Ahnlkipferl

Das Wort „Ahnl“ ist im oberösterreichischen Dialekt die Bezeichnung für die Großeltern, abgeleitet von „Ahnen“. Am Weißen Sonntag, dem ersten Sonntag nach Ostern, ist es in Teilen Oberösterreichs Brauch, dass Kinder ihre Großeltern besuchen und von ihnen ein Kipferl geschenkt bekommen. Dieses Kipferl trägt deshalb den Namen „Ahnlkipferl“. Der Tag selbst heißt im Volksmund folgerichtig: der Ahnlsonntag.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Weiße Sonntag als sogenannte Osteroktav, also der achte Tag nach Ostern, bildet den Abschluss der Osterwoche. Im Mittelalter trugen Taufbewerber in Rom an diesem Tag noch ihre weißen Taufkleider, weshalb er den Namen „Weißer Sonntag“ erhielt. Erst seit dem 16. Jahrhundert wird dieser Tag am Oktavtag von Ostern begangen.

Im südlichen Oberösterreich entwickelte sich aus diesem kirchlichen Rahmen eine eigene familiäre Tradition: Kinder besuchen an diesem Tag ihre Großeltern und erhalten von ihnen Kipferl als Geschenk. Wann genau dieser Brauch entstanden ist und wie er sich mit dem kirchlichen Weißen Sonntag verbunden hat, lässt sich nicht exakt datieren.

Denkbar ist übrigens auch, dass das Ahnlkipferl ursprünglich allein nach der Großmutter benannt wurde, da im bäuerlichen Umfeld die Großmutter, die „Ahnl“, diejenige war, die am Ahnltag zumeist einlud.

Das Kipferl selbst: Form, Teig, Besonderheiten

In den Bäckereien, die diesen Brauch kennen, werden für den Ahnltag extra große Kipferl angeboten. Meistens bestehen sie aus Germteig, also Hefeteig, und enthalten Rosinen. Manche sind geflochten, manche mit Hagelzucker oder Mandelblättchen bestreut.

Das Ahnlkipferl ist also kein Festtagskuchen im großen Stil, sondern ein bescheidenes, herzliches Geschenk. Seine Besonderheit liegt nicht in aufwendiger Dekoration, sondern im Anlass und in der Geste.

Wer Ostern gut versorgt sein wollte, hatte übrigens Glück: Bereits am Ostersonntag, also eine Woche vor dem Ahnlsonntag, gab es ein sogenanntes Godnkipferl, ein Geschenk der Taufpatin an das Patenkind. Damit war die Osterzeit tatsächlich eine Zeit der großen und der kleinen Kipferl.

Regionale Verbreitung

Der Brauch ist klar verortet und sollte nicht als gesamtösterreichische Tradition dargestellt werden. Kleinregional wird der Ahnlsonntag in einigen Teilen Oberösterreichs noch praktiziert, etwa im Mühlviertel, in der Pyhrn-Priel-Region, im Kremstal und Steyrtal sowie rund um Gmunden.

Lokale Gruppen wie Trachtenvereine und Goldhaubenfrauen tragen aktiv zur Pflege dieses Brauchs bei, indem sie die Kipferl in Gemeindebackstuben herstellen und rund um den Ahnlsonntag vor Kirchen und in Ortszentren anbieten.

In anderen Bundesländern Österreichs ist der Ahnlsonntag als eigener Brauch wenig bis gar nicht bekannt.

Bedeutung heute

Der Ahnlsonntag und sein Kipferl sind ein kleines, aber feines Beispiel dafür, wie sich familiäre Traditionen an kirchliche Feste anlehnen können und dabei eine ganz eigene, bodenständige Form annehmen. Hier geht es nicht um Spektakel oder große Umzüge, sondern um den Besuch der Enkeln bei den Großeltern, ein Kipferl als Symbol für Zuwendung und Verbundenheit über Generationen hinweg.

In einzelnen Gemeinden, die diesen Brauch zwischenzeitlich verloren hatten, ist er in den vergangenen Jahren bewusst wieder belebt worden. Das zeigt, dass solche kleinen Gesten offensichtlich etwas berühren, das man nicht so leicht ersetzen kann.

