Kathreintanz
Weihnachtsbräuche

Sankt Kathrein stellt den Tanz ein

von Clemens Gull

Am letzten Samstag vor dem 25. November füllen sich in vielen Alpenorten noch einmal die Tanzböden, bevor für Wochen Stille einkehrt. Der Kathreintanz gilt als letzter Tanz des Jahres, danach beginnt traditionell eine tanzfreie Zeit bis zum Jahreswechsel. Ihren Namen verdankt die Tanznacht der heiligen Katharina von Alexandrien: Ihr Gedenktag am 25. November zählt zu den letzten kirchlichen Festtagen vor der besinnlichen Adventszeit.

Herkunft: Kathrein stellt den Tanz ein

Grund für den plötzlichen Stopp ist der Advent: Die katholische Kirche behandelte ihn jahrhundertelang wie eine zweite, kleinere Fastenzeit – eine „geschlossene Zeit“, in der weltliche Vergnügungen wie öffentliche Bälle nicht erwünscht waren. Zwischen dem Kathreintag und dem Dreikönigstag ruhten deshalb Musik und Tanz in den Gemeinden; im Volksmund hieß es bildhaft, Bass und Geigen würden für diese Wochen weggesperrt. Genau dieses abrupte Ende hat sich im Spruch „Kathrein stellt den Tanz ein“ bis heute erhalten: Wer sich vor der stillen Zeit noch einmal auf dem Parkett austoben wollte, tat das am Vorabend oder direkt am Kathreintag selbst.

Verbreitung und heutige Praxis

Verbreitet ist der Kathreintanz bis heute in den deutschsprachigen Alpenländern und im fränkischen Raum. Als tatsächliches Verbot mit rechtlicher Wirkung ist die alte Regelung inzwischen so gut wie verschwunden – übrig geblieben ist sie nur noch an den stillen Tagen des Jahres. Als gesellschaftliches Ritual pflegen aber nach wie vor zahlreiche Heimat-, Trachten- und Volksmusikvereine den Kathreintanz als festen Termin im Vereinskalender, bei dem alpenländische Rundtänze wie Walzer, Polka, Boarischer, Zwiefacher und Dreher das Programm bestimmen.

Zu den bekanntesten Veranstaltungen zählt der Wiener Kathreintanz, der seit 2011 im Palais Ferstel stattfindet und mit rund tausend Teilnehmenden zu den größeren Terminen im Trachten- und Volkstanzkalender gehört, dort verbinden sich österreichische Volkstänze mit beliebten Rundtänzen für alle. Auch München veranstaltet, organisiert vom städtischen Kulturreferat, einen traditionsreichen Kathreintanz im Hofbräuhaus, bei dem etablierte Tanzgruppen ebenso mitwirken wie einzelne Gäste. In Meran im Südtiroler Kurhaus schließt der Kathreintanz die dortige Tanzsaison ebenfalls feierlich ab.

So ist der Kathreintanz heute weniger ein tatsächliches Innehalten vor einer strengen Fastenzeit als vielmehr ein bewusst gepflegtes Ritual: ein letztes, ausgelassenes Fest, bevor mit dem Advent eine ruhigere, besinnlichere Zeit beginnt.

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