Almauftrieb

Als Almauftrieb, in der Schweiz auch Alpaufzug oder Alpfahrt genannt, bezeichnet man das Bringen von Weidevieh auf die Bergweiden, die sogenannten Almen. Der Termin richtet sich nach dem Pflanzenwachstum in der Höhe: Er findet, ausgerichtet am aktuellen Pflanzenwachstum auf den Almen, meist im Mai oder Juni statt. Den Abschluss des Almsommers bildet dann im Herbst der Almabtrieb.

Der Almauftrieb ist das stillere, unspektakulärere Gegenstück zum festlichen Almabtrieb im September oder Oktober. Doch gerade in dieser Schlichtheit liegt etwas Echtes: Es geht nicht ums Schauspiel, sondern ums Wirtschaften, ums Loslassen und ums Vertrauen in den Sommer.

Herkunft

Die Almwirtschaft zählt zu den ältesten Nutzungsformen im gesamten Alpenraum. Neueste Forschungen zeigen, dass bereits im 5. Jahrtausend vor Christus die natürlichen Weideflächen oberhalb der Waldgrenze in den Alpen genutzt wurden. Auf der Kelch-Alm bei Kitzbühel wurden sogar Überreste von Almtieren aus der Spätbronzezeit gefunden, also aus der Zeit zwischen 1250 und 750 vor Christus.

Ab dem 9. Jahrhundert, mit der bairischen Landnahme, sind urkundliche Belege für die Almnutzung vorhanden. Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert führte die zunehmende Bevölkerungsdichte zu verstärkten Rodungen in den Gebirgswäldern, wodurch neue Almen entstanden. Ein Rückschlag folgte durch die Kleine Eiszeit: Diese führte zu einer Verkürzung der Auftriebszeiten auf den Almen, und viele Hochalmen in den Berchtesgadener Alpen und um Oberstdorf wurden aufgegeben.

Der Grundgedanke hinter der Almwirtschaft war immer derselbe: Die Erträge aus der Landwirtschaft in den Tälern wurden für die Wintermonate gebraucht, und die Almnutzung stellte somit eine Entlastung im Sommer dar. Wer sein Vieh im Sommer in die Höhe schickte, hatte im Tal Platz, Heu für den Winter einzubringen.

Ablauf

In vielen Regionen wird der Almauftrieb mit einer Segnung begleitet. Vor dem Aufstieg versammeln sich die Bauernfamilien, Hirtinnen und Hirten mit ihren Tieren, um den Segen für eine unfallfreie Almsaison zu erhalten. In vielen Orten ist es noch Brauch, dass ein Pfarrer vor Ort ist und die Tiere vor dem Auftrieb segnet, um sie gegen die Gefahren wie Abstürze oder Krankheiten zu schützen.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Almauftrieb mit manchmal mehrtägigen Fußmärschen für Vieh und Hirten verbunden. Dabei wurden den Kühen, je nach Gegend, große Glocken umgehängt. Im Gegensatz zum festlichen Almabtrieb im Herbst wurden die Tiere beim Aufstieg traditionell nicht mit Blumenschmuck versehen. Die Stimmung war arbeitsam, nicht zeremoniell.

In vielen Almhütten ist es üblich, dass nach dem Almauftrieb eine gemeinsame Mahlzeit eingenommen wird: ein einfaches, aber herzhaftes Almfrühstück mit frischem Brot, Almbutter, Almkäse und Speck. Diese Geste des gemeinsamen Essens am ersten Tag auf der Alm symbolisiert den Beginn eines neuen Almsommers und die Verbundenheit zwischen Mensch, Tier und Berglandschaft.

In Tirol und Salzburg sind es vor allem die Genossenschaftsalmen, die gemeinschaftlich bewirtschaftet werden und beim Auftrieb ein kollektives Ereignis für mehrere Bauernfamilien darstellen. Regional unterschiedlich ist auch, welche Tiere aufgetrieben werden: Mancherorts sind es nur Kühe, anderswo Schafe, Ziegen oder in Tirol und im Pinzgau auch Haflinger-Pferde.

Bedeutung heute

Der Almauftrieb markiert den Beginn eines neuen Almsommers, fördert den Zusammenhalt in der Gemeinschaft und bewahrt jahrhundertealte Traditionen. Gleichzeitig hat er eine handfeste wirtschaftliche Funktion: Durch die Aufzucht im gesunden Bergklima wird das Almvieh besonders robust, und die verschiedenen Gebirgskräuter und -pflanzen, die von den Tieren gefressen werden, steigern die Fleisch- und Milchqualität erheblich.

Die Almwirtschaft erlebte nach einem Einbruch in den 1970er Jahren ab 1980 dank verschiedener Förderungen und des noch vorhandenen Traditionsbewusstseins einen neuen Aufschwung und ist zunehmend auch für den Tourismus ein Thema geworden.

