Ostereier

Die Tradition der Ostereier reicht tief in die Geschichte des Christentums und darüber hinaus. Seit dem 10. Jahrhundert war es unter den koptischen Christen Brauch, sich zum Osterfest gegenseitig Eier zu schenken. Das klassische Osterei schenkte man traditionell am Ostermorgen als Zeichen der Auferstehung.

Das Oster-Ei als Symbol der Auferstehung

Im Christentum hat das Ei eine tiefgreifende Symbolik: Von außen kalt und tot, repräsentiert es im Inneren neues Leben. Diese Vorstellung wurde zum Symbol für das Grab in Jerusalem, aus dem Jesus Christus am Ostermorgen auferstand. Merksprüche trugen dazu bei, diese Vorstellung in der Bevölkerung zu verbreiten.

Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen,
hat Jesus das Grab zerbrochen

Volksmund

Praktische Gründe für das Schenken von Eiern

Die Tradition, Eier zu Ostern zu verschenken, hat auch praktische Ursprünge. Das mittelalterliche Fastenverbot von Fleisch und Eierspeisen vor Ostern führte dazu, dass große Mengen an Eiern ansammelten. Um einen Verderb zu verhindern, wurden die Eier abgekocht und haltbar gemacht. Bauern entrichteten den Pachtzins oft mit diesen Eiern, während die übrigen verziert und zur Weihe in die Kirche mitgenommen wurden, um sie anschließend zu verschenken.

Färben und Verzieren der Eier

Die Tradition des Eierschenkens reicht bis zu den armenischen Christen der ersten Jahrhunderte nach Christus zurück. In der orthodoxen Ostkirche wurden Eier vorwiegend rot bemalt, als Symbol für den auferstandenen Christus und sein vergossenes Blut. Ab dem 12. Jahrhundert begann die lateinische Westkirche mit dem Färben der Eier in verschiedenen Farben und deren Verzierung durch Blasen, Beschreiben oder Bekleben.

Bräuche rund ums Osterei

Die Vielfalt der Bräuche rund ums Osterei ist beeindruckend. Spiele wie Eierkippen, Eierpecken, und Eierrollen sind bis heute beliebt. In ländlichen Regionen existiert der Brauch der „Eierlage“, bei dem junge Männer in einem Wettbewerb Eier einsammeln müssen. Andere Spiele wie das Eierrollen und das seltener gewordene Ostereierfangen sind in Freilichtmuseen zu bewundern.

Das Antlaßei

Am Gründonnerstag, Karfreitag oder Karsamstag wird das besondere Antlaßei gelegt. Der Name kommt von Ablass, was so viel wie Entlastung bedeutet. Diese Eier sollen vor Feuer und Blitzschlag schützen. Die geriebenen Eierschalen werden den Hühnern zum Fressen gegeben, damit sie weiterhin brav Eier legen.

Eierwerfen

Ein geweihtes Ei oder auch nur dessen Schale bringt Glück und schützt vor Krankheiten und Unheil. Im Lungau und Flachgau werden besonders die Antlaßeier übers Haus geworfen, um es vor Unwettern und Blitzschlag zu bewahren. Ähnlich wirkt auch der geweihte Palmbuschen, der aufs Feld gesteckt wird, um eine gute Ernte zu bringen, oder am Dachboden oder unter dem Giebel des Hauses platziert wird, um das Haus zu schützen. Sogar Wildbäche sollen so mild gestimmt werden.

Eierpecken

Das Eierpecken ist ein alter Osterbrauch, bei dem zwei Spielerinnen oder Spieler je ein hart gekochtes Osterei in die Hand nehmen. Eine Person schlägt mit der Spitze ihres Eis auf die Eispitze der Gegenspielerin oder des Gegenspielers, in der Hoffnung, dessen Schale zu zerbrechen. In Familien wird das Pecken oft am Ostermorgen am Tisch gespielt. Sieger ist die Person, deren Ei am Ende als einziges unversehrt bleibt.

