Goldhauben bei einem Erntedankfest in Salzburg

Goldhaube

von Clemens Gull

Wer eine Fronleichnamsprozession in Oberösterreich erlebt, dem fällt sie sofort auf: eine Gruppe Frauen in festlicher Tracht, auf dem Kopf eine goldglänzende, kunstvoll bestickte Haube, die im Sonnenlicht fast zu leuchten scheint. Das ist die Goldhaube, die wohl bekannteste Festtagskopfbedeckung des österreichischen Trachtenwesens.

Der Begriff „Goldhaube“ ist eigentlich ein Oberbegriff, der verschiedene regionale Haubenformen aus dem süddeutschen Raum und Österreich zusammenfasst. Typisch für alle Varianten sind goldene und seidene eingewebte Fäden, aufwändige Paillettenstickerei, sogenannter Lahn sowie Flitter. Die bekannteste und verbreitetste Form ist dabei die Linzer Goldhaube, die heute als das Sinnbild der oberösterreichischen Festtracht gilt.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Ihren Ursprung hat die Goldhaube im 17. Jahrhundert. Damals entwickelte sie sich aus der einfachen Leinenhaube weiter und breitete sich im gesamten süddeutschen Raum sowie in Österreich, Südtirol und dem damals deutschsprachigen Südböhmen aus.

Die ersten Goldhauben tauchten in Oberösterreich nach der Aufhebung der ständischen Kleiderordnung unter Maria Theresia auf, also ungefähr ab 1770. Sie war von Beginn an kein Alltagsgegenstand für alle: Die Anschaffungskosten einer solchen Haube entsprachen damals in etwa dem Preis eines Pferdes, weshalb sie naturgemäß nicht jeder Frau zugänglich war.

Die schriftliche Ersterwähnung der Linzer Goldhaube findet sich bei Ignaz de Luca im Jahr 1782. Ihren Namen verdankt sie nicht unbedingt der Stadt Linz als Entstehungsort, sondern ihr eigentlicher Ursprung liegt im Krems-, Steyr- und Almtal. Die bekanntesten frühen Trägerinnen waren die Frauen der sogenannten Sensengewerken, also des industriellen Bürgertums an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.

Bei der Weiterentwicklung der Linzer Goldhaube spielten auch antikisierende Einflüsse der napoleonischen Epoche, der sogenannte Empirestil, eine wichtige Rolle.

Im 19. Jahrhundert geriet die Goldhaube dann zunehmend in Vergessenheit, als das Tragen von Tracht allgemein zurückging. Erst durch die Trachtenerneuerungsbewegung wurde sie wieder zur gern und mit Stolz getragenen Kopfbedeckung.

Wie entsteht eine Goldhaube?

Die Herstellung einer Goldhaube ist alles andere als ein schnelles Hobbyprojekt. Auf einem rund 16 mal 116 Zentimeter langen Goldstoffband werden vergoldete Kupferplättchen, Flitter, Folien und Goldperlen gestickt. Das fertige Band wird dann über einem Drahtgestell befestigt, das das Grundgerüst der Haube bildet.

Wer sich eine vollbestickte Haube vorgenommen hat, muss mit etwa 400 Arbeitsstunden rechnen. Bei aufwändigerer Musterung können es auch gut und gerne 700 Stunden werden. Die Materialkosten liegen dabei zwischen 700 und 900 Euro, der ideelle Wert übersteigt diese Summe bei weitem.

Für die Herstellung braucht es das nötige Wissen um alte Handwerkstechniken, das von Goldhaubengruppen in Zusammenarbeit mit Trachtenschneidereien erhalten und weitergegeben wird. Stickarbeit als Gemeinschaftsprojekt also, von Frau zu Frau, von Generation zu Generation.

Regionale Varianten

Die Goldhaube ist kein ausschließlich oberösterreichisches Phänomen, auch wenn Oberösterreich ihr Kernland ist. Regionale Varianten finden sich unter anderem als Münchner Riegelhaube, Reginahaube und Radhaube in Schwaben, als Kranl und Nürnberger Flinderhaube sowie als Wachauer Brettlhaube in Niederösterreich.

Die Linzer Goldhaube verbreitete sich vom Linzer Raum ausgehend bis nach Passau, ins niederösterreichische Mostviertel, ins steirische Ennstal, den salzburgischen Flachgau und sogar bis in den bayerischen Rupertiwinkel.

Neben der klassischen Goldhaube ist auch die schwarze Perlhaube verbreitet. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum ist die dunkle Perlhaube keine Witwenhaube, sondern wurde populär, weil sie aus günstigerem Material hergestellt wird und leichter zu tragen ist.

Bedeutung heute

Repräsentierte die Goldhaube früher vor allem Reichtum und sozialen Status, steht sie heute für Gemeinschaft und soziales Engagement. Dieser Wandel ist bemerkenswert: Was einst ein Privileg wohlhabender Bürgerfrauen war, ist heute eine breit getragene Trachtenform ohne Standesschranken.

Ab den 1970er Jahren erhielt das Tragen alter Festtagstrachten eine neue Bedeutung. Soziale Unterschiede lösten sich auf, und die gesellige Gemeinschaft wurde zum sinnstiftenden Motiv. Stickkurse entstanden, Ortsgruppen wurden gegründet, und das Wissen um die Herstellungstechnik lebte neu auf.

Allein in Oberösterreich gibt es heute rund 17.300 Goldhaubenfrauen, organisiert in 423 Ortsgruppen, darunter etwa 2.000 Kinder und Mädchen. Fixpunkte im Goldhaubenjahr sind vor allem Fronleichnamsprozessionen, Erntedankfeste, Maiandachten und die Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt am 15. August.

2016 wurde die Tradition der Herstellung und Verwendung der Linzer Goldhaube in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Eine Anerkennung, die zeigt, wie lebendig dieses Handwerk trotz seiner jahrhundertelangen Geschichte geblieben ist.