Firmung

Bergmesse

von Clemens Gull

Wenn im Sommer die Wiesen blühen, verwandeln sich in den Alpen zahlreiche Gipfel, Almen und Kirchlein in Freiluftkirchen: die Bergmesse gehört in Tirol, Salzburg und weiten Teilen des Alpenraums zum festen Bestandteil des kirchlichen Sommers. Statt unter einem gemauerten Dach wird die Heilige Messe unter freiem Himmel gefeiert – auf einem Gipfel, bei einem Gipfelkreuz, auf einer Alm oder vor einer kleinen Bergkapelle, oft begleitet von einer Musikkapelle und im Anschluss mit gemeinsamer Einkehr.

Die Wurzeln dieser Tradition reichen tief: Berggottesdienste unter freiem Himmel haben in Tirol eine lange Geschichte und wurden von Vereinen wie Schützen oder Jungbauernschaften über Generationen weitergetragen. Vielerorts sind es genau diese Trachten- und Schützenvereine, die die Bergmesse organisieren, mit Fahnen ausrücken und für den musikalischen Rahmen sorgen – die Messe wird so zu einem Gemeinschaftsereignis, das kirchliches und dörfliches Leben verbindet.

Eine besondere Ausprägung sind Gedenkmessen für verunglückte Bergsteiger, etwa am Rax-Kirchl am Fuß der Heukuppe, wo mehrmals im Jahr an verstorbene Bergkameraden erinnert wird. Auch die traditionsreiche Großglockner-Wallfahrt, die seit rund 300 Jahren am 28./29. Juni stattfindet, ist im Kern eine solche Bergmesse – Pilger steigen zur Adlersruhe auf, um dort in großer Höhe gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Für viele Teilnehmer ist die Bergmesse mehr als kirchliche Pflichtübung: Die Kombination aus Aufstieg, Weite und Gottesdienst wird als besondere Form der „geistlichen Sommerfrische“ erlebt – ein Innehalten fernab des Alltags, das Naturerlebnis und Glauben unmittelbar zusammenführt.

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