
Pfingsten
von Clemens Gull
Pfingsten ist das Fest, an dem der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger Jesu herabkam. Dieser Moment gilt als der Geburtstag der Kirche. Die Schilderung findet sich in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments:
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem die Jünger saßen.
Das Pfingstereignis: 2,1–13
Seither gelten Feuer und Wind als die klassischen Symbole des Heiligen Geistes, und die Taube, obwohl sie in der Apostelgeschichte beim Pfingstgeschehen selbst nicht erwähnt wird, hat sich als Bild des Heiligen Geistes tief im Volksglauben verankert.
Die liturgische Farbe an Pfingsten ist Rot, als Farbe des Feuers und des Heiligen Geistes. In vielen Kirchen werden Priester und Ministranten an diesem Tag entsprechend gekleidet, und die Gotteshäuser sind mit roten Blumen geschmückt.
Herkunft
Der Zeitraum von fünfzig Tagen wurde aus der jüdischen Tradition übernommen. Im Judentum war das Fest zunächst ein Erntedankfest mit der Darbringung der Erstlingsfrüchte im Tempel. Später wurde es als Wochenfest bezeichnet und rückte stärker das Danksagen für Gottes Gesetzesübergabe an Moses in den Mittelpunkt. Die frühe christliche Gemeinde knüpfte bewusst an diesen jüdischen Festtermin an. Erstmals fand Pfingsten als christliches Fest im Jahre 130 schriftliche Erwähnung.
Pfingsten im Voralpenland
Im bäuerlichen Jahreskreis der Alpen und des Voralpenlands war Pfingsten kein rein religiöser Feiertag, sondern zugleich ein wichtiger Einschnitt im Wirtschaftsjahr. Rund um Pfingsten beginnt in Österreich der Almauftrieb: Rund 51.000 Milchkühe, 265.000 Rinder, 9.000 Pferde, 114.000 Schafe und 10.000 Ziegen werden auf die Sommerweiden in den höheren Lagen getrieben. Pfingsten markierte damit jahrhundertelang den Beginn der Weideperiode, was das Fest mit dem bäuerlichen Leben unmittelbar verknüpfte.
Es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als sogenannte „Halterbuben“ einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie schon kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das „Pfingstschnalzen„. In Oberösterreich und in Teilen der Steiermark wird dieses Peitschenknallen bis heute gepflegt.
Ein weiterer verbreiteter Brauch im bairisch-österreichischen Raum ist das Schmücken der Häuser mit frischen Birkenzweigen. Diesen sogenannten Pfingstmaien wurden Schutzkräfte nachgesagt, da sie böse Geister im Haus vertreiben sollten. Außerdem galten die Birkenäste als Symbol der Liebe.
Im Bereich der Volksmedizin und des Volksglaubens gibt es noch weitere Überlieferungen: In Salzburg erhellen Pfingstfeuer die Nacht, was an vorchristliche Feuerrituale erinnert.
Die Pfingstrose
Die Pfingstrose (Paeonia) hat ihren deutschen Namen schlicht daher, dass sie rund um Pfingsten zu blühen beginnt. Sie wurde im Volksglauben mit dem Fest in Verbindung gebracht und als Schmuckpflanze in und um die Kirche verwendet. Eine tiefere rituelle Bedeutung ist nicht eindeutig belegt.
Pfingsten heute
Die religiöse Bedeutung von Pfingsten ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Hintergrund gerückt. Traditionelle Bräuche werden weniger gepflegt, dafür erlebt die Reisebranche einen Aufschwung, da das verlängerte Wochenende gerne für Kurzreisen genutzt wird. Dennoch gibt es Regionen im Voralpenland und in Österreich, in denen die alten Pfingstbräuche lebendig geblieben sind: Das Pfingstschnalzen in Oberösterreich, die Almauftriebe in Salzburg und Tirol, oder die Pfingstritte in Bayern, bei denen Reiter zu Pferd die Fluren und Felder umrunden, um den Saaten gutes Gedeihen zu wünschen.