch von einer bestimmten Gruppe ausgerichtet, die auch die Musikanten engagiert. Früher waren das oft die Burschenschaften oder die Wirte, heute sind es meist Vereine.

Viele kleine Dorfkirchtage haben in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren. Dort, wo sie aber noch gepflegt werden, erfüllen sie eine wichtige Funktion: Sie geben dem Dorfleben Struktur, stärken das Gemeinschaftsgefühl und erinnern daran, dass es schon immer Anlass gab, zusammen zu feiern.

Leonhardiritt (Holzhausen)

Holzhausen ist ein kleiner Ortsteil von Teisendorf, und an den allermeisten Tagen im Jahr merkt man ihm das auch an. Am Pfingstmontag jedoch säumen mehr als achttausend Zuschauer die Straßen, über dreihundert Pferde ziehen im Zug durch das Dorf, und der Rupertiwinkel feiert seinen Leonhardiritt – die älteste Kulturveranstaltung im Berchtesgadener Land, in ihren Anfängen seit über vierhundert Jahren belegt.

Ein Leonhardiritt, der nicht im November reitet

Wer Leonhardiritte kennt, erwartet sie im Spätherbst. Der heilige Leonhard, im Alpenraum als Schutzpatron des Viehs verehrt und in Bayern seit dem 19. Jahrhundert auch „der Bauernherrgott“ genannt, hat seinen Gedenktag am 6. November, und die meisten der bayerischen und österreichischen Umritte richten sich danach. Holzhausen tut das nicht.

Der Grund liegt in der Entwicklung des Brauchs selbst. Ursprünglich zog man in Holzhausen zu Ostern aus, später verlegte man den Umgang auf den Pfingstdienstag, und beim heutigen Termin, dem Pfingstmontag, kam er schließlich zur Ruhe. Der Ritt behielt dabei seinen Patron und wechselte den Termin. Das kommt in der Brauchgeschichte häufiger vor, als man annimmt, weil Arbeitsrhythmus und Feiertagslage eines Dorfes meist schwerer wogen als die Zuordnung im Heiligenkalender. Ein Gedenktag im November nützt wenig, wenn der halbe Ort dann im Stall steht; Pfingsten dagegen liegt in einer Zeit, in der ein Dorf sich einen ganzen Feiertag leisten kann.

Eine Zeile im Rechnungsbuch, 1612

Die Spur des Brauchs beginnt mit einer Buchhaltungsnotiz. Im Rechnungsbuch des Holzhauser Gotteshauses zum Heiligen Kreuz, damals zur Pfarrei Teisendorf gehörig, ist für das Jahr 1612 die Bezahlung eines Priesters vermerkt, der einen Bittgang abgehalten hatte. Ein Umgang zu Fuß also, wie ihn der kirchliche Jahreslauf in anderer Form etwa mit der Fronleichnamsprozession kennt.

Zu Pferd saß man damals offenbar noch nicht. Erst siebzig Jahre später, 1682, hält dasselbe Rechnungsbuch fest: „Als man mit dem Kreuz allhero geritten ist“. Ein Umstellungsbeschluss war das nicht, sondern schlicht der erste schriftliche Beleg dafür, dass geritten wurde – wann genau aus dem Umgang der Umritt geworden ist, lässt sich aus den Büchern nicht ablesen. Der Eintrag von 1612 begründet jene Traditionslinie von über vierhundert Jahren, auf die man in Holzhausen zu Recht stolz ist; der von 1682 sagt, seit wann geritten wird.

Zwölf Wagen und ein Kircherl in Miniatur

Der Zug ist kein reines Reiterspektakel. Zwischen den Pferden fahren zwölf historische, eisenbereifte Wagen, und was auf ihnen steht, erklärt den Brauch besser als jede Beschreibung des Aufzugs: ein Nachbau des Leonhardikircherls im Kleinformat, eine Figur des heiligen Leonhard, dazu die Bauernheiligen Notburga und Isidor – jede Figur auf einem eigenen Wagen, reich mit Blumen und Girlanden geschmückt. Es fahren also die Schutzpatrone der bäuerlichen Arbeit mit, nicht bloß Dekoration. An der Spitze des Zuges werden ein Kreuz und eine Darstellung des heiligen Georg mitgeführt.