Kräuterweihe

Am 15. August, dem Hochfest Mariä Himmelfahrt, lassen viele Gläubige in Österreich und Bayern einen Strauß aus Heilkräutern segnen – die Kräuterweihe, einen der ältesten noch lebendigen Bräuche des Kirchenjahres. Regional trägt der Tag auch Namen wie Großer Frauentag, Maria Kräuterweih oder Maria Wurzweih. In Österreich, im Saarland und in einigen bayerischen Gemeinden ist der 15. August zudem ein gesetzlicher Feiertag.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Das Marienfest selbst zählt zu den ältesten Festen des Kirchenjahres und wurde im griechischsprachigen Raum bereits im 6. Jahrhundert begangen. Erst im 9. Jahrhundert verband sich die kirchliche Feier mit einem deutlich älteren, vorchristlichen Ritual: dem Segnen von Kräuterbündeln zur Zeit der Spätsommerernte, wie es in den gerade missionierten germanischen Gebieten bereits verbreitet war. Für die ländliche Bevölkerung stand dieses Weiheritual über Jahrhunderte hinweg mindestens gleichrangig neben der theologischen Bedeutung des Tages, der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Getragen wird der christliche Rahmen der Kräuterweihe von einer Legende: Als die Apostel nach Marias Tod ihr Grab öffneten, sollen sie darin keinen Leichnam, sondern Blumen und duftende Kräuter vorgefunden haben. Diese Erzählung lieferte die religiöse Begründung dafür, ausgerechnet an diesem Tag Pflanzen zu weihen – auch wenn die Wurzeln des Brauchs selbst, wie die Verbindung zur vorchristlichen Erntedank-Zeit zeigt, älter sind als die Legende.

Der Kräuterbuschen und seine Zahlensymbolik

Kernstück des Brauchs ist der Kräuterbuschen, auch Würzbüschel genannt: ein Strauß aus Heilkräutern, Getreideähren und Blüten, dessen Zusammensetzung von Region zu Region variiert. Die Anzahl der verwendeten Pflanzen folgt dabei fast immer einer symbolischen Zahl:

  • Sieben Kräuter für die Schöpfungstage oder die Wochentage.
  • Neun, als dreifache Drei, verstärkt den Bezug zur Heiligen Dreifaltigkeit.
  • Zwölf steht für die Apostel, vierundzwanzig verdoppelt diese Zahl um die zwölf Stämme Israels.
  • Zweiundsiebzig, das Sechsfache von zwölf, wird mit der im Lukasevangelium genannten Zahl der von Jesus ausgesandten Jünger in Verbindung gebracht.
  • Manche Regionen kennen auch Sträuße aus 99 verschiedenen Pflanzen.

In der Mitte des Straußes steht traditionell die Königskerze als Sinnbild Mariens. Um sie herum finden sich je nach Gegend Johanniskraut, Beifuß, Schafgarbe, Kamille, Thymian, Lavendel, Rosmarin, Baldrian, Eisenkraut oder Wermut. Manchen dieser Pflanzen schrieb man ganz praktische Wirkungen zu: Beifuß und Lavendel sollten Ungeziefer fernhalten, Rosmarin einen ruhigen Schlaf fördern, mitgebundene Getreideähren erinnerten an das tägliche Brot.

Weihe und Frauendreißiger

Gebunden werden die Kräuterbuschen häufig gemeinschaftlich, bevor sie im Gottesdienst oder im Anschluss daran vom Priester gesegnet werden. Damit werden sie zu einem sogenannten Sakramentale – einem gesegneten Gegenstand, dem religiöse Schutzwirkung zugeschrieben wird, ohne den Rang eines Sakraments zu haben.

An Mariä Himmelfahrt beginnt zudem der sogenannte Frauendreißiger, ein dreißigtägiger Zeitraum bis etwa zum 15. September, in dem Kräuter dem Volksglauben nach besonders wirkkräftig sein sollen. Manche volkskundliche Deutungen bringen diese Zeit auch mit vorchristlichen Vorstellungen einer Schutzpatronin der Frauen und Heilpflanzen in Verbindung – eine volkstümliche Interpretation, keine gesicherte historische Herleitung.

Verwendung der geweihten Kräuter im Jahreslauf

Nach der Weihe finden die Kräuterbuschen meist ihren Platz im Herrgottswinkel des Hauses, wo sie das ganze folgende Jahr über aufbewahrt werden. Von dort holt man sie bei Bedarf: als Tee bei Krankheit, zum Räuchern etwa in den Rauhnächten um Weihnachten, als Beimischung zum Futter der Stalltiere oder, bei aufziehendem Gewitter, um einzelne Zweige ins Herdfeuer zu werfen und so Haus und Hof vor Blitzschlag zu schützen.