Das Oster-Ei ist mehr als nur eine kulinarische Leckerei oder eine hübsche Dekoration. Es trägt eine reiche Symbolik in sich und ist Teil vielfältiger Bräuche, die die Osterzeit auf einzigartige Weise bereichern. Von der christlichen Tradition bis zu den farbenfrohen Spielen – das Oster-Ei steht im Mittelpunkt eines faszinierenden kulturellen Erbes.

Osterfeuer

Das Osterfeuer ist ein großes Brauchtumsfeuer, das in der Osternacht entzündet wird. In der katholischen Liturgie wird es am Ostersamstag vor der Kirche entfacht und steht symbolhaft für die Auferstehung Christi. An der geweihten Flamme wird anschließend die Osterkerze entzündet, die dann die ganze Messe über brennt.

Doch das Feuer hatte immer auch eine volkstümliche, gemeinschaftliche Seite. Im Alpenraum werden die Feuer vielerorts nach dem Besuch der Auferstehungsmesse oder nach der familiären Osterfeier in geselliger Runde entzündet. Es geht also nicht nur um Liturgie. Es geht ums Beisammensein, ums Draußensein, ums Licht nach langer Dunkelheit.

Herkunft

Als weltliche Volkssitte ist das Osterfeuer seit 1559 urkundlich bezeugt, geht aber auf deutlich ältere, vorchristliche Traditionen zurück. Der Brauch geht auf heidnische Frühlingsfeuer zurück, mit denen die Sonne begrüßt wurde, die nach der dunklen Winterzeit wieder länger zu sehen war und Fruchtbarkeit, Wachstum und Ernte versprach. Auch brennende Räder ließ man damals von Hügeln hinabrollen.

Die vorchristliche Vorstellung vom Feuer, das den Winter vertreiben und die Sonne als Sieger feiern sollte, wurde später christlich umgedeutet: auf Jesus Christus als Sieger über den Tod.

Dass diese Übernahme nicht reibungslos verlief, zeigt ein historisches Zeugnis: Im Jahr 739 berichtete der heilige Bonifatius über die Osterfeuer der Germanen, deren Brauchtum er mit großem Eifer auszurotten versuchte. Von da an weihte die Kirche das Osterfeuer und gab ihm damit ein christliches Gepräge. Eine klassische Strategie der frühen Kirchenmission: Nicht verbieten, sondern umdeuten.

Ein kleiner Hinweis zur Göttin Ostara, die in manchen Quellen als Ursprungsfigur des Osterfeuers genannt wird: Diese Verbindung ist und unter Volkskundlern umstritten. Die Gleichsetzung von „Ostern“ mit einer germanischen Frühlingsgöttin geht wesentlich auf Beda Venerabilis (8. Jahrhundert) zurück und wird seither diskutiert.

Wie läuft das Osterfeuer ab?

Das christliche Osterfeuer ist im deutschsprachigen Raum seit dem 11. Jahrhundert verbreitet. In seiner liturgischen Form wird es am Beginn der Osternacht-Feier vor der Kirche entzündet und gesegnet.
Volkstümlich gibt es zwei Hauptmomente: das Entzünden des großen Gemeinschaftsfeuers nach der Messe und das Heimbringen der geweihten Glut. Letzteres war früher kein bloßes Symbol, sondern praktische Notwendigkeit. Der heimische Herd sollte mit dem geweihten Feuer neu entfacht werden. Diesen Schritt hat die Modernisierung fast überall verdrängt. Fast überall.

Regionale Besonderheiten

Der Alpenraum bietet hier eine bemerkenswerte Vielfalt.

