
Maria Verkündigung
von Clemens Gull
Am 25. März begeht die christliche Kirche das Fest Maria Verkündigung (lateinisch: Annuntiatio Domini), auch Mariä Verkündigung oder volkstümlich Unser Frauen Tag im März genannt. Das Fest erinnert an jenen Moment, in dem der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien und ihr die Geburt des Gottessohnes ankündigte, ein Ereignis, das im Lukasevangelium (Lk 1,26–38) überliefert ist.
Das Datum ist theologisch bewusst gewählt: Genau neun Monate vor Weihnachten (25. Dezember) markiert es den Augenblick der Menschwerdung Gottes (Incarnatio). In der katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche zählt es zu den bedeutenden Hochfesten des Kirchenjahres.
Das Fest lässt sich bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Papst Gelasius I. (492–496) erwähnte es erstmals schriftlich; im 7. Jahrhundert wurde es im gesamten Abendland als gebotener Feiertag eingeführt. In vielen Regionen Europas war der 25. März bis weit ins Mittelalter hinein auch der Jahresanfang.
Bräuche und Volksüberlieferungen
An Maria Verkündigung Kräuter und Frühblüher, vor allem die erste Gartenkresse, Veilchen und Schlüsselblumen, zur Kirche gebracht und gesegnet. Man glaubte, dass gesegnete Kräuter Haus und Vieh vor Unheil schützen.
Als einer der wichtigsten Lostage des bäuerlichen Jahres zeigte Maria Verkündigung an, wann es Zeit war, Hafer, Gerste und Flachs auszusäen. rchenkalender miteinander verzahnt waren. Wer an diesem Tag nicht säte, galt als säumig.
An Maria Verkündigung wurden geweihte Kerzen (oft Lichtmesskerzen vom 2. Februar) neu entzündet. Das Licht symbolisierte Marias „Ja“ zur Botschaft des Engels und damit das erste Aufleuchten des göttlichen Lebens in der Welt.
An Maria Verkündigung hat das Angelusgebet, das dreimal täglich gebetete Engelsgebet, seinen eigentlichen Ursprungstag. In Klöstern und Pfarrkirchen wurde es feierlicher als sonst geläutet, oft mit allen Glocken. Das Gebet nimmt direkt Bezug auf die Szene, die dieses Fest begeht.
Bedeutung heute
In der modernen Zeit ist das Fest im deutschen Sprachraum kein gesetzlicher Feiertag mehr (in Bayern und Österreich war es bis ins 19. Jahrhundert einer). In der Volksreligiosität lebt es jedoch fort: in Marienprozessionen, in blumengeschmückten Wegkapellen, im Angelusläuten und anderen regionalen Bräuchen.