Allerheiligenstriezel

Je nach Region und Gruppe wurde dieses Gebäck anders genannt. In Wien oder Graz war es auch der Heiligenstriezel der von den lokalen Bäckern an die Kunden verteilt wurde. Allen gemeinsam ist, sie wurden nie verkauft, sondern immer verschenkt.

Gebildbrote wurden beispielsweise in Oberösterreich oder Tirol den Patenkindern vom Paten überreicht. In Hallein (Salzburg, Tennengau) wurden früher die sogenannten Seelenbrezeln an die Kreuze am Grab lieber Verstorbener gehängt.

Almrausch

Wer einmal im Frühsommer durch die Ostalpen gewandert ist, kennt diesen Anblick: Hänge und Felsgesimse, die in einem tiefen Purpur-Rosa leuchten, als hätte jemand ganze Bergflanken mit Farbe übergossen. Das ist der Almrausch, die Alpenrose der Alpen. Kaum eine andere Wildpflanze des Alpenraums ist so sehr mit Gefühl und Symbolik aufgeladen wie dieser unscheinbar wirkende Strauch.

Botanisch handelt es sich beim Almrausch um nicht eine, sondern zwei eng verwandte Arten aus der Gattung der Rhododendren, die zur Familie der Heidekrautgewächse gehören: die Rostbraune Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), erkennbar an der bräunlichen Unterseite ihrer Blätter, und die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum), deren Blattränder mit feinen Härchen besetzt sind. Im Volksmund werden beide einfach als „Almrausch“, „Almenrausch“, „Almrose“ oder „Steinrose“ bezeichnet.

Was steckt im Namen?

Wer beim Wort „Almrausch“ an ausgelassenes Treiben und Hochprozentigem denkt, liegt zumindest teilweise auf der falschen Spur. Der Wortteil „Rausch“ hat nichts mit dem angeblich so ausgelassenen Treiben auf den sommerlichen Almen zu tun. „Rausch“ ist eine alte Bezeichnung für niedriges Gestrüpp.

Es gibt allerdings noch eine andere, volkskundlich interessante Deutung: In manchen Gebirgsgegenden glaubte man, dass die Alpenrose beim Weidevieh eine Krankheit namens „Rausch“ austreiben könne, und nannte die Pflanze deshalb „Rauschkraut“. Aus dieser Bezeichnung soll sich dann der Name „Almrausch“ als Modewort weit verbreitet haben.

Vorkommen und Erscheinungsbild

Die Alpenrose kommt in den gesamten Ostalpen vor, schwerpunktmäßig in den nördlichen und südlichen Kalkalpen, und gedeiht gut in Höhen zwischen 600 und 2.500 Metern. Sie blüht von Mai bis Juli. Dabei treten die Sträucher fast nie einzeln auf: Alpenrosen wachsen immer in großen Gruppen und besiedeln frische, stark saure, nährstoffarme Böden. Sie benötigen im Winter einen Schneeschutz, meiden windige Standorte und wachsen bevorzugt im Lärchen-Zirbenwald und Latschengebüsch sowie auf unternutzten Almweiden. Ein einzelner Strauch kann dabei erstaunlich alt werden: Bei Stämmchen mit einem Durchmesser von nur ein bis zwei Zentimetern wurde ein Alter von nahezu 100 Jahren festgestellt.

Volksglauben rund um die „Donnerrose“

So schön die Alpenrose ist, so widersprüchlich ist ihr Ruf im Volksglauben. Im Volksglauben zieht sie Blitze an, deutet auf Bodenschätze und Goldadern hin, und soll einst ein Indiz für besonderen Mut gewesen sein.

Besonders aufschlussreich ist der Umgang mit der Pflanze in Gewitterzeiten. Der Volksglaube mahnt, dass man einen Zweig blühender Alpenrose besser schnell wegwirft, wenn im Gebirge ein Gewitter aufzieht, denn wer dann eine „Dunner-“ oder „Donnerrose“ bei sich trägt, läuft Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden. Umgekehrt soll ein an den First des Bauernhauses genageltes Sträußerl dieser „Dunnerrose“ vor ebendiesem Blitzschlag schützen. Ein schöner Widerspruch, der zeigt, wie ambivalent Volksglaube oft ist: dieselbe Pflanze als Unheilsbringer und als Schutzmittel.

