Krippenspiele

Ein Krippenspiel ist eine szenische Darstellung der Weihnachtsgeschichte – der Geburt Jesu in Bethlehem, wie sie in den Evangelien nach Lukas und Matthäus überliefert ist. Hirten, Engel, die Heiligen Drei Könige, Maria und Josef: Sie alle treten auf, gespielt von Menschen – meist Kindern, manchmal auch Erwachsenen.

Der Name leitet sich von der Krippe ab, also der Futterkrippe, in der das Jesuskind nach der Überlieferung lag. Krippenspiele können in Kirchen, auf Plätzen, in Schulen oder Pfarrsälen aufgeführt werden. Mal als stilles, andächtiges Spiel, mal als aufwendige Inszenierung mit Kostümen, Musik und Sprechchören.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Ursprung der Krippenspiele lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Franz von Assisi: Er soll im Jahr 1223 in Greccio (Umbrien, Italien) die erste lebende Krippe aufgestellt haben – mit echten Tieren, echten Menschen und einem Strohbett für das Jesuskind. Ziel war es, die Weihnachtsgeschichte für das einfache Volk erlebbar zu machen, das weder lesen konnte noch Latein verstand.

Ob diese Überlieferung historisch exakt so stimmt, lässt sich heute nicht vollständig belegen – aber sie ist in der Kirchengeschichte fest verankert und gilt als Gründungsmoment des Krippenspiels.

Aus diesen frühen lebenden Krippen entwickelten sich im Laufe des Mittelalters sogenannte Mysterienspiele – aufwendige Theateraufführungen mit biblischen Stoffen, die vor oder in Kirchen stattfanden. Die Krippenspiele im engeren Sinn, wie wir sie heute kennen, entstanden dann vor allem im Umfeld der Gegenreformation im 16. und 17. Jahrhundert. Die Jesuiten nutzten das Theaterspiel bewusst als Mittel der Volksfrömmigkeit und Glaubensvermittlung.

Ablauf und typische Elemente

Ein Krippenspiel folgt in der Regel dem biblischen Erzählbogen – mit einigen fest etablierten Szenen:

  • Die Verkündigung
    Der Engel Gabriel erscheint Maria und kündigt die Geburt Jesu an.
  • Die Reise nach Bethlehem
    Maria und Josef suchen vergeblich eine Herberge. Die Szene mit dem „Kein Platz in der Herberge“ gehört zu den einprägsamsten Momenten.
  • Die Geburt im Stall
    Das Jesuskind kommt zur Welt, Hirten und Engel versammeln sich.
  • Die Hirten auf dem Feld
    Die Engel verkünden den Hirten die frohe Botschaft.
  • Die Ankunft der Heiligen Drei Könige
    Oft als abschließende Szene, manchmal auch am Dreikönigstag (6. Januar) separat aufgeführt.

Dazwischen: Gesang, oft bekannte Weihnachtslieder wie Stille Nacht oder Es ist ein Ros entsprungen, manchmal auch regional überlieferte Hirtenlieder.

Bedeutung heute

Das Krippenspiel ist lebendig und das ist bemerkenswert. Während viele alte Bräuche nur noch in Museen oder Festschriften existieren, wird das Krippenspiel jedes Jahr aufs Neue einstudiert, geprobt, aufgeführt.

Der Grund liegt vielleicht genau in seiner Einfachheit: Es braucht kein großes Theater, keine Profikostüme, kein Budget. Ein paar Kinder, ein Strohballen und eine Kerze reichen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, trägt es etwas weiter: eine Geschichte, eine Gemeinschaft, ein Innehalten mitten im Advent.

Für Kinder ist es oft das erste Mal, dass sie selbst Teil eines religiösen Rituals werden, nicht als Zuschauer, sondern als Handelnde. Das hinterlässt Spuren, auch bei denen, die später nicht mehr praktizierende Christen sind.

Gleichzeitig verändern sich Krippenspiele: In manchen Gemeinden werden sie mehrsprachig aufgeführt, um Familien mit Migrationshintergrund einzubeziehen. Andernorts entstehen moderne Adaptionen, die die Herbergssuche in aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge stellen.

