
Pfingstbräuche
Pfingstfeuer
von Clemens Gull
Das Pfingstfeuer ist ein Brauchtumsfeuer, das am Abend vor Pfingsten oder am Pfingstsonntag entzündet wird. Die lodernde Flamme gilt dabei einerseits als Symbol des Heiligen Geistes, andererseits als Zeichen der Reinigung und Erleuchtung der Gläubigen.
Es ist ein Brauch, der heute längst nicht mehr überall gepflegt wird. Im Symbol des Feuers ist die Geistsymbolik der Heiligen Schrift am sinnfälligsten zu erfahren. Dort, wo das Pfingstfeuer noch lebt, verbindet es kirchliche Frömmigkeit mit dem alten menschlichen Impuls, sich am Feuer zu versammeln.
Herkunft
Pfingsten selbst ist ein altes Fest. Im Jahr 130 n. Chr. wurde Pfingsten zum ersten Mal als christliches Fest erwähnt. Der Name leitet sich vom griechischen pentekoste hemera ab, was einfach der fünfzigste Tag bedeutet, denn Pfingsten wird genau fünfzig Tage nach Ostern gefeiert.
Viele christliche Feiertage haben im Zuge der Christianisierung ehemals heidnische Feste abgelöst. Entsprechend wurden weltliche Bräuche in ein christliches Gewand gekleidet, zeitlich verlegt oder christlichen Festen angegliedert. Das gilt auch für manche Pfingstbräuche, wobei beim Pfingstfeuer im Besonderen die christliche Symbolik im Vordergrund steht. Wikipedia
Ablauf
Das Pfingstfeuer wird in der Regel am Vorabend von Pfingsten oder am Pfingstsonntag entzündet, oft auf einer Anhöhe oder einem freien Platz am Dorfrand. Am Vorabend des Pfingstfestes leuchtet dann und wann noch ein Pfingstfeuer auf der Höhe. Früher brannte jeder Hirtenbube in seinem Berg ein Feuer ab. Das war kein stilles Ritual, sondern ein geselliges Ereignis, bei dem gejohlt und gefeiert wurde.
Neben dem Pfingstfeuer und der Pfingsttaube gehören auch die Pfingstrose und der Pfingstochse zu den Pfingstsymbolen. Das Feuer ist also eines von mehreren Elementen, die das Fest sinnlich erfahrbar machen.
Regionale Besonderheiten
Im Salzburger Land hat sich eine besondere Form erhalten: In katholischen Gemeinden im Salzburger Land werden brennende Wergflocken durch das sogenannte Heiliggeistloch an der Kirchendecke auf die Gemeinde gestreut. Diese dramatische Darstellung der Feuerzungen findet also nicht draußen, sondern direkt im Kirchenraum statt, was sie zu einer eindrucksvollen liturgischen Handlung macht.
In Tirol hingegen dominiert zu Pfingsten ein anderer, eng verwandter Brauch: Statt Sonnwendfeuern brennen in Tirol am dritten Freitag nach Pfingsten die Herz-Jesu-Feuer, die eine eigene historische Geschichte haben und an den Tiroler Widerstand gegen Napoleon erinnern. Sie sind nicht mit dem Pfingstfeuer gleichzusetzen, entstammen aber demselben Grundimpuls: Feuer als gemeinschaftliches Zeichen.
Ob ein Pfingstfeuer als Gemeinschaftsbrauch, als kirchliches Element oder gar nicht mehr gepflegt wird, hängt stark von der einzelnen Gemeinde ab. Eine flächendeckende, einheitliche Tradition im Alpenraum gibt es nicht.
Bedeutung heute
Das Pfingstfeuer ist kein Brauch, der große Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es gibt keine spektakulären Veranstaltungen wie beim Sonnwendfeuer oder beim Krampuslauf. Wo es noch lebt, lebt es still: als Feuer nach der Pfingstmesse, als Flamme auf dem Hügel hinter dem Dorf, als Teil eines Gottesdienstes im Freien.
Gerade diese Stille macht es interessant. Das Pfingstfeuer erinnert daran, dass Pfingsten mehr ist als ein verlängertes Wochenende im Frühling. Es ist ein Fest des Lichts, der Verwandlung und der Gemeinschaft, und das Feuer macht das spürbar, ohne viele Worte zu brauchen.