Die Pferde – vom Pony über den Haflinger bis zum schweren Kaltblut – tragen kunstvoll eingeflochtene Mähnen mit eingearbeiteten Blumen. Die Reiterinnen und Reiter sind in Tracht, Dirndl und Lederhose, begleitet vom Teisendorfer Trachtenverein und von mehreren Musikkapellen, die teils von eigenen geschmückten Wagen herab aufspielen.

Zweimal am Kircherl vorbei

Der Kern des Brauchs ist rasch erzählt und doch der Grund, aus dem die Leute kommen: Der Zug nimmt eine rund anderthalb Kilometer lange Runde um das Dorf und kommt dabei zweimal am Leonhardikircherl vorbei. Dort erteilt der Priester den Segen – für Ross und Reiter, für Haus und Hof, für das Vieh. Anschließend folgt der Festgottesdienst. Wenn der Segen gesprochen wird, nehmen die Reiter die Hüte ab, und über einem Dorf, in dem eben noch Tausende durcheinanderreden, wird es für einen Augenblick still.

Erbeten wird das, worum es bei Leonhardiritten seit jeher geht: ein unfallfreies, krankheitsfreies Jahr für Mensch und Tier. Der Ritt ist damit kein Umzug mit religiöser Verzierung, sondern eine Bittprozession – nur eben eine, die seit mehr als drei Jahrhunderten zu Pferd stattfindet.

Vom stillen Dorfbrauch zur Festwoche

Lange blieb der Ritt eine lokale Angelegenheit, getragen von den Holzhauser Familien und ohne größeres Publikum. In den Jahren der Mechanisierung wurde es sogar eng: Als die Pferde auf den Höfen weniger wurden, stand zeitweise ein Zweijahresrhythmus im Raum. Organisatorisch bündelte man den Ritt seit 1950 in der Holzhauser Leonhardivereinigung, aus der 1973 die heutige Leonhardigilde hervorging.

Dass daraus ein Volksfest wurde, war zunächst eine Notlösung. 1972 stand der Saal des Holzhauser Wirtshauses wegen eines Umbaus nicht zur Verfügung, und die „Holzhauser Buam“ stellten behelfsweise ein dreitägiges Bierzelt auf. Das kam an. 1975 war daraus eine ganze Festwoche geworden, wie sie bis heute den Pfingsttermin in Holzhausen prägt. Der Umritt am Montag blieb dabei der Höhepunkt, bekam aber ein Rahmenprogramm, das dem kleinen Ort für gut eine Woche einen veritablen Ausnahmezustand beschert.

Einordnung

Im Reigen der alpenländischen Pferdesegnungen steht Holzhausen an einer eigenen Stelle. Der Georgiritt am 23. April ist eng mit dem Beginn der Weidezeit verbunden – er sitzt also an einem echten Wendepunkt des bäuerlichen Jahres. Die klassischen Leonhardiritte im November dagegen hängen schlicht am Gedenktag ihres Heiligen; das Ende der Almsaison markieren im Alpenraum ganz andere Fixpunkte, nämlich Almabtrieb und Michaeli im Frühherbst.

Holzhausen setzt seinen Segen dazwischen, im späten Frühjahr, wenn das Vieh auf der Weide steht und die arbeitsreichen Monate erst bevorstehen. Wer den Brauch verstehen will, sollte deshalb weniger auf den Namen als auf den Termin schauen: Gesegnet wird hier nicht in erster Linie zum Andenken an einen Heiligen, sondern zu Beginn der Zeit, in der etwas schiefgehen kann.

Maibaum aufstellen

Das Maibaumaufstellen ist ein im ganzen Voralpenland und Alpenland bekannter und beliebter Brauch. Es ist ein traditionelles Fest, das den Beginn des Frühlings und die Rückkehr der Fruchtbarkeit der Natur feiert. Als normaler Termin ist der 1. Mai vorgesehen, doch wurde dieses Datum aufgeweicht und der Brauch wird nunmehr rund um dieses Datum ausgeübt.