  • Der Salzburger Lungau
    hat eine der eindrucksvollsten Osterfeuer-Traditionen überhaupt. Hier werden in solider Blockbauweise vier bis sechs Meter hohe „Kästen“ gezimmert, also pyramidenförmige Holzgestelle, die innen mit Reisig oder anderen Baumabfällen gefüllt sind. Vor allem die Dorfjugend hilft beim Bauen mit. Tatsächlich können diese Konstruktionen bis zu zwölf Meter hoch werden. Mehrere Stunden lodern die Osterfeuer dann hoch hinaus und ziehen Schaulustige aus der ganzen Umgebung an. Zum Lungauer Osterfeuer gehört auch eine gerne erzählte Begebenheit: Als die Franzosen 1797 in das Gebiet eindrangen, sollen sie am Karsamstag von den lodernden Osterfeuern auf den Anhöhen ringsum so überrascht gewesen sein, dass sie sich von allen Seiten von Feinden umringt wähnten und Hals über Kopf die Flucht ergriffen. Ob das so stimmt, lässt sich nicht mehr prüfen, aber die Geschichte sagt viel darüber aus, wie prägnant diese Feuer in der Landschaft wirkten.
  • In Oberösterreich
    hat sich in einigen Gemeinden ein anderer Brauch erhalten: In Reindlmühl, Traunkirchen oder Strobl werden sogenannte Weihscheitln im geweihten Osterfeuer angesengt. Das sind etwa 30 Zentimeter lange, zum Ende zugespitzte Fichtenspalten, die teils mit Aufschriften wie Herr, gib uns deinen Segen versehen werden.
  • In Unken im Pinzgau
    schließlich hat sich etwas erhalten, das im gesamten Alpenraum einzigartig ist: das Schwammtragen. Von der Buche werden Holzschwämme heruntergeschnitten, ein Jahr getrocknet und dann an einem Draht befestigt. Sie werden ins geweihte Osterfeuer gehalten, bis der Schwamm glüht.

Volkskundlich ist übrigens zu beachten, dass Osterfeuer keineswegs überall im Alpenraum gleich verbreitet sind. Laut dem Österreichischen Volkskundeatlas finden sich Osterfeuer vor allem im gesamten südösterreichischen Raum, insbesondere in Kärnten, der Steiermark und dem Burgenland. In Nordtirol oder Salzburg gibt es an anderen Terminen ähnliche Jahresfeuer-Traditionen.

Das Osterfeuer heute

In Bayern, Tirol oder der Steiermark sind die Osterfeuer heute meist große, weithin sichtbare Gemeinschaftsfeuer, eindrucksvolle Inszenierungen, die den Winter symbolisch vertreiben und die Auferstehung feiern. Die ursprüngliche Funktion, das Heimbringen der geweihten Glut, ist dabei für die meisten Menschen in den Hintergrund getreten.

Gleichzeitig gibt es praktische Fragen, die man heute mitdenken muss. Das österreichische Luftreinhaltegesetz verbietet grundsätzlich das Verbrennen biologischer Materialien im Freien. Brauchtumsfeuer sind in einem bestimmten Zeitraum von diesem Verbot ausgenommen, sofern sie rechtzeitig angemeldet werden. Allerdings ist die Regelung von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich streng. Im Lungau, wo die Osterfeuer besonders dicht gesät sind, übernimmt die Berg- und Naturwacht die Kontrolle.

Osterkrippe

Die Osterkrippe ist das österliche Gegenstück zur Weihnachtskrippe. Anstelle von Stall, Stern und Heiliger Familie stellt sie die Leidensgeschichte Jesu Christi dar, die sogenannte Passion: von seinem Einzug in Jerusalem am Palmsonntag über das Letzte Abendmahl, die Verhaftung im Garten Getsemani, die Kreuzigung am Karfreitag bis hin zum leeren Grab am Ostersonntag. Wegen ihres ernsten Inhalts wird sie mancherorts schlicht die „ernste Krippe“ genannt.

Die Passionskrippe, auch Fastenkrippe oder Osterkrippe genannt, hat im alpenländischen Raum eine lange Tradition und stellt bildlich das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi dar.

Herkunft und Geschichte

Die Wurzeln der Osterkrippe reichen ins Mittelalter zurück. Zunächst wurde das Heilige Grab als Gebetsstätte nachgebaut, daraus entstanden Passionsspiele. Ab dem 14. Jahrhundert kamen auch Figuren für den häuslichen Gebrauch hinzu.