Bedeutung heute

Kirchlich betrachtet, ist die Kräuterweihe heute vor allem ein Zeichen der Ehrfurcht vor der Schöpfung: Die Heilkraft der Pflanzen gilt als sichtbares Symbol göttlicher Fürsorge für die Menschen. Im gelebten Volksglauben schwingt daneben bis heute die ältere Vorstellung einer schützenden, beinahe magischen Kraft der geweihten Kräuter mit – beide Deutungen bestehen nebeneinander, ohne dass sie sich gegenseitig ausschließen.

Gerade in ländlichen Gemeinden Bayerns und Österreichs ist das gemeinsame Sammeln und Binden der Kräuter bis heute ein sozialer Termin im Spätsommer – ein Anlass, bei dem sich Nachbarschaft und Pfarrgemeinde treffen, bevor der Herbst beginnt.

Pfingstschnalzen

Beim Pfingstschnalzen knallen Burschen und Männer mit langen Peitschen, in der Volkskunde als sogenannte Lärmbrauch eingestuft. Der erzeugte Knall entsteht, wenn die Peitschenschnur mit Schwung durch die Luft geführt wird und die Schnurspitze die Schallmauer im Kleinen durchbricht. Der Klang ist scharf, weithin hörbar und unverkennbar. In der Steiermark ist der Brauch des Pfingstschnalzens am Pfingstsamstag noch immer üblich. Auch in Teilen Oberösterreichs hat er sich erhalten.

Herkunft

Der Ursprung des Pfingstschnalzens liegt im bäuerlichen Alltag. Mit dem Pfingstfest begann früher die Weideperiode, und es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als Halterbuben einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das Pfingstschnalzen.

Der Halterbub, also derjenige, der das Vieh über den Sommer auf die Weide trieb und beaufsichtigte, brauchte die Peitsche als tägliches Arbeitswerkzeug. Das Schnalzen diente also nicht nur dem Spaß, sondern war auch ein praktischer Kompetenznachweis: Wer eine schwere Goaßl sicher führen konnte, war reif für die Alm.

Ob dem Peitschenknallen darüber hinaus auch eine apotropäische Funktion zugeschrieben wurde, also das Vertreiben böser Geister, wird in manchen Quellen erwähnt, ist aber nicht eindeutig belegt. Die volkstümliche Deutung, das Pfingstschnalzen mit Peitschen vertreibe böse Geister, ist verbreitet, aber volkskundlich nicht abschließend gesichert.

Das Pfingstschnalzen steht nicht allein. Es ist eingebettet in einen bunten Strauß an Pfingstbräuchen, die das Ende des Frühlings und den Einzug des Sommers feiern. Neben dem Pfingstschnalzen gibt es in Oberösterreich weitere Bräuche, die in den ländlichen Gegenden fixer Bestandteil des Jahreskreises sind: Pfingsttänze und Spiele unter freiem Himmel sollen den Sommer begrüßen, Pfingstbäume werden aufgestellt und Pfingstmaien verteilt.

Der Zusammenhang mit dem Aperschnalzen

Wer sich mit dem Pfingstschnalzen befasst, stößt unweigerlich auf seinen verwandten Brauch: das Aperschnalzen. Beide verwenden die Goaßl, beide gehören zur Kategorie der Lärmbräuche, aber der Zeitpunkt und die Herkunft unterscheiden sich. Beim Aperschnalzen, das im bayerischen Rupertiwinkel und im Salzburger Flachgau gepflegt wird, soll der laute Knall der Goaßl symbolisch den Winter vertreiben und auf den wiederkehrenden Frühling überleiten. Das Aperschnalzen findet zwischen dem Dreikönigstag und dem Faschingsdienstag statt, also mitten im Winter.

Das Pfingstschnalzen hingegen kommt rund drei Monate später, wenn der Frühling längst angekommen ist. Es ist kein Winteraustreiber mehr, sondern ein Sommereinläuter. Die beiden Bräuche mögen dieselben Werkzeuge und ähnliche Motive teilen, sind aber historisch und geographisch unterschiedlich verwurzelt.

Das Pfingstschnalzen ist heute vor allem in der Steiermark und in Teilen Oberösterreichs bekannt. In anderen Teilen des Alpenraums, etwa im Salzburger Zentralraum oder in Tirol, ist es als eigenständiger Pfingstbrauch weniger präsent, auch wenn die Goaßl dort durch das Aperschnalzen fest im Brauchtum verankert ist. Wie verbreitet das Pfingstschnalzen früher genau war, lässt sich anhand verfügbarer Quellen nicht präzise rekonstruieren.

Bedeutung heute

Das Pfingstschnalzen lebt dort weiter, wo Menschen bewusst Brauchtum pflegen. Es ist kein Massenspektakel wie mancher Krampuslauf, sondern ein Brauch, der eher im Stillen fortbesteht, auf Dorfplätzen, bei Vereinstreffen und im Familienkreis. Dass er überhaupt noch ausgeübt wird, verdankt er dem Engagement von Trachten- und Brauchtumsgruppen, die die Goaßl nicht verstauben lassen wollen.