Neujahrsschießen

Beim Neujahrsschießen – auch Böllerschießen, Salutschießen oder regional schlicht Neujahrssalut genannt – wird rund um den Jahreswechsel mit Vorderlader-Gewehren, Böllern oder Steinschlossgewehren in die Luft geschossen. Meist geschieht das zu Mitternacht, manchmal aber auch an den sogenannten Raunächten oder zum Dreikönigstag (6. Jänner).

Es ist kein zufälliges Schießen, sondern ein rituell verankerter Brauch, der in Schützenvereinen, Prangerstutzenvereinen und Böllerschützenkompanien gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Ursprung des Neujahrsschießens reicht weit zurück – wie weit genau, lässt sich nicht eindeutig belegen. Volkskundlich vermutet wird, dass der Brauch auf vorchristliche Vorstellungen zurückgeht: Lärm, Feuer und Knall sollten böse Geister, Dämonen und das Unheil des alten Jahres vertreiben. Der neue Jahresbeginn sollte buchstäblich „freigekämpft“ werden.

Mit der Verbreitung von Schusswaffen ab dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit bekam dieser Brauch eine neue Form. Anstatt mit Glocken, Töpfen und Lärminstrumenten übernahm die Schusswaffe die Funktion des Abwehrenden.

Ob das Schießen direkten Ursprung in bäuerlichen Schutzbräuchen oder eher in der Ehrenbekundung durch Salutschüsse hat – wie es auch bei Hochzeiten, Kirchweih oder dem Einzug von Würdenträgern üblich war –, lässt sich regional unterschiedlich beantworten. Wahrscheinlich flossen beide Traditionen ineinander.

Ablauf und typische Elemente

Das Herzstück des Brauchs ist das gemeinsame Böllern je nach Region zu einer bestimmten Zeit. Dabei stellen sich die Schützen – oft in Tracht – auf erhöhten Plätzen, Almwiesen, vor Kirchen oder auf Dorfplätzen auf. Gezielt wird immer in die Luft, niemals auf Ziele.

Typische Elemente:

  • Der Vorderlader
    Das klassische Werkzeug des Böllerschützen. Er wird von Hand geladen, mit Schwarzpulver bestückt und per Steinschloss oder Zündkapsel gezündet. Der satte, tiefe Knall unterscheidet ihn deutlich vom hellen Krachen eines Feuerwerks.
  • Die Schützenkette
    Oft schießen mehrere Schützen nacheinander oder gleichzeitig, um einen langen Salut oder ein Echo durch die Berge zu erzeugen.
  • Dreischuss oder Siebenschuss
    Mancherorts ist die Zahl der Schüsse rituell festgelegt. Drei Schüsse gelten als Ehrengruß, sieben als festliches Salut. Auch die Dreifaltigkeit soll damit symbolisiert werden.

Im Salzburger Tennengau, im Pongau und in Teilen des Salzkammerguts ist das Böllerschießen eng mit den Raunächten verknüpft. Dort wird nicht nur zu Neujahr, sondern auch in der Heiligen Nacht und zu Dreikönig geschossen. Die Raunächte gelten als Zeit, in der die Grenze zwischen den Welten besonders dünn ist – das Schießen soll diese Nächte schützen.

In Bayern pflegen vor allem die Gebirgsschützen und traditionellen Schützenvereine das Neujahrsschießen. Besonders bekannt sind die Salven der Gebirgsschützenkompanien, die auch bei politischen und kirchlichen Anlässen ihren Böllersalut abfeuern.

In Tirol und der Steiermark ist das Böllerschießen oft Teil größerer Festveranstaltungen, bei denen Tracht, Musik und der Jahreswechsel eng miteinander verbunden werden.

Bedeutung heute

Das Neujahrsschießen erlebt in vielen Regionen eine stabile, teils sogar wachsende Pflege. Böllerschützenvereine sind aktiv, Nachwuchs wird ausgebildet, und die Tradition wird bewusst als kulturelles Erbe verstanden. Gleichzeitig gibt es, besonders in städtischen Räumen, Diskussionen über Lärm und die Nähe zu Wohngebieten.

Was bleibt, ist das Grundgefühl: Der Knall markiert einen Übergang. Er ist laut, unüberhörbar und kollektiv. Er sagt: Das alte Jahr ist vorbei. Das neue beginnt und wir sind dabei.

