Sonnwendfeuer
Sonstige Bräuche

Peter-und-Paul-Feuer

von Clemens Gull

Kaum ist das große Sommerfeuer der Sonnwende verglüht, bereiten sich manche Gemeinden im Rupertiwinkel schon auf den nächsten Feuerabend vor. Am 29. Juni, dem Fest der Apostel Peter und Paul, brennen dort noch einmal Holzstöße auf den Anhöhen – das Peter-und-Paul-Feuer, ein eigenständiger Brauch, der zwar mit dem Sonnwendfeuer verwandt ist, aber weder dessen Datum noch dessen Anlass teilt.

Ein zweites Feuer, fünf Tage später

Wer die beiden Bräuche verwechselt, ist in guter Gesellschaft – zu ähnlich wirken sie auf den ersten Blick. Tatsächlich gilt das Petersfeuer, wie es andernorts auch genannt wird, fachlich als eine regionale Variante des weiter verbreiteten Johannisfeuers, das rund um den 24. Juni, den Johannistag, nahe der Sommersonnenwende brennt. Das Peter-und-Paul-Feuer verschiebt diesen Termin bewusst um fünf Tage nach hinten, auf den Gedenktag der beiden Apostelfürsten. Damit ist es kein zweites Sonnwendfeuer unter neuem Namen, sondern ein eigener, datumsgebundener Anlass, der die kurze, feuerreiche Zeit des Frühsommers im Rupertiwinkel noch einmal verlängert.

Der Aufbau und die Strohpuppe

Tage im Voraus wird im jeweiligen Ort ein stattlicher Holzstoß aufgeschichtet, oft ein Gemeinschaftswerk mehrerer Nachbarn oder eines örtlichen Vereins. Am Abend des 29. Juni wird das Feuer entzündet, und in vielen Orten brennt mit ihm eine Strohpuppe – der „Peter". Warum ausgerechnet diese Figur mitverbrannt wird, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit klären; eine einzige, allgemein anerkannte Erklärung dafür gibt es bis heute nicht. Naheliegend ist eine Deutung, die sich mit ähnlichen Feuerbräuchen deckt: Die Puppe stand stellvertretend für die Gefahren des offenen Feuers selbst und wurde symbolisch geopfert, um Haus und Hof im kommenden Jahr vor echtem Brand zu bewahren – ein Motiv, das sich in abgewandelter Form auch bei anderen Sommerfeuern der Region findet.

Feuerspringen und ein Wunsch frei

Ist der Holzstoß niedergebrannt, beginnt der zweite Teil des Abends: das Feuerspringen. Wer mutig genug ist, über die glühenden Reste zu springen, darf sich der Überlieferung nach danach etwas wünschen. Getragen werden die Feuer meist von örtlichen Vereinen, nicht selten von der Freiwilligen Feuerwehr selbst – was dem Brauch eine gewisse doppelte Bodenständigkeit verleiht: Diejenigen, die im Ernstfall Brände löschen, sind es auch, die das symbolische Feuer im Sommer entzünden.

Ein eigenständiger Termin im Festkalender

Für den Rupertiwinkel ist das Peter-und-Paul-Feuer damit mehr als eine bloße Wiederholung der Sonnwendtradition. Es markiert einen eigenen, kirchlich verankerten Fixpunkt im Sommerkalender – nah genug an der Sonnwende, um von deren Feuerstimmung zu zehren, aber datumsmäßig klar abgegrenzt und mit eigener Symbolik versehen. Wer im Rupertiwinkel Ende Juni zweimal Rauchschwaden über den Hügeln aufsteigen sieht, sieht damit nicht denselben Brauch zweimal, sondern zwei Feuer mit unterschiedlicher Geschichte, die zufällig nur wenige Tage auseinanderliegen.

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