
Suppenbrunzer, Heiligen-Geist-Taube
von Clemens Gull
In vielen Stuben repräsentiert eine hölzerne, kunstvoll geschnitzte Taube den heiligen Geist. Diese Figur wird meistens direkt über dem Esstisch aufgehängt.
Früher wurde an diesem Tisch gemeinsam gegessen, wobei die bäuerliche Familie mit dem Gesinde rund um einen Suppentopf saß, der mitten auf dem Tisch stand. Und hier kommt die Physik ins Spiel. Die heiße Suppe dampfte, der Dampf stieg auf und kondensierte an der Taube, der Heiligen-Geist-Figur da diese kalt war. In der Folge tropfte es von der Taube wieder in den Suppentopf.
Gefertigt werden die Tauben traditionell aus Zirbenholz – im Lungau etwa fertigt eine Familie in Zederhaus die Figuren seit vier Generationen in reiner Frauenhand, Mutter und Tochter schnitzen sie mit einfachem Werkzeug, teils nur mit dem Küchenmesser. An einem Stück arbeiten sie sieben bis acht Stunden, das Holz wird zuvor gekocht, um es geschmeidig zu machen, die Flügelstruktur folgt dabei dem Vorbild eines Pfaus. In guten Jahren entstehen so 300 bis 400 Tauben, vermarktet unter anderem über das Salzburger Heimatwerk. Neben dem Aufhängen über dem Esstisch dienen die geschnitzten Tauben bis heute auch als Geschenk zu Taufe, Firmung oder Hochzeit.
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Clemens Gull






