Bauernherbst
Sonstige Bräuche

Bauernherbst

von Clemens Gull

„Bauernherbst“ ist im Salzburger Land der feststehende Name für das, was Einheimische liebevoll die fünfte Jahreszeit nennen: die Wochen zwischen Mitte August und Ende Oktober, in denen die Ernte eingebracht, das Vieh von der Alm geholt und in vielen Gemeinden gleichzeitig gefeiert wird. Der Begriff ist dabei kein einzelner Brauch, sondern ein touristisch-kulturelles Dach über eine ganze Reihe einzelner Traditionen: Almabtrieb, Erntedank und Kirtag finden in diesem Zeitraum ohnehin statt – der Bauernherbst bündelt sie zu einem gemeinsamen Programm und macht sie so überregional sichtbar.

Ins Leben gerufen wurde der Salzburger Bauernherbst 1996 mit einem großen Auftaktfest am 25. August in Obertrum am See; im ersten Jahr beteiligten sich 14 Gemeinden im Flachgau. Schon ein Jahr später waren es 63 Orte mit rund 1.200 Veranstaltungen – ein Tempo, das zeigt, wie sehr die Idee einem echten Bedürfnis entsprach: bäuerliches Leben, regionale Küche und dörfliches Brauchtum nicht nebeneinander, sondern als gemeinsame Erzählung zu präsentieren. Heute, drei Jahrzehnte später, tragen 77 Orte im gesamten Bundesland den Titel „Bauernherbst-Gemeinde“, mit rund 2.000 Einzelveranstaltungen über die gesamte Saison.

Im Kern bleibt der Bauernherbst dabei, was er von Anfang an war: eine Gelegenheit, bäuerliche Arbeit sichtbar zu machen, die sonst im Jahreslauf eher im Verborgenen bleibt. Handwerksvorführungen, Bauernmärkte mit selbst erzeugten Produkten, Krautköpfe- und Kürbisfeste, Almabtriebe mit geschmücktem Vieh und die herbstlichen Kirchweihfeste reihen sich zu einem dichten Programm, das von August bis in den späten Oktober trägt. Für viele Salzburger Gemeinden ist der Bauernherbst damit längst mehr als Tourismus-Marketing geworden – er ist zu einem festen Fixpunkt im bäuerlichen und dörflichen Jahreskreis geworden, der alte Einzelbräuche unter einem gemeinsamen Namen zusammenhält.

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