
Gesundheitsbräuche
Blasiussegen
von Clemens Gull
Am Ende eines Gottesdienstes lädt der Pfarrer zum Blasiussegen ein. Die Gläubigen stellen sich dazu auf, wie zum Empfang der Heiligen Kommunion. Der Priester hält dann jedem Einzelnen zwei gekreuzte brennende Kerzen an den Hals und spricht die Segensformel.
Auf die Fürsprache des heiligen Blasius
bewahre dich der Herr vor
Halskrankheit und allem Bösen.Es segne dich Gott,
der Vater und
der Sohn und
der Heilige Geist.
Der Heilige Blasius und die Legende hinter dem Brauch
Der heilige Blasius von Sebaste war Bischof und zählt in der katholischen Tradition zu den Vierzehn Nothelfern. Er soll laut Legende einem Kind, das an einer Fischgräte zu ersticken drohte, durch seinen Segen geholfen haben. Auf diese Erzählung geht seine Verehrung als Schutzpatron bei Halsleiden zurück. Blasius erlitt wahrscheinlich unter Diokletian den Märtyrertod, vermutlich im Jahr 313 oder 283. Die genauen Jahreszahlen sind unsicher und die historischen Quellen zur Person des Blasius sind dünn.
Neben seiner Funktion als Patron gegen Halsleiden wird er auch als Schutzheiliger der Blasmusikanten, Weber, Tiere und Ärzte verehrt.
Herkunft und Geschichte des Brauchs
Zunächst berührte man am Gedenktag des heiligen Blasius, am 3. Februar, den Hals mit gesegneten Kerzen. Der christliche Arzt Aëtios von Amida empfahl den Blasiussegen bereits im 6. Jahrhundert als Heilmittel gegen verschluckte Fischgräten. Seit dem 17. Jahrhundert ist der heutige Brauch der Segnung zwischen zwei brennenden Kerzen bezeugt.
Ein erstes Segensgebet ist für das 7. Jahrhundert überliefert. Segnungen am Blasiustag, darunter auch Wasser, Brot, Wein und Früchte, entstanden wie der heute noch übliche Blasiussegen im 16. Jahrhundert.
Die gekreuzten Kerzen
Das auffälligste Element des Blasiussegens sind die beiden Kerzen, die der Priester in Form eines Andreaskreuzes vor Hals und Gesicht des Gläubigen hält. Woher genau dieser Brauch stammt, ist nicht eindeutig belegt. Eine mögliche Erklärung ist, dass Blasius während des Grätenwunders im Gefängnis war. Die Kerzen, durch die der Segen gespendet wird, könnten diese Gitter symbolisieren und damit zeigen, dass das Gebet durch alle Gitter dieser Welt hindurch kommen kann. Das ist eine schöne, aber volkstheologische Deutung, keine gesicherte historische Herleitung.
Früher wurden die Kerzen auf Höhe des Halses gehalten. Inzwischen ist das Halten über dem Kopf des Gläubigen gebräuchlicher.
Wann wird der Segen gespendet?
Der Blasiussegen wird traditionell am Namenstag des heiligen Blasius, am 3. Februar, am Tag zuvor oder auch in vielen Gemeinden am Sonntag danach erteilt. Brauchwiki
Er findet einen Tag nach dem Fest der Darstellung des Herrn statt, das 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, gefeiert wird. Beide Tage verbindet die besondere Bedeutung der Kerzen, denn an diesem auch Mariä Lichtmess genannten Fest werden die Kerzen für das begonnene Jahr gesegnet.
Bedeutung heute
Der Blasiussegen wird jedem einzeln gespendet, weil es um die persönliche Zusage der Nähe Gottes geht. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Segnungen, die ganze Gruppen auf einmal betreffen. Genau das macht ihn für viele Menschen besonders: Man steht einzeln vor dem Priester, die Kerzen leuchten, und für einen Moment gehört der Segen nur einem selbst.
Das deutschsprachige Benediktionale von 1978 bindet den Blasiussegen in die Messe oder einen Wortgottesdienst ein, um ein magisches Missverständnis zu unterbinden. Der Empfänger soll sich in die Heilszusage Gottes und in seine Fürsorglichkeit eingebunden erfahren.
Wer regelmäßig am Blasiussegen teilnimmt, tut das selten aus Aberglauben. Es ist Gewohnheit, Kindheitserinnerung, Gemeinschaft. Und vielleicht auch der schlichte Wunsch, das neue Jahr gesund zu beginnen.