Der letzte Tag des Novembermonats, der 30. Novmeber, wird dem Heiligen Apostel Andreas geweiht. Er beendete nicht nur das kirchliche Jahr sondern war auch ein klassischer Lostag für die Liebesdivination: Junge Frauen befragten an diesem Abend durch allerlei Bräuche (Apfelorakel, Andreasgebet) das Schicksal, ob und wen sie heiraten würden. Aber mit dem Andreastag wird auch die Adventszeit eingeläutet.
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Michaeli
Der Erzengel Michael gilt als Schutzpatron der Hirten und Krieger. Sein Festtag am 29. September war einer der wichtigsten Lostage des Jahres – Pachtverträge endeten, Almhirten kamen ins Tal zurück, und das Vieh wurde für den Winter in den Stall gebracht. Michaeli war in vielen Regionen auch ein Zahltag.
Maria Himmelfahrt
Ein doppelter Feiertag am 15. August: kirchlich und bäuerlich. Traditionell wurden an diesem Tag Kräuter, Blumen und Getreidezweige geweiht – der sogenannte Kräuterbuschen oder Wurzeltag. Die geweihten Kräuter sollten Haus, Vieh und Stall das ganze Jahr über schützen. Dieser Brauch ist bis heute lebendig.
Bartholomäus, Bartlmä
Bartholomäus oder Bartlmä, wie er im Volksmund heißt, markierte in vielen Alpengegenden den Beginn des Almabtrieb-Zeitraums. Spätestens jetzt wurde das Wetter unberechenbarer, die Tage kürzer.
Jakobi
Der Jakobustag am 25. Juli, galt in vielen Gegenden als Beginn des Endes der Hochsommerzeit. Die Bauernregel „Nach Jakobi kein Edelweiß mehr“ deutet auf die abnehmende Höhensommerzeit hin. Auch die Heuernte sollte bis dahin abgeschlossen sein.
Floriani
Der heilige Florian ist bekannt als Schutzpatron gegen Feuer und der Feuerwehren. Im bäuerlichen Kontext bat man ihn um Schutz für Haus und Stadel. Gerade in Regionen mit häufigen Gewittern war dieser Tag, der 4. Mai, wichtig.
Martini
Martin von Tours teilte seinen Mantel – das weiß man aus der Schule. Was weniger bekannt ist: Sein Festtag war jahrhundertelang der wichtigste bäuerliche Steuer- und Zahlungstermin in weiten Teilen Mitteleuropas. Pacht, Zehnt, Schulden – vieles wurde zu Martini am 11. November fällig.
Auch der Beginn der Fastenzeit vor Weihnachten fiel traditionell auf diesen Tag, was ihn zu einem letzten großen Schmausefest machte – die Martinsgans hat hier ihren Ursprung. Heute wird der Tag oft mit einem Laternenumzug mit Kindern begangen
Georgi
Der heilige Georg gilt als Schutzpatron der Pferde und des Viehs. Sein Festtag (23. April) markierte traditionell den Beginn des Weidetriebs – die Tiere kamen nach dem langen Winter wieder ins Freie. In manchen Regionen wurden Pferde und Rinder am Georgitag gesegnet oder dreimal um die Kirche geführt.
Bauernfeiertag
Die sogenannten Bauernfeiertage waren weit mehr als arbeitsfreie Tage. Sie waren Wendepunkte im Jahr, an denen sich das bäuerliche Leben neu sortierte.
Der Begriff „Bauernfeiertag“ ist keine offizielle kirchliche oder staatliche Kategorie. Es ist ein Sammelbegriff aus der Volkskultur für jene Tage im Kirchenkalender, die im ländlichen Leben eine besondere praktische, wirtschaftliche oder magische Bedeutung hatten.
Viele dieser Tage sind Heiligenfeste – also Gedenktage von Heiligen, denen man bestimmte Schutzfunktionen für Felder, Vieh oder Wetter zuschrieb. Andere markierten astronomische oder agrarische Wendepunkte: den Beginn des Weidetriebs, den Abzug des Viehs von der Alm, den Abschluss der Ernte, die Ruhezeit des Bodens im Winter.
Im Volksglauben galten diese Tage oft als „Lostage“ – Tage, an denen man das Wetter, die Ernte oder das Glück des kommenden Jahres ablesen konnte. Das war kein Aberglaube aus Unwissenheit, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Beobachtung der Natur.
Das Konzept geht tief in die mittelalterliche Agrargesellschaft zurück. Die Kirche hatte damals eine klare Ordnungsfunktion: Sie strukturierte das Jahr durch Feste, Fastenzeiten und Heiligengedenktage. Die Bauern überlagerten diesen kirchlichen Rhythmus mit ihrem eigenen Erfahrungswissen.