Nikolausbesuch

Der Heilige Nikolaus war Bischof in Myra (heutige Türkei) und starb vermutlich um das Jahr 350 n. Chr. – seine Verehrung reicht bis ins 6. Jahrhundert zurück. In der Volksfrömmigkeit gilt er als Schutzpatron der Kinder, der Reisenden und vieler anderer Gruppen. Im Alpenraum – insbesondere in Salzburg und Voralpenland – entwickelte sich der Nikolaus-Brauch im Advent bzw. am 5. und 6. Dezember als feststehender Bestandteil der Winter- und Kinderkultur.

Ablauf und typische Rituale

  • Am Abend des 5. Dezember werden in traditionellen Familien geputzte Stiefel, Schuhe oder Strümpfe vor die Tür oder ans Fenster gestellt – der Nikolaus füllt sie über Nacht mit kleinen Gaben (Äpfel, Nüsse, Mandarinen, Süßigkeiten).
  • In manchen Gemeinden zieht eine Gruppe mit dem Nikolaus (oft in Bischofskleidung: Mitra, Krummstab) von Haus zu Haus – er lobt die braven Kinder, liest aus dem „Goldenen Buch“ vor, und bei den weniger braven Kindern kommt eine Begleitfigur wie der Krampus (oder regional anders genannt) hinzu. Welcher die mahnende Funktion übernimmt.
  • In Salzburg findet sich etwa der Brauch des „Nikolausgartens“: Ein kleines dekoriertes Brett mit Figuren des Nikolaus und seines Begleiters sowie Gaben, das am 5. Dezember aufgestellt wird.

Für die Region Salzburg und das Voralpenland ist der Brauch besonders bedeutsam, weil er eine feste Brücke zwischen kirchlicher Tradition (Heiligenverehrung) und lokaler Volkskultur schlägt. So wird Nikolaus nicht nur als religiöse Größe wahrgenommen, sondern als liebevoll-vertrauter Gabenbringer und Erzieherfigur: Er erinnert Kinder daran, dass gutes Verhalten wahrgenommen wird. Gleichzeitig ist der Besuch durch Nikolaus und die Begleitung einer oder mehrerer Krampusse ein soziales Ereignis in der Familie oder im Dorf.

Heutzutage wird der Nikolaus-Brauch vielfach modernisiert (in Kindergärten, Schulen, Einkaufszentren). Dennoch bleibt der Kern derselbe: gutes Verhalten wird belohnt, schlechtes ggf. gerügt. Zudem wirkt der Nikolausbesuch heute weniger furchteinflößend als früher – viele Eltern wählen eine „sanftere“ Variante ohne Rute oder abschreckende Figuren.

Der Nikolaus-Brauch im Salzburger und Voralpenland ist eine lebendige Mischung aus kirchlicher Heiligenverehrung, kindgerechtem Ritual und ländlich-alpenländischer Volkskultur. Er verbindet Wertevermittlung (Güte, Dankbarkeit) mit Gemeinschaftserlebnis (Familie, Nachbarschaft) und festlichem Brauch (Advent).

Nikolausgarten

Der Nikolausgarten, auch „Nikologartl“ oder regional „Goldberg“ genannt, ist eine traditionelle Advents- und Nikolausform, die im Salzburger Land sowie Teilen Niederösterreichs und Oberösterreichs beheimatet ist.

Der Brauch entstand bei den Schiffern der Stadt Oberndorf bei Salzburg: Die Schiffer, oft einem raueren Lebensrhythmus ausgesetzt, stellten für ihre Kinder zu Nikolaus kleine Gärten auf – auf einem Brett mit Moos, Tannenreisig, kleinen Figuren und Nüssen sowie Äpfeln als Gaben.

In den 1890er Jahren war das Nikolausgärtlein bereits auf dem Salzburger Nikolaimarkt (dem Vorläufer heutiger Christkindlmärkte) käuflich erhältlich. Der Brauch verschwand dann weitgehend, wurde aber in den 1920er/30er Jahren im Rahmen einer Brauchtumspflege-Bewegung wiederbelebt.

