Der letzte Tag des Novembermonats, der 30. Novmeber, wird dem Heiligen Apostel Andreas geweiht. Er beendete nicht nur das kirchliche Jahr sondern war auch ein klassischer Lostag für die Liebesdivination: Junge Frauen befragten an diesem Abend durch allerlei Bräuche (Apfelorakel, Andreasgebet, Schuhorakel) das Schicksal, ob und wen sie heiraten würden. Aber mit dem Andreastag wird auch die Adventszeit eingeläutet.
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Bartholomäus
Bartholomäus oder Bartlmä, wie er im Volksmund heißt, markierte in vielen Alpengegenden den Beginn des Almabtrieb-Zeitraums. Spätestens jetzt wurde das Wetter unberechenbarer, die Tage kürzer.
Bauernfeiertag
Die sogenannten Bauernfeiertage waren weit mehr als arbeitsfreie Tage. Sie waren Wendepunkte im Jahr, an denen sich das bäuerliche Leben neu sortierte.
Der Begriff „Bauernfeiertag“ ist keine offizielle kirchliche oder staatliche Kategorie. Es ist ein Sammelbegriff aus der Volkskultur für jene Tage im Kirchenkalender, die im ländlichen Leben eine besondere praktische, wirtschaftliche oder magische Bedeutung hatten.
Viele dieser Tage sind Heiligenfeste – also Gedenktage von Heiligen, denen man bestimmte Schutzfunktionen für Felder, Vieh oder Wetter zuschrieb. Andere markierten astronomische oder agrarische Wendepunkte: den Beginn des Weidetriebs, den Abzug des Viehs von der Alm, den Abschluss der Ernte, die Ruhezeit des Bodens im Winter.
Im Volksglauben galten diese Tage oft als „Lostage“ – Tage, an denen man das Wetter, die Ernte oder das Glück des kommenden Jahres ablesen konnte. Das war kein Aberglaube aus Unwissenheit, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Beobachtung der Natur.
Das Konzept geht tief in die mittelalterliche Agrargesellschaft zurück. Die Kirche hatte damals eine klare Ordnungsfunktion: Sie strukturierte das Jahr durch Feste, Fastenzeiten und Heiligengedenktage. Die Bauern überlagerten diesen kirchlichen Rhythmus mit ihrem eigenen Erfahrungswissen.
So entstand ein Doppelkalender: der offizielle Kirchenkalender auf der einen Seite – und auf der anderen Seite ein dichtes Geflecht aus Bauernregeln, Lostagen und Schutzpatronen, das von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurde.
Diese Tage hatten oft auch rechtliche und wirtschaftliche Bedeutung. An bestimmten Feiertagen wurden Pachtverträge abgeschlossen oder gekündigt, Löhne ausbezahlt, Dienstboten gewechselt. Wer den Kalender nicht kannte, hatte schlicht schlechte Karten.
Die wichtigsten Bauernfeiertage im Überblick
Einige Tage stachen im bäuerlichen Jahr besonders heraus. Hier die bedeutsamsten, wie sie im Voralpenland, in Bayern, Salzburg und Österreich bekannt sind:
- Lichtmess – 2. Februar
- Georgi – 23. April
- Floriani – 4. Mai
- Jakobi – 25. Juli
- Bartholomäus – 24. August
- Mariä Himmelfahrt – 15. August
- Michaeli – 29. September
- Martini – 11. November
- Andreastag – 30. November
Regionale Besonderheiten
Im Salzburger Land und Tirol waren die Alm- und Viehschutzfeste besonders ausgeprägt – logisch, denn die alpine Wirtschaft hing direkt am Wohlergehen des Viehs.
In Bayern und Salzburg und im Innviertel spielte Lichtmess eine besonders wichtige Rolle als Wechseltag für das Gesinde, während in Österreich je nach Region sehr unterschiedliche Heilige als Schutzpatrone verehrt wurden.
