Weihnachten

Weihnachten ist mehr als nur ein Feiertag – es ist eine Zeit der Besinnung, des Beisammenseins und der Freude. In den Alpenländern, wo die Winter besonders kalt und die Nächte lang sind, hat Weihnachten eine ganz besondere Bedeutung.

Die Weihnachtszeit beginnt mit dem Advent, der vier Wochen vor Weihnachten beginnt. Dies ist eine Zeit der Vorbereitung und Erwartung. Viele Familien haben einen Adventkranz mit vier Kerzen, von denen jede an einem der vier Sonntage vor Weihnachten angezündet wird. Auch werden bereits im Advent die ersten Weihnachtskrippen in Häusern und Kirchen aufgestellt.

Während des Advents, am 6. Dezember liegt der Nikolaustag, welcher mit dem Krampus ausgiebig gefeiert wird.

Der Heilige Abend, der 24. Dezember, ist der Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten. Familien kommen zusammen, um ein festliches Mahl zu teilen, und dann werden die Geschenke, die vom Christkind unter den Christbaum gelegt wurden, ausgepackt. In einigen Ländern ist auch der 25. Dezember, der Christtag, und der 26. Dezember, der Stephanitag, noch arbeitsfrei. Damit teilen sich die Familienfeiern oft auf mehrere Tage auf.

Weihnachtskrippe

Ihre Ursprünge gehen auf den heiligen Franz von Assisi zurück, der am 24. Dezember 1223 in Greccio eine Krippe mit einem lebendigen Ochsen und einem Esel aufstellte und Heu hineinlegte. Doch die Darstellung der Geburtsszene Jesu reicht noch weiter zurück, bis ins Jahr 335, als Kaiserin Helena eine Kirche auf dem vermeintlichen Geburtsort Jesu in Bethlehem errichten ließ, die später mit dieser Szene bemalt wurde.

Die Vorläuferkirche von Santa Maria Maggiore, auch bekannt als Santa Liberiana, in Rom hatte bereits eine Krippenkapelle. Im 16. Jahrhundert verbreitete sich die Tradition der Weihnachtskrippe durch die Jesuiten in ganz Europa. Die erste Krippe des Ordens wurde um 1560 in einem Kloster in Portugal aufgestellt, und bald folgten Kirchen und Fürstenhäuser in Spanien, Italien und Süddeutschland.

Mit der Zeit wurden die Krippenfiguren immer kleiner und die Heilige Familie wurde durch Engel, Hirten und die Weisen aus dem Morgenland ergänzt. Die heute noch verwendeten Papierkrippen entstanden im 18. Jahrhundert und wurden zunächst von Hand bemalt, später maschinell bedruckt. Ab dem 19. Jahrhundert wurde es zur Tradition, Krippen in den Wohnzimmern der Familien aufzustellen, eine Praxis, die zunächst nur in katholischen Gegenden üblich war.

Die Weihnachtskrippe ist ein faszinierendes Panorama von Figuren, jede mit ihrer eigenen symbolischen Bedeutung. Im Zentrum steht das Jesuskind, ein Säugling, der in einer bescheidenen Krippe liegt. Als “Christuskind” verkörpert er die Menschwerdung Gottes, der ohne weltlichen Reichtum zur Welt kam. Sein Name – Jesus – übersetzt als ““Gott ist die Rettung”, deutet auf seine Rolle als Retter der Menschheit hin.

Maria, die Mutter, strahlt jungfräuliche Reinheit und Unschuld aus. Ihr blauer Mantel, ein häufiges Merkmal in der christlichen Kunst, symbolisiert Glauben und Treue. Josef, dargestellt als älterer Mann, steht als Beschützer der Familie und “Hüter des Lichts”.

Ochs und Esel, obwohl nicht im Lukasevangelium erwähnt, sind seit der frühchristlichen Zeit fester Bestandteil der Krippendarstellungen. Sie repräsentieren verschiedene Glaubensrichtungen und symbolisieren, dass auch Jesus die Lasten seiner Mitmenschen trug.

Die Hirten repräsentieren das einfache Volk und symbolisieren verschiedene Gesellschaftsgruppen. Die Schafe und Lämmer stehen für Wehrlosigkeit und unschuldiges Leiden.

Die Heiligen Drei Könige, deren Namen, Herkunft und Anzahl Gegenstand zahlreicher Geschichten und Legenden sind, repräsentieren die damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa. Jeder König bringt ein Geschenk mit, das eine besondere Bedeutung hat.

Engel sind ein wesentlicher Bestandteil jeder Weihnachtskrippe, sie überbringen die frohe Botschaft von der Geburt Jesu. Und schließlich gibt es das exotische Trio aus Pferd, Kamel und Elefant, die den drei Königen aus dem Morgenland zugeordnet sind.

Wobei die einzelnen Figuren nicht von Anfang in einer Krippe aufgestellt werden. Es ist üblich das Jesuskind (und manchmal Josef und Maria) erst am heiligen Abend hinzuzufügen. Auch die Heiligen drei Könige werden erst am 6. Jänner, dem 3-Königs-Tag, in die Krippe gestellt.

