
Perchtenbräuche | Fruchtbarkeitsbräuche
Schiachperchten
von Clemens Gull
„Schiach“ bedeutet im Bairisch-Österreichischen schlicht: hässlich, unschön, grauslich. Und genau das sind sie absichtlich, mit tvollem Einsatz und kunstvollem Handwerk. Die Schiachperchten (auch: Schiachpercht’n, Schiachperchtn) sind die dunkle Seite der Perchtengestalt: furchteinflößende, mit Fell, Hörner und grotesk geschnitzten Holzmasken ausstaffierte Figuren, die vor allem im Salzburger Raum und im Pongau bekannt sind.
Perchten – aber welche?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung nötig, die oft durcheinandergebracht wird. Die Perchten teilen sich grundsätzlich in zwei Gruppen:
- Schönperchten
prächtig, bunt, mit Glöckchen und Glanz. Sie bringen Fruchtbarkeit, Glück und Licht. - Schiachperchten
dunkel, wild, bedrohlich. Sie jagen böse Geister, Krankheiten und das Unheil des Winters fort.
Der Name geht auf die Figur der Perchta zurück, eine vorchristliche Sagengestalt aus dem alpinen Raum, die mit dem Winter, der wilden Natur und dem Übergang zwischen den Welten verbunden wird.
Woher kommen die Schiachperchten?
Der Brauch hat Wurzeln, die tief ins Mittelalter und möglicherweise noch weiter in vorchristliche Zeit reichen. Volkskundler gehen davon aus, dass winterliche Umzüge mit Lärm, Masken und wildem Treiben ursprünglich dazu dienten, böse Geister zu vertreiben, die Sonne zurückzuholen und den Übergang in das neue Jahr zu gestalten.
Wichtig
Eine lückenlos belegte, einheitliche Geschichte „der Schiachperchten“ gibt es nicht. Die Überlieferung ist regional sehr unterschiedlich, mündlich geprägt und in manchen Details unsicher.
Der Brauch erlebte nach einer langen Phase der Unterdrückung (teils durch kirchliche, teils durch staatliche Verbote in der frühen Neuzeit) vor allem ab dem 20. Jahrhundert eine starke Wiederbelebung, besonders im Pongau, der Gegend rund um St. Johann im Pongau, Bischofshofen und Altenmarkt. Jedoch auch im Tennengau, Flachgau, dem angrenzenden Innviertel und auch teilweise im Rupertiwinkel
Wie sehen Schiachperchten aus?
Das ist das Herzstück und der Unterschied zu einem billigen Halloweenkostüm oder Krampus ist enorm:
- Larve
Die Holzmaske, traditionell von Hand geschnitzt, oft mit aufgerissenen Mündern, verdrehten Zügen, Zähnen aus Holz oder Tierknochen. Jede Larve ist ein Unikat. Bekannte Schnitzer im Salzburger Raum sind beispielsweise Franz Metzger oder die Werkstatt Rettei oder die Familie Gangl, echte Handwerker mit regionaler Verwurzelung. - Fell
Meist vom Schaf. - Hörner
Echte Hörner von in der Region jagdbaren Tieren und es sind mehr als zwei Hörner auf der Maske - Glocken
Schwere Kuhglocken oder Schellen am Körper, der Lärm soll Böses vertreiben. - Rossschweif
Die Schiachperchten schlagen damit nicht zu, sondern sie streifen damit über die Bein und bringen Glück und Fruchbarkeit.
Das Gewicht eines vollständigen Schiachperchten-Kostüms kann leicht 20 bis 40 Kilogramm betragen.
Der Perchtenlauf – wie läuft das ab?
Schiachperchten treten meist in Gruppen auf, sogenannten Passen. Ein Perchtenlauf ist kein harmloses Spektakel, sondern ein disziplinierter, aber wild wirkender Umzug durch Ortschaften.
Typische Merkmale:
- Die Passe zieht durch Straßen und Gassen, begleitet von Glockengetöse und dem Stampfen der schweren Stiefel.
- In manchen Traditionen wird symbolisch auf Zuschauer zugegangen – früher galt das als das tatsächliche Austreiben von Unheil aus dem Körper der Person.
- Läufe finden nur in den Raunächten (die zwölf Nächte von Weihnachten bis Heilige Drei Könige) statt.
Im Pongau – also dem Salzburger Zentralalpenraum – hat der Perchtenlauf eine besonders ausgeprägte Tradition und gilt als eines der Zentren des lebendigen Brauchtums in Österreich.
Bedeutung heute
Die Schiachperchten erleben seit Jahrzehnten eine bemerkenswerte Renaissance. Vereine wie die Salzburger Schiachpechrt’n und Krampusse oder der Salzburger Nockstoa Perchtn legen großen Wert auf Handwerk, Authentizität und Weitergabe des Wissens an jüngere Generationen.
Was früher vielleicht wirklich Furcht einjagte, ist heute vor allem ein lebendiges Kulturerbe – mit echtem Können dahinter. Ein gut gemachtes Schiachperchten-Gewand kann mehrere tausend Euro kosten und jahrelange Arbeit in der Herstellung bedeuten.