Als Liebesbote hatte der Almrausch ebenfalls seinen Platz: So wie das Edelweiß holten verliebte Burschen oft von hoch droben auf dem Berg einen Zweig blühende Alpenrose für ihre Angebetete. Das Pflücken setzte dabei tatsächlich eine gewisse Risikobereitschaft voraus, denn die schönsten Blüten wachsen gerne in steilem oder schwer zugänglichem Gelände.

In Tirol gibt es zudem einen sehr spezifischen lokalen Überlieferungsstrang: Bei Hafling in Tirol wird die Alpenrose „Oswaldstaude“ genannt, weil dort, wo einst unzählige Alpenrosen blühten, Hirten einst ein Bild des Heiligen Oswald gefunden haben sollen, dem man nachsagte, ein besonderer Verehrer der Almrosen gewesen zu sein.

Giftig und heilend zugleich

Der Almrausch ist kein harmloses Gewächs. Die Alpenrose enthält das Andromedotoxin (Acetylandromedol), das auch für den Menschen stark giftig ist. Symptome einer Vergiftung sind vermehrter Speichelfluss, Übelkeit, Brechreiz, Bauchschmerzen und Durchfall; bei höheren Dosen können auch Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle auftreten.

Für Weidetiere ist die Pflanze ebenfalls problematisch, und nicht nur als Gift: Durch ihre große Ausbreitung nimmt die Alpenrose anderen wichtigen Almfutterpflanzen den Platz weg, weshalb man sie auch als „Platzräuber“ bezeichnet und nur durch Schwenden im Zaum halten kann. Die Pflanze verschlechtert den Almboden durch Bodenversauerung und Bildung von Rohhumus. Auf Almweiden, die nicht mehr intensiv bewirtschaftet werden, breitet sie sich entsprechend schnell aus.

Dennoch wurde der Almrausch traditionell in der Volksmedizin genutzt: Die Rostblättrige Alpenrose wurde lange Zeit im Rahmen der Volksmedizin angewendet, ohne dass dadurch Vergiftungsfälle dokumentiert wären. In der Volksheilkunde fand die Alpenrose vor allem bei Gicht und Rheuma Verwendung. Heute wird sie medizinisch kaum noch direkt eingesetzt.

Mythos und Romantisierung

Der Almrausch ist längst mehr als eine Wildpflanze. Er ist zum Symbol geworden, einem Stück projizierter Bergsehnsucht. Dieser Mythos entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit einer zunehmenden Naturbegeisterung, als der Alpentourismus in der europäischen Elite beliebt wurde. Die Romantisierung der Alpen und der etwas später aufkommende Naturschutz zementierten diese Überlieferungen.

Der Schutzstatus der Pflanze variiert je nach Region: In Österreich, insbesondere in alpinen Regionen wie Tirol und Vorarlberg, sind Alpenrosen oft durch das jeweilige Landesnaturschutzgesetz geschützt, und in Schutzgebieten wie Nationalparks ist das Pflücken generell verboten. Außerhalb solcher Gebiete sollte man sich über lokale Regelungen informieren.

Bedeutung heute

Der Almrausch steht für eine bestimmte Vorstellung von intakter Bergwelt: ursprünglich, robust, unberührt. Er taucht in Volksliedern auf, ziert Postkarten und Trachtenmuster und ist aus dem kulturellen Bilderrepertoire des Alpenraums nicht wegzudenken. Gleichzeitig ist er aus Sicht der Almwirtschaft oft ein unerwünschter Ausbreiter, der Weideflächen verdrängt. Diese Spannung zwischen Romantisierung und bäuerlicher Realität macht den Almrausch zu einem interessanten Spiegel dafür, wie Natur und Kulturraum im Alpenland wahrgenommen werden, damals wie heute.

Angelusgebet

Drei Mal am Tag hält die Zeit kurz inne. Um sechs Uhr morgens, um zwölf Uhr mittags und um sechs Uhr abends läuten in vielen Dörfern und Städten des Alpenraums die Kirchenglocken und wer in dieser Welt aufgewachsen ist, weiß: Das ist das Zeichen zum Angelus. Eine kurze Pause. Ein paar Worte. Ein Atemzug zwischen den Stunden des Tages.

Das Angelusgebet – lateinisch Angelus Domini – ist ein kurzes katholisches Gebet, das an die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria erinnert. Der Moment also, in dem Maria erfährt, dass sie die Mutter Jesu werden soll. Der Name leitet sich vom ersten Wort des Gebets ab. Das Gebet besteht aus drei kurzen Wechselrufen mit jeweils einem Ave Maria, gefolgt von einer abschließenden Oration. Es ist kein langes Gebet – wer es kennt, betet es in zwei bis drei Minuten.