Es ist auch ein Brauch, der erdet. Er erinnert daran, dass Pfingsten früher nicht nur ein religiöser Feiertag war, sondern der Startschuss für eine neue Jahreszeit, für die Alm, für die Ernte, für das Leben draußen.

Prangerstutzen

Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.

Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.

Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.

Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.

Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen

Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022

Prangtag

Wenn im Salzburger Pongau und Lungau meterhohe, dicht mit Blüten umwundene Holzstangen durch die Dörfer und in die Kirchen getragen werden, steckt darin schon der Name des Brauchs: Prangen bedeutete im Mittelhochdeutschen ursprünglich „prahlen“ oder „sich brüsten“ und wandelte sich erst später zur heutigen Bedeutung von „in Glanz und Pracht erscheinen“. Genau das tun die Prangstangen bis heute: Während wohlhabende städtische Zünfte im Barock aufwendig verzierte Kerzen durch die Straßen der Residenzstädte trugen, schufen Bauernfamilien im Salzburger Land ihr eigenes, aus den Mitteln der Landwirtschaft geschöpftes Gegenstück – aus Holz und Feldblumen statt aus Wachs und Gold.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Im Pongau, insbesondere im Gebiet um St. Johann, sind Prangstangen bereits seit dem 16. Jahrhundert schriftlich belegt. Ihre große Verbreitung verdanken sie vor allem der Gegenreformation: Mit aufwendigem, sinnlich beeindruckendem Brauchtum versuchte die katholische Kirche, die Bevölkerung im Land Salzburg im überwiegend katholischen Glauben zu halten beziehungsweise protestantisch gewordene Gebiete zurückzugewinnen. Den Stangen selbst wurde daneben eine ganz praktische Schutzfunktion zugeschrieben: Sie sollten Haus und Hof vor Blitzschlag bewahren.

Im Lungau erzählt die Überlieferung eine andere Ursprungsgeschichte. Demnach hätten die Bauern während einer verheerenden Heuschreckenplage – manche Quellen datieren sie auf das Jahr 1340, der Volkskundler Bertl Göttl bringt sie eher mit einer Plage gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Verbindung – ein Gelübde abgelegt: Nur die Margerite, im Lungau auch „Sonnwendla“ genannt, blieb von den Heuschrecken verschont. Aus Dankbarkeit gelobten die Bauern, ihr fortan alljährlich eine eigene Blütenstange zu widmen. Wurzeln reichen darüber hinaus wohl noch weiter zurück, bis zu mittelalterlichen katholischen Prozessionen, die biblische Figuren mitführten – ein theatralischer Brauch, der erst Ende des 18. Jahrhunderts abgeschafft und in seine weltlichen und kirchlichen Bestandteile aufgeteilt wurde. Über Salzburger Holzknechte gelangte die Tradition im 17. Jahrhundert schließlich sogar bis ins niederösterreichische Rohr im Gebirge, wo sie bis heute gepflegt wird.

Herstellung

Für eine Prangstange wird zunächst ein entrindeter, gerade gewachsener Stamm ausgewählt, der je nach Ort sechs bis acht Meter hoch aufragt. Um diesen Kern winden Helferinnen und Helfer spiralförmig Girlanden aus frisch gepflückten Wiesen- und Almblumen: Margeriten, Enzian, Pfingstrosen, Frauenmantel, Vergissmeinnicht und Klatschmohn gehören zu den gebräuchlichsten Blüten. Je nach Größe und Region werden für eine einzige Stange bis zu 40.000, nach manchen Angaben sogar bis zu 60.000 Blüten benötigt – gesammelt in den Wochen vor dem jeweiligen Festtag und zu einem fertigen Gebinde verarbeitet, das mehrere hundert Arbeitsstunden verschlingt und am Ende bis zu 80, in besonders reich verzierten Fällen sogar bis zu 100 Kilogramm wiegt.

Ablauf und Termine

Getragen werden die fertigen Prangstangen traditionell von unverheirateten Burschen, meist zu zweit oder zu dritt je Stange, in einer feierlichen, oft rund zwei Stunden dauernden Prozession durch den Ort und schließlich in die Kirche. Je nach Gemeinde ist der Anlass ein anderer:

  • Fronleichnam – unter anderem in Bischofshofen, Hüttau, Pfarrwerfen, Werfenweng und Mühlbach am Hochkönig (Pongau)
  • Johannistag, 24. Juni – in Zederhaus (Lungau)
  • Peter und Paul, 29. Juni – in Muhr (Lungau)
  • Herz-Jesu-Sonntag (erster Sonntag im Juli) – in Werfenweng

In der Kirche bleiben die Stangen anschließend als sichtbares Zeichen des Lebens stehen – bis zum 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt.

