Fastenzeit
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Die Fastenzeit ist im Alpenvorland keine laute Zeit. Sie kommt leise.
Nach dem Ende des Faschings legt sich eine spürbare Ruhe über Dörfer, Höfe und Täler. Farben werden gedämpfter, Geräusche weicher, der Alltag langsamer. Die Fastenzeit ist ein Innehalten – ein bewusster Schritt zurück aus der Fülle hinein in die Stille.
Aus Sicht des Brauchtums ist diese Zeit mehr als Verzicht auf Speisen. Sie ist eine innere Ordnung. Man räumt auf – im Haus, im Herzen, im Denken. Alte Menschen sagten, man „macht’s wieder grad“. Weniger Ablenkung, weniger Überfluss, mehr Blick nach innen. In der Stube brennt abends oft nur eine Kerze, Gespräche werden kürzer, ehrlicher, manchmal auch nachdenklicher.
Die Landschaft spiegelt diesen Zustand wider. Schnee zieht sich langsam zurück, braune Erde wird sichtbar, erste Knospen wagen sich hervor. Noch ist es kein Frühling – aber ein Versprechen liegt in der Luft. Die Fastenzeit fühlt sich an wie das tiefe Einatmen vor einem Neubeginn. Schmerz, Hoffnung und Erwartung liegen nah beieinander.
Im religiösen Brauchtum führt diese Zeit auf Ostern zu – auf Licht, Auferstehung und Erneuerung. Doch auch jenseits des Glaubens bleibt ihre Kraft spürbar: Die Fastenzeit lehrt Geduld. Sie erinnert daran, dass Wachstum Zeit braucht und dass Stille kein Mangel ist, sondern ein notwendiger Raum.
Ostern
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Ein zentrales Ritual ist der Karsamstag. In vielen Orten wird ein Osterfeuer entzündet. Es steht für Licht, Wärme und Neubeginn. Am selben Tag werden Osterspeisen zur Segnung gebracht: Brot, Eier, Fleisch, Salz, oft liebevoll in Körben hergerichtet. Dieses Teilen der gesegneten Speisen gehört fest zum Osterbrauch.
Der Ostersonntag selbst ist geprägt von Begegnung. Man geht zur Kirche, frühmorgens oder festlich gekleidet. Danach kommt die Familie zusammen. Ostereier spielen dabei eine wichtige Rolle – nicht nur beim Suchen für Kinder, sondern auch beim traditionellen Eierpecken, einem spielerischen Kräftemessen mit symbolischer Bedeutung für Leben und Fruchtbarkeit.
Typisch für das Brauchtum im Alpenvorland ist das Verhalten rund um Ostern: Man nimmt sich Zeit, hält an Gewohntem fest und lebt Rituale bewusst weiter. Ostern bedeutet hier nicht Inszenierung, sondern Wiederholung. Genau darin liegt seine Stärke – im ruhigen Weitergeben von Bräuchen, die Jahr für Jahr den Übergang vom Winter zum Frühling begleiten.
Advent
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Advent ist im Alpenvorland eine ruhige, erwartungsvolle Zeit. Die Tage werden kürzer, der Alltag tritt ein wenig zurück, und in vielen Häusern kehrt bewusst mehr Stille ein. Es geht weniger um große Gesten, sondern um das langsame Einstimmen auf Weihnachten – Schritt für Schritt, Woche für Woche.
Typisch ist der Adventkranz mit seinen vier Kerzen. An jedem Sonntag wird eine weitere entzündet, oft begleitet von einem kurzen Innehalten, einem Lied oder einem einfachen Gebet. Der Kranz steht meist im Mittelpunkt der Stube und erinnert daran, dass Zeit vergeht, aber auch etwas näherkommt. Ebenso verbreitet sind Adventkalender, heute oft schlicht, früher manchmal selbst gemacht – als tägliches kleines Zeichen der Vorfreude.
Im Alpenvorland gehören auch Haus- und Hofbräuche zum Advent: Fenster werden mit Tannenzweigen geschmückt, Laternen oder Kerzen leuchten am Abend. Dazu kommen Rorate-Messen im Kerzenschein, früh am Morgen, still und schlicht, oft verbunden mit einem gemeinsamen Beisammensein danach.
Der Advent ist hier keine laute Zeit. Er lebt vom Warten, vom bewussten Langsamerwerden und von kleinen Ritualen, die Wärme geben – gerade dann, wenn draußen Kälte und Dunkelheit herrschen.