
Nagei
von Clemens Gull
Wer im Alpenraum, besonders im Salzburger Land, von einem Nagei spricht, meint schlicht eine Nelke. Das Wort ist eine dialektale Verkleinerungsform, die im bairisch-österreichischen Sprachraum gebräuchlich ist. Neben Nagei trifft man auch auf Nägele oder Nägeli, je nach Region und Mundart.
Innergebirg, also im Pinzgau oder Pongau, wird oft auch eine spezielle Form des Enzians so bezeichnet.
Woher kommt der Name?
Die umgangssprachliche Bezeichnung Nagei für duftende Nelken geht wahrscheinlich auf den ähnlichen Duft der Gewürznelke zurück, die wegen ihrer nagelförmigen Form so benannt wurde. Aber auch die Nelke selbst liefert eine visuelle Erklärung: Ausgezupfte Blütenblätter, Knospen- und Samenkapselform erinnern an die Form eines spitzigen Nagels. Der Botaniker Leonhart Fuchs bezeichnete die Gartennelke bereits als Negelin oder Negelblum. Das Wort hat also eine nachvollziehbare Wurzel im Aussehen und Duft der Pflanze, ist keine bloße Laune des Dialekts.
Die Nelke als Hutschmuck
Im Alpenraum hat der Hut als Teil der Männertracht traditionell eine eigene Sprache. Federn, Gamsbärte, Edelweiß oder eben frische Blumen am Hut sind kein purer Zierrat, sondern können Zugehörigkeit, Anlass oder sozialen Stand anzeigen. Das kleine Blumengesteck am Hut, ob aus Nelken, Alpenblumen oder anderem Grünzeug, nennt man allgemein auch Hutgesteck oder Buschen.
Beim Liachtbratlmontag auf der Rettenegghütte auf der Postalm ist der Brauch belegt, dass Gäste mit Hut ein solches Nagei als kleines Gesteck überreicht bekommen. Die genaue Entstehung dieses Brauchs speziell für diesen Anlass ist nicht volkskundlich dokumentiert, soweit mir bekannt. Es handelt sich vermutlich um einen lokal gewachsenen Festbrauch, der den besonderen Charakter des Tages unterstreichen soll.
Das Nagei ist also zunächst einmal ein ganz konkretes, bodenständiges Wort: Nelke auf Salzburgerisch. Dass ausgerechnet diese duftende, farbige Blume als Hutschmuck beim Liachtbratlmontag gereicht wird, passt gut in den Rahmen eines Feiertags, der das Ende der langen Sommertage markiert und den Übergang in die dunklere Jahreszeit festlich begeht.