Bedeutung heute

Zu Mariä Himmelfahrt werden die Prangstangen im Rahmen der Kräuterweihe schließlich abgeschmückt: Die getrockneten Blüten gelten fortan als geweihtes Kräuterwerk und finden in den Rauhnächten und zu Dreikönig als Räucherwerk beim Rauchengehen Verwendung – der sommerliche Blütenschmuck begleitet die Bauernhöfe damit symbolisch bis tief in den Winter hinein. Auch wenn die ursprünglichen Beweggründe – Schutz vor Blitzschlag, Abwehr von Plagen, konfessionelle Werbung – heute kaum noch im Vordergrund stehen, bleibt der immense gemeinschaftliche Arbeitsaufwand rund um Ernte, Bindung und Prozession ein lebendiges Zeugnis dörflicher Zusammenarbeit und ländlicher Frömmigkeit im Salzburger Land.

Ranggeln

Ranggeln ist im Kern eine alte Form des Ringens. Zwei Gegner fassen einander an einem eigens vorgeschriebenen Anzug, dem sogenannten Rangglerstoff, und versuchen, den anderen flach auf den Rücken zu zwingen, bis beide Schulterblätter den Boden berühren. Nicht erlaubt sind Griffe, die würgen, Gelenke verhebeln oder gezielt Schmerz zufügen, gefragt sind stattdessen Technik, Standfestigkeit und ein guter Körpereinsatz. Wer beim Hundstoaranggeln alle seine Gegner bezwingt, darf sich ein Jahr lang Hagmoar nennen, sozusagen den inoffiziellen König dieses Bergwettkampfs.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Wie alt das Ranggeln wirklich ist, lässt sich nicht auf ein einziges Datum festlegen. Belege für das Kräftemessen im Alpenraum reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, weshalb es zu den ältesten überlieferten Sportarten der Region gehört. [Nicht eindeutig belegt] Immer wieder werden auch keltische Wurzeln ins Spiel gebracht, doch dafür fehlen gesicherte Nachweise, und diese Herleitung sollte man eher als beliebte Erzählung denn als belegte Geschichte lesen.

Für das Hundstoaranggeln selbst wird das Jahr 1518 als erste urkundliche Erwähnung genannt, so stellen es der Salzburger Rangglerverband und das SalzburgWiki dar. In seinen Anfängen war das Ranggeln ein gutmütiger Wettstreit unter den Almleuten, unter Sennern und Knechten also, die den Sommer oben auf den Bergen zubrachten. Aus diesem bäuerlichen Zeitvertreib wurde über die Jahrhunderte ein geregelter Wettkampf, und 1947 gründete sich in Zell am See der Salzburger Rangglerverband, der bis heute für einheitliche Regeln sorgt.

Ablauf, Regeln und die Figur des Hagmoar

Der Schauplatz ist außergewöhnlich. Gerangelt wird nicht in einer Halle, sondern auf einem Kampfplatz unter freiem Himmel, knapp unter dem Gipfel des Großen Hundstein bei Maria Alm auf gut 2.100 Metern Höhe. Die genaue Höhenangabe schwankt in den Quellen zwischen 2116 und 2117 Metern, am Ergebnis ändert das aber wenig, denn es bleibt ein rauer, hochgelegener Platz, den Ranggler wie Publikum nur zu Fuß erreichen.

Der Termin richtet sich nach dem Jakobstag, dem Gedenktag des Apostels Jakobus des Älteren am 25. Juli. Ausgetragen wird das Fest am Jakobisonntag, also am Sonntag rund um dieses Datum, weshalb einzelne Quellen auch schlicht vom letzten Juli-Sonntag sprechen. Wer den genauen Tag und das Programm eines bestimmten Jahres wissen möchte, schaut ihn am besten direkt beim Veranstalter nach, da sich Termine verschieben können.

Der Tag folgt einem festen Ablauf. Wer oben ankommt, hat einen mehrstündigen Aufstieg über die alten Steige hinter sich, und ehe der erste Griff sitzt, wird zunächst eine Bergmesse gefeiert. Musikkapellen, Schnalzer und Goasler sorgen für den festlichen Rahmen, ihr Peitschenknallen ist weithin über den Berg zu hören. So verbindet sich der sportliche Wettkampf mit einem echten Almfest, bei dem das Zuschauen ebenso dazugehört wie das Ranggeln selbst.

Den Sieger feiert man als Hagmoar. Der Name stammt aus der bäuerlichen Welt. Das Wort „Hag“ meint einen Zaun, wie er einst eine Weide oder auch einen Platz zum Ranggeln umgab, „Moar“ wiederum bezeichnete die höchste Kraft im Gesinde, also den ersten Knecht oder die erste Dirn auf einem Hof. Sinngemäß ist der Hagmoar damit der Erste im Ring. Als sichtbares Zeichen des Sieges gibt es je nach Darstellung eine Fahne, einen Pokal oder einen Geldpreis, überliefert ist außerdem eine weiße Feder, mit der der Sieger ausgezeichnet wird.

