Anklöpfeln
Heischebräuche | Adventbräuche

Anklöpfeln

von Clemens Gull

Das Anklöpfeln ist ein Brauch, bei dem eine Gruppe von meist männlichen Sängern an den drei Donnerstagen vor Weihnachten, den sogenannten Klöpflnächten, den Häusern der Nachbarschaft einen Besuch abstattet. Als Hirten verkleidet, werden sie ins Haus gebeten und stimmen Lieder an, die die Geburt Jesu verkünden. Häufig werden sie auch von Musikerinnen und Musikern begleitet. Der Name leitet sich schlicht vom Anklopfen ab, dem Klopfen an fremde Türen, das im Mittelpunkt des Brauchs steht.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Die Wurzeln des Anklöpfelns reichen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück, darauf deuten zumindest Überlieferungen hin. Nachdem das Christentum Einzug gehalten hatte, wurden ältere Bräuche beibehalten, aber mit neuem Sinn gefüllt. Den Hintergrund bildete dabei die Vorstellung der Herbergssuche von Maria und Josef: Die Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums schildert nur knapp, dass kein Platz in der Herberge war. Die christliche Tradition hat daraus ein dramatisches Bild gewoben. Maria und Josef sollen an mehreren Türen geklopft und bittere Abweisung erfahren haben, bevor ein mitfühlender Wirt ihnen den Stall anbot.

Wer anklopfet, dem wird aufgetan.

Lukas 11,9

Entsprechend dem Bibelzitat entwickelte sich das Anklöpfeln ab dem Mittelalter zur kirchlichen Tradition. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen gehen auf das 15. Jahrhundert zurück.

Warum ausgerechnet Donnerstage? Man nimmt an, dass diese Tage dem germanischen Donnergott Donar oder Thor gewidmet waren, der auf diese Weise milde gestimmt werden sollte.

Belege für das Anklöpfeln in Salzburg gehen bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück. Aus Quellen ist bekannt, dass das Rechnungsbuch des Stiftes Berchtesgaden im Jahr 1605 Geldgeschenke für Kinder „für die drey khlöppel nächt“ verzeichnet. Nicht immer verlief der Brauch friedlich: Immer wieder uferte das Klöpfeln zu Radau der Jugendlichen aus und wurde deshalb zeitweise verboten. 1611/12 wurden dem Amtmann von Reichenhall wegen seiner Strenge von den Klöpflern in den Klöpflnächten wiederholt die Fenster eingeschlagen.

Ablauf und typische Elemente

Heute stehen im Allgemeinen vier Elemente beim Anklöpfeln im Vordergrund: das Segen- und Glückwünschen für den Jahreswechsel und eine erfolgreiche Ernte, das Heischen und die Übermittlung kleiner Gaben an die Klöpfler sowie die Bewirtung der Gruppe. Als Hirten gekleidet, in Loden, mit Hut, Stock und Laterne, treten die Anklöpfler in die Stuben ein. Wenn sie das traditionelle Wer klopfet an anstimmen, ist es, als würden die Uhren zurückgedreht.

Bedeutung heute

Das Anklöpfeln wurde von der Österreichischen UNESCO-Kommission in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Genauer: Die Aufnahme erfolgte im Jahr 2011. Im Laufe der Zeit hat sich die Ausübung in vielfacher Hinsicht gewandelt: Aufgrund der geänderten Lebens- und Arbeitssituation findet das Anklöpfeln heute nicht mehr ausschließlich an den drei Donnerstagen statt, sondern auch an anderen Abenden. Zu den klassischen Hausbesuchen sind Auftritte bei Feiern und Veranstaltungen hinzugekommen. Auch neuere Lieder finden Eingang ins Repertoire.

Der Kern aber bleibt: Türen öffnen, Gemeinschaft pflegen, die Botschaft weitertragen. Das ist kein musealer Brauch – das ist lebendige Nachbarschaft.

Liedtext

„Wer klopfet an?“
„O zwei gar arme Leut!“
„Was wollt ihr dann?“
„O gebt uns Herberg heut!
O, durch Gottes Lieb‘ wir bitten,
öffnet uns doch eure Hütten!“
„O nein, nein, nein!“
„O lasset uns doch ein!“
„Es kann nicht sein.“
„Wir wollen dankbar sein!“
„Nein, nein, nein, es kann nicht sein,
Da geht nur fort, ihr kommt nicht ‚rein“

„Wer vor der Tür?“
„Ein Weib mit ihrem Mann.“
„Was wollt ihr denn?“
„Hört unser Bitten an!
Lasset heut bei euch uns wohnen,
Gott wird euch schon alles lohnen!“
„Was zahlt ihr mir?“
„Kein Geld besitzen wir!“
„Dann geht von hier!“
„O öffnet uns die Tür!“
„Ei, macht mir kein Ungestüm,
Da packt euch, geht woanders hin!“

„Was weinet ihr?“
„Vor Kält erstarren wir.“
„Wer kann dafür?“
„O gebt uns doch Quartier!
überall sind wir verstoßen,
Jedes Tor ist uns verschlossen!“
„So bleibt halt drauß!“
„O öffnet uns das Haus!“
„Da wird nichts draus.“
„Zeigt uns ein andres Haus.“
„Dort geht hin zur nächsten Tür!
Ich hab nicht Platz, geht nur von hier!“

„Da geht nur fort!“
„O Freund, wohin? Wo aus?“
„Ein Viehstall dort!“
„Geh, Joseph, nur hinaus!
O mein Kind, nach Gottes Willen
musst du schon die Armut fühlen.“
„Jetzt packt euch fort!“
„O, dies sind harte Wort‘!“
„Zum Viehstall dort!“
„O, wohl ein schlechter Ort!“
„Ei, der Ort ist gut für euch,
ihr braucht nicht viel. Da geht nur gleich!“