Besonders im Barock erlebte die Passionskrippe ihre Blütezeit. Parallel zur Weihnachtskrippe entwickelte sich in dieser Zeit in Tirol der Brauch, auch die Passion Christi mit Figuren nachzustellen. In den Stuben wie in den Kirchen wurde dabei häufig derselbe „Krippenberg“ verwendet wie in der Weihnachtszeit. Die bedeutendsten Tiroler Künstler des 18. und 19. Jahrhunderts stellten sich der Herausforderung, auf kleinstem Raum detailreiche und ausdrucksstarke Figuren zu schaffen.

Im 18. und 19. Jahrhundert waren Passionskrippen weit verbreitet und wurden teilweise in Lebensgröße ausgeführt, um sie in Kirchen und öffentlichen Gebäuden auszustellen. Der Grund war praktischer Natur: Da viele Menschen damals nicht lesen und schreiben konnten, sollte die bildliche Darstellung das Wunder der Auferstehung vermitteln. Die Osterkrippe war damit so etwas wie das illustrierte Buch des einfachen Volkes.

Was zeigt eine Osterkrippe?

Osterkrippen sind wegen der Dichte der biblischen Geschichten meist relativ groß. In der Regel beginnen sie mit dem Einzug nach Jerusalem am Palmsonntag. Es folgt der Gründonnerstag, an dem Jesus im Garten Getsemani betet und Judas mit den römischen Soldaten erscheint. Die Kreuzigung am Karfreitag nimmt üblicherweise den meisten Raum ein. Meist ist auch das verschlossene Grab am Karsamstag zu sehen, bevor am Ostersonntag die Frauen vor dem geöffneten Grab Zeuginnen der Auferstehung werden. Auch die Begegnung des auferstandenen Jesus mit den Emmaus-Jüngern fehlt in vielen Ausführungen nicht.

Einfachere Varianten beschränken sich auf das Wesentlichste: ein Kreuz auf einem Hügel und davor ein geöffnetes, leeres Grab, vor dem ein runder Stein liegt.

Regionale Besonderheiten im Alpenraum

Im Alpenraum ist das Schnitzen von Krippen seit Jahrhunderten ein eigenständiges Handwerk. Einige wenige Künstler, wie der Tiroler Josef Arnold d. Ä. (1788–1879), erschienen später im Druck und ermöglichten es auch ärmeren Bevölkerungsschichten, künstlerisch hochwertige Figuren in ihrer häuslichen Fasten- oder Passionskrippe aufzustellen.

Bis heute sind es vor allem Regionen wie das Grödnertal in Südtirol, Tirol und der Salzburger Raum, die lebendig gehaltene Schnitztraditionen pflegen. Die geschnitzten Figuren werden in liebevoller Arbeit aus Bergahornholz gefertigt und naturbelassen oder mit Ölfarben in Handarbeit bemalt. Holzschnitzerbetriebe in Hof bei Salzburg, im Tiroler Unterland oder im Grödnertal haben die Passionskrippe in den letzten Jahren wieder ins Sortiment aufgenommen.

Vom Vergessen zur Wiederentdeckung

Die Osterkrippe war bereits seit dem 18. Jahrhundert weit verbreitet, verschwand dann aber und geriet eine Zeitlang in Vergessenheit. Seit einigen Jahren feiert die Passionskrippe jedoch ihre „Auferstehung“ und wird wieder präsenter.

Interessant ist auch die Diskussion um den Begriff selbst. Theologisch gesehen meint das Wort „Krippe“ eigentlich die Futterkrippe der Weihnachtsgeschichte. Manche Stimmen plädieren daher für die Bezeichnung „Ostergrab“ oder „Heiliges Grab“ als passendere Alternative. In der volkstümlichen Praxis hat sich aber der Begriff „Osterkrippe“ durchgesetzt, da er die Parallele zur Weihnachtskrippe unmittelbar verständlich macht.

Bedeutung heute

Die Osterkrippe ist kein museales Stück, sondern ein Brauch, der gerade wieder neu entdeckt wird. Wer in der Fastenzeit eine Passionskrippe aufstellt, schafft im Wohnraum einen stillen Ort der Besinnung, der an die eigentliche Botschaft des Osterfests erinnert, jenseits von Schoko-Eiern und Frühlingsblumen. Gerade für Familien mit Kindern bietet sie eine greifbare, anschauliche Form, um die Passionsgeschichte zu erzählen.