Regionale Besonderheiten

Das Ranggeln ist kein rein salzburgerisches Phänomen. Geregelt wird der Sport heute von vier Verbänden in Bayern, Tirol, Südtirol und Salzburg. Sie legen unter anderem fest, wie der Rangglerstoff auszusehen hat und aus welchem Material er gefertigt sein muss. Innerhalb Salzburgs gelten der Pinzgau und der Pongau als Hochburgen, und über die Saison verteilt gibt es zahlreiche weitere Wettkämpfe, doch das Hundstoaranggeln bleibt der bekannteste und traditionsreichste unter ihnen.

Gerade seine Lage macht den Hundstein zum idealen Treffpunkt. Er erhebt sich zentral zwischen mehreren Pinzgauer Tälern, sodass Ranggler und Publikum aus unterschiedlichen Richtungen heraufsteigen können, etwa aus Richtung Maria Alm, Zell am See oder Bruck. Schon in früheren Zeiten trafen hier Menschen aus mehreren Tälern zusammen, was den Berg über die Jahrhunderte zur Wiege des Salzburger Ranggelsports werden ließ.

Bedeutung heute

Aus dem einstigen Zeitvertreib der Almleute ist längst ein ernsthafter Sport geworden, der Technik, Kraft und jahrelanges Training verlangt. Gleichzeitig ist das Hundstoaranggeln ein großes Publikumsereignis. Je nach Jahr und Wetter sprechen Berichte von mehreren tausend Besucherinnen und Besuchern, die den Aufstieg auf sich nehmen. Damit ist der Brauch weit mehr als ein Wettkampf, er ist ein jährlicher Fixpunkt im Almsommer der Region.

Ein wichtiger Schritt für die Anerkennung kam im Jahr 2010. Damals wurde das Hundstoaranggeln in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen, das von der Österreichischen UNESCO-Kommission geführt wird. In vielen populären Darstellungen liest man verkürzt, der Brauch sei „UNESCO-Weltkulturerbe“ oder „immaterielles Kulturerbe der UNESCO“. Genau genommen handelt es sich um den Eintrag im österreichischen Verzeichnis und nicht um die internationale Repräsentative Liste der UNESCO. Diese Unterscheidung ist fein, aber sie ist korrekt, und wer den Brauch beschreibt, sollte sie kennen.

Das Ranggeln am Jakobstag zeigt, wie aus einem einfachen Kräftemessen unter Almleuten ein lebendiger Brauch mit klaren Regeln, eigenem Wortschatz und großer Anziehungskraft werden kann. Wer einmal miterlebt hat, wie sich zwei Ranggler auf über zweitausend Metern gegenüberstehen, während im Hintergrund die Goaßl knallt, versteht schnell, warum dieser Berg als Wiege des Salzburger Ranggelns gilt. Es ist Sport, Tradition und Bergfest in einem, getragen von Menschen, die ihr Handwerk und ihre Herkunft ernst nehmen.

Schifferstechen

Beim Schifferstechen treten auf der Salzach zwei Mannschaften aus dem bayerischen Laufen und dem salzburgischen Oberndorf gegeneinander an: Auf flachen Flussbooten stehend versuchen sie, sich gegenseitig mit langen Stangen ins Wasser zu befördern. Der Wettkampf ist einer der wenigen noch lebendigen Zeugen der einstigen Salzachschifffahrt und wird bis heute meist Anfang August auf einer Flussschlinge bei Oberndorf ausgetragen.

Herkunft

Der Brauch wurzelt im Arbeitsalltag der Salzachschiffer und -flößer, die über Jahrhunderte Salz aus Hallein und andere Waren zwischen dem Erzstift Salzburg und Bayern flussabwärts transportierten. Weil dieses Gewerbe einträglich und zugleich gefährdet war, geht die Sicherung des Flusstransports bis auf das Jahr 1278 zurück: Damals stellte Erzbischof Friedrich II. von Walchen eine bewaffnete Wache auf, die den Salztransport auf der Salzach gegen Räuber absichern sollte. Aus dieser frühen Garde ging jenes Schifferschützen-Corps in Oberndorf hervor, das den Brauch bis heute betreut.

Das eigentliche Stechen ist deutlich jünger und dürfte aus dem Müßiggang der Schiffer selbst entstanden sein, offenbar als scherzhafte Nachahmung ritterlicher Turniere: Statt Pferd und Lanze dienten die eigenen Arbeitsgeräte – die flachen Zillen und die Stangen, mit denen sonst Flöße gesteuert wurden – als Turnierausrüstung. Schriftliche Spuren reichen bis ins späte 16. Jahrhundert zurück, eine gut dokumentierte Aufführung in Oberndorf ist für das Jahr 1640, während der Regentschaft von Fürsterzbischof Paris Lodron, überliefert.