Im Voralpenland war der Kirchenkalender oft eng mit dem Wettergeschehen der Region verknüpft: Föhnlagen, Spätfröste, Gewitterjahreszeiten – all das schlug sich in den lokalen Lostagen nieder.
Bedeutung heute
Die meisten Bauernfeiertage sind heute keine Arbeitsverbote mehr. Trotzdem leben viele von ihnen weiter: als Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt, als Almabtrieb zu Bartholomäus, als Martinsumzug für Kinder, als Georgiritt auf dem Lande.
Für Menschen, die Landwirtschaft betreiben, haben manche Tage nach wie vor praktische Bedeutung – auch wenn der Traktor längst den Ochsen ersetzt hat.
Und für alle anderen? Sie bieten eine faszinierende Möglichkeit, den Rhythmus des Jahres wieder zu spüren. Nicht als Nostalgie, sondern als Erinnerung daran, dass unser Leben einmal sehr viel enger mit den Jahreszeiten verwoben war – und dass dieses Wissen nicht einfach verschwunden ist, sondern in Bräuchen, Regeln und Festen weiterlebt.
Bratwürstelsonntag
Ist der erste Adventsonntag und wir vorwiegend in Oberösterreich gefeiert. Es war einer der ersten Schlachttermine um das Fleisch bis Weihnachten rechtzeitig räuchern zu können. Bis zur Erfindung des Kühlschranks wurde immer in der kalten Jahreszeit geschlachtet. Darum war es eine Art Feiertag, wenn es die ersten frischen Würste gab.
Drei-Königs-Tag
Der 6. Januar ist im christlichen Festkalender das Hochfest der Erscheinung des Herrn – lateinisch: Epiphania Domini. An diesem Tag feiern Christen den Besuch der „Weisen aus dem Morgenland“ beim Jesuskind in Bethlehem.
Die Bibel selbst spricht in der Erzählung des Matthäusevangeliums übrigens nicht von Königen und nennt auch keine genaue Zahl. Dass es drei waren und dass sie Könige gewesen sein sollen, ist eine Tradition, die sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet hat – wahrscheinlich, weil drei Geschenke erwähnt werden: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar tauchen erst in Schriften des frühen Mittelalters auf.
Das Fest hat sehr alte Wurzeln. In der östlichen Christenheit war die Epiphanie lange sogar wichtiger als Weihnachten – sie galt als der eigentliche Tag der Offenbarung Gottes in der Welt.
Im Mittelalter entwickelte sich aus dem Fest eine lebendige Volksfrömmigkeit. In vielen Regionen Europas entstanden Prozessionen, Spiele und Umzüge, bei denen die drei Könige dargestellt wurden. Aus diesen mittelalterlichen Festspielen entwickelte sich im deutschsprachigen Raum das Sternsingen, das heute noch lebendig ist.
In Bayern und Österreich ist der 6. Januar bis heute ein gesetzlicher Feiertag, in vielen anderen deutschen Bundesländern nicht.
In Österreich und Bayern ist das Sternsingen besonders tief verwurzelt. Die österreichische Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar ist eine der größten Spendenaktionen des Landes – jedes Jahr ziehen hunderttausende Kinder durch die Straßen und sammeln Millionenbeträge für Projekte in Entwicklungsländern.
In manchen ländlichen Gegenden des Voralpenlands und Salzburger Lands ist es Brauch, nicht nur die Kreide an die Tür zu schreiben, sondern auch Weihrauch durch die Stuben zu schwenken, um böse Geister zu vertreiben, eine Mischung aus christlichem Ritus und älterem Volksglauben.
In Südtirol und Teilen Tirols gibt es zusätzlich den Brauch des Anklöpfelns in der Vorweihnachtszeit, der thematisch verwandt ist, auch hier ziehen Gruppen singend von Hof zu Hof.