Viele verschiedene Deutungen gibt und gab es um diesen Brauch. Einige sehen den Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol, andere als Symbol des Wachsens oder ein sichtbares Zeichen, dass nun die Wiesen nicht mehr betreten werden dürfen. Heute ist das Aufstellen des Maibaumes nicht zuletzt ein Zeichen einer funktionierenden Gemeinschaft und der ausführenden Vereine. Es ist ein Ausdruck von Gemeinschaftsgeist und Zusammenhalt, der die Menschen zusammenbringt und die Bindungen innerhalb der Gemeinschaft stärkt.

Die Tradition des Maibaumaufstellens hat eine lange Geschichte. Bereits im Jahr 1230 wurde der Maibaum in Österreich das erste Mal aufgestellt. Es gibt aber auch Dokumente aus dem 16. Jahrhundert, in denen über Reisigkränze und Girlanden als Schmuck eines Maibaumes geschrieben wurde.

Beim Maibaumaufstellen geht es nicht ohne Spannung ab. Der frisch gefällte, mit dem Schepseisen geschälte Baum, welcher mancherorts auch noch bemalt wird, ist immer wieder ein beliebtes Diebesobjekt für Burschen des Nachbarortes. Es kommt immer wieder vor, dass der vorbereitete Baum am Morgen des Aufstellens spurlos verschwunden ist. Daher wird der Maibaum über Nacht sorgfältig bewacht. Ist der Baum am Morgen nicht mehr da, so sind Enttäuschung und Entrüstung der Burschen groß, dazu kommt auch noch der Spott der Ortsbewohner dazu. Um die Blamage in Grenzen zu halten, muss der Maibaum unter allen Umständen gefunden werden. Hat man ihn dann endlich gefunden, muss er ausgelöst werden, darin liegt der eigentliche Reiz des Maibaumstehlens. Die Burschen die ihn gestohlen haben, wollen sich einen fröhlichen, kostenfreien Maitag einhandeln. Das Aufstellen des Maibaumes geschieht mit viel Geschick, wenn auch nicht immer sehr flott. Der Baum wird mit langen „Schwalben“ hochgestemmt.

Ist es dann gelungen den Maibaum aufzustellen und ihn im Boden fest zu verankern, beginnt das Maibaumkraxeln der Jugend. Oben am Kranz befinden sich Speckwürste oder Brezen oder andere Lebensmittel, diese gilt es auf den Boden zu werfen. Man kann das Klettern auch noch erschweren, in dem man den unteren Teil des Baumes einseift.

Das Maibaumaufstellen ist mehr als nur ein Brauch – es ist ein lebendiger Teil der alpenländischen Kultur, der die Menschen zusammenbringt und die Gemeinschaft stärkt. Es ist ein Fest der Freude und des Zusammenhalts, das die Werte der Gemeinschaft feiert und die Menschen an ihre Wurzeln erinnert. Es ist ein Symbol für die Kraft und Schönheit der Natur und ein Zeichen der Hoffnung und des Neubeginns. Es ist ein Fest, das die Herzen der Menschen erfüllt und die Gemeinschaft stärkt. Es ist das Maibaumaufstellen – ein lebendiger Brauch, der die österreichische Kultur bereichert und belebt.

Maria Lichtmess

Jedes Jahr, genau 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, feiert die katholische Kirche ein besonderes Fest, das als “Darstellung des Herrn” bekannt ist. Dieses Fest wird im Volksmund auch “Maria Lichtmess” genannt und markiert traditionell das Ende des weihnachtlichen Festkreises. Es war einst Brauch, erst an diesem Tag die Krippe und den Weihnachtsbaum aus dem Wohnzimmer zu entfernen. Doch seit der Liturgiereform in der katholischen Kirche endet die Weihnachtszeit nun mit dem Fest “Taufe des Herrn” am ersten Sonntag nach dem 6. Januar.

Maria Lichtmess hat eine besondere Bedeutung für die Kirche und die Gläubigen. An diesem Tag wird der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen traditionell geweiht. Aber nicht nur das, auch die Gläubigen bringen ihre eigenen Kerzen mit, die sie zu Hause verwenden möchten, um sie in dem feierlichen Gottesdienst segnen zu lassen.