Verbreitet war der Brauch einst auch in Hallein und in Laufen selbst, wo er allerdings schon im 19. Jahrhundert wieder in Vergessenheit geriet. Er reiht sich damit in eine größere Familie ähnlicher Wasserturniere ein, die unter dem Namen Fischerstechen auch in Städten wie Ulm, Bamberg, Nürnberg oder Worms bekannt waren. An der Salzach hat sich die Tradition jedoch bis heute allein in Oberndorf gehalten – gemeinsam mit dem historischen Nachbarn und Rivalen auf der anderen Flussseite, Laufen.

Ablauf

Austragungsort ist eine weite Kurve der Salzach beim Oberndorfer Ortsteil Altach – genau dort, wo der Fluss zugleich die Staatsgrenze zwischen Österreich und Bayern bildet. Auf beiden Seiten tritt je eine Mannschaft an, üblicherweise fünf bis sieben Männer stark, einmal aus Laufen, einmal aus Oberndorf. Ihre Tracht ist unverwechselbar: Barett, rote Schärpe, dazu Weiß von Kopf bis Fuß. Helfer rudern die Boote zur Flussmitte, wo jeweils zwei Kontrahenten am Heck ihrer Zille, dem sogenannten Gransel, Aufstellung nehmen.

Als Waffe dient eine rund zwei Meter lange, rot-weiß bemalte Stange – ursprünglich ein gewöhnliches Steuerholz der Flößer, im Turnier scherzhaft als „Lanze“ bezeichnet; eine gepolsterte Scheibe an der Spitze soll Verletzungen verhindern. Die Regel kennt keine Feinheiten: Wer von der Stange des Gegenübers aus dem Boot befördert wird, muss selbst an Land zurückschwimmen und ist damit aus dem Turnier. So kämpft sich Paar um Paar durch mehrere Runden, bis zuletzt nur zwei übrig bleiben – sie werden mit einer Rede und kleinen Erinnerungspreisen verabschiedet.

Umrahmt wird der Wettkampf von einem heiteren Programm: dem Wurstspringen, bei dem die Teilnehmer von der fahrenden Zille abspringen, um eine hoch über dem Wasser hängende Wurst zu erhaschen, sowie einer kleinen komischen Einlage, dem Hansl-und-Gretl-Spiel. Traditionell findet die Veranstaltung an einem Wochenende Anfang August statt, oft eingeleitet von einem Flussfest am Vorabend. Alle fünf Jahre wird das Programm zur größeren Piratenschlacht ausgebaut, einer vom Schifferschützen-Corps inszenierten Erweiterung des Brauchs.

Bedeutung heute

Die gewerbliche Salzschifffahrt auf der Salzach ist längst Geschichte, einen praktischen Zweck erfüllt das Schifferstechen daher nicht mehr. Gerade in seiner spielerischen, unernsten Art liegt aber sein Reiz: Der Volkskundler Karl Zinnburg beschrieb es bereits 1972 als „ein eigenartig lustiges Spiel“ ohne jeden dramatischen Anspruch.

Heute hält der Wettkampf vor allem die Erinnerung an die verschwundene Schifferzunft und an die enge Verbindung zwischen Laufen und Oberndorf wach – zwei Orte, die heute eine Staatsgrenze trennt, die aber jahrhundertelang derselbe Fluss, derselbe Erwerb und dieselben Bräuche verbunden haben. Getragen wird die Tradition weiterhin vom Schifferschützen-Corps Oberndorf, das auf jene Schutztruppe von 1278 zurückgeht und neben dem Schifferstechen auch die Plättenfahrten und die Sonnwend auf der Salzach ausrichtet.

Schwendtag

Der Schwendtag war der traditionell festgelegte Gemeinschaftstag, an dem Bäuerinnen und Bauern, Nachbarn und Knechte gemeinsam ausrückten, um die Arbeit des „Schwendens“ zu erledigen. Kein einzelner hätte das allein geschafft.

Als fester Gemeinschaftstag war der Schwendtag in vielen Talgemeinden des Salzkammerguts, der Steiermark, Tirols und Salzburgs bekannt. Er war häufig in die sogenannte Nachbarschaftshilfe (auch „Nachbarschaft“ oder „Gmoa-Arbeit„) eingebettet – ein altes System gegenseitiger Verpflichtung, das in ländlichen Alpengemeinden das soziale Miteinander regelte.

Die genauen Termine richteten sich nach dem Kalender, nach Erfahrung und nach dem Wetter – oft lagen sie im späten Frühjahr oder Frühsommer, bevor die Almwirtschaft in vollem Gange war.

