Pfaffenkapperl, Euonymus Europaeus

Pfaffenkapperl

von Clemens Gull

„Pfaffenkaperl“ ist ein österreichisch-bairischer Volksname für den Gewöhnlichen Spindelstrauch, botanisch Euonymus europaeus L. Die Pflanze gehört zur Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae) und ist unter einer ganzen Reihe von regionalen Volksnamen bekannt: Pfaffenhütchen, Pfaffenkäppchen, Pfaffenkapperl, Pfarrerkapperl, Spillbaum und Spindelbaum sind nur einige davon.

Der Name erklärt sich aus dem Aussehen der Früchte. Die rosafarbenen bis karminroten Kapseln erinnern an das Birett, die traditionelle Kopfbedeckung katholischer Geistlicher, was den volkstümlichen Namen „Pfaffenhütchen“ bzw. im österreichischen Dialekt „Pfaffenkaperl“ erklärt.

Der Strauch kann bis zu sechs Meter hoch werden. Seine Blüten sind unscheinbar weißlich bis grünlich und erscheinen im Mai und Juni. Die Samen entwickeln sich in vierlappigen Kapseln, die bei Reife aufspringen und die Samen an feinen Fäden heraushängen lassen.

Zur Giftigkeit: Alle Pflanzenteile, besonders die Samen, enthalten herzwirksame Glykoside und Alkaloide, die für den Menschen gefährlich sind. Nach dem Verzehr kann es zu Erbrechen, Kreislaufstörungen, Fieber und Koliken kommen, wobei die Giftwirkung erst nach mindestens zwölf Stunden einsetzt. In Extremfällen können bereits 30 bis 40 Samen tödlich sein. Botanischer Garten Linz

Volksmedizinisch war die Pflanze dennoch in Gebrauch: Überliefert sind Anwendungen als harntreibendes, herzstärkendes und wundheilendes Mittel gegen Kopfschmerzen, Herzschwäche und als Abführmittel. Außerdem wurde das Pulver der Samen früher als Mittel gegen Krätzemilben und Läuse eingesetzt. GartentippsBotanikus

Regionaler Bezug: Im bayerischen Raum ist die Pflanzung an Bildstöcken verbreitet, was sich wohl auf den geistlichen Klang des Namens zurückführen lässt. Im überlieferten Volksglauben spielt das Pfaffenkaperl ansonsten eine eher untergeordnete Rolle.