So entstand ein Doppelkalender: der offizielle Kirchenkalender auf der einen Seite – und auf der anderen Seite ein dichtes Geflecht aus Bauernregeln, Lostagen und Schutzpatronen, das von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurde.
Diese Tage hatten oft auch rechtliche und wirtschaftliche Bedeutung. An bestimmten Feiertagen wurden Pachtverträge abgeschlossen oder gekündigt, Löhne ausbezahlt, Dienstboten gewechselt. Wer den Kalender nicht kannte, hatte schlicht schlechte Karten.
Die wichtigsten Bauernfeiertage im Überblick
Einige Tage stachen im bäuerlichen Jahr besonders heraus. Hier die bedeutsamsten, wie sie im Voralpenland, in Bayern, Salzburg und Österreich bekannt sind:
- Lichtmess – 2. Februar
- Georgi – 23. April
- Floriani – 4. Mai
- Jakobi – 25. Juli
- Bartholomäus – 24. August
- Mariä Himmelfahrt – 15. August
- Michaeli – 29. September
- Martini – 11. November
- Andreastag – 30. November
Regionale Besonderheiten
Im Salzburger Land und Tirol waren die Alm- und Viehschutzfeste besonders ausgeprägt – logisch, denn die alpine Wirtschaft hing direkt am Wohlergehen des Viehs.
In Bayern und Salzburg und im Innviertel spielte Lichtmess eine besonders wichtige Rolle als Wechseltag für das Gesinde, während in Österreich je nach Region sehr unterschiedliche Heilige als Schutzpatrone verehrt wurden.
Im Voralpenland war der Kirchenkalender oft eng mit dem Wettergeschehen der Region verknüpft: Föhnlagen, Spätfröste, Gewitterjahreszeiten – all das schlug sich in den lokalen Lostagen nieder.
Bedeutung heute
Die meisten Bauernfeiertage sind heute keine Arbeitsverbote mehr. Trotzdem leben viele von ihnen weiter: als Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt, als Almabfahrt zu Bartholomäus, als Martinsumzug für Kinder, als Georgiritt auf dem Lande.
Für Menschen, die Landwirtschaft betreiben, haben manche Tage nach wie vor praktische Bedeutung – auch wenn der Traktor längst den Ochsen ersetzt hat.
Und für alle anderen? Sie bieten eine faszinierende Möglichkeit, den Rhythmus des Jahres wieder zu spüren. Nicht als Nostalgie, sondern als Erinnerung daran, dass unser Leben einmal sehr viel enger mit den Jahreszeiten verwoben war – und dass dieses Wissen nicht einfach verschwunden ist, sondern in Bräuchen, Regeln und Festen weiterlebt.
Gmoa-Arbeit
In bäuerlichen oder alpinen Dorfgemeinschaften war es über Jahrhunderte selbstverständlich, dass man bestimmte Aufgaben nicht alleine erledigte – und auch nicht erledigen konnte. Wege ausbessern, Gräben ziehen, Brücken reparieren, Waldränder pflegen oder Gemeindegüter instand halten: Das waren Arbeiten, die alle betrafen und deshalb auch alle angingen.
An bestimmten Tagen im Jahr rückte das ganze Dorf gemeinsam aus. Jeder Hof stellte Arbeitskräfte, oft auch Zugtiere oder Werkzeug. Wer ohne triftigen Grund fehlte, fiel auf – und das war in einer kleinen Gemeinschaft keine Kleinigkeit.
Bezahlt wurde bei der Gmoa-Arbeit in der Regel nicht mit Geld. Der „Lohn“ war ein anderer: das gemeinsame Mittagessen, das Gefühl der Zugehörigkeit, das gegenseitige Vertrauen – und nicht zuletzt die stille Gewissheit, dass man im nächsten Jahr selbst auf die Hilfe der anderen zählen konnte.
In manchen Gegenden soll nach getaner Arbeit auch kräftig gefeiert worden sein – mit Brot, Speck und einem Krug Bier oder Most. Wir glauben das ist keine Legende.
Bedeutung heute
Die organisierte Pflicht zur Gmoa-Arbeit ist in den meisten Gemeinden längst weggefallen – Kommunen haben heute Bauhöfe, Forstbetriebe und bezahlte Mitarbeiter. Trotzdem lebt der Gedanke weiter: in freiwilligen Arbeitseinsätzen, Feuerwehr-Arbeitstagen, Almgemeinschaften oder Vereinen, die gemeinsam Wegkreuze renovieren oder Feldraine pflegen.
Das Prinzip ist uralt und gleichzeitig erstaunlich aktuell: Manches funktioniert eben nur, wenn alle mitanpacken.