Regnet’s an Antoniustag, wird’s Wetter später wie es mag.
Ähnlicher Brauch: Ostern
Osterstrauch
Die Osterzeit bringt nicht nur die Vorfreude auf das Fest der Auferstehung, sondern auch vielfältige Bräuche und Traditionen mit sich. Einer dieser Bräuche, der sich auch ohne direkten Bibelverweis fest in unseren Breiten etabliert hat, ist der Osterstrauch. Traditionsgemäß schneidet man am Gründonnerstag Zweige (Kirsche, Palmkätzen oder Forsythien) ab und stellt sie in einer Vase…
Die Vielfalt des Osterstrauches Der Osterstrauch, bestehend aus Zweigen von Palmkätzchen, Kirsche oder Forsythien, ist ein farbenfrohes Symbol der Osterzeit. Die Auswahl der Pflanzen variiert je nach regionalen Gegebenheiten und persönlichen Vorlieben. Palmkätzchen gelten als besonders beliebt, während Forsythien mit ihren goldgelben Blüten eine exotische Note verleihen.
Die Vorbereitungen für den Osterstrauch beginnen mehrere Tage – meist am Gründonnertag – vor dem Osterfest. Zu dieser Zeit werden die Zweige abgeschnitten und ins Haus gestellt, damit sie rechtzeitig zu Ostern blühen oder grüne Blätter austreiben. Dieser Brauch symbolisiert die Hoffnung auf Fruchtbarkeit, den Sieg des Frühlings über die Kälte und das Erblühen des Lebens. Die farbenfrohen Zweige werden liebevoll zu einem festlichen Osterstrauß arrangiert.
Ein wesentlicher Bestandteil des Osterstrauches sind die vielfältig verzierten Eier. Diese werden nicht nur ausgeblasen und gefärbt, sondern oft auch kunstvoll verziert oder geritzt. Die Eier, zusammen mit österlichen Figuren aus Holz und bunt gefärbten Holzspänen, werden an den Zweigen aufgehängt und verleihen dem Strauß eine zusätzliche festliche Note. Diese farbenfrohe Dekoration ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern trägt auch zur Festtagsstimmung bei.
Der Osterstrauch ist mehr als nur eine frühlingshafte Dekoration. Er repräsentiert eine jahrhundertealte Tradition, die den Frühling, die Fruchtbarkeit und das aufblühende Leben feiert. Ob in Form von Palmkätzchen, Kirsche oder Forsythien – der Osterstrauch bringt nicht nur Farbe ins Haus, sondern auch eine tiefe symbolische Bedeutung, die die Osterzeit zu etwas Besonderem macht.
Palmbuschen
Der Palmbuschen ist nicht nur ein frühlingshaftes Symbol, sondern bringt auch zahlreiche Volksglauben und Bräuche mit sich. Er bringt in der ländlichen Gegend Schutz für Vieh und Hof aber auch Schutz bei Gewitter. In der katholischen Tradition steht der Palmbusch auch für den Palmzweig, Palmwedel welcher beim Einzug Jesu in Jerusalem geschwenkt wurde.
Die Herkunft des Palmbuschen
Mit bunten Palmbuschen wird am Palmsonntag der Beginn der Karwoche gefeiert. Gleichgültig ob gekauft oder selbst gebunden, traditional werden sieben unterschiedliche und immergrüne Zweige zu einem Buschen gebunden.
Wacholder (Schutz vor der Pest),
Eibe (Schutz vor Hexen),
Stechpalme (Schutz vor Dämonen),
Thuje (allgemeine Abwehr),
Palmkätzche (Segenszweig),
Buchsbaum (Segenszweig) und
Haselnuss (als Stecken zum Tragen, Schutz vor Blitzen)
Am Palmsonntag, genau eine Woche vor Ostern, mit Beginn der Karwoche gedenken Christen an diesem Tag an den Einzug Jesus in Jerusalem.
Schutz und Segen für Haus und Acker
In einigen Regionen trägt man den Palmbuschen nach der Weihe bei der Messe am Palmsonntag (Sonntag vor Ostern)dreimal ums Haus. Der Volksglaube besagt, dass dies Schutz vor Blitz, Feuer, Krankheit und Unglück bringen soll. Gesegnete Palmzweige werden auch in den Acker gesteckt, um eine gute Ernte zu erbitten. Einzelne Zweige werden an das Vieh verfüttert, um auch für sie den Segen für das kommende Jahr zu erhalten.
Traditionen in der guten Stube
Ein weit verbreiteter Brauch ist es, einzelne Zweige zu Hause in der guten Stube hinter dem Kreuz im Herrgottswinkel oder an der Haustüre zu befestigen. Dies dient nicht nur der Dekoration, sondern symbolisiert auch den Wunsch nach Schutz und Segen im eigenen Zuhause.
