Christmette

Dieser Gottesdienst findet traditionell um Mitternacht statt, in manchen Gemeinden heute etwas früher – um 22 oder 23 Uhr –, um Familien mit Kindern entgegenzukommen.

In Salzburg und dem angrenzenden Rupertiwinkel war und ist der Weg zur Christmette ein Erlebnis für sich. Früher zogen die Menschen mit Laternen durch Schnee und Dunkelheit zur Dorfkirche. Die Lichter auf den Wegen, das Glockengeläut, der Gesang – all das gehörte untrennbar zusammen.

In der Stiftskirche St. Peter in Salzburg oder im Dom wird die Christmette bis heute mit besonderem musikalischem Aufwand gefeiert. Salzburg, die Stadt Mozarts, hat eine lebendige Tradition der Kirchenmusik in der Weihnachtsnacht. [Belegte Praxis, aktuell]

Im Rupertiwinkel – dem Landstreifen zwischen Salzach und Inn, der historisch eng mit dem Erzbistum Salzburg verbunden war – haben viele Pfarreien ihre eigene Christmette-Tradition bewahrt, oft mit regionalem Brauchtum rund um Krippenspiele und Hirtenlieder.

Die sprechenden Tiere

Stell dir vor, es ist die Nacht vor Weihnachten. Draußen liegt Schnee. Der Mond scheint über die weißen Felder, und es ist so still, dass man die eigenen Schritte im Schnee knirschen hört. Alle Menschen sind drinnen, warm und beisammen. Die Kerzen brennen. Es riecht nach Tannennadeln und Bratäpfeln. Aber im Stall, da ist etwas ganz Besonderes los.

Die Kühe stehen ruhig in ihren Boxen. Die Schafe liegen im Stroh. Das alte Pferd steht in der Ecke und schaut mit seinen großen, dunklen Augen ins Nichts. Und dann, kurz vor Mitternacht, passiert es.

Die Tiere fangen an zu reden.

Nicht laut, nicht wie Menschen. Eher leise, fast flüsternd. Aber wer ganz genau hinhört, der kann jedes Wort verstehen. Warum können die Tiere in dieser Nacht sprechen? Weil es die Heilige Nacht ist. Die Nacht, in der Jesus Christus zur Welt kam und zwar genau in einem Stall. Umgeben von Tieren. Ein Ochs und ein Esel standen dabei, so erzählt man es. Die Tiere waren die ersten, die das Kind begrüßten. Und seitdem, so sagt die Legende, bekommen die Tiere in dieser einen Nacht im Jahr eine besondere Gabe: Sie können sprechen. Als Erinnerung an jenen ersten, wundersamen Moment in Bethlehem.

Nun könnte man denken: Wie schön! Ich gehe schnell in den Stall und höre zu, was die Tiere sagen!
Aber – pass auf.
Die alten Leute im Dorf warnten immer davor.

Denn die Tiere sprechen zwar. Aber sie sagen nicht immer schöne Dinge. Manchmal reden sie darüber, was im nächsten Jahr passieren wird. Und das kann auch etwas Trauriges sein. Vielleicht, dass jemand im Haus krank wird. Oder dass ein schlechtes Jahr kommt. Ein weises Kind und ein weiser Erwachsener bleiben also lieber drinnen, bei der Familie, beim Licht und beim Kekseessen.

Manche sagen: Wer die Tiere belauscht, dem ist das Glück nicht hold.

Es gibt eine alte Geschichte aus einem Dorf in den Bergen

Da war ein neugieriger Bauer. Er hatte immer schon wissen wollen, was seine Tiere denken. Und in der Christnacht, als alle anderen schliefen, schlich er sich leise in den Stall.
Er stellte sich in den Schatten, ganz still, und wartete.
Kurz vor Mitternacht – da begann seine alte Kuh zu sprechen. Und sie sagte, ganz leise:

Schwer wird der Schlitten sein,
den wir bald ziehen müssen.

Der Bauer verstand nicht, was das bedeuten sollte. Aber im neuen Jahr starb sein Nachbar – ein guter Freund – und der Bauer musste beim Begräbnis den Sarg auf dem Schlitten in die Kirche fahren. Da erinnerte er sich an die Worte der Kuh.
Und er ging nie wieder in der Christnacht in den Stall.

Also, wenn du in der Weihnachtsnacht einmal daran denkst und vielleicht auf einem Bauernhof bist, wo Tiere im Stall stehen – dann weißt du jetzt: Um Mitternacht könnten sie sprechen. Aber bleib ruhig drinnen. Genieß die Kerzen, den warmen Kakao und die Gesellschaft deiner Familie.
Manche Geheimnisse darf die Nacht für sich behalten.

