Lichtbratlmontag
Sonstige Bräuche

Liachtbratlmontag

von Clemens Gull

Der Liachtbratlmontag fällt auf den ersten Montag nach dem Michaelistag, dem 29. September. An diesem Tag durften Handwerker in früheren Zeiten erstmals im Herbst wieder Kerzen oder Unschlittlampen in der Werkstatt anzünden, um bei der Arbeit genug Licht zu haben. Mit dem Ende des Sommers, wenn die Tage spürbar kürzer werden, war das Tageslicht einfach nicht mehr ausreichend. Das künstliche Licht musste her, und dieser Moment bekam seinen eigenen Feiertag.

Der dazugehörige Volksspruch bringt es kurz und bündig auf den Punkt:

Der Michel zündt’s Licht an.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

In den langen Sommertagen wurde möglichst im Freien oder ganz ohne Lichtquellen gearbeitet, schlicht um Geld zu sparen. Vom so Ersparten stiftete der Meister oder Betriebsherr seiner Belegschaft einen Braten, dazu gab es Bier oder Wein.

Was heute wie eine nette Geste klingt, war damals ein echtes Ereignis. Da das Essen von Fleisch zu früheren Zeiten nur an Sonn- und Feiertagen oder zu besonderen Anlässen üblich, finanzierbar oder im Feudalismus sogar erlaubt war, stach dieser Brauch deutlich aus dem Alltagseinerlei hervor. Kein Wunder also, dass er von den Gesellen gerne eingefordert und weitergegeben wurde.

Wann das Brauchtum genau begonnen hat, lässt sich nicht exakt bestimmen. Neben dem Begriff Liachtbratlmontag gibt es auch die Bezeichnungen distelblauer Montag, lichtblauer Montag oder schlicht Lichtbratelmontar nach Michaeli:

Der Michaelistag selbst hatte im bäuerlichen und handwerklichen Leben noch eine weitere Bedeutung: Er war neben anderen Terminen im Jahreskalender ein üblicher und teils vorgeschriebener Termin für die Kündigung und Neuaufnahme von Dienstverhältnissen, etwa von Knechten, Mägden und Dienstboten. Der Liachtbratlmontag markierte also nicht nur den Beginn der Lichtsaison, sondern fiel in eine Zeit des Übergangs und der Neuordnung.

Regionale Ausprägungen

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Brauch noch in größeren Teilen Österreichs bekannt, eine Publikation von 1928 erwähnt ihn sogar in einigen Bezirken Wiens, allerdings bereits damals auf dem Rückzug. Im 21. Jahrhundert hat er sich vor allem im oberösterreichischen Salzkammergut und im Land Salzburg erhalten.

Eine besondere Stellung nimmt heute Bad Ischl im Salzkammergut ein. In Bad Ischl hat sich aus dem alten Handwerksbrauch ein eigener Feiertag für Altersjubilare entwickelt: Die 50er, 60er, 70er, 80er, 90er und 100er werden in einem Festzug geehrt und ziehen durch die Ischler Innenstadt. Der Liachtbratlmontag in Bad Ischl wurde 2013 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Das unterstreicht, dass es sich nicht um bloße Folklore handelt, sondern um einen lebendigen Brauch mit echter gesellschaftlicher Funktion.

Im Salzburger Land wird der Brauch unter anderem auf der Rettenegghütte auf der Postalm zelebriert, traditionell am Michaelistag selbst, oder am darauffolgenden Montag wenn der 29. September kein Montag ist. Dort ist es außerdem Brauch, dass Gäste mit Hut ein Nagei, ein kleines Blumengesteck, erhalten.

Bedeutung heute

Was einmal die schlichte wirtschaftliche Notwendigkeit war, Lichtkosten im Sommer zu sparen, ist heute ein Anlass für Gemeinschaft und Erinnerung. Der Liachtbratlmontag erinnert daran, dass das Handwerk früher ganz unmittelbar mit den Jahreszeiten und dem natürlichen Licht lebte, und dass selbst kleine Einschnitte im Alltag feiernswert waren. In Bad Ischl hat der Brauch eine zweite, ganz eigene Bedeutungsschicht bekommen: die Ehrung des Alters und des gelebten Lebens.