Das Gebet

Latein

Angelus Domini nuntiavit Mariae et concepit de Spiritu Sancto.

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Ecce, ancilla Domini, Fiat mihi secundum verbum Tuum.

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Et verbum caro factum est et habitavit in nobis.

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.
 
Ora pro nobis, Sancta Dei Genetrix,
ut digni efficiamur promissionibus Christi.

Oremus.
Gratiam Tuam, quaesumus, Domine, mentibus nostris
infunde, ut qui angelo nuntiante, Christi, filii Tui, incarnationem
congnovimus, per passionem Eius et crucem ad resurrectionis gloriam
perducamur.
Per Eundem Christum, Dominum nostrum.
Amen.

Deutsch

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.Gegrüßet seist du, Maria…

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, dass wir würdig werden der Verheißung Christi.

Lasset uns beten:
Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

 

Die genaue Entstehung des Angelusgebets lässt sich nicht auf ein einzelnes Datum oder eine einzelne Person zurückführen. Was sich sagen lässt: Bereits im frühen Mittelalter gab es in Klöstern die Praxis, abendliche Glockenzeichen mit einem Mariengebet zu verbinden. Im 13. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch, beim Abendläuten drei Ave Maria zu beten. Franziskanische und dominikanische Orden trugen wesentlich zur Verbreitung dieser Andachtsform bei.

Das Mittagläuten kam möglicherweise im Zusammenhang mit den Türkenkriegen des 15. Jahrhunderts auf – Papst Calixt III. soll 1456 zum Gebet gegen die osmanische Bedrohung aufgerufen haben. Das morgendliche Läuten etablierte sich später und vervollständigte den Dreiklang des Tages.

Im Laufe der Jahrhunderte wuchs das Angelusläuten zu einem der prägendsten akustischen Signale des bäuerlichen und kleinstädtischen Lebens im katholischen Mitteleuropa.

Ablauf und typische Elemente

Das Gebet folgt einem festen Schema, wie oben ausführlich dargestellt:

  • Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft … → Ave Maria
  • Maria sprach: Ich bin die Magd des Herrn … → Ave Maria
  • Und das Wort ist Fleisch geworden … → Ave Maria

Abgeschlossen wird mit einer kurzen Kollekte, die um Fürsprache und Beistand bittet.

Das Läuten selbst folgt einem eigenen Rhythmus: dreimal drei Glockenschläge, getrennt durch kurze Pausen, dann ein längeres Nachläuten. Wer diesen Klang kennt, erkennt ihn sofort.

Regionale Bedeutung im Alpenraum

Im bäuerlichen Leben Salzburgs, Tirols, Bayerns und der Steiermark war das Angelusläuten mehr als ein religiöses Signal – es war der Taktgeber des Arbeitstages.

Beim Mittagsläuten wurde auf dem Feld die Arbeit unterbrochen, das Vesper ausgepackt, kurz gebetet. Wer das Läuten ignorierte, galt in manchen Gegenden als unhöflich oder gottlos, nicht aus frommer Strenge, sondern weil der Rhythmus des Tages für alle galt.

In einigen Regionen Österreichs ist es bis heute Brauch, beim Angelusläuten kurz innezuhalten, die Kopfbedeckung abzunehmen oder wenigstens die Arbeit für einen Moment ruhen zu lassen. In manchen Gegenden des Alpenraums wird das Abend-Angelus bis heute streng eingehalten, in anderen ist der Brauch kaum noch bekannt.

Bedeutung heute

In vielen Pfarreien läuten die Glocken noch immer dreimal täglich – auch wenn nicht mehr jeder weiß, warum. In touristisch geprägten Orten ist das Mittagläuten manchmal nur noch Kulisse. Anderswo, besonders in ländlichen Gemeinden Tirols, Salzburgs und Bayerns, hat das Angelusgebet seinen Platz im Alltag behalten.

In Klöstern und manchen frommen Haushalten wird es noch täglich gesprochen. Und auch Menschen, die dem Glauben eher distanziert gegenüberstehen, verbinden mit dem Glockenklang oft eine unbestimmte Ruhe – den Impuls, kurz durchzuatmen.

