
Volksfeste
Rieder Volksfest
von Clemens Gull
Ende August, wenn andernorts der Sommer schon leiser wird, beginnt im oberösterreichischen Ried im Innkreis das, was die Region selbst gerne als ihre eigene fünfte Jahreszeit bezeichnet: das Rieder Volksfest. Bewusst trägt der Brauch nicht den Namen „Oktoberfest“ – auch wenn die Grundidee ähnlich ist –, sondern hat sich unter eigenem Namen zur größten und traditionsreichsten Massenveranstaltung des Innviertels entwickelt.
Die Wurzeln reichen erstaunlich weit zurück: Am 6. bis 8. Oktober 1867 fand auf der Dechantwiese in Ried das „Erste landwirtschaftliche Ausstellungsfest“ statt – die Idee dazu hatte der örtliche Druckereibesitzer Josef Kränzl ein Jahr zuvor vorgeschlagen, „statt dem Pferderennen … auf nützlichere Belustigungen zu denken“. Gezeigt wurden Hornvieh, Schweine, Schafe, Wild, Hunde und Federvieh ebenso wie landwirtschaftliche Erzeugnisse, Obst und Gartenfrüchte. Schon das zweite Fest 1868 zählte über drei Tage rund 20.000 Besucherinnen und Besucher, und mit dem Bahnanschluss der Strecke Neumarkt–Ried–Braunau stieg die Zahl 1871 auf 24.000. Weil der ursprüngliche Festplatz zu klein wurde, zog die Veranstaltung 1895 nach Ried um.
Aus der landwirtschaftlichen Leistungsschau wurde im 20. Jahrhundert eine feste Institution: 1953 erfolgte die Umbenennung zur „Österreichischen Landwirtschaftsmesse“, 1967 feierte man mit Bundespräsident Franz Jonas und rund 1.300 Ausstellern das 100-jährige Bestehen, und 1985 kamen mit 1,15 Millionen Besuchern über neun Tage so viele Menschen wie nie zuvor. Beim 150-Jahr-Jubiläum 2017 gehörte sogar ein olympisches Feuer zum Programm. Heute ruht die Rieder Messe auf vier tragenden Säulen – Landwirtschaftsmesse, Nutztierschau „Austro Tier“, Herbstmesse und eben das eigentliche Volksfest –, wobei Letzteres mit Fahrgeschäften, Festzelten, Weinhallen und freiem Eintritt bis heute den geselligen, ungezwungenen Kern der Veranstaltung bildet, während drumherum weiterhin echtes bäuerliches Ausstellungswesen stattfindet.