Almauftrieb

Als Almauftrieb, in der Schweiz auch Alpaufzug oder Alpfahrt genannt, bezeichnet man das Bringen von Weidevieh auf die Bergweiden, die sogenannten Almen. Der Termin richtet sich nach dem Pflanzenwachstum in der Höhe: Er findet, ausgerichtet am aktuellen Pflanzenwachstum auf den Almen, meist im Mai oder Juni statt. Den Abschluss des Almsommers bildet dann im Herbst der Almabtrieb.

Der Almauftrieb ist das stillere, unspektakulärere Gegenstück zum festlichen Almabtrieb im September oder Oktober. Doch gerade in dieser Schlichtheit liegt etwas Echtes: Es geht nicht ums Schauspiel, sondern ums Wirtschaften, ums Loslassen und ums Vertrauen in den Sommer.

Herkunft

Die Almwirtschaft zählt zu den ältesten Nutzungsformen im gesamten Alpenraum. Neueste Forschungen zeigen, dass bereits im 5. Jahrtausend vor Christus die natürlichen Weideflächen oberhalb der Waldgrenze in den Alpen genutzt wurden. Auf der Kelch-Alm bei Kitzbühel wurden sogar Überreste von Almtieren aus der Spätbronzezeit gefunden, also aus der Zeit zwischen 1250 und 750 vor Christus.

Ab dem 9. Jahrhundert, mit der bairischen Landnahme, sind urkundliche Belege für die Almnutzung vorhanden. Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert führte die zunehmende Bevölkerungsdichte zu verstärkten Rodungen in den Gebirgswäldern, wodurch neue Almen entstanden. Ein Rückschlag folgte durch die Kleine Eiszeit: Diese führte zu einer Verkürzung der Auftriebszeiten auf den Almen, und viele Hochalmen in den Berchtesgadener Alpen und um Oberstdorf wurden aufgegeben.

Der Grundgedanke hinter der Almwirtschaft war immer derselbe: Die Erträge aus der Landwirtschaft in den Tälern wurden für die Wintermonate gebraucht, und die Almnutzung stellte somit eine Entlastung im Sommer dar. Wer sein Vieh im Sommer in die Höhe schickte, hatte im Tal Platz, Heu für den Winter einzubringen.

Ablauf

In vielen Regionen wird der Almauftrieb mit einer Segnung begleitet. Vor dem Aufstieg versammeln sich die Bauernfamilien, Hirtinnen und Hirten mit ihren Tieren, um den Segen für eine unfallfreie Almsaison zu erhalten. In vielen Orten ist es noch Brauch, dass ein Pfarrer vor Ort ist und die Tiere vor dem Auftrieb segnet, um sie gegen die Gefahren wie Abstürze oder Krankheiten zu schützen.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Almauftrieb mit manchmal mehrtägigen Fußmärschen für Vieh und Hirten verbunden. Dabei wurden den Kühen, je nach Gegend, große Glocken umgehängt. Im Gegensatz zum festlichen Almabtrieb im Herbst wurden die Tiere beim Aufstieg traditionell nicht mit Blumenschmuck versehen. Die Stimmung war arbeitsam, nicht zeremoniell.

In vielen Almhütten ist es üblich, dass nach dem Almauftrieb eine gemeinsame Mahlzeit eingenommen wird: ein einfaches, aber herzhaftes Almfrühstück mit frischem Brot, Almbutter, Almkäse und Speck. Diese Geste des gemeinsamen Essens am ersten Tag auf der Alm symbolisiert den Beginn eines neuen Almsommers und die Verbundenheit zwischen Mensch, Tier und Berglandschaft.

In Tirol und Salzburg sind es vor allem die Genossenschaftsalmen, die gemeinschaftlich bewirtschaftet werden und beim Auftrieb ein kollektives Ereignis für mehrere Bauernfamilien darstellen. Regional unterschiedlich ist auch, welche Tiere aufgetrieben werden: Mancherorts sind es nur Kühe, anderswo Schafe, Ziegen oder in Tirol und im Pinzgau auch Haflinger-Pferde.