  • Ein quadratisches Holzbrett (ca. 30–40 cm Seitenlänge) mit einem kleinen Zaun (8–10 cm hoch) rundum.
  • Der Boden wird grün gestrichen oder mit Moos belegt, als Symbol-Unterlage.
  • An drei Seiten werden Tannenzweige oder Buchsbaumzweige eingesetzt, so dass ein „Wäldchen“ entsteht.
  • Vorn sind vier kleine Kerzen am Zaun angebracht — diese symbolisieren oft die vier Adventsonntage.
  • In den vier Ecken stehen auf etwa 30 cm hohen Stäben vergoldete Nüsse – ebenfalls symbolisch für die Adventzeit.
  • Im Inneren stehen die Figuren des heiligen Nikolaus und seines alpenländischen Begleiters (z. B. Krampus) – davor liegen Gaben: rote Äpfel, vergoldete Nüsse, Feigen, Zwetschgen, Süßigkeiten.

Diese Miniaturlandschaft mit Symbolen spiegelt eine Art „Vorweihnachts­bescherung“ wider – Jahre vor der heutigen Geschenke-Bescherung am 24. Dezember.

Der Brauch war zeitweise fast verschwunden, doch es gibt inzwischen wieder eine verstärkte Aufmerksamkeit: In Orten wie Oberndorf oder im Tennengau/Kuchl engagieren sich Krippenbauvereine oder Heimatpflegevereine, um das „Nikologartl“ neu aufzulegen.

So wurde beispielsweise ein Themenweg durch Oberndorf und Laufen eingerichtet, bei dem auf acht Stationen Nikolausgärten aufgestellt wurden – ein Adventspaziergang durch den Brauch selbst.

Raunächte

Hier handelt es sich um die zwölf Tage vom Christtag (25. Dezember) bis zum Fest „Heilige Drei Könige“ (6. Jänner). In manchen Gebieten beginnen die Raunächte mit der Thomasnacht (20. auf 21. Dezember). Nach dem Volksglauben zog in dieser Zeit die „Wilde Jagd“ über die Felder und auch die „Frau Perchta“ mit ihren Gesellen.

Zeitraum

Wahrscheinlich kommen die Raunächte vom Mondjahr (12 Mondmonate sind 354 Tage). Im Gegensatz zum üblichen „Sonnenkalender“ (besser Gregorianischer Kalender) mit seinen 365 Tagen fehlen hier elf Tage.

Diese 12 Nächte sind in der Mythologie außerhalb der normalen Zeit und Naturgesetze sind außer Kraft gesetzt. Und auch in unserem Raum, wie in vielen anderen, sind hier Rituale und Volksbrauchtum angesiedelt. Da die Zeit dunkel ist, sich viele Mythen darum ranken und in früherer Zeit viel Unerklärliches vorhanden war oder auch Rituale die Gemeinschaft gefördert haben.
Schon seit der frühen Neuzeit hat sich diese Zeit für den Kontakt zu Geistern (ob Austreibung oder Beschwörung), den Kontakt zu Tieren oder auch für das Wahrsagen angeboten.

Die vier wichtigen Raunächte

Auch in den 12 Nächten gibt es welche die wichtiger , als die anderen sind:

D’ Raunacht sand vier,
zwoa foast und zwoa dirr

Oberösterreichische Redewendung
Räuchern in den Raunächten
Räuchern in den Raunächten

Referenzen

Das Referenzen oder auch Referenz gehen ist ein Perchtenbrauchtum um den Höfen und Haushalten im Umkreis der Pass die Referenz zu erweisen und Glück zu bringen.

An Fried, an Reim und an Gsund!

Die Wintergeister, die Schiachperchten mit ihren hässlichen Masken, vertreiben bei ihren Auftritten die bösen Geister, die sich in jede Ritze und in die Ecken des Hofs eingenistet haben. Besonders zwischen den Jahren, wie die Rauhnächte zwischen der Thomasnacht und dem 6. Jänner auch genannt werden, sind sie unterwegs.

Hier finden sich unzählige Gestalten aus dem Alltagsleben der Bevölkerung wie Hobergoas, Bärentreiber, der Winter, Hexe und der Tod und vieles mehr ein. Sie gehen von Hof zu Hof, von Haus zu Haus unter der Leitung ihres Hauptmanns. Beim Hof angekommen führen sie den Perchtentanz auf und erweisen den Hofleut‘ die Referenz. Damit sie vertreiben die bösen Geister und bringen Glück für das kommende Jahr ins Haus.

Rorate

Wenn im Advent frühmorgens die Kirchenglocken läuten und Kerzenlicht die Dunkelheit durchbricht, dann ist wieder Roratezeit. Besonders in Salzburg, im Alpen- und Voralpenland, gehören die Roratemessen zu den schönsten und stillsten Bräuchen der Vorweihnachtszeit.