Ave Maria

Das Gebet

„Ave Maria“ ist lateinisch und bedeutet schlicht: „Sei gegrüßt, Maria“. Es ist das wohl bekannteste marianische Gebet der katholischen Kirche – also ein Gebet, das sich an Maria, die Mutter Jesu, richtet.

Latein

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Deutsch

Gegrüßet seist du, Maria,
voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen.


Herkunft

Das Gebet ist kein Werk eines einzelnen Autors – es ist im Laufe von Jahrhunderten aus verschiedenen Quellen zusammengewachsen.

  • Der erste Teil
    stammt fast wörtlich aus dem Lukasevangelium (Lk 1,28 und 1,42). Es sind die Worte des Erzengels Gabriel bei der Verkündigung an Maria sowie der Gruß Elisabeths, der Mutter Johannes des Täufers. Diese Verse wurden früh in der Kirche als Gruß an Maria verwendet.
  • Der zweite Teil
    die Bitte um Fürsprache kam schrittweise hinzu. Er entwickelte sich zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert im westlichen Christentum. Eine einheitliche, verbindliche Fassung entstand erst mit dem Brevier-Reform von Papst Pius V. im Jahr 1568.
  • Der Name Jesus
    am Ende des ersten Teils wurde ebenfalls erst im späten Mittelalter ergänzt – vermutlich um die christologische Bedeutung zu betonen.

Der Engel des Herrn – das Angelusläuten

Wer im Voralpenland aufgewachsen ist, kennt das Angelusläuten: dreimal täglich – morgens, mittags und abends – läuten die Kirchenglocken. Das ist das Signal zum Ave Maria. Dieser Brauch geht auf das sogenannte Angelusgebet zurück, das aus drei Ave Maria-Gebeten und kurzen Versen besteht.

Auf dem Land – besonders in Bayern, Salzburg und Tirol – war es bis weit ins 20. Jahrhundert üblich, dass man bei den Glocken innehielt, die Kappe abnahm oder die Arbeit kurz ruhen ließ. Ein stiller Moment mitten im Tag.

Das Ave Maria im Rosenkranz

Das Ave Maria ist auch das Herzgebet des Rosenkranzes. Im Rosenkranz wird es insgesamt 53 Mal gebetet – eingebettet in die Betrachtung von Geheimnissen aus dem Leben Jesu und Mariens.

Der Rosenkranz war über Jahrhunderte das Volksgebet schlechthin im katholischen Alpenraum. In langen Winterabenden, bei der Feldarbeit, auf Wallfahrten oder am Sterbebett – das Ave Maria begleitete die Menschen durch alle Lebenslagen.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land, in Tirol und in Bayern ist die Marienverehrung tief verwurzelt. Zahlreiche Wallfahrtsorte, wie Mariazell in der Steiermark, Maria Plain bei Salzburg, Maria Kirchental im Salzburger Land oder Altötting in Bayern, sind Zentren dieser Frömmigkeit.

Dort erklingt das Ave Maria nicht nur als stilles Gebet, sondern auch als Gesang. Die bekannteste Vertonung stammt von Franz Schubert (1825), weitere von Charles Gounod und Johann Sebastian Bach. Diese Vertonungen haben das Gebet weit über die Grenzen der Kirchenräume getragen.

Bedeutung heute

Das Ave Maria ist für viele Menschen im Alpenraum mehr als Theologie – es ist kulturelles Gedächtnis. Wer es als Kind gelernt hat, trägt es oft ein Leben lang mit sich. Gleichzeitig ist es für jüngere Generationen manchmal ein fremder Text geworden. In der Pastoralarbeit, der kirchlichen Gemeindearbeit, wird deshalb heute oft erklärt, was die einzelnen Worte bedeuten und woher sie stammen.

Auch Menschen, die sich nicht mehr aktiv zur Kirche zählen, berichten, dass das Ave Maria in bestimmten Momenten, beim Tod eines Menschen, auf einer Wallfahrt, in der Stille der Berge, wieder auftaucht. Das Gebet hat eine eigentümliche Kraft, im Gedächtnis zu bleiben.

Bartholomäus

Bartholomäus oder Bartlmä, wie er im Volksmund heißt, markierte in vielen Alpengegenden den Beginn des Almabtrieb-Zeitraums. Spätestens jetzt wurde das Wetter unberechenbarer, die Tage kürzer.