Bedeutung heute

Der Almauftrieb markiert den Beginn eines neuen Almsommers, fördert den Zusammenhalt in der Gemeinschaft und bewahrt jahrhundertealte Traditionen. Gleichzeitig hat er eine handfeste wirtschaftliche Funktion: Durch die Aufzucht im gesunden Bergklima wird das Almvieh besonders robust, und die verschiedenen Gebirgskräuter und -pflanzen, die von den Tieren gefressen werden, steigern die Fleisch- und Milchqualität erheblich.

Die Almwirtschaft erlebte nach einem Einbruch in den 1970er Jahren ab 1980 dank verschiedener Förderungen und des noch vorhandenen Traditionsbewusstseins einen neuen Aufschwung und ist zunehmend auch für den Tourismus ein Thema geworden.

Antlasseier

In der Osterzeit sind Eier mehr als nur ein Frühstücksbestandteil. Sie sind ein Symbol für Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und das ewige Leben. Besonders in Österreich gibt es eine reiche Tradition rund um das Osterfest und seine Eier.

Die Eier, die am Gründonnerstag gelegt werden, tragen einen besonderen Namen – sie werden als Antlasseier bezeichnet. Der Gründonnerstag, der Tag vor Karfreitag, ist ein wichtiger Tag im christlichen Kalender, da er das letzte Abendmahl von Jesus Christus mit seinen Jüngern markiert.

Ebenso bedeutsam sind die Eier, die am Karfreitag gelegt werden. Diese werden als Karfreitagseier bezeichnet. Der Karfreitag ist ein Tag der Trauer und des Gedenkens an die Kreuzigung Jesu Christi.

Diese speziellen Eier, insbesondere das erste Ei, das an diesem Tagegelegt wird, haben eine besondere Bedeutung. Es wird angenommen, dass sie Glück für den Besitzer und seinen Hühnerstall bringen. Sie werden auch mit der Fähigkeit zur Abwehr von Unheil in Verbindung gebracht.

Eine gängige Praxis besteht darin, das geweihte Ei auf dem Dachboden zu verstauen. Es wird geglaubt, dass dies dazu beiträgt, Unheil von dem Haus und seinen Bewohnern fernzuhalten. Dieser Brauch ist ein schönes Beispiel dafür, wie alte Traditionen und Glaubenssysteme bis heute fortbestehen und in unseren modernen Lebensstil integriert werden.

Aschenkreuz

Während der Fasching mit seiner Ausgelassenheit zu Ende geht, markiert der Aschermittwoch für Christen einen neuen Anfang. Dieser Tag leitet die 40-tägige Fastenzeit, auch als österliche Bußzeit bekannt, ein. Als Zeichen der Fastenzeit wird das Aschenkreuz auf die Stirn der Gläubigen gezeichnet.

Die Versuchung Jesu, das „biblische Vorbild“

Die 40-tägige Fastenzeit hat ihr biblisches Vorbild in der Erzählung von der Versuchung Jesu. Jesus verbrachte 40 Tage und Nächte in der Wüste, wo er den Versuchungen des Teufels widerstand (Mt 4,1-11). Die Gläubigen folgen diesem Beispiel und fasten in Vorbereitung auf das kommende Osterfest.

Ursprung der Fastenzeit und das Aschenkreuz

Ursprünglich begann die kirchliche Fastenzeit am sechsten Sonntag vor Ostern. Papst Gregor der Große verlegte den Beginn auf den vorangehenden Mittwoch, um exakt 40 Fasttage bis zum Osterfest zu gewährleisten. Der Aschermittwoch markiert den Beginn der öffentlichen Kirchenbuße, wobei Büßer Bußgewand und Asche erhielten. Heute symbolisiert das Aschenkreuz auf der Stirn die Bereitschaft zu Umkehr und Buße.