Das Wort „Rorate“ stammt aus dem lateinischen Eröffnungsgesang der Messe,

Rorate caeli desuper – Tauet, ihr Himmel, von oben

Dieser Vers aus dem Propheten Jesaja (Jes 45,8) bittet um das Kommen des Erlösers und steht sinnbildlich für die Sehnsucht der Menschen nach Licht, Frieden und Hoffnung in der dunklen Jahreszeit.

Traditionell werden die Rorate-Messen an Wochentagen im Advent vor Sonnenaufgang gefeiert – also meist gegen 6:00 Uhr oder noch früher. Die Messe wird nur bei Kerzenlicht gefeiert, ist inhaltlich aber eine normale Werktagsmesse. Elektrisches Licht bleibt ausgeschaltet. Erst wenn die Sonne über die Berge steigt, wird es auch in der Kirche hell – ein starkes Sinnbild für das Kommen Christi als „Licht der Welt“.

Die Rorate ist kein Fest mit großem Lärm, sondern eine stille Feier der Erwartung. In einer Zeit, in der viele schon vom Weihnachtsstress überrollt sind, erinnert sie an den ursprünglichen Sinn des Advents: Warten, Hoffen, Bereiten.

Die Rorate-Messe ist auch eine Form der inneren Sammlung – ein Moment der Ruhe in der Dunkelheit, bevor der Tag beginnt. Sie drückt jene tiefe Sehnsucht nach Licht und Erlösung aus, die schon die Menschen des Mittelalters bewegt hat.

Sankt Kathrein stellt den Tanz ein

Der Merkspruch „Sankt Kathrein stellt den Tanz ein“ zeigt somit an, dass nun eine Zeit des Fastens und der Einkehr beginnt. Darum wird an diesem Tag ein letzter Tanzabend veranstaltet. Heimat- oder Trachtenvereine laden zu traditionellen Volkstänzen ein um noch einmal vor der Fastenzeit ausgelassen zu feiern.

Dieser Brauch in den deutschsprachigen Alpenländern gepflegt. Hier gibt es drei bekannte Kathreintänze

  • Wiener Kathreintanz
  • Münchner Kathreintanz
  • Meraner Kathreintanz

Dies sind aber nur die bekanntesten, denn es gibt in vielen Orten im Alpenvorland diese Tanzveranstaltung. Die Kleiderordnung bei den Kathreintänzen ist natürlich Tracht!

Schiachperchten

„Schiach“ bedeutet im Bairisch-Österreichischen schlicht: hässlich, unschön, grauslich. Und genau das sind sie absichtlich, mit tvollem Einsatz und kunstvollem Handwerk. Die Schiachperchten (auch: Schiachpercht’n, Schiachperchtn) sind die dunkle Seite der Perchtengestalt: furchteinflößende, mit Fell, Hörner und grotesk geschnitzten Holzmasken ausstaffierte Figuren, die vor allem im Salzburger Raum und im Pongau bekannt sind.

Perchten – aber welche?

Hier ist eine wichtige Unterscheidung nötig, die oft durcheinandergebracht wird. Die Perchten teilen sich grundsätzlich in zwei Gruppen:

  • Schönperchten
    prächtig, bunt, mit Glöckchen und Glanz. Sie bringen Fruchtbarkeit, Glück und Licht.
  • Schiachperchten
    dunkel, wild, bedrohlich. Sie jagen böse Geister, Krankheiten und das Unheil des Winters fort.

Der Name geht auf die Figur der Perchta zurück, eine vorchristliche Sagengestalt aus dem alpinen Raum, die mit dem Winter, der wilden Natur und dem Übergang zwischen den Welten verbunden wird.

Woher kommen die Schiachperchten?

Der Brauch hat Wurzeln, die tief ins Mittelalter und möglicherweise noch weiter in vorchristliche Zeit reichen. Volkskundler gehen davon aus, dass winterliche Umzüge mit Lärm, Masken und wildem Treiben ursprünglich dazu dienten, böse Geister zu vertreiben, die Sonne zurückzuholen und den Übergang in das neue Jahr zu gestalten.

Wichtig
Eine lückenlos belegte, einheitliche Geschichte „der Schiachperchten“ gibt es nicht. Die Überlieferung ist regional sehr unterschiedlich, mündlich geprägt und in manchen Details unsicher.