Diese Legende wird in Bayern, Salzburg, Tirol und der Steiermark erzählt. Sie ist mündlich weitergegeben von Generation zu Generation. Eine genaue schriftliche Quelle für den Ursprung gibt es nicht.

Krippenspiele

Ein Krippenspiel ist eine szenische Darstellung der Weihnachtsgeschichte – der Geburt Jesu in Bethlehem, wie sie in den Evangelien nach Lukas und Matthäus überliefert ist. Hirten, Engel, die Heiligen Drei Könige, Maria und Josef: Sie alle treten auf, gespielt von Menschen – meist Kindern, manchmal auch Erwachsenen.

Der Name leitet sich von der Krippe ab, also der Futterkrippe, in der das Jesuskind nach der Überlieferung lag. Krippenspiele können in Kirchen, auf Plätzen, in Schulen oder Pfarrsälen aufgeführt werden. Mal als stilles, andächtiges Spiel, mal als aufwendige Inszenierung mit Kostümen, Musik und Sprechchören.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Ursprung der Krippenspiele lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Franz von Assisi: Er soll im Jahr 1223 in Greccio (Umbrien, Italien) die erste lebende Krippe aufgestellt haben – mit echten Tieren, echten Menschen und einem Strohbett für das Jesuskind. Ziel war es, die Weihnachtsgeschichte für das einfache Volk erlebbar zu machen, das weder lesen konnte noch Latein verstand.

Ob diese Überlieferung historisch exakt so stimmt, lässt sich heute nicht vollständig belegen – aber sie ist in der Kirchengeschichte fest verankert und gilt als Gründungsmoment des Krippenspiels.

Aus diesen frühen lebenden Krippen entwickelten sich im Laufe des Mittelalters sogenannte Mysterienspiele – aufwendige Theateraufführungen mit biblischen Stoffen, die vor oder in Kirchen stattfanden. Die Krippenspiele im engeren Sinn, wie wir sie heute kennen, entstanden dann vor allem im Umfeld der Gegenreformation im 16. und 17. Jahrhundert. Die Jesuiten nutzten das Theaterspiel bewusst als Mittel der Volksfrömmigkeit und Glaubensvermittlung.

Ablauf und typische Elemente

Ein Krippenspiel folgt in der Regel dem biblischen Erzählbogen – mit einigen fest etablierten Szenen:

  • Die Verkündigung
    Der Engel Gabriel erscheint Maria und kündigt die Geburt Jesu an.
  • Die Reise nach Bethlehem
    Maria und Josef suchen vergeblich eine Herberge. Die Szene mit dem „Kein Platz in der Herberge“ gehört zu den einprägsamsten Momenten.
  • Die Geburt im Stall
    Das Jesuskind kommt zur Welt, Hirten und Engel versammeln sich.
  • Die Hirten auf dem Feld
    Die Engel verkünden den Hirten die frohe Botschaft.
  • Die Ankunft der Heiligen Drei Könige
    Oft als abschließende Szene, manchmal auch am Dreikönigstag (6. Januar) separat aufgeführt.

Dazwischen: Gesang, oft bekannte Weihnachtslieder wie Stille Nacht oder Es ist ein Ros entsprungen, manchmal auch regional überlieferte Hirtenlieder.

Bedeutung heute

Das Krippenspiel ist lebendig und das ist bemerkenswert. Während viele alte Bräuche nur noch in Museen oder Festschriften existieren, wird das Krippenspiel jedes Jahr aufs Neue einstudiert, geprobt, aufgeführt.

Der Grund liegt vielleicht genau in seiner Einfachheit: Es braucht kein großes Theater, keine Profikostüme, kein Budget. Ein paar Kinder, ein Strohballen und eine Kerze reichen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, trägt es etwas weiter: eine Geschichte, eine Gemeinschaft, ein Innehalten mitten im Advent.

Für Kinder ist es oft das erste Mal, dass sie selbst Teil eines religiösen Rituals werden, nicht als Zuschauer, sondern als Handelnde. Das hinterlässt Spuren, auch bei denen, die später nicht mehr praktizierende Christen sind.

Gleichzeitig verändern sich Krippenspiele: In manchen Gemeinden werden sie mehrsprachig aufgeführt, um Familien mit Migrationshintergrund einzubeziehen. Andernorts entstehen moderne Adaptionen, die die Herbergssuche in aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge stellen.