Advent ist im Alpenvorland eine ruhige, erwartungsvolle Zeit. Die Tage werden kürzer, der Alltag tritt ein wenig zurück, und in vielen Häusern kehrt bewusst mehr Stille ein. Es geht weniger um große Gesten, sondern um das langsame Einstimmen auf Weihnachten – Schritt für Schritt, Woche für Woche.
Typisch ist der Adventkranz mit seinen vier Kerzen. An jedem Sonntag wird eine weitere entzündet, oft begleitet von einem kurzen Innehalten, einem Lied oder einem einfachen Gebet. Der Kranz steht meist im Mittelpunkt der Stube und erinnert daran, dass Zeit vergeht, aber auch etwas näherkommt. Ebenso verbreitet sind Adventkalender, heute oft schlicht, früher manchmal selbst gemacht – als tägliches kleines Zeichen der Vorfreude.
Im Alpenvorland gehören auch Haus- und Hofbräuche zum Advent: Fenster werden mit Tannenzweigen geschmückt, Laternen oder Kerzen leuchten am Abend. Dazu kommen Rorate-Messen im Kerzenschein, früh am Morgen, still und schlicht, oft verbunden mit einem gemeinsamen Beisammensein danach.
Der Advent ist hier keine laute Zeit. Er lebt vom Warten, vom bewussten Langsamerwerden und von kleinen Ritualen, die Wärme geben – gerade dann, wenn draußen Kälte und Dunkelheit herrschen.
Weihnachten
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Weihnachten im Alpenvorland zeigt sich vor allem an den Feiertagen selbst. Nach dem ruhigen Heiligen Abend beginnt der Christtag mit wenig Trubel. Man besucht die Kirche, isst gemeinsam und bleibt meist zu Hause. Es ist ein Tag ohne Programm, an dem Zeit einfach vergeht. Viele Familien lassen die Krippe noch unverändert stehen, Kerzen werden angezündet, und Gespräche haben Platz.
Der Stefanitag gehört traditionell dem Unterwegssein. Man besucht Verwandte oder Nachbarn, in manchen Regionen werden Pferde gesegnet oder Winterspaziergänge gemacht. Der Tag wirkt offener, fast alltäglich, aber mit festlichem Rahmen. Reste vom Vortag kommen auf den Tisch, nichts wird überladen.
Mit den Feiertagen beginnen auch die Raunächte. Das Räuchern von Haus und Stall ist vielerorts noch bekannt. Es geht weniger um Mystik als um Ordnung und Schutz – Altes verabschieden, das Neue vorbereiten. Weihnachten endet hier nicht abrupt, sondern klingt langsam aus, eingebettet in Rituale, die den Winter strukturieren.
Krampus
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Der Krampus gehört zum winterlichen Brauchtum im Alpenvorland wie kalte Nächte, Rauch und Glockenklang. Er tritt rund um den Krampustag am 5. Dezember auf und begleitet den Nikolaus – als Gegenfigur, die mahnt und Ordnung schafft. Sein Aussehen ist bewusst roh: schwere Holzmasken mit Hörnern, Fell, Ketten und große Glocken. Das wirkt archaisch und ist genau so gemeint.
Im Kern geht es um mehr als Schreck. Der Krampus steht für das Dunkle des Winters, für das Ungezähmte, das sichtbar werden darf, bevor mit Nikolaus und Weihnachten wieder Ordnung, Licht und Ruhe einkehren. Als gelebtes Brauchtum verbindet er Generationen, verlangt Verantwortung und lebt vom gemeinsamen Tun.