Lederhose
Sonstige Bräuche

Lederhosendonnerstag

von Clemens Gull

Manche Bräuche reichen Jahrhunderte zurück, andere sind noch keine fünfzehn Jahre alt und trotzdem schon fest im Alltag verankert. Der Lederhosendonnerstag gehört zur zweiten Sorte: Er ist jung, er ist unkompliziert, und er zeigt, wie sich Tracht auch außerhalb von Kirchgang und Festtag behaupten kann.

Eine Schnapsidee, die sich hielt

Entstanden ist der Lederhosendonnerstag im August 2013, als die beiden Salzburger Christian Eibl und Georg Klampfer beschlossen, ihre Lederhosen nicht nur zu besonderen Anlässen wie dem Rupertikirtag aus dem Schrank zu holen, sondern mindestens einmal wöchentlich zu tragen. Als Tag fiel die Wahl auf den Donnerstag – unabhängig davon, wo man sich gerade befand oder was das Wetter dazu sagte. Erste Fotos auf Instagram, eine eigene Facebook-Gruppe mit dem programmatischen Motto „eine im Entstehen begriffene Tradition, an der man donnerstags Lederhosen trägt" – mehr brauchte es nicht, um daraus mehr als eine private Marotte zu machen.

Vom Freundeskreis zum stadtbekannten Ritual

Aus der kleinen Idee wurde rasch eine Bewegung mit mehreren tausend Followern. Was als Spaß unter Freunden begann, trifft heute in Salzburg auf handfeste Strukturen: Monatliche „Feierabendbier"-Treffen in Tracht ziehen inzwischen hunderte Teilnehmer an, vor allem in den wärmeren Monaten. Manche Firmen erinnern ihre Belegschaft am Mittwoch per Mail daran, dass am Folgetag Tracht angesagt ist – der Lederhosendonnerstag hat also längst den Sprung vom privaten Vergnügen ins Berufsleben geschafft. Getragen wird er unabhängig vom Ort: In Salzburg selbst ebenso wie in Wien, München, New York oder Südafrika, wo Salzburger die Idee mitgenommen haben.

Die Salzburger Lederhose als Erkennungszeichen

Wer donnerstags in Salzburg genau hinschaut, erkennt regionale Details: hellblaue Strümpfe, die sogenannten Stutzen, sowie der charakteristische runde Sitzflicken auf der Rückseite, der „Salzburger Teller" genannt wird. Die Kombination lässt sich festlich tragen, aber ebenso leger mit T-Shirt und Turnschuhen – für die Initiatoren kein Widerspruch, solange es sich um echtes Handwerk handelt und nicht um Faschings-Lederhosen aus dem Discounter. Kitschige Wiesn-Optik ohne Bezug zur Herkunft lehnen sie ausdrücklich ab, kombinierbar mit anderen Kleidungsstilen ist die Tracht für sie trotzdem.

Ein neuer Brauch neben dem alten

Der Lederhosendonnerstag versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zu etablierten Anlässen wie dem Dirndlgwandlsonntag, bei dem die Tracht zum sonntäglichen Kirchgang angezogen wird, sondern als dessen Ergänzung im Alltag: Wo der Dirndlgwandlsonntag Tracht an einem bestimmten Tag im Jahr sichtbar macht, holt der Lederhosendonnerstag sie wöchentlich ins Büro, ins Wirtshaus und auf die Straße. Dass sogar Karl Lagerfeld eine Chanel-Kollektion einmal im Rahmen einer Lederhosendonnerstag-Veranstaltung in Salzburg präsentierte, zeigt, wie weit sich die ursprünglich private Idee inzwischen herumgesprochen hat. Für die Gründer bleibt die Botschaft dabei einfach: Tracht soll kein Museumsstück sein, sondern gelebter Alltag – ähnlich selbstverständlich, wie andere Länder ihre nationalen Symbole tragen.

Bildrechte
Advent

Foto von Unsplash+

Lederhose

Foto von Unsplash+