Es gibt einen alten Glauben, der bis heute in einigen Teilen erhalten geblieben ist, dass diese gesegneten Kerzen Unheil abwehren können. Insbesondere die sogenannten “Donnerkerzen”, schwarze Wetterkerzen, sollen Schutz vor Gewittern und Stürmen bieten. Diese werden auch in Maria Kirchental in der Kirche gegen eine Opfergabe das ganze Jahr angeboten.

Im Anschluss an die Messfeier wird oft der Blasiussegen erteilt, der vor Krankheiten schützen soll. Obwohl der Gedenktag des heiligen Blasius eigentlich erst einen Tag später, am 3. Februar, begangen wird, ist es üblich, diesen Segen bereits an Maria Lichtmess zu spenden.

Auch in der Landwirtschaft hat der Tag eine ganz besondere Bedeutung, er läutet den Beginn eines neuen Bauernjahres ein.

Dienstmägde und Knechte, die auf den Bauernhöfen einfache Arbeiten verrichten, erhalten an diesem Tag ihren wohlverdienten Lohn. Aber Mariä Lichtmess ist nicht nur ein Tag der Bezahlung, sondern auch ein Tag des Neubeginns. Viele Dienstboten beenden an diesem Tag ihr Arbeitsverhältnis mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber, um auf einem anderen Bauernhof eine neue Stelle anzutreten. Dieser Wechsel der Arbeitsstelle wird als “Dienstbotenwandern” bezeichnet.

Metzgersprung

Der Metzgersprung ist ein Reinigungsritual, das den Abschluss der Lehrzeit eines Metzgers markiert. Wer in das Wasser springt, wäscht sich symbolisch von den Vergehen und Ungeschicklichkeiten der Lehrjahre frei. Aus dem Lehrling wird ein Junggeselle – gereinigt, neu in den Stand des Handwerks eingetreten.

Der Brauch hat dabei nichts Beliebiges. Er folgt einer klaren Logik: Am Ende der Lehrzeit steht nicht nur ein Prüfungsgespräch, sondern ein körperlicher Akt, der die Schwelle zwischen zwei Lebensstationen sichtbar macht.

Eine eigenständige Salzburger Geschichte

Wer glaubt, der Metzgersprung sei allein ein Münchner Brauch, irrt. Salzburg hat eine eigenständige Tradition, die mindestens ebenso weit zurückreicht.

Bereits im Jahr 1512 lässt sich der Brauch in Salzburg belegen. Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach (auf Grund seines Wappens auch „Der Rübler“ genannt) verlieh der Metzgerzunft damals das Fahnenrecht. Ein außergewöhnliches Privileg, das der Zunft öffentliches Ansehen und einen festen Platz im städtischen Leben sicherte.

Ursprünglich fand der Sprung am Florianibrunnen auf dem Alten Markt statt. Mitten im Treiben der Stadt, wo Händler und Bürger zusammenkamen, vollzog sich das Ritual als öffentliches Schauspiel und Zunftzeremonie zugleich. Der heilige Florian, dem der Brunnen geweiht war, ist übrigens der Schutzpatron gegen Feuer und Wasser. Ein nicht ganz zufälliger Ort für einen Brauch, bei dem das Wasser die Hauptrolle spielt.

Zwei Bräuche, die zusammengehören

In Salzburg ist der Metzgersprung nie allein. Er gehört untrennbar zum Fahnenschwingen.

Aus dem reichen Brauchtum der Metzgerzunft haben sich über die Jahrhunderte zwei Kernrituale erhalten. Das eine ist der Sprung ins Wasser, der die Lehrlinge symbolisch reinwäscht. Das andere ist das Schwingen der Zunftfahne – ein körperlich anspruchsvoller Akt, denn die Fahne wiegt rund 40 Kilogramm. Kraft, Geschick und Stolz gehören dazu. Seit dem frühen 16. Jahrhundert darf die Salzburger Fleischerzunft diese Fahne offiziell führen.

Sprung und Fahnenschwingen bilden eine symbolische Einheit: Das Wasser reinigt, die Fahne bekennt. Der Junggeselle tritt nach dem Ritual sichtbar und kraftvoll in seinen neuen Stand ein.