Ein Schwendtag war keine romantische Landpartie, sondern harte körperliche Arbeit. Typischerweise war es früher so aufgeteilt:

  • Früher Aufbruch
    Die Arbeit begann in den Morgenstunden, oft nach dem ersten Gebet oder der Frühmesse. Werkzeug wurde mitgebracht: Sensen, Sicheln, Schlegeln, Äxte, Rechen.
  • Gemeinschaftliche Einteilung
    Wer welche Fläche übernimmt, war oft durch alte Gemeinderechte oder mündliche Absprachen geregelt. In manchen Gemeinden gab es einen sogenannten Weidevogt oder Almbauern, der die Arbeit koordinierte.
  • Das Verbrennen des Schnittguts
    Abgeschnittener Adlerfarn, Farnkraut und Strauchwerk wurden zu Haufen zusammengerecht und – wenn Witterung und Brauch es erlaubten – verbrannt. In manchen Gegenden galt das Feuer dabei auch als reinigendes Element.
  • Das gemeinschaftliche Essen
    Kein Schwendtag ohne Vesper. Die Bäuerinnen brachten Brot, Speck, Käse und Most. Wer eine größere Fläche zu bieten hatte, lud die Helfer zum Festessen ein – ähnlich wie beim Dreschen oder beim Hausbau.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land und im Salzkammergut ist das Schwenden heute noch bekannt, vor allem im Zusammenhang mit dem Erhalt der typischen Streuwiesen und Almweiden, die unter Naturschutz stehen.

In Tirol und der Steiermark lebte der Schwendtag besonders auf Almen fort, wo die Weidegemeinschaften (Agrargemeinschaften) gemeinsam für die Pflege der Flächen zuständig waren und es sind.

In Bayern, besonders im Chiemgau und Berchtesgadener Land, ist der Begriff weniger geläufig, das Prinzip jedoch dasselbe – unter anderen Namen wie „Almputzen“ oder „Weideräumen“.

Bedeutung heute

Der Schwendtag erlebt gerade eine stille Renaissance – allerdings aus einem anderen Grund als früher. Wo er einst wirtschaftliche Notwendigkeit war, ist er heute oft ein Akt des Naturschutzes. Viele Almwiesen und Streuwiesen im Alpenraum sind wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere – aber nur, wenn sie offen gehalten werden. Dies geschah früher durch das Beweiden der Flächen durch Kühe, Schafe, Pferde oder Zeigen. Da dies heute oft unrentabel ist, muss es mit Hand gemacht werden, um die Verbuschung der offenen Almflächen zu verhindern.

Gemeinden, Naturschutzvereine, Almbauern und freiwillige Helfer organisieren heute Schwend- oder Pflegetage, um überalterte Böschungen, verbrachte Weidehänge und verfilzte Randstreifen zu pflegen. Was früher Pflicht war, ist heute freiwilliges Engagement – und genau deshalb auch Zeichen einer lebendigen Beziehung zur Landschaft.

Der soziale Aspekt ist dabei geblieben: gemeinsam anpacken, gemeinsam essen, gemeinsam über das Land reden.

Sonnwendfeuer

Jedes Jahr, wenn der Kalender den 21. Juni anzeigt oder einen Samstag, der diesem Datum am nächsten liegt, erstrahlen die Berggipfel und Höhen unseres Landes in einem warmen, leuchtenden Feuer. Dieses Phänomen, bekannt als Sonnwendfeuer, ist ein faszinierender Anblick, der die Dunkelheit der Nacht durchbricht und die Landschaft in ein Meer aus Licht und Wärme taucht.

Die Sonnwendfeuer sind nicht nur auf den Bergen zu sehen. Oftmals werden sie auch im Tal anlässlich von Festen abgebrannt. Im Salzburger Großarltal zum Beispiel, wird die Sonnwendfeier mit dem sogenannten Sonnwendklöcken verbunden. Hierbei stellen sich junge Männer mit ihren Peitschen auf eine Anhöhe und schnalzen in einem 4er oder 6er Takt. Eine weitere faszinierende Tradition findet im Salzburger Flachgau bei Oberndorf statt, wo beim „Schiffersonnwend“ schwimmende Sonnwendlichter in der Salzach flussabwärts treiben.

Dem Feuer werden besondere Schutz- und Reinigungskräfte zugesprochen. Es soll Licht, Wärme und Leben symbolisieren. Diese Bräuche haben ihre Wurzeln in vorchristlicher Zeit und sollten zum Ausdruck bringen, dass die Sonne sich nun auf ihrem Höhepunkt befindet. Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres sind gekommen.

Um diesen Brauch der Sonnwendfeuer einen christlichen Inhalt zu geben, hat die Kirche dieses Feuer in die Johannesfeuer umgewandelt. Der 24. Juni, der Festtag von Johannes dem Täufer, ist ein bedeutender Tag in der christlichen Tradition und wird oft mit Feuerfesten gefeiert.

Die Sonnwendfeuer sind also mehr als nur ein schöner Anblick. Sie sind ein Symbol für das Leben, die Wärme und das Licht, das die Sonne uns schenkt. Sie sind ein Zeichen der Verehrung und des Respekts gegenüber der Natur und ihrer unermesslichen Kraft. Und sie sind ein Zeugnis unserer tief verwurzelten Traditionen und Bräuche, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. So lodern die Feuer weiter, Jahr für Jahr, und erinnern uns an die ewige Zyklen des Lebens und der Jahreszeiten.