Osterratschn

Am Gründonnerstag, so sagt man, fliegen die Glocken nach Rom, um geweiht zu werden. In dieser Zeit kommen die Ratschen zum Einsatz, ein alter Brauch, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Kinder oder Ministranten bauen sich Ratschen und machen damit Lärm, um die Stille zu füllen, die durch das Schweigen der Glocken entsteht.

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Ratschen, von Klappen, die mit einer Hand gedreht werden, bis hin zu großen Ratschen, die mit einer Kurbel angetrieben werden und meist auf Kirchtürmen oder Balkonen stehen. Jede Ratsche hat ihren eigenen, einzigartigen Klang, der in der Osterzeit durch die Straßen hallt.

Der Brauch der Osterratschen geht vermutlich bis ins Mittelalter zurück. Ab dem Gloria am Gründonnerstag schweigen die Kirchenglocken – man sagt, sie fliegen nach Rom und werden neu geweiht – und werden bis zum Karsamstag (Auferstehung) von den Osterratschen ersetzt.

Dieser Brauch wurde erstmals 1482 schriftlich im nordbayrischen Coburg erwähnt. Die Ratschen zeigten früher die Gebetzeiten an (Morgen-, Mittag- und Abendleuten). Im Mittelalter gab es noch fast keine Uhren und es richtete sich der Tageablauf nach dem Gebet der Mönche und Klöster. Außerdem sollten sie den Frühling aufwecken und böse Geister abwehren.

Neben den Handratschen gibt es auch noch die Hammerratschen, Kastenratschen, Schubkarrenratschen und Turmratschen. Jede dieser Ratschen hat ihre eigene Form und ihren eigenen Klang, was zu einer Vielfalt von Klängen führt, die während der Osterzeit zu hören sind.

Die Ratschenbuam und -dirndln ziehen durch den Ort und rufen ihren Ratschen Spruch:

Wir ratschn, wir ratschn die Fastn aus,
unseren Herrn Jeso Christ sein Leid’n is aus

Für ihre Mühen werden den Kindern Eier, Süßigkeiten und auch Geld zugesteckt. Es ist eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und die Osterzeit mit Freude und Lärm erfüllt. Es ist ein Brauch, der uns daran erinnert, dass selbst in Zeiten des Schweigens immer Raum für Freude und Gemeinschaft ist.

Osterstrauch

Die Osterzeit bringt nicht nur die Vorfreude auf das Fest der Auferstehung, sondern auch vielfältige Bräuche und Traditionen mit sich. Einer dieser Bräuche, der sich auch ohne direkten Bibelverweis fest in unseren Breiten etabliert hat, ist der Osterstrauch. Traditionsgemäß schneidet man am Gründonnerstag Zweige (Kirsche, Palmkätzen oder Forsythien) ab und stellt sie in einer Vase…

Die Vielfalt des Osterstrauches Der Osterstrauch, bestehend aus Zweigen von Palmkätzchen, Kirsche oder Forsythien, ist ein farbenfrohes Symbol der Osterzeit. Die Auswahl der Pflanzen variiert je nach regionalen Gegebenheiten und persönlichen Vorlieben. Palmkätzchen gelten als besonders beliebt, während Forsythien mit ihren goldgelben Blüten eine exotische Note verleihen.

Die Vorbereitungen für den Osterstrauch beginnen mehrere Tage – meist am Gründonnertag – vor dem Osterfest. Zu dieser Zeit werden die Zweige abgeschnitten und ins Haus gestellt, damit sie rechtzeitig zu Ostern blühen oder grüne Blätter austreiben. Dieser Brauch symbolisiert die Hoffnung auf Fruchtbarkeit, den Sieg des Frühlings über die Kälte und das Erblühen des Lebens. Die farbenfrohen Zweige werden liebevoll zu einem festlichen Osterstrauß arrangiert.