Der Brauch erlebte nach einer langen Phase der Unterdrückung (teils durch kirchliche, teils durch staatliche Verbote in der frühen Neuzeit) vor allem ab dem 20. Jahrhundert eine starke Wiederbelebung, besonders im Pongau, der Gegend rund um St. Johann im Pongau, Bischofshofen und Altenmarkt. Jedoch auch im Tennengau, Flachgau, dem angrenzenden Innviertel und auch teilweise im Rupertiwinkel

Wie sehen Schiachperchten aus?

Das ist das Herzstück und der Unterschied zu einem billigen Halloweenkostüm oder Krampus ist enorm:

  • Larve
    Die Holzmaske, traditionell von Hand geschnitzt, oft mit aufgerissenen Mündern, verdrehten Zügen, Zähnen aus Holz oder Tierknochen. Jede Larve ist ein Unikat. Bekannte Schnitzer im Salzburger Raum sind beispielsweise Franz Metzger oder die Werkstatt Rettei oder die Familie Gangl, echte Handwerker mit regionaler Verwurzelung.
  • Fell
    Meist vom Schaf.
  • Hörner
    Echte Hörner von in der Region jagdbaren Tieren und es sind mehr als zwei Hörner auf der Maske
  • Glocken
    Schwere Kuhglocken oder Schellen am Körper, der Lärm soll Böses vertreiben.
  • Rossschweif
    Die Schiachperchten schlagen damit nicht zu, sondern sie streifen damit über die Bein und bringen Glück und Fruchbarkeit.

Das Gewicht eines vollständigen Schiachperchten-Kostüms kann leicht 20 bis 40 Kilogramm betragen.

Der Perchtenlauf – wie läuft das ab?

Schiachperchten treten meist in Gruppen auf, sogenannten Passen. Ein Perchtenlauf ist kein harmloses Spektakel, sondern ein disziplinierter, aber wild wirkender Umzug durch Ortschaften.

Typische Merkmale:

  • Die Passe zieht durch Straßen und Gassen, begleitet von Glockengetöse und dem Stampfen der schweren Stiefel.
  • In manchen Traditionen wird symbolisch auf Zuschauer zugegangen – früher galt das als das tatsächliche Austreiben von Unheil aus dem Körper der Person.
  • Läufe finden nur in den Raunächten (die zwölf Nächte von Weihnachten bis Heilige Drei Könige) statt.

Im Pongau – also dem Salzburger Zentralalpenraum – hat der Perchtenlauf eine besonders ausgeprägte Tradition und gilt als eines der Zentren des lebendigen Brauchtums in Österreich.

Bedeutung heute

Die Schiachperchten erleben seit Jahrzehnten eine bemerkenswerte Renaissance. Vereine wie die Salzburger Schiachpechrt’n und Krampusse oder der Salzburger Nockstoa Perchtn legen großen Wert auf Handwerk, Authentizität und Weitergabe des Wissens an jüngere Generationen.

Was früher vielleicht wirklich Furcht einjagte, ist heute vor allem ein lebendiges Kulturerbe – mit echtem Können dahinter. Ein gut gemachtes Schiachperchten-Gewand kann mehrere tausend Euro kosten und jahrelange Arbeit in der Herstellung bedeuten.

Sternsingen

Beim Sternsingen ziehen Kinder und Jugendliche der katholischen Pfarrgemeinden als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus, um die Weihnachtsbotschaft zu verkünden und Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln. Dieser Brauch, der seit dem 16. Jahrhundert bekannt ist, wurde durch die 1959 eingerichtete „Aktion Dreikönigssingen“ weiter verbreitet und organisiert.

Im 16. Jahrhundert wurde der Brauch des Sternsingens erstmals schriftlich erwähnt. Ursprünglich war er nur im Umkreis von Bischofssitzen und Stiften bekannt und wurde von Chor- und Klosterschülern in Anlehnung an die Legende des Johannes von Hildesheim ausgeübt. Im Zeitalter der Aufklärung an der Wende zum 19. Jahrhundert stieß der Umgang mit dem Stern in katholischen Gegenden auf Ablehnung. Doch kirchlich kontrolliert und in erneuerter Form verbreitete sich der Brauch erneut. In den 1930er Jahren entstand der organisatorische Rahmen, in dem das Sternsingen heute fast ausschließlich stattfindet. Besonders in Süddeutschland und Österreich gibt es kaum eine katholische Gemeinde, in der nicht Heilige Drei Könige umherziehen und Spenden für Hilfsprojekte sammeln.