Wiedergeburt eines Brauchs

Wie viele Zunfttraditionen geriet der Metzgersprung irgendwann in Vergessenheit. Seine Rückkehr verdankt Salzburg der Initiative von Kommerzialrat Erwin Maria Markl, der den Brauch im Jahr 1984 neu belebte.

Seitdem findet der Metzgersprung im Stiftshof der Benediktinererzabtei St. Peter statt. Statt des alten Florian­brunnens dient heute ein Holzbottich als Becken, kleiner, aber nicht weniger wirkungsvoll. Der Ort selbst ist alles andere als zufällig gewählt: St. Peter ist einer der ältesten Plätze christlichen Lebens im gesamten deutschsprachigen Raum. Dieser historische Rahmen gibt dem Brauch eine Tiefe, die man sich nicht ausdenken kann.

Fasching als natürliche Bühne

Der Metzgersprung findet im Fasching, exakt am Faschingsonntag, statt, und das hat einen guten Grund. Die Fastnacht war traditionell jene Zeit, in der Zünfte ihren Jahresabschluss feierten, bevor die Fastenzeit den Fleischkonsum und damit das Metzgergeschäft zum Erliegen brachte. Ausgelassenheit und Ernst lagen dabei immer nah beieinander.

Heute hat sich das Ereignis zu einem der beliebtesten Faschingshöhepunkte Salzburgs entwickelt. Metzgersprung und Fahnenschwingen ziehen Jahr für Jahr viele Zuschauer in den Stiftshof.

Bedeutung heute

Der Salzburger Metzgersprung ist mehr als Folklore. Er verbindet drei Ebenen, die selten so sauber zusammenfallen: ein echter Zunftbrauch mit belegbaren Wurzeln im frühen 16. Jahrhundert, ein Freisprechungsritual mit symbolischer Tiefe und ein lebendiges Faschingsereignis, das Menschen begeistert.

Dass der Brauch 1984 nicht neu erfunden, sondern wiederbelebt wurde, macht ihn glaubwürdig. Und dass er im Stiftshof von St. Peter stattfindet, gibt ihm einen Rahmen, den man in einem Festzelt nicht hätte nachbauen können.

Osterratschn

Am Gründonnerstag, so sagt man, fliegen die Glocken nach Rom, um geweiht zu werden. In dieser Zeit kommen die Ratschen zum Einsatz, ein alter Brauch, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Kinder oder Ministranten bauen sich Ratschen und machen damit Lärm, um die Stille zu füllen, die durch das Schweigen der Glocken entsteht.

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Ratschen, von Klappen, die mit einer Hand gedreht werden, bis hin zu großen Ratschen, die mit einer Kurbel angetrieben werden und meist auf Kirchtürmen oder Balkonen stehen. Jede Ratsche hat ihren eigenen, einzigartigen Klang, der in der Osterzeit durch die Straßen hallt.

Der Brauch der Osterratschen geht vermutlich bis ins Mittelalter zurück. Ab dem Gloria am Gründonnerstag schweigen die Kirchenglocken – man sagt, sie fliegen nach Rom und werden neu geweiht – und werden bis zum Karsamstag (Auferstehung) von den Osterratschen ersetzt.

Dieser Brauch wurde erstmals 1482 schriftlich im nordbayrischen Coburg erwähnt. Die Ratschen zeigten früher die Gebetzeiten an (Morgen-, Mittag- und Abendleuten). Im Mittelalter gab es noch fast keine Uhren und es richtete sich der Tageablauf nach dem Gebet der Mönche und Klöster. Außerdem sollten sie den Frühling aufwecken und böse Geister abwehren.

Neben den Handratschen gibt es auch noch die Hammerratschen, Kastenratschen, Schubkarrenratschen und Turmratschen. Jede dieser Ratschen hat ihre eigene Form und ihren eigenen Klang, was zu einer Vielfalt von Klängen führt, die während der Osterzeit zu hören sind.

Die Ratschenbuam und -dirndln ziehen durch den Ort und rufen ihren Ratschen Spruch:

Wir ratschn, wir ratschn die Fastn aus,
unseren Herrn Jeso Christ sein Leid’n is aus

Für ihre Mühen werden den Kindern Eier, Süßigkeiten und auch Geld zugesteckt. Es ist eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und die Osterzeit mit Freude und Lärm erfüllt. Es ist ein Brauch, der uns daran erinnert, dass selbst in Zeiten des Schweigens immer Raum für Freude und Gemeinschaft ist.