Ein wesentlicher Bestandteil des Osterstrauches sind die vielfältig verzierten Eier. Diese werden nicht nur ausgeblasen und gefärbt, sondern oft auch kunstvoll verziert oder geritzt. Die Eier, zusammen mit österlichen Figuren aus Holz und bunt gefärbten Holzspänen, werden an den Zweigen aufgehängt und verleihen dem Strauß eine zusätzliche festliche Note. Diese farbenfrohe Dekoration ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern trägt auch zur Festtagsstimmung bei.

Der Osterstrauch ist mehr als nur eine frühlingshafte Dekoration. Er repräsentiert eine jahrhundertealte Tradition, die den Frühling, die Fruchtbarkeit und das aufblühende Leben feiert. Ob in Form von Palmkätzchen, Kirsche oder Forsythien – der Osterstrauch bringt nicht nur Farbe ins Haus, sondern auch eine tiefe symbolische Bedeutung, die die Osterzeit zu etwas Besonderem macht.

Palmbuschen

Der Palmbuschen ist nicht nur ein frühlingshaftes Symbol, sondern bringt auch zahlreiche Volksglauben und Bräuche mit sich. Er bringt in der ländlichen Gegend Schutz für Vieh und Hof aber auch Schutz bei Gewitter. In der katholischen Tradition steht der Palmbusch auch für den Palmzweig, Palmwedel welcher beim Einzug Jesu in Jerusalem geschwenkt wurde.

Die Herkunft des Palmbuschen

Mit bunten Palmbuschen wird am Palmsonntag der Beginn der Karwoche gefeiert. Gleichgültig ob gekauft oder selbst gebunden, traditional werden sieben unterschiedliche und immergrüne Zweige zu einem Buschen gebunden.

  • Wacholder (Schutz vor der Pest),
  • Eibe (Schutz vor Hexen),
  • Stechpalme (Schutz vor Dämonen),
  • Thuje (allgemeine Abwehr),
  • Palmkätzche (Segenszweig),
  • Buchsbaum (Segenszweig) und
  • Haselnuss (als Stecken zum Tragen, Schutz vor Blitzen)

Am Palmsonntag, genau eine Woche vor Ostern, mit Beginn der Karwoche gedenken Christen an diesem Tag an den Einzug Jesus in Jerusalem.

Schutz und Segen für Haus und Acker

In einigen Regionen trägt man den Palmbuschen nach der Weihe bei der Messe am Palmsonntag (Sonntag vor Ostern)dreimal ums Haus. Der Volksglaube besagt, dass dies Schutz vor Blitz, Feuer, Krankheit und Unglück bringen soll. Gesegnete Palmzweige werden auch in den Acker gesteckt, um eine gute Ernte zu erbitten. Einzelne Zweige werden an das Vieh verfüttert, um auch für sie den Segen für das kommende Jahr zu erhalten.

Traditionen in der guten Stube

Ein weit verbreiteter Brauch ist es, einzelne Zweige zu Hause in der guten Stube hinter dem Kreuz im Herrgottswinkel oder an der Haustüre zu befestigen. Dies dient nicht nur der Dekoration, sondern symbolisiert auch den Wunsch nach Schutz und Segen im eigenen Zuhause.

Gottes Schutz bei Gewitter

Bei aufziehenden Gewittern ist es in manchen Traditionen üblich, einen Zweig der geweihten Ästchen zu verbrennen, um Gottes Schutz zu erbitten. Diese rituelle Handlung wird als Schutz vor den Unbilden des Wetters und als Symbol des Vertrauens in göttlichen Beistand durchgeführt.

Aschenkreuz am Aschermittwoch

Die gesegneten Palmzweige des Vorjahres finden eine weitere Verwendung am Aschermittwoch. In vielen Gemeinden werden sie in die Kirche gebracht, dort verbrannt, und die entstehende Asche wird gesammelt. Der Pfarrer zeichnet dann den Gläubigen am Aschermittwoch das Aschenkreuz auf die Stirn, als Zeichen der Buße und des Beginns der Fastenzeit.

Der Palmbuschen trägt nicht nur zur frühlingshaften Atmosphäre bei, sondern ist auch mit tief verwurzelten Volksglauben und Bräuchen verbunden. Von Schutz und Segen für Haus und Acker bis hin zu symbolischen Handlungen in Zeiten von Gewittern und der Fastenzeit – diese Bräuche geben den Menschen eine Verbindung zu Natur, Spiritualität und Tradition.

