Salzburger Schiachpercht'n und Krampusse

Pass

von Clemens Gull

Wer im Advent von einer „Perchten-Pass“ oder „Krampus-Pass“ hört, denkt zunächst nicht an Dokumente, sondern an eine organisierte Gruppe von Maskenträgern, die gemeinsam auftritt. Der Begriff „Pass“ (auch „Passe“) bezeichnet im alpenländischen Brauchtum genau das: den fest gefügten Verein oder die informelle Gruppe, die als Einheit zu Krampus- und Perchtenläufen ausrückt – mit eigenen Regeln, eigener Kleidung und oft über Generationen weitergegebenen Masken.

In Salzburg, dem Kernland dieses Brauchs, hat sich die Struktur der Passen im 20. Jahrhundert stark professionalisiert. Standen um die Jahrtausendwende noch rund 160 Gruppen im Land, sind es inzwischen schätzungsweise 500 – ein Zeichen dafür, wie lebendig das Brauchtum geblieben ist. Zu den bekanntesten zählt die 1966 gegründete „Alt Gnigler Krampus Perchten Pass“, die aus einer Initiative des Salzburger Tapeziermeisters Hans Brugger hervorging und bis heute Männer und Frauen aus drei Generationen vereint. Eine andere bekannte Pass sind die „Salzburger Schiachpercht’n und Krampusse“ welche beispielsweise den Krampuslauf (5. Dezember) und den Perchtenlauf (21. Dezember) am Salzburger Christkindlmarkt organisieren.

Eine Pass finanziert sich meist selbst: Jedes Mitglied schafft seine Maske und sein Fell auf eigene Kosten an, was die geschnitzten Larven zu echten Erbstücken macht, die oft über Jahrzehnte in Familien weitergegeben werden. Damit die Läufe sicher ablaufen, stehen viele Passen in enger Abstimmung mit den Gemeinden und der Exekutive – feste Routen, Ordner und Verhaltensregeln gehören heute ebenso zum Brauch wie die Maske selbst.

Regional unterscheiden sich Passen deutlich: Während die Salzburger Gruppen für aufwendig geschnitzte Holzmasken und echte Fellkostüme bekannt sind, kamen etwa niederösterreichische Perchtengruppen in den 1970er-Jahren noch mit deutlich einfacheren Mitteln aus – Papiermasken und alte schwarze Mäntel genügten dort, um die Figuren des Passens zum Leben zu erwecken.

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Clemens Gull