Nach einem Aussendungsgottesdienst ziehen die Sternsinger in den Tagen vor dem Dreikönigsfest (6. Januar) oder direkt an diesem Tag los. Sie tragen einen Stern, singen Lieder, sagen Gedichte oder Gebete auf. Am Ende des Besuchs schreiben sie mit geweihter Kreide das Zeichen (Die Jahreszahl ändert sich jährlich, hier ist es 2026.):

20 ✦ C + M + B ✦ 26

Die drei Buchstaben haben eine doppelte Bedeutung:

  • Die Anfangsbuchstaben der drei Könige: Caspar, Melchior, Balthasar
  • Und gleichzeitig für den lateinischen Segensspruch: Christus Mansionem Benedicat – „Christus segne dieses Haus“

Das Kreidezeichen über der Tür bleibt das ganze Jahr über sichtbar – als Zeichen des Segens für Haus und Familie.

Am 6. Januar, dem sogenannten Dreikönigstag, wird liturgisch Epiphanie gefeiert, das Hochfest der Erscheinung des Herrn. An diesem Tag feiert die Christenheit den Einzug des Gottkönigs in die Welt und das Offenbarwerden seiner Herrlichkeit. Erst später galt der 6. Januar in der Kirche auch als Gedenktag der Heiligen Drei Könige. In den ersten Jahrhunderten war der 6. Januar für die Christen zugleich der Weihnachtstag, was in den östlichen orthodoxen Kirchen bis heute so ist. Erst Mitte des 4. Jahrhunderts wurde in der weströmischen Kirche die Feier der Geburt Christi auf den 25. Dezember festgelegt. Am 6. Januar beginnt das kirchliche Jahr neu, und zum Sternsingen gehören traditionell auch Neujahrsgrüße.

Die Verehrung der Heiligen Drei Könige im Abendland setzte erst im 12. Jahrhundert von Köln aus ein. Dies hängt mit der „Entdeckung“ von Gebeinen zusammen, die den Heiligen Drei Königen zugeschrieben wurden. Diese Gebeine waren vermutlich erst im genannten Jahrhundert aus Konstantinopel nach Mailand gekommen. Nachdem Kaiser Friedrich Barbarossa Mailand erobert hatte, wurden sie nach Köln gebracht, wo sie 1164 ankamen.

Das Sternsingen ist somit nicht nur ein lebendiger Brauch, sondern auch ein Stück gelebter Geschichte, das die Weihnachtsbotschaft und den Segen in die Häuser bringt und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu wohltätigen Zwecken leistet.

Ablauf

Das Herzstück des Dreikönigstags ist der Brauch des Sternsingens. Kinder – meist aus der Pfarrgemeinde – ziehen verkleidet als die drei Könige von Haus zu Haus, singen Lieder oder sprechen Segensverse und sammeln dabei Spenden.

Am Ende des Besuchs schreiben sie mit geweihter Kreide das Zeichen (Die Jahreszahl ändert sich jährlich, hier ist es 2026.):

20 ✦ C + M + B ✦ 26

Die drei Buchstaben haben eine doppelte Bedeutung:

  • Die Anfangsbuchstaben der drei Könige: Caspar, Melchior, Balthasar
  • Und gleichzeitig für den lateinischen Segensspruch: Christus Mansionem Benedicat – „Christus segne dieses Haus“

Das Kreidezeichen über der Tür bleibt das ganze Jahr über sichtbar – als Zeichen des Segens für Haus und Familie.

  • Stern
    Die Kinder tragen einen selbstgebauten oder gekauften Stern auf einer Stange – Symbol für den Stern von Bethlehem, dem die Weisen gefolgt sein sollen.
  • Gewänder und Kronen
    Die Verkleidung ist oft farbenfroh, manchmal einfach, manchmal aufwendig.
  • Segensspruch oder Gesang
    Es gibt regional unterschiedliche Verse und Lieder.
  • Weihrauch
    In manchen Gemeinden räuchern die Sternsinger das Haus aus – ein altes Symbol der Reinigung und des Schutzes.
  • Kollekte
    Die gesammelten Spenden fließen heute meist in kirchliche Hilfsprojekte.