Pferd, reiten
Segensbräuche

Georgiritt

von Clemens Gull

Rund um den 23. April, den Gedenktag des heiligen Georg, sattelt man in vielen Orten Bayerns und Österreichs die Pferde für eine besondere Prozession: den Georgiritt. Reiterinnen und Reiter ziehen mit ihren Tieren zur Kirche oder Kapelle, um dort den Segen für Ross und Reiter zu empfangen, ein Brauch, der den heiligen Georg als Patron der Pferde ehrt.

Der heilige Georg als Pferdepatron

Der heilige Georg wird seit über tausend Jahren verehrt und meist als Ritter dargestellt, der einen Drachen besiegt, ein Bild für den Sieg des Guten über das Böse. Aus dieser Rittergestalt heraus entwickelte sich seine besondere Zuständigkeit für Pferde und Reiter, weshalb sein Gedenktag im April vielerorts zum eigentlichen Reitertag wurde.

Von der Bittprozession zum Georgiritt

Bis ins 18. Jahrhundert waren es vor allem Wetter- und Viehprozessionen, an denen sich auch berittene Gruppen beteiligten und um Schutz für Feld, Vieh und Wetter baten. Unter Erzbischof Hieronymus Colloredo wurden solche Bittprozessionen zwischen 1780 und 1783 im Zuge kirchlicher Reformen weitgehend verboten, und mit ihnen geriet auch der Georgiritt vielerorts in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert lebte der Brauch in mehreren Gemeinden wieder auf, seither hat sich der Georgiritt als eigenständige, feste Tradition rund um den Georgstag neu etabliert.

Georgiritt in Salzburg

Besonders bekannt ist der Georgiritt der Salzburger Bürgergarde auf die Festung Hohensalzburg. Der Reiterzug startet vom Kapitelplatz und zieht hinauf zur Festung, wo im Burghof die Pferdesegnung stattfindet, begleitet von einer Festmesse in der dortigen St.-Georgs-Kapelle. Die Teilnahme an der Pferdesegnung im Burghof steht allen offen und ist ohne Anmeldung möglich, Ritt und Segnung finden allerdings nur bei geeignetem Wetter statt. Über Salzburg hinaus gibt es Georgiritte auch in Neumarkt am Wallersee, Eugendorf, Thomatal und St. Georgen im Pinzgau, jeweils mit Pferdewallfahrten, Segnungen und teils auch Reiterspielen.

Georgstag als Lostag

Neben dem Reiterbrauch ist der 23. April im alten bäuerlichen Kalender auch ein Lostag für die Wetterprognose. Ein bekannter Spruch dazu lautet: Gewitter am Georgstag kündige ein eher kühles Jahr an. Solche Bauernregeln haben mit dem eigentlichen Georgiritt zwar nichts unmittelbar zu tun, zeigen aber, wie eng Heiligenverehrung und bäuerlicher Alltag im Frühling ineinandergriffen. Der Georgiritt selbst ist bis heute genau dieser Doppelcharakter geblieben: ein festlicher Kirchgang zu Pferd und zugleich ein Stück gelebter dörflicher Gemeinschaft.

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