Bauernfeiertag

Die sogenannten Bauernfeiertage waren weit mehr als arbeitsfreie Tage. Sie waren Wendepunkte im Jahr, an denen sich das bäuerliche Leben neu sortierte.
Der Begriff „Bauernfeiertag“ ist keine offizielle kirchliche oder staatliche Kategorie. Es ist ein Sammelbegriff aus der Volkskultur für jene Tage im Kirchenkalender, die im ländlichen Leben eine besondere praktische, wirtschaftliche oder magische Bedeutung hatten.

Viele dieser Tage sind Heiligenfeste – also Gedenktage von Heiligen, denen man bestimmte Schutzfunktionen für Felder, Vieh oder Wetter zuschrieb. Andere markierten astronomische oder agrarische Wendepunkte: den Beginn des Weidetriebs, den Abzug des Viehs von der Alm, den Abschluss der Ernte, die Ruhezeit des Bodens im Winter.

Im Volksglauben galten diese Tage oft als „Lostage“ – Tage, an denen man das Wetter, die Ernte oder das Glück des kommenden Jahres ablesen konnte. Das war kein Aberglaube aus Unwissenheit, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Beobachtung der Natur.

Das Konzept geht tief in die mittelalterliche Agrargesellschaft zurück. Die Kirche hatte damals eine klare Ordnungsfunktion: Sie strukturierte das Jahr durch Feste, Fastenzeiten und Heiligengedenktage. Die Bauern überlagerten diesen kirchlichen Rhythmus mit ihrem eigenen Erfahrungswissen.

So entstand ein Doppelkalender: der offizielle Kirchenkalender auf der einen Seite – und auf der anderen Seite ein dichtes Geflecht aus Bauernregeln, Lostagen und Schutzpatronen, das von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurde.

Diese Tage hatten oft auch rechtliche und wirtschaftliche Bedeutung. An bestimmten Feiertagen wurden Pachtverträge abgeschlossen oder gekündigt, Löhne ausbezahlt, Dienstboten gewechselt. Wer den Kalender nicht kannte, hatte schlicht schlechte Karten.

Die wichtigsten Bauernfeiertage im Überblick

Einige Tage stachen im bäuerlichen Jahr besonders heraus. Hier die bedeutsamsten, wie sie im Voralpenland, in Bayern, Salzburg und Österreich bekannt sind:

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land und Tirol waren die Alm- und Viehschutzfeste besonders ausgeprägt – logisch, denn die alpine Wirtschaft hing direkt am Wohlergehen des Viehs.

In Bayern und Salzburg und im Innviertel spielte Lichtmess eine besonders wichtige Rolle als Wechseltag für das Gesinde, während in Österreich je nach Region sehr unterschiedliche Heilige als Schutzpatrone verehrt wurden.

Im Voralpenland war der Kirchenkalender oft eng mit dem Wettergeschehen der Region verknüpft: Föhnlagen, Spätfröste, Gewitterjahreszeiten – all das schlug sich in den lokalen Lostagen nieder.

Bedeutung heute

Die meisten Bauernfeiertage sind heute keine Arbeitsverbote mehr. Trotzdem leben viele von ihnen weiter: als Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt, als Almabtrieb zu Bartholomäus, als Martinsumzug für Kinder, als Georgiritt auf dem Lande.
Für Menschen, die Landwirtschaft betreiben, haben manche Tage nach wie vor praktische Bedeutung – auch wenn der Traktor längst den Ochsen ersetzt hat.

Und für alle anderen? Sie bieten eine faszinierende Möglichkeit, den Rhythmus des Jahres wieder zu spüren. Nicht als Nostalgie, sondern als Erinnerung daran, dass unser Leben einmal sehr viel enger mit den Jahreszeiten verwoben war – und dass dieses Wissen nicht einfach verschwunden ist, sondern in Bräuchen, Regeln und Festen weiterlebt.

Bergmesse

Wenn im Sommer die Wiesen blühen, verwandeln sich in den Alpen zahlreiche Gipfel, Almen und Kirchlein in Freiluftkirchen: die Bergmesse gehört in Tirol, Salzburg und weiten Teilen des Alpenraums zum festen Bestandteil des kirchlichen Sommers. Statt unter einem gemauerten Dach wird die Heilige Messe unter freiem Himmel gefeiert – auf einem Gipfel, bei einem Gipfelkreuz, auf einer Alm oder vor einer kleinen Bergkapelle, oft begleitet von einer Musikkapelle und im Anschluss mit gemeinsamer Einkehr.