Der Ritus der Aschenbestreuung

Die Aschenbestreuung hat ihren Ursprung im 11. Jahrhundert und wurde zunächst bei der Kirchenbuße praktiziert. Seit 1969 besprengt der Priester die Asche mit Weihwasser, segnet sie und zeichnet den Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn. Dabei werden folgende Worte gesprochen:

Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.

Priester beim Zeichnen des Aschenkreuzes

Bedeutung der Asche und strenger Fastentag

Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit des Menschen und symbolisiert, dass Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Der Aschermittwoch ist ein strenger Fast- und Abstinenztag. Fleisch darf nicht gegessen werden, und es sind nur eine einmalige Sättigung sowie morgens und abends je eine kleine Stärkung erlaubt. Dieser symbolische Abschied vom Fleisch soll die Gläubigen auf das geistliche Leben und Gott besinnen.

Traditionen und moderne Formen des Fastens

Der Aschermittwoch hat nicht nur traditionelle Speisen wie den sauren Hering hervorgebracht, sondern auch Redensarten wie „Asche auf mein Haupt“. Heutzutage kann das Fasten in verschiedenen Formen praktiziert werden, von Verzicht auf bestimmte Lebensmittel bis hin zu modernen Initiativen wie „SMS-Fasten“ oder „Autofasten“.

Der Aschermittwoch markiert den Übergang von der ausgelassenen Karnevalszeit zur besinnlichen Fastenzeit. Die Symbolik des Aschenkreuzes erinnert die Gläubigen an ihre Vergänglichkeit und ruft zu Umkehr und Buße auf. Durch Fasten und Verzicht bereiten sich die Menschen auf das höchste Fest im Kirchenjahr vor – das Osterfest.

Eierpecken

Zwei hartgekochte, bunt gefärbte Eier, eine Spitze gegen die andere, ein kurzer, fester Stoß – und schon steht fest, wessen Ei diese Ostern noch ein zweites Mal hält. Eierpecken ist der kleine, lautstarke Wettkampf, der zum österlichen Frühstückstisch gehört wie das Palmbuschenweihen zum Palmsonntag: Jeder tritt mit seinem Ei gegen den Tischnachbarn an, wessen Schale zuerst zerbricht, hat verloren und muss sein Ei abgeben.

Regeln und Dialektbezeichnungen

Die Grundregel ist denkbar einfach und im ganzen Alpenraum ähnlich: Zwei Spielerinnen oder Spieler halten je ein gekochtes Ei in der Faust, meist nur die Spitze frei, und schlagen die beiden Enden gegeneinander. Wessen Schale intakt bleibt, gewinnt die Runde und darf mit demselben Ei gegen die oder den Nächsten antreten, das kaputte Ei wandert an die Siegerin oder den Sieger. In Bayern kennt man den Brauch als Oarpecken oder Oarhiartn, in der nördlichen Oberpfalz auch als Oiastoußn oder Oiaboxn, in Österreich hat sich daneben die Bezeichnung Oarpecken eingebürgert. So verschieden die Namen, so gleich bleibt das Prinzip: Wer am Ende noch ein heiles Ei in der Hand hält, hat das Recht auf den letzten Lacher.

Herkunft aus der Fastenzeit

Dass ausgerechnet zu Ostern derart viele Eier zur Verfügung standen, hat einen nüchternen Grund. Im Mittelalter war der Genuss tierischer Produkte während der vierzigtägigen Fastenzeit streng verboten, auch Eier durften nicht gegessen werden. Die Hennen legten in dieser Zeit aber weiter, und so sammelten sich bis Ostern beträchtliche Mengen an, die man zum Haltbarmachen kochte. Nach dem Fastenbrechen an Ostern waren diese gekochten Eier plötzlich in Hülle und Fülle vorhanden, gefärbt wurden sie ohnehin schon lange, um sie von rohen Eiern zu unterscheiden – aus diesem Überschuss heraus entwickelte sich das spielerische Aneinanderschlagen fast von selbst.

