Maria Kirchental, Altar mit Votivtafeln

Votivtafel

von Clemens Gull

Eine Votivtafel ist ein kleinformatiges Dankbild, das Gläubige nach einem erhörten Gebet an einem Wallfahrtsort stiften – der lateinische Begriff ex voto bedeutet wörtlich „aufgrund eines Gelübdes". Gemalt auf Holz, Leinwand, Blech oder hinter Glas, folgt eine vollständige Votivtafel meist einem festen dreiteiligen Aufbau: Sie zeigt die Notsituation, aus der jemand errettet wurde, die betende Person selbst und das Gnadenbild, an das sich das Gebet gerichtet hatte. Zusammen ergeben diese drei Elemente eine kleine, oft anrührend direkte Bildgeschichte – von einem Sturz vom Heuboden über eine überstandene Krankheit bis zu Blitzschlag oder Kutschenunfall reicht das Spektrum der dargestellten Ereignisse.

Die Wurzeln dieses Brauchs reichen bis in die Antike zurück, seine heute bekannte Bildform entwickelte sich aber erst ab dem 15. Jahrhundert, vermutlich mit Ursprung in Italien. Ihre größte Blütezeit erlebte die Votivtafel im Barock, als an den großen Wallfahrtsorten des Alpenraums regelrechte Bildersammlungen entstanden – öffentlich sichtbare Zeugnisse dafür, dass Gebete erhört wurden, und zugleich stiller Trost für alle, die selbst noch auf ein Wunder hofften.

Im Salzburger Land besitzt kein Wallfahrtsort eine derart umfangreiche Sammlung wie die Wallfahrtskirche Maria Kirchental im Pillerseetal an der Grenze zu Tirol: Rund 1.200 Votivtafeln, größtenteils aus dem 17. und 18. Jahrhundert, machen sie zur bedeutendsten Votivtafel-Sammlung ganz Österreichs. Dank der Unterstützung der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung wurden die Tafeln restauriert und sind seit 2004 in einem eigenen Wallfahrtsmuseum in den Seitenräumen der Kirche zu besichtigen – ein Ort, an dem sich Jahrhunderte gelebter Volksfrömmigkeit auf engstem Raum versammeln.

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Advent

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Maria Kirchental, Altar mit Votivtafeln

2023, Clemens Gull,Maria Kirchtenal