
Die Sieben Schläfer von Ephesus
von Clemens Gull
Hintergrundinfo
(lateinisch Septem Dormientes) ist eine frühchristliche Erzählung über Glauben, Verfolgung und die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten. Sie ist sowohl im Christentum als auch im Islam überliefert.
Ausgangspunkt der Erzählung
Die Handlung spielt in der antiken Stadt Ephesus (heute Westtürkei), zur Zeit des römischen Kaisers Decius (Regierungszeit 249–251 n. Chr.). In dieser Epoche wurden Christen verfolgt, weil sie sich weigerten, den römischen Göttern zu opfern.
Vor langer, langer Zeit, in einer Stadt namens Ephesus, lebten sieben junge Männer. Sie waren Freunde, mutig und fest in ihrem Glauben. Doch ihre Zeit war gefährlich, denn der Kaiser verlangte von allen Menschen, fremden Göttern zu opfern. Wer sich weigerte, wurde verfolgt.
Die sieben aber sagten: „Unser Glaube ist stärker als die Angst.“
Als man sie bedrohte, flohen sie aus der Stadt. Hoch oben im Gebirge fanden sie eine Höhle. Müde von der Flucht legten sie sich nieder. Sie beteten, vertrauten sich Gott an – und schliefen ein.
Was sie nicht wussten: Der Eingang der Höhle wurde entdeckt. Man mauerte ihn zu, damit niemand je wieder herauskommen sollte.
Doch Gott hatte anderes mit ihnen vor.
Die Zeit verging.
Jahre wurden zu Jahrzehnten.
Jahrzehnte zu Jahrhunderten.
Dann – eines Tages – öffneten die Sieben die Augen.
„Wie lange haben wir geschlafen?“ fragte einer.
„Vielleicht eine Nacht … oder einen Tag“, meinte ein anderer.
Hungrig schickten sie einen von ihnen in die Stadt, um Brot zu kaufen. Er nahm eine Münze mit, die er noch bei sich trug, und machte sich auf den Weg.
Doch in der Stadt war alles anders.
Die Menschen trugen fremde Kleidung.
Über den Häusern sah er Zeichen des Kreuzes.
Und als er bezahlen wollte, starrte der Bäcker auf die Münze, als halte er ein Stück aus einer längst vergangenen Welt in der Hand.
Man fragte ihn aus. Sein Name, seine Geschichte – alles klang wie aus einer anderen Zeit. Bald verstand man: Diese Männer waren seit Jahrhunderten verschwunden. Und doch standen sie nun wieder da, lebendig.
Die Sieben Schläfer wurden zu einem Zeichen.
Ein Zeichen dafür, dass Zeit nicht alles ist.
Ein Zeichen dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort haben muss.
Nachdem sie ihre Geschichte erzählt hatten, kehrten sie in die Höhle zurück. Dort legten sie sich erneut nieder – und schliefen ein, diesmal für immer.
Und so sagt man bis heute:
Wer an ihnen denkt, soll daran erinnert werden,
dass Treue stärker ist als Angst
und Hoffnung stärker als die Zeit.