
Weihnachtsbräuche
Krippenspiele
von Clemens Gull
Ein Krippenspiel ist eine szenische Darstellung der Weihnachtsgeschichte – der Geburt Jesu in Bethlehem, wie sie in den Evangelien nach Lukas und Matthäus überliefert ist. Hirten, Engel, die Heiligen Drei Könige, Maria und Josef: Sie alle treten auf, gespielt von Menschen – meist Kindern, manchmal auch Erwachsenen.
Der Name leitet sich von der Krippe ab, also der Futterkrippe, in der das Jesuskind nach der Überlieferung lag. Krippenspiele können in Kirchen, auf Plätzen, in Schulen oder Pfarrsälen aufgeführt werden. Mal als stilles, andächtiges Spiel, mal als aufwendige Inszenierung mit Kostümen, Musik und Sprechchören.
Herkunft und geschichtlicher Hintergrund
Der Ursprung der Krippenspiele lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Franz von Assisi: Er soll im Jahr 1223 in Greccio (Umbrien, Italien) die erste lebende Krippe aufgestellt haben – mit echten Tieren, echten Menschen und einem Strohbett für das Jesuskind. Ziel war es, die Weihnachtsgeschichte für das einfache Volk erlebbar zu machen, das weder lesen konnte noch Latein verstand.
Ob diese Überlieferung historisch exakt so stimmt, lässt sich heute nicht vollständig belegen – aber sie ist in der Kirchengeschichte fest verankert und gilt als Gründungsmoment des Krippenspiels.
Aus diesen frühen lebenden Krippen entwickelten sich im Laufe des Mittelalters sogenannte Mysterienspiele – aufwendige Theateraufführungen mit biblischen Stoffen, die vor oder in Kirchen stattfanden. Die Krippenspiele im engeren Sinn, wie wir sie heute kennen, entstanden dann vor allem im Umfeld der Gegenreformation im 16. und 17. Jahrhundert. Die Jesuiten nutzten das Theaterspiel bewusst als Mittel der Volksfrömmigkeit und Glaubensvermittlung.
Ablauf und typische Elemente
Ein Krippenspiel folgt in der Regel dem biblischen Erzählbogen – mit einigen fest etablierten Szenen:
- Die Verkündigung
Der Engel Gabriel erscheint Maria und kündigt die Geburt Jesu an. - Die Reise nach Bethlehem
Maria und Josef suchen vergeblich eine Herberge. Die Szene mit dem „Kein Platz in der Herberge“ gehört zu den einprägsamsten Momenten. - Die Geburt im Stall
Das Jesuskind kommt zur Welt, Hirten und Engel versammeln sich. - Die Hirten auf dem Feld
Die Engel verkünden den Hirten die frohe Botschaft. - Die Ankunft der Heiligen Drei Könige
Oft als abschließende Szene, manchmal auch am Dreikönigstag (6. Januar) separat aufgeführt.
Dazwischen: Gesang, oft bekannte Weihnachtslieder wie Stille Nacht oder Es ist ein Ros entsprungen, manchmal auch regional überlieferte Hirtenlieder.
Bedeutung heute
Das Krippenspiel ist lebendig und das ist bemerkenswert. Während viele alte Bräuche nur noch in Museen oder Festschriften existieren, wird das Krippenspiel jedes Jahr aufs Neue einstudiert, geprobt, aufgeführt.
Der Grund liegt vielleicht genau in seiner Einfachheit: Es braucht kein großes Theater, keine Profikostüme, kein Budget. Ein paar Kinder, ein Strohballen und eine Kerze reichen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, trägt es etwas weiter: eine Geschichte, eine Gemeinschaft, ein Innehalten mitten im Advent.
Für Kinder ist es oft das erste Mal, dass sie selbst Teil eines religiösen Rituals werden, nicht als Zuschauer, sondern als Handelnde. Das hinterlässt Spuren, auch bei denen, die später nicht mehr praktizierende Christen sind.
Gleichzeitig verändern sich Krippenspiele: In manchen Gemeinden werden sie mehrsprachig aufgeführt, um Familien mit Migrationshintergrund einzubeziehen. Andernorts entstehen moderne Adaptionen, die die Herbergssuche in aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge stellen.