Älter als diese praktische Erklärung sind symbolische Deutungen, wonach das Ei im vorchristlichen Brauchtum als Zeichen von Fruchtbarkeit und neuem Leben galt und dem heraufziehenden Frühling gewidmet wurde. Wie genau sich diese älteren Vorstellungen mit dem christlichen Osterfest und dem konkreten Spiel des Eierpeckens verbunden haben, lässt sich im Detail nicht eindeutig belegen, gesichert ist aber, dass beide Deutungsstränge – das praktische Verwerten der Fastenzeit-Eier und die ältere Symbolik von Ei und Frühling – bis heute nebeneinanderstehen.

Eierpecken in Salzburg

In Salzburg zählt das Eierpecken neben dem Bemalen der Ostereier, der Palmweihe und dem Verstecken des Osternestes zu den lebendigsten Osterbräuchen. Ausgetragen wird es meist im Familienkreis am Ostersonntag oder Ostermontag, oft direkt am Frühstückstisch, manchmal auch als eigener kleiner Wettbewerb mit mehreren Runden. Wer am Ende die meisten Eier gewonnen hat, darf sich bis zum nächsten Jahr als inoffizieller Hausmeister im Eierpecken fühlen – ein kleiner, aber fester Programmpunkt im großen österlichen Brauchtumsreigen.

Fleischweihe

Am Karsamstag oder in der Osternacht tragen viele Familien im Alpenraum einen gedeckten Korb zur Kirche, den Weihkorb. Darin liegt, sorgfältig geschichtet und oft mit einer bestickten Weihkorbdecke zugedeckt, was am Ostersonntag auf den Tisch kommen soll: Osterschinken oder anderes gepökeltes Fleisch, Kren, Osterbrot oder -striezel, gefärbte Eier und feines Backwerk. Der Priester segnet diese Gaben, und der Brauch trägt je nach Region unterschiedliche Namen – Fleischweihe, Speisenweihe oder Speisensegnung meinen dasselbe.

Woher der Brauch kommt

Die Wurzeln der Speisensegnung reichen bis in die älteste christliche Tradition zurück. Sie steht am Ende der vierzigtägigen Fastenzeit, in der auf Fleisch und andere üppige Speisen verzichtet wurde, und markiert damit sinnbildlich das Ende von Buße und Verzicht. Was gesegnet in den Korb kommt, hat dabei eine feste Bedeutung: Das Brot steht für Christus selbst und für die Gemeinschaft am Tisch, das Lamm für die Erlösung, die gefärbten Eier für den Neubeginn und das neue Leben, und der scharfe Kren erinnert an die Bitterkeit, die dem Osterfest vorausging. So verbindet die geweihte Osterjause den Altar mit dem heimischen Esstisch – was in der Kirche gesegnet wurde, landet wenig später als festliches Frühstück oder Mittagessen in der Familie.

Regionale Unterschiede

Der genaue Zeitpunkt der Weihe schwankt: Manche Pfarren segnen die Körbe schon am Karsamstag, andere im Anschluss an die Feier der Osternacht, wieder andere erst nach dem Gottesdienst am Ostersonntag selbst. Auch die Verbreitung ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Besonders fest verankert ist die Fleischweihe in der Steiermark und in Kärnten, wo der Brauch bis heute vielerorts fixer Bestandteil des Osterwochenendes ist. Je weiter man nach Norden kommt, desto seltener wird er, in Salzburg etwa ist die Fleischweihe kaum verbreitet – hier stehen andere österliche Bräuche wie das Palmbuschenweihen oder das Eierpecken stärker im Vordergrund.

Wo der Brauch gepflegt wird, bleibt er ein anschauliches Stück gelebter Frömmigkeit: Die Osterspeisen werden nicht einfach gegessen, sondern zuvor bewusst gesegnet, und der festlich gedeckte Ostertisch trägt damit ein Stück Gottesdienst mit sich nach Hause.

Fußwaschung

Die Fußwaschung ist ein fester Bestandteil der liturgischen Bräuche am Gründonnerstag. Bis 1956 war diese Zeremonie ausschließlich Bischöfen und Äbten vorbehalten und wurde daher hauptsächlich in den Kathedralen der Bischofssitze durchgeführt. Mit der Reform der Karwochenliturgie wurde dieses Ritual jedoch für alle Kirchen zugänglich gemacht, wobei die Entscheidung über die Durchführung nun den einzelnen Pfarrämtern überlassen wird.

