Gemeindeschalzen Jänner 2024, Muntigl bei Salzburg
Pfingstbräuche | Lärmbräuche

Pfingstschnalzen

von Clemens Gull

Beim Pfingstschnalzen knallen Burschen und Männer mit langen Peitschen, in der Volkskunde als sogenannte Lärmbrauch eingestuft. Der erzeugte Knall entsteht, wenn die Peitschenschnur mit Schwung durch die Luft geführt wird und die Schnurspitze die Schallmauer im Kleinen durchbricht. Der Klang ist scharf, weithin hörbar und unverkennbar. In der Steiermark ist der Brauch des Pfingstschnalzens am Pfingstsamstag noch immer üblich. Auch in Teilen Oberösterreichs hat er sich erhalten.

Herkunft

Der Ursprung des Pfingstschnalzens liegt im bäuerlichen Alltag. Mit dem Pfingstfest begann früher die Weideperiode, und es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als Halterbuben einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das Pfingstschnalzen.

Der Halterbub, also derjenige, der das Vieh über den Sommer auf die Weide trieb und beaufsichtigte, brauchte die Peitsche als tägliches Arbeitswerkzeug. Das Schnalzen diente also nicht nur dem Spaß, sondern war auch ein praktischer Kompetenznachweis: Wer eine schwere Goaßl sicher führen konnte, war reif für die Alm.

Ob dem Peitschenknallen darüber hinaus auch eine apotropäische Funktion zugeschrieben wurde, also das Vertreiben böser Geister, wird in manchen Quellen erwähnt, ist aber nicht eindeutig belegt. Die volkstümliche Deutung, das Pfingstschnalzen mit Peitschen vertreibe böse Geister, ist verbreitet, aber volkskundlich nicht abschließend gesichert.

Das Pfingstschnalzen steht nicht allein. Es ist eingebettet in einen bunten Strauß an Pfingstbräuchen, die das Ende des Frühlings und den Einzug des Sommers feiern. Neben dem Pfingstschnalzen gibt es in Oberösterreich weitere Bräuche, die in den ländlichen Gegenden fixer Bestandteil des Jahreskreises sind: Pfingsttänze und Spiele unter freiem Himmel sollen den Sommer begrüßen, Pfingstbäume werden aufgestellt und Pfingstmaien verteilt.

Der Zusammenhang mit dem Aperschnalzen

Wer sich mit dem Pfingstschnalzen befasst, stößt unweigerlich auf seinen verwandten Brauch: das Aperschnalzen. Beide verwenden die Goaßl, beide gehören zur Kategorie der Lärmbräuche, aber der Zeitpunkt und die Herkunft unterscheiden sich. Beim Aperschnalzen, das im bayerischen Rupertiwinkel und im Salzburger Flachgau gepflegt wird, soll der laute Knall der Goaßl symbolisch den Winter vertreiben und auf den wiederkehrenden Frühling überleiten. Das Aperschnalzen findet zwischen dem Dreikönigstag und dem Faschingsdienstag statt, also mitten im Winter.

Das Pfingstschnalzen hingegen kommt rund drei Monate später, wenn der Frühling längst angekommen ist. Es ist kein Winteraustreiber mehr, sondern ein Sommereinläuter. Die beiden Bräuche mögen dieselben Werkzeuge und ähnliche Motive teilen, sind aber historisch und geographisch unterschiedlich verwurzelt.

Das Pfingstschnalzen ist heute vor allem in der Steiermark und in Teilen Oberösterreichs bekannt. In anderen Teilen des Alpenraums, etwa im Salzburger Zentralraum oder in Tirol, ist es als eigenständiger Pfingstbrauch weniger präsent, auch wenn die Goaßl dort durch das Aperschnalzen fest im Brauchtum verankert ist. Wie verbreitet das Pfingstschnalzen früher genau war, lässt sich anhand verfügbarer Quellen nicht präzise rekonstruieren.

Bedeutung heute

Das Pfingstschnalzen lebt dort weiter, wo Menschen bewusst Brauchtum pflegen. Es ist kein Massenspektakel wie mancher Krampuslauf, sondern ein Brauch, der eher im Stillen fortbesteht, auf Dorfplätzen, bei Vereinstreffen und im Familienkreis. Dass er überhaupt noch ausgeübt wird, verdankt er dem Engagement von Trachten- und Brauchtumsgruppen, die die Goaßl nicht verstauben lassen wollen.

Es ist auch ein Brauch, der erdet. Er erinnert daran, dass Pfingsten früher nicht nur ein religiöser Feiertag war, sondern der Startschuss für eine neue Jahreszeit, für die Alm, für die Ernte, für das Leben draußen.