Schwendtag
Sonstige Bräuche

Schwendtag

von Clemens Gull

Der Schwendtag war der traditionell festgelegte Gemeinschaftstag, an dem Bäuerinnen und Bauern, Nachbarn und Knechte gemeinsam ausrückten, um die Arbeit des „Schwendens“ zu erledigen. Kein einzelner hätte das allein geschafft.

Als fester Gemeinschaftstag war der Schwendtag in vielen Talgemeinden des Salzkammerguts, der Steiermark, Tirols und Salzburgs bekannt. Er war häufig in die sogenannte Nachbarschaftshilfe (auch „Nachbarschaft“ oder „Gmoa-Arbeit„) eingebettet – ein altes System gegenseitiger Verpflichtung, das in ländlichen Alpengemeinden das soziale Miteinander regelte.

Die genauen Termine richteten sich nach dem Kalender, nach Erfahrung und nach dem Wetter – oft lagen sie im späten Frühjahr oder Frühsommer, bevor die Almwirtschaft in vollem Gange war.

Ein Schwendtag war keine romantische Landpartie, sondern harte körperliche Arbeit. Typischerweise war es früher so aufgeteilt:

  • Früher Aufbruch
    Die Arbeit begann in den Morgenstunden, oft nach dem ersten Gebet oder der Frühmesse. Werkzeug wurde mitgebracht: Sensen, Sicheln, Schlegeln, Äxte, Rechen.
  • Gemeinschaftliche Einteilung
    Wer welche Fläche übernimmt, war oft durch alte Gemeinderechte oder mündliche Absprachen geregelt. In manchen Gemeinden gab es einen sogenannten Weidevogt oder Almbauern, der die Arbeit koordinierte.
  • Das Verbrennen des Schnittguts
    Abgeschnittener Adlerfarn, Farnkraut und Strauchwerk wurden zu Haufen zusammengerecht und – wenn Witterung und Brauch es erlaubten – verbrannt. In manchen Gegenden galt das Feuer dabei auch als reinigendes Element.
  • Das gemeinschaftliche Essen
    Kein Schwendtag ohne Vesper. Die Bäuerinnen brachten Brot, Speck, Käse und Most. Wer eine größere Fläche zu bieten hatte, lud die Helfer zum Festessen ein – ähnlich wie beim Dreschen oder beim Hausbau.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land und im Salzkammergut ist das Schwenden heute noch bekannt, vor allem im Zusammenhang mit dem Erhalt der typischen Streuwiesen und Almweiden, die unter Naturschutz stehen.

In Tirol und der Steiermark lebte der Schwendtag besonders auf Almen fort, wo die Weidegemeinschaften (Agrargemeinschaften) gemeinsam für die Pflege der Flächen zuständig waren und es sind.

In Bayern, besonders im Chiemgau und Berchtesgadener Land, ist der Begriff weniger geläufig, das Prinzip jedoch dasselbe – unter anderen Namen wie „Almputzen“ oder „Weideräumen“.

Bedeutung heute

Der Schwendtag erlebt gerade eine stille Renaissance – allerdings aus einem anderen Grund als früher. Wo er einst wirtschaftliche Notwendigkeit war, ist er heute oft ein Akt des Naturschutzes. Viele Almwiesen und Streuwiesen im Alpenraum sind wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere – aber nur, wenn sie offen gehalten werden. Dies geschah früher durch das Beweiden der Flächen durch Kühe, Schafe, Pferde oder Zeigen. Da dies heute oft unrentabel ist, muss es mit Hand gemacht werden, um die Verbuschung der offenen Almflächen zu verhindern.

Gemeinden, Naturschutzvereine, Almbauern und freiwillige Helfer organisieren heute Schwend- oder Pflegetage, um überalterte Böschungen, verbrachte Weidehänge und verfilzte Randstreifen zu pflegen. Was früher Pflicht war, ist heute freiwilliges Engagement – und genau deshalb auch Zeichen einer lebendigen Beziehung zur Landschaft.

Der soziale Aspekt ist dabei geblieben: gemeinsam anpacken, gemeinsam essen, gemeinsam über das Land reden.