Wilde Jagd

Glück hinein,
Unglück hinaus,
es geht das Wilde Gjoad ums Haus!

Was ist die Wilde Jagd – und was bedeutet „Gjoad“?

„Wilde Jagd“ oder im Salzburger Dialekt „Wildes Gjoad“ bezeichnet einen nächtlichen Geisterzug, der sich in der Vorstellung der Menschen als rasender, lärmender Umzug durch die Winternacht bewegt. Der Zug fegt wie ein Sturmwind heran, verworrenes Geheul schallt durch die Luft, man hört Pferde wiehern, Hunde bellen, Peitschenknall und Jagdrufe. So schildern es alte Sagenbücher aus dem Salzburger Raum.

Das Wort „Gjoad“ ist die dialektale Salzburger Form von „Gehrad“ oder „Gehret“, also Zug, Tross, Truppe. Es beschreibt also nicht eine Jagd im wörtlichen Sinn, sondern den Umzug des wilden Geisterheers.
In diesem uralten Brauch verbinden sich christliches Brauchtum, heidnische Überlieferung und historische Wahrheit. Selten lässt sich das so deutlich auf einen einzigen Ort und einen einzigen Abend herunterbrechen wie hier, am Untersberg.

Der Untersberg als Zentrum der Sage

Der Untersberg, jener markante Gebirgsstock südlich von Salzburg auf der Grenze zu Bayern, ist einer der sagenreichsten Berge des Alpenraums. In seinen Tiefen, so der Volksglaube, schläft Kaiser Karl der Große (in anderen Versionen Kaiser Friedrich Barbarossa) und wartet auf seine Wiederkehr. Der Rabe, der Riese Abfalter, die Hexen und das Moosweibl: Sie alle stammen aus diesem dichten Sagenkosmos rund um den Berg.

Die Wilde Jagd wird mit dem südlich von Salzburg aufragenden Untersberg in Verbindung gebracht, ähnlich wie der Kyffhäuser im Harz mit Kaiser Barbarossa. Durch das Christentum, so die volkskundliche Interpretation, wurden die alten vorchristlichen Götter zu Schreckensgestalten umgedeutet, die nun in hohlen Bergen hausen oder nachts durch die Lüfte irren mussten.

Herkunft und Hintergründe

Der Brauch verbindet christliches Brauchtum, heidnische Überlieferung und historische Wahrheit. Vermutlich geht das wilde Treiben auf keltische Rituale zurück, die den Gott der Stürme und der kalten Winterwinde besänftigen sollten. Historische Funde sollen belegen, dass bereits vor rund 2.000 Jahren um den Untersberg Tiermasken zu Kultzwecken getragen wurden. Die Wilde Jagd soll den Zug der Seelen darstellen, die in der Raunachtszeit bei ihren Familien nach dem Rechten sahen.

Die kirchliche Seite sah das traditionell skeptisch bis feindselig: Die Wilde Jagd war wie viele andere Bräuche lange Zeit verboten, und bei Nichtbeachtung des Verbotes drohten empfindliche Strafen.

Die Wiederbelebung 1949

Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung
Der heute gepflegte Brauch ist nicht nahtlos aus dem Mittelalter überliefert. Es handelt sich um einen uralten Brauch, der im 19. Jahrhundert eingestellt und 1949 wiederbelebt bzw. neu interpretiert wurde.

Kuno Brandauer und Werner Dürnberger sorgten dafür, dass der Wilde-Jagd-Zug im Jahr 1949 in Anif erstmals wieder von der Heimat- und Brauchtumsgruppe Jung Alpenland durchgeführt wurde. Werner Dürnberger entwarf die Masken der zwölf Gestalten. Kuno Brandauer vermengte dabei Elemente der Anklöpfelbräuche mit den Untersberg-Sagen und mit der früheren, vor den Weltkriegen gepflegten Untersberger Wilden Jagd.

Das Salzburger Kulturlexikon ordnet das kritisch ein: Es handelt sich um eine 1943 bzw. 1949 von Kuno Brandauer neu begründete Brauchform, die Elemente der Wilden-Jagd-Sage mit Figuren der Untersbergsagen und Perchten vermengt, wobei Brandauer dem Spiel eine für ihn typische heidnisch-kultische Bewertung unterlegte. Das ist eine wichtige volkskundliche Einordnung: Was heute als „uralter Brauch“ erlebt wird, ist in seiner jetzigen Form eine bewusste Neuschöpfung der Nachkriegszeit, eingebettet in echte ältere Überlieferungen.

Ablauf

An einem möglichst geheim gehaltenen Ort in der Untersberg-Gegend taucht das „Wilde Gjoad“ jährlich am Donnerstag zwischen dem zweiten und dritten Adventsonntag, also dem zweiten Donnerstag im Advent, nach Einbruch der Dämmerung auf und führt den Umgang und Tanz durch, auch Referenz genannt. Ganz plötzlich taucht es an einem entlegenen Ort auf und verschwindet wieder in der Dunkelheit der Dezembernächte. Oft wissen die Hofbesitzer im Voraus nichts davon. Die Heimat- und Brauchtumsgruppe Jung Alpenland hält dabei feste, unveränderliche Regeln ein:

  • die Durchführung am zweiten Donnerstag im Advent,
  • die Geheimhaltung des Ortes,
  • die Festlegung auf die Heilige Zahl Zwölf bei den Maskenträgern, sowie
  • ein geregelter Ablauf mit symbolhaften Handlungselementen und
  • der Verzicht auf Spendenbettelei.

