Rosenkranz

Rosenkranz

von Clemens Gull

Der Rosenkranz gehört zu den bekanntesten Gebetsformen der katholischen Kirche: ein Gebet in festen Wiederholungen, gezählt an einer Kette aus 59 Perlen, bei dem die Betenden das Leben Jesu mit den Augen Marias betrachten. Namensgebend ist ein mittelalterliches Bild – der Brauch von Verliebten, sich Kränze aus Rosen zu schenken. Der Dominikaner Heinrich Suso übertrug diesen Gedanken auf die Marienverehrung: ein Kranz aus Ave-Maria-Gebeten, gewunden für die Gottesmutter.

Seine Wurzeln reichen freilich weiter zurück als der Name. Schon frühchristliche Wüstenväter und erste Mönchsgemeinschaften kannten ab dem 3. Jahrhundert die Praxis, einzelne Worte oder Sätze der Heiligen Schrift meditativ zu wiederholen. Im 11. Jahrhundert beteten Laienmönche das Vaterunser bis zu 150-mal, mit Hilfe einer Gebetskette gezählt – daraus entstand mit wachsender Marienverehrung der sogenannte Marienpsalter, bei dem das Ave Maria zunehmend an die Stelle des Vaterunsers trat.

Seine heutige Form erhielt der Rosenkranz erst nach und nach: Der Trierer Kartäuser Adolf von Essen führte im 15. Jahrhundert den Brauch ein, während der Ave-Maria-Wiederholungen über einzelne Stationen im Leben Jesu nachzudenken – ähnliche Betrachtungen sollen bereits Zisterzienserinnen gekannt haben. Um das Gebet für einfache Gläubige praktikabel zu halten, reduzierte man die Zahl dieser „Geheimnisse" schließlich auf 15. Papst Sixtus IV. empfahl 1479 das tägliche Rosenkranzgebet, Papst Pius V. legte 1569 den bis heute gültigen Text fest.

Die Legende, wonach der heilige Dominikus den Rosenkranz 1208 direkt von der Muttergottes als geistliche „Waffe" gegen die Irrlehre der Albigenser erhalten habe, gehört zu den bekanntesten Überlieferungen rund um das Gebet – historisch belegen lässt sich diese Entstehung allerdings nicht; die Forschung geht heute von der beschriebenen, allmählichen Entwicklung aus.

Bis heute ist der Rosenkranz tief in der Volksfrömmigkeit verwurzelt: als stille Andacht für sich allein, als gemeinschaftliches Beten in der Familie oder in der Kirche, und vielerorts als fester Bestandteil des Mai- oder Rosenkranzmonats Oktober. An manchen Orten hat sich zudem der Brauch erhalten, am Ende jedes Gebetsblocks zusätzlich das sogenannte Fatimagebet anzuhängen – offiziell nicht Teil des ursprünglichen Gebets, aber fest im Volksglauben verankert.

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