Die Wurzeln dieser Tradition reichen tief: Berggottesdienste unter freiem Himmel haben in Tirol eine lange Geschichte und wurden von Vereinen wie Schützen oder Jungbauernschaften über Generationen weitergetragen. Vielerorts sind es genau diese Trachten- und Schützenvereine, die die Bergmesse organisieren, mit Fahnen ausrücken und für den musikalischen Rahmen sorgen – die Messe wird so zu einem Gemeinschaftsereignis, das kirchliches und dörfliches Leben verbindet.

Eine besondere Ausprägung sind Gedenkmessen für verunglückte Bergsteiger, etwa am Rax-Kirchl am Fuß der Heukuppe, wo mehrmals im Jahr an verstorbene Bergkameraden erinnert wird. Auch die traditionsreiche Großglockner-Wallfahrt, die seit rund 300 Jahren am 28./29. Juni stattfindet, ist im Kern eine solche Bergmesse – Pilger steigen zur Adlersruhe auf, um dort in großer Höhe gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Für viele Teilnehmer ist die Bergmesse mehr als kirchliche Pflichtübung: Die Kombination aus Aufstieg, Weite und Gottesdienst wird als besondere Form der „geistlichen Sommerfrische“ erlebt – ein Innehalten fernab des Alltags, das Naturerlebnis und Glauben unmittelbar zusammenführt.

Bratwürstelsonntag

Ist der erste Adventsonntag und wir vorwiegend in Oberösterreich gefeiert. Es war einer der ersten Schlachttermine um das Fleisch bis Weihnachten rechtzeitig räuchern zu können. Bis zur Erfindung des Kühlschranks wurde immer in der kalten Jahreszeit geschlachtet. Darum war es eine Art Feiertag, wenn es die ersten frischen Würste gab.

Christnacht

Der Begriff „Christnacht“ bezeichnet die Nacht der Geburt Jesu Christi, also die Nacht, in der nach christlichem Glauben der Sohn Gottes zur Welt kam. Im Volksmund und in der kirchlichen Tradition ist diese Nacht vom 24. Dezember auf den 25. Dezember besonders geheiligt – mehr noch als der Tag selbst.

Der Begriff ist im süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Raum fest verwurzelt. Er taucht in alten Gebetbüchern, in Kirchenordnungen und in der mündlichen Überlieferung auf und meint immer dasselbe: diese eine, besondere Nacht. Die Christnacht ist kein einzelner Brauch. Sie ist ein Zeitraum, in dem sich eine ganze Reihe von Bräuchen, Glaubensvorstellungen und Ritualen bündeln.

Das Weihnachtsfest am 25. Dezember wurde in der westlichen Kirche seit dem 4. Jahrhundert begangen – möglicherweise in bewusster Anlehnung an den römischen Festtag des „Sol Invictus“, der Unbesiegten Sonne, zur Wintersonnenwende.

Die Feier der Christmette – des Gottesdienstes in der Nacht – ist seit dem frühen Mittelalter belegt. Die Mitternachtsmesse galt als das liturgische Herzstück des Kirchenjahres. Die Kirche betonte ausdrücklich, dass Christus in der Dunkelheit geboren wurde – als Licht in der Nacht.

Im Volksglauben des Alpenraums vermischten sich diese christlichen Vorstellungen über die Jahrhunderte mit älteren Überzeugungen rund um die Wintersonnenwende und die sogenannten Raunächte. Die Christnacht gilt als eine der zwölf großen Raunächte (nach moderner Zählung sogar als die erste), jener geheimnisvollen Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in denen die Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Geister angeblich besonders dünn ist.

Bräuche & Legenden

Bedeutung heute

Die Christnacht hat – trotz oder vielleicht gerade wegen des gesellschaftlichen Wandels – nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Sie ist einer der wenigen Momente im Jahr, an denen sich auch Menschen, die mit der Kirche wenig verbinden, an Stille, Gemeinschaft und Tradition erinnern lassen.

Die alten Bräuche wie das Räuchern, das gemeinsame Krippenaufstellen oder der Weg zur Christmette erleben in vielen Regionen des Alpenraums eine stille Renaissance. Nicht als nostalgische Rückwärtsbewegung, sondern als bewusste Entscheidung für Rhythmus und Verwurzelung – in einer Zeit, in der beides selten geworden ist.