Diese Änderung spiegelt eine Öffnung und Demokratisierung der liturgischen Praxis wider, die es ermöglicht, dass mehr Gläubige an diesem Ritus teilnehmen können. Die Fußwaschung symbolisiert die Demut und den Dienst am Nächsten, wie es Jesus Christus seinen Jüngern vorlebte. Durch die Einbeziehung aller Kirchen wird diese Botschaft der Nächstenliebe und Bescheidenheit weiter verbreitet und vertieft.

In vielen Gemeinden hat sich die Fußwaschung zu einem bewegenden und verbindenden Moment entwickelt, der die Gemeinschaft stärkt und die Bedeutung des Dienens in den Vordergrund stellt. Es ist eine Gelegenheit, innezuhalten und sich der tiefen spirituellen Bedeutung dieses Ritus bewusst zu werden, der uns daran erinnert, dass wahre Größe im Dienst am anderen liegt.

Die erneuerte Praxis der Fußwaschung am Gründonnerstag ist somit nicht nur eine Rückbesinnung auf alte Traditionen, sondern auch ein Schritt in Richtung einer inklusiveren und gemeinschaftlicheren Kirche.

Georgiritt

Rund um den 23. April, den Gedenktag des heiligen Georg, sattelt man in vielen Orten Bayerns und Österreichs die Pferde für eine besondere Prozession: den Georgiritt. Reiterinnen und Reiter ziehen mit ihren Tieren zur Kirche oder Kapelle, um dort den Segen für Ross und Reiter zu empfangen, ein Brauch, der den heiligen Georg als Patron der Pferde ehrt.

Der heilige Georg als Pferdepatron

Der heilige Georg wird seit über tausend Jahren verehrt und meist als Ritter dargestellt, der einen Drachen besiegt, ein Bild für den Sieg des Guten über das Böse. Aus dieser Rittergestalt heraus entwickelte sich seine besondere Zuständigkeit für Pferde und Reiter, weshalb sein Gedenktag im April vielerorts zum eigentlichen Reitertag wurde.

Von der Bittprozession zum Georgiritt

Bis ins 18. Jahrhundert waren es vor allem Wetter- und Viehprozessionen, an denen sich auch berittene Gruppen beteiligten und um Schutz für Feld, Vieh und Wetter baten. Unter Erzbischof Hieronymus Colloredo wurden solche Bittprozessionen zwischen 1780 und 1783 im Zuge kirchlicher Reformen weitgehend verboten, und mit ihnen geriet auch der Georgiritt vielerorts in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert lebte der Brauch in mehreren Gemeinden wieder auf, seither hat sich der Georgiritt als eigenständige, feste Tradition rund um den Georgstag neu etabliert.

Georgiritt in Salzburg

Besonders bekannt ist der Georgiritt der Salzburger Bürgergarde auf die Festung Hohensalzburg. Der Reiterzug startet vom Kapitelplatz und zieht hinauf zur Festung, wo im Burghof die Pferdesegnung stattfindet, begleitet von einer Festmesse in der dortigen St.-Georgs-Kapelle. Die Teilnahme an der Pferdesegnung im Burghof steht allen offen und ist ohne Anmeldung möglich, Ritt und Segnung finden allerdings nur bei geeignetem Wetter statt. Über Salzburg hinaus gibt es Georgiritte auch in Neumarkt am Wallersee, Eugendorf, Thomatal und St. Georgen im Pinzgau, jeweils mit Pferdewallfahrten, Segnungen und teils auch Reiterspielen.