Peter-und-Paul-Feuer

Kaum ist das große Sommerfeuer der Sonnwende verglüht, bereiten sich manche Gemeinden im Rupertiwinkel schon auf den nächsten Feuerabend vor. Am 29. Juni, dem Fest der Apostel Peter und Paul, brennen dort noch einmal Holzstöße auf den Anhöhen – das Peter-und-Paul-Feuer, ein eigenständiger Brauch, der zwar mit dem Sonnwendfeuer verwandt ist, aber weder dessen Datum noch dessen Anlass teilt.

Ein zweites Feuer, fünf Tage später

Wer die beiden Bräuche verwechselt, ist in guter Gesellschaft – zu ähnlich wirken sie auf den ersten Blick. Tatsächlich gilt das Petersfeuer, wie es andernorts auch genannt wird, fachlich als eine regionale Variante des weiter verbreiteten Johannisfeuers, das rund um den 24. Juni, den Johannistag, nahe der Sommersonnenwende brennt. Das Peter-und-Paul-Feuer verschiebt diesen Termin bewusst um fünf Tage nach hinten, auf den Gedenktag der beiden Apostelfürsten. Damit ist es kein zweites Sonnwendfeuer unter neuem Namen, sondern ein eigener, datumsgebundener Anlass, der die kurze, feuerreiche Zeit des Frühsommers im Rupertiwinkel noch einmal verlängert.

Der Aufbau und die Strohpuppe

Tage im Voraus wird im jeweiligen Ort ein stattlicher Holzstoß aufgeschichtet, oft ein Gemeinschaftswerk mehrerer Nachbarn oder eines örtlichen Vereins. Am Abend des 29. Juni wird das Feuer entzündet, und in vielen Orten brennt mit ihm eine Strohpuppe – der „Peter". Warum ausgerechnet diese Figur mitverbrannt wird, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit klären; eine einzige, allgemein anerkannte Erklärung dafür gibt es bis heute nicht. Naheliegend ist eine Deutung, die sich mit ähnlichen Feuerbräuchen deckt: Die Puppe stand stellvertretend für die Gefahren des offenen Feuers selbst und wurde symbolisch geopfert, um Haus und Hof im kommenden Jahr vor echtem Brand zu bewahren – ein Motiv, das sich in abgewandelter Form auch bei anderen Sommerfeuern der Region findet.

Feuerspringen und ein Wunsch frei

Ist der Holzstoß niedergebrannt, beginnt der zweite Teil des Abends: das Feuerspringen. Wer mutig genug ist, über die glühenden Reste zu springen, darf sich der Überlieferung nach danach etwas wünschen. Getragen werden die Feuer meist von örtlichen Vereinen, nicht selten von der Freiwilligen Feuerwehr selbst – was dem Brauch eine gewisse doppelte Bodenständigkeit verleiht: Diejenigen, die im Ernstfall Brände löschen, sind es auch, die das symbolische Feuer im Sommer entzünden.

Ein eigenständiger Termin im Festkalender

Für den Rupertiwinkel ist das Peter-und-Paul-Feuer damit mehr als eine bloße Wiederholung der Sonnwendtradition. Es markiert einen eigenen, kirchlich verankerten Fixpunkt im Sommerkalender – nah genug an der Sonnwende, um von deren Feuerstimmung zu zehren, aber datumsmäßig klar abgegrenzt und mit eigener Symbolik versehen. Wer im Rupertiwinkel Ende Juni zweimal Rauchschwaden über den Hügeln aufsteigen sieht, sieht damit nicht denselben Brauch zweimal, sondern zwei Feuer mit unterschiedlicher Geschichte, die zufällig nur wenige Tage auseinanderliegen.

Pfingstschnalzen

Beim Pfingstschnalzen knallen Burschen und Männer mit langen Peitschen, in der Volkskunde als sogenannte Lärmbrauch eingestuft. Der erzeugte Knall entsteht, wenn die Peitschenschnur mit Schwung durch die Luft geführt wird und die Schnurspitze die Schallmauer im Kleinen durchbricht. Der Klang ist scharf, weithin hörbar und unverkennbar. In der Steiermark ist der Brauch des Pfingstschnalzens am Pfingstsamstag noch immer üblich. Auch in Teilen Oberösterreichs hat er sich erhalten.

