
Gmoa-Arbeit
von Clemens Gull
In bäuerlichen oder alpinen Dorfgemeinschaften war es über Jahrhunderte selbstverständlich, dass man bestimmte Aufgaben nicht alleine erledigte – und auch nicht erledigen konnte. Wege ausbessern, Gräben ziehen, Brücken reparieren, Waldränder pflegen oder Gemeindegüter instand halten: Das waren Arbeiten, die alle betrafen und deshalb auch alle angingen.
An bestimmten Tagen im Jahr rückte das ganze Dorf gemeinsam aus. Jeder Hof stellte Arbeitskräfte, oft auch Zugtiere oder Werkzeug. Wer ohne triftigen Grund fehlte, fiel auf – und das war in einer kleinen Gemeinschaft keine Kleinigkeit.
Bezahlt wurde bei der Gmoa-Arbeit in der Regel nicht mit Geld. Der „Lohn“ war ein anderer: das gemeinsame Mittagessen, das Gefühl der Zugehörigkeit, das gegenseitige Vertrauen – und nicht zuletzt die stille Gewissheit, dass man im nächsten Jahr selbst auf die Hilfe der anderen zählen konnte.
In manchen Gegenden soll nach getaner Arbeit auch kräftig gefeiert worden sein – mit Brot, Speck und einem Krug Bier oder Most. Wir glauben das ist keine Legende.
Bedeutung heute
Die organisierte Pflicht zur Gmoa-Arbeit ist in den meisten Gemeinden längst weggefallen – Kommunen haben heute Bauhöfe, Forstbetriebe und bezahlte Mitarbeiter. Trotzdem lebt der Gedanke weiter: in freiwilligen Arbeitseinsätzen, Feuerwehr-Arbeitstagen, Almgemeinschaften oder Vereinen, die gemeinsam Wegkreuze renovieren oder Feldraine pflegen.
Das Prinzip ist uralt und gleichzeitig erstaunlich aktuell: Manches funktioniert eben nur, wenn alle mitanpacken.