Georgstag als Lostag

Neben dem Reiterbrauch ist der 23. April im alten bäuerlichen Kalender auch ein Lostag für die Wetterprognose. Ein bekannter Spruch dazu lautet: Gewitter am Georgstag kündige ein eher kühles Jahr an. Solche Bauernregeln haben mit dem eigentlichen Georgiritt zwar nichts unmittelbar zu tun, zeigen aber, wie eng Heiligenverehrung und bäuerlicher Alltag im Frühling ineinandergriffen. Der Georgiritt selbst ist bis heute genau dieser Doppelcharakter geblieben: ein festlicher Kirchgang zu Pferd und zugleich ein Stück gelebter dörflicher Gemeinschaft.

Heiliges Grab (Ostern)

In manchen Kirchen wird am Karfreitag eine eigens dafür errichtete Grabkapelle aufgebaut, mit einer Figur des toten Christus darin. Von Karfreitag bis zur Osternacht wachen Gläubige davor, oft in ständiger Ablösung, bis in der Osternacht die Auferstehung gefeiert wird und das Grab seine Bedeutung verliert. Dieses Heilige Grab ist eines der ältesten und zugleich am wenigsten bekannten Elemente des österlichen Kirchenjahres im Alpenraum.

Herkunft aus der Kreuzzugszeit

Der Brauch entstand während der Kreuzzugszeit, als Pilger und Ritter mit den Bildern der Grabeskirche in Jerusalem nach Europa zurückkehrten und in ihrer Heimat Nachbildungen der dortigen Grabkapelle errichten ließen. Eine eigentliche Blütezeit erlebte die Tradition im Barock, mit reich ausgestatteten, oft aufwendig kulissenhaft gestalteten Heiligen Gräbern. Im Wiener Stephansdom lässt sich der Brauch bereits um das Jahr 1400 nachweisen, damals in Form einer Holztruhe, deren Deckel Szenen der Auferstehung zeigte. In den katholischen Gebieten Süddeutschlands und Österreichs setzte sich der Brauch besonders im Zuge der Gegenreformation durch, als die Kirche mit sinnlich erfahrbaren Bildern gezielt den Glauben stärken wollte.

Ablauf und Funktion

Kirchen, die das Heilige Grab pflegen, bauen dafür eine Nachbildung des Felsengrabes auf und legen eine Christusfigur hinein. Häufig ist damit die Anbetung des Allerheiligsten verbunden, das Grab wird also nicht nur besichtigt, sondern bewacht und angebetet. Zu Ostern selbst diente das Grab jahrhundertelang auch als Bühne für kleine geistliche Auferstehungsspiele, mit denen die Gemeinde den Weg vom Karfreitag zur Osterfreude nachvollziehen konnte.

Die Heiliggrab-Bruderschaft von Pfunds

Ein besonders eindrückliches Beispiel gelebter Tradition findet sich im Tiroler Pfunds. Dort besteht seit 1511 die Heiliggrab-Bruderschaft, eine eigenständige Organisation, die den Brauch bis heute trägt: Am Samstag vor Palmsonntag wird das Heilige Grab aufgebaut, von Karfreitag bis Karsamstag folgt eine ununterbrochene, vierundzwanzigstündige Anbetung. Zwölf Männergruppen zu je sechzehn Personen teilen sich Auf- und Abbau sowie die Wache. Für diese über fünfhundert Jahre gepflegte Tradition wurde die Bruderschaft 2013 in die österreichische Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Wiederentdeckung

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil geriet der Brauch in vielen Pfarren in Vergessenheit, die veränderte Liturgie ließ für die aufwendigen Grabkapellen kaum noch Platz. In den vergangenen Jahren erlebt das Heilige Grab jedoch in mehreren Pfarren eine Wiederentdeckung. Wo es gepflegt wird, bleibt es ein stilles, aber eindrucksvolles Zeichen dafür, wie ernst die Kirche das Innehalten am Karfreitag über die Jahrhunderte genommen hat, bevor am Ostermorgen die Freude über die Auferstehung folgt.

Neujahrsschießen

Beim Neujahrsschießen – auch Böllerschießen, Salutschießen oder regional schlicht Neujahrssalut genannt – wird rund um den Jahreswechsel mit Vorderlader-Gewehren, Böllern oder Steinschlossgewehren in die Luft geschossen. Meist geschieht das zu Mitternacht, manchmal aber auch an den sogenannten Raunächten oder zum Dreikönigstag (6. Jänner).