Gottes Schutz bei Gewitter
Bei aufziehenden Gewittern ist es in manchen Traditionen üblich, einen Zweig der geweihten Ästchen zu verbrennen, um Gottes Schutz zu erbitten. Diese rituelle Handlung wird als Schutz vor den Unbilden des Wetters und als Symbol des Vertrauens in göttlichen Beistand durchgeführt.
Aschenkreuz am Aschermittwoch
Die gesegneten Palmzweige des Vorjahres finden eine weitere Verwendung am Aschermittwoch. In vielen Gemeinden werden sie in die Kirche gebracht, dort verbrannt, und die entstehende Asche wird gesammelt. Der Pfarrer zeichnet dann den Gläubigen am Aschermittwoch das Aschenkreuz auf die Stirn, als Zeichen der Buße und des Beginns der Fastenzeit.
Der Palmbuschen trägt nicht nur zur frühlingshaften Atmosphäre bei, sondern ist auch mit tief verwurzelten Volksglauben und Bräuchen verbunden. Von Schutz und Segen für Haus und Acker bis hin zu symbolischen Handlungen in Zeiten von Gewittern und der Fastenzeit – diese Bräuche geben den Menschen eine Verbindung zu Natur, Spiritualität und Tradition.
Philippinacht
Die Philippinacht bezeichnet im im Voralpenland die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Der Name leitet sich vom kirchlichen Gedenktag der Heiligen Philippus und Jakobus am 1. Mai ab. In der Volksüberlieferung ist die Bezeichnung regional gebräuchlich.
Während die Walpurgisnacht in vielen Regionen namentlich dominiert, ist Philippinacht eine lokale Bezeichnung, die denselben Zeitraum meint, jedoch stärker kirchlich benannt ist. Inhaltlich sind die Motive sehr ähnlich.
Ursprünglich eine „Freinacht“, in der Burschen für Ordnung sorgen sollten, indem sie nicht weggeschlossene Gegenstände einsammelten, die dann die Besitzer am nächsten Tag abholen mussten. Dabei ziehen sie nachts durchs Dorf und verstellen Wagen, Bänke, Tonnen oder Gartengeräte bzw. sammeln „wandernde Gegenstände“ an zentralen Plätzen. Aber alles passiert ohne Beschädigung.
In vielen Gegenden beginnt oder endet die Nacht mit dem Bewachen bzw. Vorbereiten des Maibaums und ach dem Verhindern des Maibaumdiebstahls. Diese Nacht gilt als besonders „kritisch“ für den Maibaum.
Der Brauch ist vielerorts in Unfug und Vandalismus umgeschlagen, wobei auch Sachen zerbrochen und größere Schäden angerichtet werden. Trachten- und Brauchtumsvereine versuchen, den ursprünglichen Sinn des Brauchs wieder zu vermitteln.
Prangerstutzen
Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.
Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.
Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.
Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.
Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen
Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-SchützenAnschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-SchützenAnschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-SchützenAnschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen
Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022
Silvesteranschießen der Prangerstutzenschützen in Salzburg, Silvester 2022Silvesteranschießen der Prangerstutzenschützen in Salzburg, Silvester 2022Silvesteranschießen der Prangerstutzenschützen in Salzburg, Silvester 2022Silvesteranschießen der Prangerstutzenschützen in Salzburg, Silvester 2022
Schwammtragen
Das Schwammtragen ist die Unkener (Unken im Pinzgau, Salzburg) Art, das geweihte Osterfeuer von der Kirche nach Hause zu bringen. Der Pfarrer segnet das Feuer vor der Kirche. Danach tragen die Menschen es in ihre Häuser, aber nicht mit Laternen, sondern mit glühenden Baumschwämmen aus dem Bergwald, die laut Experten schon in der Steinzeit als Feuerzeuge dienten.
Das Ziel ist dabei immer dasselbe wie überall: das geweihte Licht soll den Heimweg überstehen und den Herd zuhause neu entzünden. Nur das Mittel ist ein anderes.
Der Schwamm: Was steckt dahinter?
Der „Schwamm“ ist kein Badeschwamm und auch kein essbarer Pilz. Es handelt sich um Polyporus fomentarius, einen Pilz, der vorwiegend an Buchenstämmen vorkommt und traditionell als Zunder verwendet wird. Weil er den Krankheitszustand des Baumes anzeigt und die sogenannte Weißfäule des Holzes verursacht, ist auch die Bezeichnung Feuerschwamm gebräuchlich.
Die Schwämme werden von der Buche heruntergeschnitten, ein Jahr lang getrocknet und dann an einem Draht befestigt. Das ist kein spontaner Handgriff in der Osternacht, sondern erfordert Planung fast ein Jahr im Voraus. Vor allem Schwämme, die auf dürren Buchen wachsen, eignen sich besonders gut. Er soll nicht zu trocken sein, damit die Glut auch über einen langen Heimweg erhalten bleibt.