Der Dreikönigstag als Ende der Weihnachtszeit
Traditionell endet mit dem 6. Januar die Weihnachtszeit im liturgischen Sinn. Der Christbaum kommt weg, die Krippe wird abgebaut, die Feiertage sind offiziell vorbei. Das gibt dem Tag auch eine besondere emotionale Qualität: Es ist ein Abschluss. Ein letztes Aufleuchten, bevor der Alltag zurückkehrt.
Bedeutung heute
Der Dreikönigstag hat sich in den letzten Jahrzehnten bemerkenswert gut gehalten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er durch die Sternsingeraktion eine soziale Dimension bekommen hat, die weit über das Religiöse hinausgeht. Auch Familien, die sonst wenig Kirchenbezug haben, öffnen gerne die Tür, wenn die Kinder stehen. Das Kreidezeichen über der Tür ist für viele ein bodenständiges Ritual des Neuanfangs – eine kleine Geste, die sagt: Möge in diesem Haus etwas Gutes wohnen.
Floriani
Der heilige Florian ist bekannt als Schutzpatron gegen Feuer und der Feuerwehren. Im bäuerlichen Kontext bat man ihn um Schutz für Haus und Stadel. Gerade in Regionen mit häufigen Gewittern war dieser Tag, der 4. Mai, wichtig.
Georgi
Der heilige Georg gilt als Schutzpatron der Pferde und des Viehs. Sein Festtag (23. April) markierte traditionell den Beginn des Weidetriebs – die Tiere kamen nach dem langen Winter wieder ins Freie. In manchen Regionen wurden Pferde und Rinder am Georgitag gesegnet oder dreimal um die Kirche geführt.
Jakobi
Der Jakobustag am 25. Juli, galt in vielen Gegenden als Beginn des Endes der Hochsommerzeit. Die Bauernregel „Nach Jakobi kein Edelweiß mehr“ deutet auf die abnehmende Höhensommerzeit hin. Auch die Heuernte sollte bis dahin abgeschlossen sein.
Lostag
Ein Lostag ist in der Volkskunde ein bestimmter Kalendertag, dessen Wetter nach altem Volksglauben als Hinweis/„Vorzeichen“ für die Witterung der kommenden Wochen gilt – und damit (früher) auch als Orientierung für landwirtschaftliche Arbeiten wie Aussaat, Heu, Ernte.
Ein zentrales Element vieler Bauernfeiertage sind die Lostage – Tage, an denen das Wetter als Vorzeichen für kommende Wochen oder Monate galt. Diese Bauernregeln klingen manchmal skurril, haben aber oft einen erfahrungsbasierten Kern. Sie entstanden durch langjährige Beobachtung regionaler Wetterphänomene und wurden in gereimter Form weitergegeben, damit sie leichter zu merken waren.
Das Wortteil „Los“ meint hier nicht „Gewinnlos“, sondern „Geschick / Weissagung“ (also: das, was einem „beschieden“ ist). Der Lostag ist damit sinngemäß ein „Schicksals-/Omen-Tag“ fürs Wetter.
Als Tradition sind Lostage vor allem Erfahrungswissen und Merkhilfe. Einzelne Regeln (z. B. rund um den Siebenschläfertag) werden heute gelegentlich meteorologisch eingeordnet – teils mit dem Hinweis, dass sie nicht immer zuverlässig sind und stark von Großwetterlagen abhängen.
Martini
Martin von Tours teilte seinen Mantel – das weiß man aus der Schule. Was weniger bekannt ist: Sein Festtag war jahrhundertelang der wichtigste bäuerliche Steuer- und Zahlungstermin in weiten Teilen Mitteleuropas. Pacht, Zehnt, Schulden – vieles wurde zu Martini am 11. November fällig.
Auch der Beginn der Fastenzeit vor Weihnachten fiel traditionell auf diesen Tag, was ihn zu einem letzten großen Schmausefest machte – die Martinsgans hat hier ihren Ursprung. Heute wird der Tag oft mit einem Laternenumzug mit Kindern begangen