Kreuz, Marterl

Kreuzerhöhung

von Clemens Gull

Der Begriff klingt zunächst etwas sperrig. Gemeint ist das feierliche Zeigen, das Hochhalten und Verehren des Kreuzes Christi. Das lateinische Wort exaltatio bedeutet sowohl Erhebung als auch Zeigen und meint genau das: Das Kreuz wird den Gläubigen buchstäblich vor Augen geführt, hinaufgehoben, damit alle es sehen und verehren können.

Ab dem 6. Jahrhundert wurde dieses Fest als Erhöhung bezeichnet, mit der doppelten Bedeutung von Erhebung und Zeigen des Kreuzes, ein Begriff, der die theologische Absicht des Johannesevangeliums gut wiedergibt.

Herkunft

Die Geschichte hinter dem Fest ist erstaunlich vielschichtig. Sie beginnt im 4. Jahrhundert in Jerusalem. Am 14. September 335 wurde in Jerusalem die Grabeskirche geweiht, errichtet im Auftrag von Kaiser Konstantin. Einen Tag nach der Weihe soll das Kreuz den Gläubigen erstmals hocherhoben gezeigt worden sein.

Das Fest erinnert an die Auffindung des Kreuzes Jesu, die Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin, zugeschrieben wird. Im Laufe der Zeit rückte jedoch der Ritus, dass das Kreuz an diesem Tag den Gläubigen zur Verehrung gezeigt wird, gegenüber der Erinnerung an seine Auffindung in den Vordergrund.

Dazu kommt noch eine zweite, dramatische Erzählung: Nachdem Perser das Kreuz aus Jerusalem geraubt hatten, besiegte Kaiser Heraklius von Byzanz die Perser im Jahr 627 und brachte das zurückgewonnene Kreuz nach Jerusalem zurück. Das Kreuz wurde in einem erneuerten Bau aufgestellt.

Im Jahr 629 wurde das Fest schließlich auf den 14. September festgesetzt, seitdem ist es oft mit der Verehrung von Kreuzreliquien verbunden.

Bis 1960 gab es im katholischen Kirchenjahr übrigens noch ein eigenes Fest der Kreuzauffindung am 3. Mai. Heute ist beides in das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September integriert.

Ablauf

Da das Fest Kreuzerhöhung in der liturgischen Ordnung des Kirchenjahres den höheren Rang eines Herrenfestes hat, verdrängt es in Jahren, in denen es auf einen Sonntag fällt, den Sonntag im Jahreskreis. Das ist liturgisch gesehen eine Besonderheit, die der Kreuzerhöhung mehr Gewicht verleiht als viele andere Heiligenfeste.
Am Fest ist es üblich, dass Gläubige das Kreuz besonders verehren und Kruzifixe oder Kreuzanhänger segnen lassen.

In der orthodoxen Kirche gibt es einen eigenen, eindrucksvollen Ritus: Der Priester neigt an diesem Tag ein großes Kreuz langsam in die vier Himmelsrichtungen, womit das Kreuz geehrt und zugleich das Volk gesegnet wird.

Regionale Bedeutung

Im bäuerlichen Leben des Alpenraums und in Bayern hatte der 14. September eine sehr praktische Bedeutung. Er markierte das Ende der Wettersegensaison.

Vom Tag der Kreuzauffindung am 3. Mai bis zum Tag der Kreuzerhöhung am 14. September wurde täglich der Wettersegen am Ende der heiligen Messe erteilt. Die Kirche bat damit gemeinsam mit den Gläubigen um gutes, förderliches Wetter für die Ernte und um Verschonung vor Katastrophen, Hagel und Unwettern. Die Verbindung eines solchen Wettersegens mit der Messfeier ist bereits im 12. Jahrhundert belegt.

Der Zeitraum variiert nach örtlichen Gegebenheiten, traditionell aber zwischen dem früheren Festtermin der Kreuzauffindung am 3. Mai und dem Fest der Kreuzerhöhung am 14. September. Regional ist es üblich, den Wettersegen auch bereits ab dem Fest des heiligen Markus am 25. April zu erteilen.

Für die Bauern war das kein Formalakt. In einer Zeit, in der eine einzige Hagelwoche eine ganze Ernte vernichten konnte, war der Segen gegen Unwetter existenziell.

Zur Kreuzerhöhung gehört auch eine bekannte Bauernregel:

Ist’s hell am Kreuzerhöhungstag,
folgt ein strenger Winter nach.

Wallfahrten und lokale Bräuche

Im nordburgenländischen Baumgarten ist der Tag der Kreuzerhöhung Termin für eine Wallfahrt der umliegenden Pfarren zum sogenannten Öden Kloster, der Klosterkirche zum Heiligen Kreuz. Eucharistiefeiern werden dort sowohl in deutscher als auch in kroatischer Sprache gefeiert. Die Pfarre nennt den Tag auch Klosterkirtag, am weiträumigen Platz vor dem Kloster wird ein Markt abgehalten.

Bedeutung heute

Das Fest der Kreuzerhöhung ist kein volkskundliches Schauspiel und kein Brauchtumsspektakel, sondern ein stilles Kirchenfest. Wer es kennt, erlebt es meistens in der Pfarrkirche oder einer Wallfahrtskapelle, beim Segnen von Kreuzanhängern oder beim Nachdenken darüber, was das Kreuz als Symbol heute noch bedeutet.

Seinen brauchtumlichen Widerhall findet es vor allem durch den Wettersegen, der in manchen Pfarreien noch immer regelmäßig gespendet wird, sowie durch die Bauernregel, die den Septembertag als Wetterscheide im Jahreskreis verankert hat.