Philippinacht

Die Philippinacht bezeichnet im im Voralpenland die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Der Name leitet sich vom kirchlichen Gedenktag der Heiligen Philippus und Jakobus am 1. Mai ab. In der Volksüberlieferung ist die Bezeichnung regional gebräuchlich.

Während die Walpurgisnacht in vielen Regionen namentlich dominiert, ist Philippinacht eine lokale Bezeichnung, die denselben Zeitraum meint, jedoch stärker kirchlich benannt ist. Inhaltlich sind die Motive sehr ähnlich.

Ursprünglich eine „Freinacht“, in der Burschen für Ordnung sorgen sollten, indem sie nicht weggeschlossene Gegenstände einsammelten, die dann die Besitzer am nächsten Tag abholen mussten.
Dabei ziehen sie nachts durchs Dorf und verstellen Wagen, Bänke, Tonnen oder Gartengeräte bzw. sammeln „wandernde Gegenstände“ an zentralen Plätzen. Aber alles passiert ohne Beschädigung.

In vielen Gegenden beginnt oder endet die Nacht mit dem Bewachen bzw. Vorbereiten des Maibaums und ach dem Verhindern des Maibaumdiebstahls. Diese Nacht gilt als besonders „kritisch“ für den Maibaum.

Der Brauch ist vielerorts in Unfug und Vandalismus umgeschlagen, wobei auch Sachen zerbrochen und größere Schäden angerichtet werden. Trachten- und Brauchtumsvereine versuchen, den ursprünglichen Sinn des Brauchs wieder zu vermitteln. 

Prangerstutzen

Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.

Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.

Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.

Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.

Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen

Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022

Schwammtragen

Das Schwammtragen ist die Unkener (Unken im Pinzgau, Salzburg) Art, das geweihte Osterfeuer von der Kirche nach Hause zu bringen. Der Pfarrer segnet das Feuer vor der Kirche. Danach tragen die Menschen es in ihre Häuser, aber nicht mit Laternen, sondern mit glühenden Baumschwämmen aus dem Bergwald, die laut Experten schon in der Steinzeit als Feuerzeuge dienten.

Das Ziel ist dabei immer dasselbe wie überall: das geweihte Licht soll den Heimweg überstehen und den Herd zuhause neu entzünden. Nur das Mittel ist ein anderes.

Der Schwamm: Was steckt dahinter?

Der „Schwamm“ ist kein Badeschwamm und auch kein essbarer Pilz. Es handelt sich um Polyporus fomentarius, einen Pilz, der vorwiegend an Buchenstämmen vorkommt und traditionell als Zunder verwendet wird. Weil er den Krankheitszustand des Baumes anzeigt und die sogenannte Weißfäule des Holzes verursacht, ist auch die Bezeichnung Feuerschwamm gebräuchlich.

Die Schwämme werden von der Buche heruntergeschnitten, ein Jahr lang getrocknet und dann an einem Draht befestigt. Das ist kein spontaner Handgriff in der Osternacht, sondern erfordert Planung fast ein Jahr im Voraus. Vor allem Schwämme, die auf dürren Buchen wachsen, eignen sich besonders gut. Er soll nicht zu trocken sein, damit die Glut auch über einen langen Heimweg erhalten bleibt.

So funktioniert es in der Praxis

Sobald der Schürmeister das Holz in der Feuerstelle vor der Kirche anzündet und es geweiht wurde, drängt sich eine Schar Kinder darum, ihre getrockneten Schwämme ins Feuer zu halten.

Je weiter entfernt die Unkener von der Kirche wohnen, desto größer muss der Schwamm sein und desto länger muss er ins Feuer. Das reicht von fünf bis zehn Minuten. Die Größe des Schwamms ist also keine Frage des Ehrgeizes, sondern eine simple praktische Kalkulation.
Wenn der Schwamm glüht, trägt man ihn schwingend nach Hause. Durch das Schwingen in der Luft wird die Glut immer wieder angefacht. Wer gut schwingt, bringt das Feuer heim. Wer nicht aufpasst, steht im Dunkeln.