Die vermummten Gestalten ziehen unter lautem Getöse von Bauernhof zu Bauernhof. Dort klopfen sie an Fenster und Türen und rufen den Bewohnern zu: Glück hinein, Unglück heraus, es geht das Wilde Gjoad ums Haus! Zum Höhepunkt des Besuchs bilden die Maskenträger einen Kreis, führen zur sogenannten Perchtenmusik auf Schwegelpfeifen einen Springtanz auf, und der Tod gibt mit seiner Trommel den Takt vor.

Die zwölf Figuren

Die zwölf Figuren sind: Vorpercht, Tod, Hexe, Habergoaß, Hahnergickel, Moosweiberl, Riese Abfalter, Eber, Rabe, Wilder Mann, Bär und Bärentreiber.

Jede Figur hat ihre eigene Bedeutung:

Die Vorpercht schreitet dem Zug voran, klopft an Türen und Fenster und kündigt die unheimlichen Begleiter an. Der Tod ist die eigentliche Zentralfigur: Er markiert mit seinem Trommelschlag den Rhythmus und bestimmt den gesamten Ablauf. Der Rabe gilt als Sturm- und Götterbote. Der Rabe vom Untersberg ist eine besonders mysteriöse Gestalt in der Untersberg-Sage und steht in Verbindung mit der Sage des im Berg schlafenden Kaisers.

Die ersten Masken wurden von Werner Dürnberger geschnitzt. Die Originale sind heute ganzjährig im Untersbergmuseum in Fürstenbrunn zu besichtigen.

Die Wilde Jagd in Europa

Das faszinierende an der Salzburger Wilden Jagd: Sie ist keine regionale Erfindung, sondern Teil eines der weitverbreitetsten Wintermythen Europas.

Das Phänomen des nächtlichen Geisterzuges wurde in der Folklore ganz Europas aufgezeichnet, war aber besonders im germanischen Norden verbreitet. In Skandinavien hieß es Oskoreia (die schreckliche Fahrt) oder Odensjakt (Odins Jagd). Im Mittelhochdeutschen sprach man von Wuotanes Her (Odins Heer), im modernen Deutschen vom Wütenden Heer oder eben der Wilden Jagd. Es fegte in der Mitte des Winters durch die Wälder, in der kältesten, dunkelsten Zeit des Jahres, wenn tosende Stürme über das Land peitschten.

In England heißt der Zug the Wild Hunt, in Frankreich Mesnie Hellequin, chasse fantastique oder chasse sauvage, im Italienischen caccia selvaggia. Die Wilde Jagd zieht besonders in der Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, den Raunächten, durch die Lüfte, aber auch Fastnacht und Karfreitag gelten als besondere Daten.

In Irland führte der mythische Krieger Fionn mac Cumhaill den Geisterzug an, in Schottland waren es Wesen der Feenwelt. In Schottland schützten Menschen bis ins 20. Jahrhundert noch die Westseite des Hauses, wenn jemand krank darin lag, weil die bösen Geister der Wilden Jagd angeblich von Westen kamen. Allen Versionen gemeinsam: Ein Anführer aus der Welt der Toten, eine Winternacht, und die Warnung, sich nicht in den Weg zu stellen.

Die Überlieferung schildert es so: Wehe dem nächtlichen Wanderer, der nicht sogleich sein Gesicht zur Erde wendet und den Geisterzug vorbeirasen lässt.
Der gemeinsame Kern all dieser Versionen ist auffällig: das Bild des tosenden Sturms als Manifestation einer übernatürlichen Macht, die in der dunkelsten Zeit des Jahres durch die Welt streift.

Bedeutung heute

Es ist der Gruppe Jung Alpenland zuzuschreiben, dass sich die Wilde Gjoad über Jahrzehnte in annähernd unveränderter Form erhalten konnte. Was 1949 als Wiederbelebung begann, ist heute ein fester Bestandteil des Salzburger Brauchtumskalenders.

Der Reiz liegt gerade im Geheimnis: Man weiß, dass es stattfindet. Man weiß, wann. Aber man weiß nicht wo. Und das gibt dem Brauch etwas, das vielen folkloristischen Veranstaltungen fehlt: echte Spannung, echtes Staunen, echte Überraschung.

Der Zug erinnert auch an etwas Grundsätzlicheres. In der Zeit des Advents, wenn die Nächte am längsten sind und die Dunkelheit drückt, brauchen Menschen seit jeher Rituale, um sich mit dem Unheimlichen zu arrangieren. Die Wilde Jagd macht das buchstäblich greifbar: Sie bringt das Dunkel, die Kälte und die Toten vor die Haustür, ruft Glück herbei und schickt das Unglück fort.