Stern, Sternsingen

Drei-Königs-Tag

von Clemens Gull

Der 6. Januar ist im christlichen Festkalender das Hochfest der Erscheinung des Herrn – lateinisch: Epiphania Domini. An diesem Tag feiern Christen den Besuch der „Weisen aus dem Morgenland“ beim Jesuskind in Bethlehem.

Die Bibel selbst spricht in der Erzählung des Matthäusevangeliums übrigens nicht von Königen und nennt auch keine genaue Zahl. Dass es drei waren und dass sie Könige gewesen sein sollen, ist eine Tradition, die sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet hat – wahrscheinlich, weil drei Geschenke erwähnt werden: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar tauchen erst in Schriften des frühen Mittelalters auf.

Das Fest hat sehr alte Wurzeln. In der östlichen Christenheit war die Epiphanie lange sogar wichtiger als Weihnachten – sie galt als der eigentliche Tag der Offenbarung Gottes in der Welt.

Im Mittelalter entwickelte sich aus dem Fest eine lebendige Volksfrömmigkeit. In vielen Regionen Europas entstanden Prozessionen, Spiele und Umzüge, bei denen die drei Könige dargestellt wurden. Aus diesen mittelalterlichen Festspielen entwickelte sich im deutschsprachigen Raum das Sternsingen, das heute noch lebendig ist.

In Bayern und Österreich ist der 6. Januar bis heute ein gesetzlicher Feiertag, in vielen anderen deutschen Bundesländern nicht.

In Österreich und Bayern ist das Sternsingen besonders tief verwurzelt. Die österreichische Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar ist eine der größten Spendenaktionen des Landes – jedes Jahr ziehen hunderttausende Kinder durch die Straßen und sammeln Millionenbeträge für Projekte in Entwicklungsländern.

In manchen ländlichen Gegenden des Voralpenlands und Salzburger Lands ist es Brauch, nicht nur die Kreide an die Tür zu schreiben, sondern auch Weihrauch durch die Stuben zu schwenken, um böse Geister zu vertreiben, eine Mischung aus christlichem Ritus und älterem Volksglauben.

In Südtirol und Teilen Tirols gibt es zusätzlich den Brauch des Anklöpfelns in der Vorweihnachtszeit, der thematisch verwandt ist, auch hier ziehen Gruppen singend von Hof zu Hof.

Der Dreikönigstag als Ende der Weihnachtszeit

Traditionell endet mit dem 6. Januar die Weihnachtszeit im liturgischen Sinn. Der Christbaum kommt weg, die Krippe wird abgebaut, die Feiertage sind offiziell vorbei. Das gibt dem Tag auch eine besondere emotionale Qualität: Es ist ein Abschluss. Ein letztes Aufleuchten, bevor der Alltag zurückkehrt.

Bedeutung heute

Der Dreikönigstag hat sich in den letzten Jahrzehnten bemerkenswert gut gehalten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er durch die Sternsingeraktion eine soziale Dimension bekommen hat, die weit über das Religiöse hinausgeht. Auch Familien, die sonst wenig Kirchenbezug haben, öffnen gerne die Tür, wenn die Kinder stehen. Das Kreidezeichen über der Tür ist für viele ein bodenständiges Ritual des Neuanfangs – eine kleine Geste, die sagt: Möge in diesem Haus etwas Gutes wohnen.