Herkunft

Der Ursprung des Pfingstschnalzens liegt im bäuerlichen Alltag. Mit dem Pfingstfest begann früher die Weideperiode, und es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als Halterbuben einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das Pfingstschnalzen.

Der Halterbub, also derjenige, der das Vieh über den Sommer auf die Weide trieb und beaufsichtigte, brauchte die Peitsche als tägliches Arbeitswerkzeug. Das Schnalzen diente also nicht nur dem Spaß, sondern war auch ein praktischer Kompetenznachweis: Wer eine schwere Goaßl sicher führen konnte, war reif für die Alm.

Ob dem Peitschenknallen darüber hinaus auch eine apotropäische Funktion zugeschrieben wurde, also das Vertreiben böser Geister, wird in manchen Quellen erwähnt, ist aber nicht eindeutig belegt. Die volkstümliche Deutung, das Pfingstschnalzen mit Peitschen vertreibe böse Geister, ist verbreitet, aber volkskundlich nicht abschließend gesichert.

Das Pfingstschnalzen steht nicht allein. Es ist eingebettet in einen bunten Strauß an Pfingstbräuchen, die das Ende des Frühlings und den Einzug des Sommers feiern. Neben dem Pfingstschnalzen gibt es in Oberösterreich weitere Bräuche, die in den ländlichen Gegenden fixer Bestandteil des Jahreskreises sind: Pfingsttänze und Spiele unter freiem Himmel sollen den Sommer begrüßen, Pfingstbäume werden aufgestellt und Pfingstmaien verteilt.

Der Zusammenhang mit dem Aperschnalzen

Wer sich mit dem Pfingstschnalzen befasst, stößt unweigerlich auf seinen verwandten Brauch: das Aperschnalzen. Beide verwenden die Goaßl, beide gehören zur Kategorie der Lärmbräuche, aber der Zeitpunkt und die Herkunft unterscheiden sich. Beim Aperschnalzen, das im bayerischen Rupertiwinkel und im Salzburger Flachgau gepflegt wird, soll der laute Knall der Goaßl symbolisch den Winter vertreiben und auf den wiederkehrenden Frühling überleiten. Das Aperschnalzen findet zwischen dem Dreikönigstag und dem Faschingsdienstag statt, also mitten im Winter.

Das Pfingstschnalzen hingegen kommt rund drei Monate später, wenn der Frühling längst angekommen ist. Es ist kein Winteraustreiber mehr, sondern ein Sommereinläuter. Die beiden Bräuche mögen dieselben Werkzeuge und ähnliche Motive teilen, sind aber historisch und geographisch unterschiedlich verwurzelt.

Das Pfingstschnalzen ist heute vor allem in der Steiermark und in Teilen Oberösterreichs bekannt. In anderen Teilen des Alpenraums, etwa im Salzburger Zentralraum oder in Tirol, ist es als eigenständiger Pfingstbrauch weniger präsent, auch wenn die Goaßl dort durch das Aperschnalzen fest im Brauchtum verankert ist. Wie verbreitet das Pfingstschnalzen früher genau war, lässt sich anhand verfügbarer Quellen nicht präzise rekonstruieren.

Bedeutung heute

Das Pfingstschnalzen lebt dort weiter, wo Menschen bewusst Brauchtum pflegen. Es ist kein Massenspektakel wie mancher Krampuslauf, sondern ein Brauch, der eher im Stillen fortbesteht, auf Dorfplätzen, bei Vereinstreffen und im Familienkreis. Dass er überhaupt noch ausgeübt wird, verdankt er dem Engagement von Trachten- und Brauchtumsgruppen, die die Goaßl nicht verstauben lassen wollen.

Es ist auch ein Brauch, der erdet. Er erinnert daran, dass Pfingsten früher nicht nur ein religiöser Feiertag war, sondern der Startschuss für eine neue Jahreszeit, für die Alm, für die Ernte, für das Leben draußen.