Firmung

Firmung

von Clemens Gull

Firmung, das klingt fest und bestimmt, und genau das steckt auch dahinter. Das Wort leitet sich vom lateinischen confirmare ab, also bestärken oder bekräftigen. Im Sakrament der Firmung ruft ein Nachfolger der Apostel den Heiligen Geist auf bereits Getaufte herab, damit diese ihr Christsein ernst nehmen und kraftvoller leben können.

Innerhalb der katholischen Kirche zählt die Firmung zu den sieben Sakramenten. Gemeinsam mit Taufe und Erstkommunion bildet sie die drei sogenannten Initiationssakramente, also jene Feiern, durch die ein Mensch zum vollen Mitglied der Kirche wird, mit allen Rechten und Pflichten.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

In der frühen Kirche wurden die Täuflinge, damals meist Erwachsene, sofort nach der Taufe vom Bischof mit dem Chrisam, einem geweihten Öl, gesalbt. Er legte ihnen die Hände auf und rief Gottes Geist auf sie herab. Taufe, Firmung und Erstkommunion fanden also als einheitlicher Ritus statt.

Als später die Kindertaufen immer gebräuchlicher wurden, begannen sich diese Sakramente zeitlich voneinander zu lösen. So ist die Firmung, wie wir sie heute kennen, nach und nach als eigenständige Feier entstanden.

Einen frühen Hinweis auf diese ursprüngliche Einheit liefert der Kirchenvater Tertullian, der um 200 n. Chr. in Karthago eine Praxis beschreibt, bei der Taufe und Salbung kaum voneinander zu trennen waren.

Im Osten, also in der orthodoxen und den unierten Kirchen, ist diese Einheit der drei Initiationssakramente bis heute erhalten geblieben. Im Westen hingegen hat sich die Firmung als eigene, oft Jahre nach der Taufe gefeierte Feier etabliert.

Ablauf und zentrale Elemente

Der Kern der Firmungsfeier ist die Salbung. Der Bischof, oder ein von ihm beauftragter Priester, legt dem Firmling die Hand auf und salbt dessen Stirn mit Chrisam, einem Olivenöl mit wohlriechenden Zusätzen, das in der Karwoche eigens geweiht wird. Dabei spricht er:

[Name],
sei besiegelt mit der Gabe Gottes,
dem Heiligen Geist.

Während dieses Moments steht der Firmpate oder die Firmpatin hinter dem Firmling und legt ihm die rechte Hand auf die Schulter, als sichtbares Zeichen von Begleitung und Beistand beim Übergang ins vollwertige Christsein.

In vielen Gemeinden ist es zudem üblich, dass der Firmling sich einen Heiligennamen wählt, den sogenannten Firmnamen, den er als persönliches Zeichen annimmt.

Regionale Besonderheiten

In Österreich können Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr das Sakrament der Firmung empfangen, wobei das tatsächliche Firmalter je nach Diözese zwischen 12 und 17 Jahren schwankt. Das Sakrament wird traditionell rund um Pfingsten gespendet, was inhaltlich sehr naheliegt: Pfingsten gilt als Fest des Heiligen Geistes, und genau dieser Geist soll in der Firmung den Jugendlichen gestärkt werden.

In Bayern und dem Alpenvorland ist es eher üblich, dass nur der Firmpate den Firmling in der Zeremonie begleitet, während in anderen Regionen auch die gesamte Familie vor den Bischof tritt.

Traditionell schenkte man dem Firmling zur Erinnerung etwas Bleibendes. Firmpaten schenkten früher oft ein Gebetbuch oder einen Rosenkranz, Wohlhabendere eine silberne oder goldene Uhr, einen Anzug oder ein Essbesteck. In einigen Gegenden ist die erste eigene Uhr als Firmgeschenk bis heute lebendig, wobei das wohl auch symbolisch zu verstehen ist: Eine neue Zeit beginnt.

Ein weiterer Brauch, der sich in jüngerer Zeit merklich verbreitet hat, ist das Tragen von Dirndl oder Tracht zur Firmung, was wohl mit der allgemeinen Rückbesinnung auf regionale Festkleidung zusammenhängt.

Traditionell verbrachte der Firmling den Tag nach dem Gottesdienst gemeinsam mit seinem Paten: Beide suchten sich eine Beschäftigung oder ein Ausflugsziel aus und gestalteten den Tag zu zweit. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die große Familienfeier diese intimere Form des Paten-Tages zunehmend abgelöst.

Bedeutung heute

Die Firmung ist heute in vielen Familien mehr als ein kirchliches Pflichtprogramm. Sie markiert einen echten Übergang, das Ende der Kindheit, der Beginn von etwas Neuem. Auch für Jugendliche, die dem Glauben distanziert gegenüberstehen, kann die Firmung ein Moment sein, an dem sie sich zum ersten Mal bewusst mit der Frage auseinandersetzen: Was glaube ich eigentlich?

Gleichzeitig ist nicht zu übersehen, dass die Zahl der Firmlinge in Österreich zurückgeht. Die Gesellschaft verändert sich, und mit ihr das Verhältnis zu religiösen Übergangsritualen. Trotzdem: Für viele Familien im Alpenraum ist die Firmung nach wie vor ein Fest, das die Gemeinschaft zusammenführt, Generationen verbindet und einem Jugendlichen sagt, dass er jetzt dazugehört.