Es ist kein zufälliges Schießen, sondern ein rituell verankerter Brauch, der in Schützenvereinen, Prangerstutzenvereinen und Böllerschützenkompanien gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Ursprung des Neujahrsschießens reicht weit zurück – wie weit genau, lässt sich nicht eindeutig belegen. Volkskundlich vermutet wird, dass der Brauch auf vorchristliche Vorstellungen zurückgeht: Lärm, Feuer und Knall sollten böse Geister, Dämonen und das Unheil des alten Jahres vertreiben. Der neue Jahresbeginn sollte buchstäblich „freigekämpft“ werden.

Mit der Verbreitung von Schusswaffen ab dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit bekam dieser Brauch eine neue Form. Anstatt mit Glocken, Töpfen und Lärminstrumenten übernahm die Schusswaffe die Funktion des Abwehrenden.

Ob das Schießen direkten Ursprung in bäuerlichen Schutzbräuchen oder eher in der Ehrenbekundung durch Salutschüsse hat – wie es auch bei Hochzeiten, Kirchweih oder dem Einzug von Würdenträgern üblich war –, lässt sich regional unterschiedlich beantworten. Wahrscheinlich flossen beide Traditionen ineinander.

Ablauf und typische Elemente

Das Herzstück des Brauchs ist das gemeinsame Böllern je nach Region zu einer bestimmten Zeit. Dabei stellen sich die Schützen – oft in Tracht – auf erhöhten Plätzen, Almwiesen, vor Kirchen oder auf Dorfplätzen auf. Gezielt wird immer in die Luft, niemals auf Ziele.

Typische Elemente:

  • Der Vorderlader
    Das klassische Werkzeug des Böllerschützen. Er wird von Hand geladen, mit Schwarzpulver bestückt und per Steinschloss oder Zündkapsel gezündet. Der satte, tiefe Knall unterscheidet ihn deutlich vom hellen Krachen eines Feuerwerks.
  • Die Schützenkette
    Oft schießen mehrere Schützen nacheinander oder gleichzeitig, um einen langen Salut oder ein Echo durch die Berge zu erzeugen.
  • Dreischuss oder Siebenschuss
    Mancherorts ist die Zahl der Schüsse rituell festgelegt. Drei Schüsse gelten als Ehrengruß, sieben als festliches Salut. Auch die Dreifaltigkeit soll damit symbolisiert werden.

Im Salzburger Tennengau, im Pongau und in Teilen des Salzkammerguts ist das Böllerschießen eng mit den Raunächten verknüpft. Dort wird nicht nur zu Neujahr, sondern auch in der Heiligen Nacht und zu Dreikönig geschossen. Die Raunächte gelten als Zeit, in der die Grenze zwischen den Welten besonders dünn ist – das Schießen soll diese Nächte schützen.

In Bayern pflegen vor allem die Gebirgsschützen und traditionellen Schützenvereine das Neujahrsschießen. Besonders bekannt sind die Salven der Gebirgsschützenkompanien, die auch bei politischen und kirchlichen Anlässen ihren Böllersalut abfeuern.

In Tirol und der Steiermark ist das Böllerschießen oft Teil größerer Festveranstaltungen, bei denen Tracht, Musik und der Jahreswechsel eng miteinander verbunden werden.

Bedeutung heute

Das Neujahrsschießen erlebt in vielen Regionen eine stabile, teils sogar wachsende Pflege. Böllerschützenvereine sind aktiv, Nachwuchs wird ausgebildet, und die Tradition wird bewusst als kulturelles Erbe verstanden. Gleichzeitig gibt es, besonders in städtischen Räumen, Diskussionen über Lärm und die Nähe zu Wohngebieten.

Was bleibt, ist das Grundgefühl: Der Knall markiert einen Übergang. Er ist laut, unüberhörbar und kollektiv. Er sagt: Das alte Jahr ist vorbei. Das neue beginnt und wir sind dabei.