So funktioniert es in der Praxis
Sobald der Schürmeister das Holz in der Feuerstelle vor der Kirche anzündet und es geweiht wurde, drängt sich eine Schar Kinder darum, ihre getrockneten Schwämme ins Feuer zu halten.
Je weiter entfernt die Unkener von der Kirche wohnen, desto größer muss der Schwamm sein und desto länger muss er ins Feuer. Das reicht von fünf bis zehn Minuten. Die Größe des Schwamms ist also keine Frage des Ehrgeizes, sondern eine simple praktische Kalkulation. Wenn der Schwamm glüht, trägt man ihn schwingend nach Hause. Durch das Schwingen in der Luft wird die Glut immer wieder angefacht. Wer gut schwingt, bringt das Feuer heim. Wer nicht aufpasst, steht im Dunkeln.
Unken ist eine weit verstreute Gemeinde mit Höfen in entlegenen Seitentälern. Im Ortsteil Gföll sind manche Höfe rund zweieinhalb Stunden Gehzeit von der Kirche entfernt. Mit einer gewöhnlichen Kerze wäre das schlicht nicht zu bewältigen. Der Schwamm war die technisch überlegene Lösung.
Wer darf schwammtragen?
Wie viele religiöse Rituale und Ämter war das Schwammtragen ursprünglich Buben vorbehalten. Selbst wenn es auf einem Hof nur Töchter gab, durften sie den Brauch nicht übernehmen. In dem Fall wurden Nachbarkinder damit beauftragt, das Osterfeuer zu bringen.
So wie Ministrantinnen in der Kirche selbstverständlich geworden sind, schwingen heute auch Mädchen ihre Schwämme. Eine emanzipatorische Entwicklung, die im Ort selbst ganz nüchtern wahrgenommen wird: einfach normal.
Üblich ist laut lokaler Überlieferung eine kleine Belohnung für die Träger. Ein geweihtes Ei oder Süßigkeiten als Dankeschön für die Träger ist üblich. Ob dies heute noch flächendeckend so gehandhabt wird, ist nicht belegt.
Ist der Brauch wirklich einzigartig?
Hier lohnt sich eine etwas genauere Betrachtung. Das Schwammtragen gibt es in dieser Form nur in einer Gemeinde in Österreich: in Unken im Pinzgau. Das ist die übliche Formulierung, und sie stimmt so weit.
Allerdings zeigt ein Blick in die Nachbarschaft, dass die grundlegende Idee, die geweihte Osterglut auf originalem Weg nach Hause zu bringen, ehemals weiter verbreitet war. Das sogenannte „Geweiht-Feuer-Laufen“ war bis in die 1970er Jahre noch teilweise im Stadtgebiet von Bad Reichenhall gepflegt. In Piding und Inzell gibt es es heute nicht mehr, ebenso in Großgmain, wo er nach einem Unglücksfall in den 1980er Jahren abgeschafft wurde. Heute ist das Geweiht-Feuer-Laufen noch in Marzoll und Karlstein üblich, und auch in Reit im Winkl und Waidring heißt der Brauch „Schwammtragen“.
Das heißt: Die Unkener Variante ist nicht die einzige lebendige Form dieses Brauchs in der Region, wohl aber die bekannteste und am besten dokumentierte. Das sollte entsprechend fair eingeordnet werden.
Warum hat sich der Brauch ausgerechnet hier erhalten?
Was auf den ersten Blick wie ein folkloristisches Schauspiel wirkt, ist laut Althistorikern, Archäologen, Historikern und Volkskundlern ein lebendiges Relikt aus Jahrtausenden, in denen dauerhaft verfügbares Feuer alles andere als selbstverständlich war.
Die geografische Lage von Unken spielt eine entscheidende Rolle. Ein weitläufiges Gemeindegebiet, abgelegene Höfe, lange Fußwege: All das machte den Schwamm als Feuerträger praktisch notwendig. Das Schwammtragen ist damit nicht nur religiöses Ritual, sondern auch ein seltenes Beispiel für die Weitergabe praktischen Wissens aus vorindustrieller Zeit. Wo die moderne Infrastruktur früher einzog, verschwand der Brauch. Wo sie später oder langsamer kam, blieb er.
Bedeutung heute
Der Brauch wird von Generation zu Generation weitergegeben.
Sicher kann ich heutzutage auch mit einer Kerze in einer Laterne nach Hause gehen. Aber das Schwammtragen ist einfach ein alter Brauch bei uns, den wollen wir erhalten
Das sagt viel aus. Es geht längst nicht mehr um Notwendigkeit. Es geht um Identität, um Kontinuität, um das Bewusstsein, dass man etwas tut, das Generationen vor einem genauso getan haben. Rauchend, schwingend, glühend. Den Hang hinauf, den Hof entlang.
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