Unken ist eine weit verstreute Gemeinde mit Höfen in entlegenen Seitentälern. Im Ortsteil Gföll sind manche Höfe rund zweieinhalb Stunden Gehzeit von der Kirche entfernt. Mit einer gewöhnlichen Kerze wäre das schlicht nicht zu bewältigen. Der Schwamm war die technisch überlegene Lösung.

Wer darf schwammtragen?

Wie viele religiöse Rituale und Ämter war das Schwammtragen ursprünglich Buben vorbehalten. Selbst wenn es auf einem Hof nur Töchter gab, durften sie den Brauch nicht übernehmen. In dem Fall wurden Nachbarkinder damit beauftragt, das Osterfeuer zu bringen.

So wie Ministrantinnen in der Kirche selbstverständlich geworden sind, schwingen heute auch Mädchen ihre Schwämme. Eine emanzipatorische Entwicklung, die im Ort selbst ganz nüchtern wahrgenommen wird: einfach normal.

Üblich ist laut lokaler Überlieferung eine kleine Belohnung für die Träger. Ein geweihtes Ei oder Süßigkeiten als Dankeschön für die Träger ist üblich. Ob dies heute noch flächendeckend so gehandhabt wird, ist nicht belegt.

Ist der Brauch wirklich einzigartig?

Hier lohnt sich eine etwas genauere Betrachtung. Das Schwammtragen gibt es in dieser Form nur in einer Gemeinde in Österreich: in Unken im Pinzgau. Das ist die übliche Formulierung, und sie stimmt so weit.

Allerdings zeigt ein Blick in die Nachbarschaft, dass die grundlegende Idee, die geweihte Osterglut auf originalem Weg nach Hause zu bringen, ehemals weiter verbreitet war. Das sogenannte „Geweiht-Feuer-Laufen“ war bis in die 1970er Jahre noch teilweise im Stadtgebiet von Bad Reichenhall gepflegt. In Piding und Inzell gibt es es heute nicht mehr, ebenso in Großgmain, wo er nach einem Unglücksfall in den 1980er Jahren abgeschafft wurde. Heute ist das Geweiht-Feuer-Laufen noch in Marzoll und Karlstein üblich, und auch in Reit im Winkl und Waidring heißt der Brauch „Schwammtragen“.

Das heißt: Die Unkener Variante ist nicht die einzige lebendige Form dieses Brauchs in der Region, wohl aber die bekannteste und am besten dokumentierte. Das sollte entsprechend fair eingeordnet werden.

Warum hat sich der Brauch ausgerechnet hier erhalten?

Was auf den ersten Blick wie ein folkloristisches Schauspiel wirkt, ist laut Althistorikern, Archäologen, Historikern und Volkskundlern ein lebendiges Relikt aus Jahrtausenden, in denen dauerhaft verfügbares Feuer alles andere als selbstverständlich war.

Die geografische Lage von Unken spielt eine entscheidende Rolle. Ein weitläufiges Gemeindegebiet, abgelegene Höfe, lange Fußwege: All das machte den Schwamm als Feuerträger praktisch notwendig. Das Schwammtragen ist damit nicht nur religiöses Ritual, sondern auch ein seltenes Beispiel für die Weitergabe praktischen Wissens aus vorindustrieller Zeit.
Wo die moderne Infrastruktur früher einzog, verschwand der Brauch. Wo sie später oder langsamer kam, blieb er.

Bedeutung heute

Der Brauch wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Sicher kann ich heutzutage auch mit einer Kerze in einer Laterne nach Hause gehen. Aber das Schwammtragen ist einfach ein alter Brauch bei uns, den wollen wir erhalten

Sebastian Wimmer, Eggerbauer Senior aus Unken

Das sagt viel aus. Es geht längst nicht mehr um Notwendigkeit. Es geht um Identität, um Kontinuität, um das Bewusstsein, dass man etwas tut, das Generationen vor einem genauso getan haben. Rauchend, schwingend, glühend. Den Hang hinauf, den Hof entlang.