Gmoa-Arbeit

In bäuerlichen oder alpinen Dorfgemeinschaften war es über Jahrhunderte selbstverständlich, dass man bestimmte Aufgaben nicht alleine erledigte – und auch nicht erledigen konnte. Wege ausbessern, Gräben ziehen, Brücken reparieren, Waldränder pflegen oder Gemeindegüter instand halten: Das waren Arbeiten, die alle betrafen und deshalb auch alle angingen.

An bestimmten Tagen im Jahr rückte das ganze Dorf gemeinsam aus. Jeder Hof stellte Arbeitskräfte, oft auch Zugtiere oder Werkzeug. Wer ohne triftigen Grund fehlte, fiel auf – und das war in einer kleinen Gemeinschaft keine Kleinigkeit.

Bezahlt wurde bei der Gmoa-Arbeit in der Regel nicht mit Geld. Der „Lohn“ war ein anderer: das gemeinsame Mittagessen, das Gefühl der Zugehörigkeit, das gegenseitige Vertrauen – und nicht zuletzt die stille Gewissheit, dass man im nächsten Jahr selbst auf die Hilfe der anderen zählen konnte.

In manchen Gegenden soll nach getaner Arbeit auch kräftig gefeiert worden sein – mit Brot, Speck und einem Krug Bier oder Most. Wir glauben das ist keine Legende.

Bedeutung heute

Die organisierte Pflicht zur Gmoa-Arbeit ist in den meisten Gemeinden längst weggefallen – Kommunen haben heute Bauhöfe, Forstbetriebe und bezahlte Mitarbeiter. Trotzdem lebt der Gedanke weiter: in freiwilligen Arbeitseinsätzen, Feuerwehr-Arbeitstagen, Almgemeinschaften oder Vereinen, die gemeinsam Wegkreuze renovieren oder Feldraine pflegen.

Das Prinzip ist uralt und gleichzeitig erstaunlich aktuell: Manches funktioniert eben nur, wenn alle mitanpacken.

Goaßl

Die Goaßl (auch Goasl, Goassl, je nach Region und Schreibweise) ist eine kurzstielige Peitsche aus dem Alpen- und Voralpenraum. Der Name leitet sich vom bairischen Dialektwort für die Fuhrmannspeitsche ab: Goaßl bedeutet schlicht „Geißel“. Der Holzgriff ist rund, hat einen Durchmesser von etwa drei Zentimetern und eine Länge von rund 50 Zentimetern. Die eigentliche Peitschenschnur besteht aus einem mehrfach gedrehten Hanfseil, das bis zu vier Meter lang sein kann und sich zum Ende hin verjüngt.

Was die Goaßl von einer gewöhnlichen Peitsche unterscheidet, ist die Art, wie sie geführt wird: Sie wird mit beiden Händen von vorne nach hinten und von einer Seite zur anderen geschwungen, bis das Ende der Schnur Überschallgeschwindigkeit erreicht und ein ohrenbetäubender Knall entsteht. Forschungen des Ernst-Mach-Instituts aus dem Jahr 1998 haben ergeben, dass die Schlaufe am Schnurende beim Knall auf über 2.000 km/h beschleunigt wird, also auf mehr als das Doppelte der Schallgeschwindigkeit.

Herkunft und historischer Hintergrund

In früheren Jahrhunderten knallten Fuhrleute mit der Peitsche, wenn sie in Ortschaften einfuhren oder auf unübersichtliche Stellen zufuhren. Im Laufe der Zeit entwickelten sie immer spezifischere Knallfolgen, die als eine Art Erkennungszeichen dienten. Daraus entstanden bestimmte Schlagarten wie der Vorhandschlag, der Rückhandschlag und der Doppelschlag, später auch die sogenannte Triangel.

Daneben hatte die Goaßl im Alpenraum weitere praktische Verwendungen: Hirten nutzten sie beim Viehtrieb, um Tiere zu lenken. Auch als Kommunikationsmittel zwischen Almen und dem Tal kam sie zum Einsatz. In Wein- und Obstbaugebieten diente sie dazu, Vögel von den Beeren zu verscheuchen.

Wann genau die Goaßl den Weg ins Brauchtum fand, lässt sich nicht auf ein einzelnes Datum festlegen. Der früheste schriftliche Hinweis auf das Aperschnalzen, die bekannteste Brauchtumsform mit der Goaßl, stammt aus dem Jahr 1730 aus Gois im Salzburger Flachgau.

Das Aperschnalzen

Das Aperschnalzen ist eine Form des Goaßlschnalzens, die in der Weihnachts– und Faschingszeit gepflegt wird. Das Wort „aper“ bedeutet im Süddeutschen „schneefrei“ und verweist auf den Übergang vom Winter zum Frühling.

Zwischen dem Stephanitag (26. Dezember) und dem Faschingsdienstag treten dabei die sogenannten „Passen“ auf: Gruppen von jeweils neun Personen, die gemeinsam schnalzen, bis ein bestimmter rhythmischer Takt entsteht.

Woher dieser Brauch ursprünglich kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Die geläufigste Deutung besagt, dass es um das Austreiben des Winters geht: Durch den Lärm sollen böse Mächte, Kälte und Dunkelheit vertrieben werden. Eine andere Lesart sieht darin einen Fruchtbarkeitsbrauch, bei dem die schlafende Saat durch den Lärm zum Erwachen gebracht werden soll. Eine dritte Deutung, wonach das Schnalzen ein Verständigungsmittel in der Pestzeit gewesen sei, gilt als nicht belegt.

Regionale Besonderheiten

Das Aperschnalzen ist heute besonders stark im Grenzgebiet zwischen Bayern und Salzburg, dem Rupertiwinkel, verwurzelt. Aktive Schnalzergruppen gibt es unter anderem in Laufen, Saaldorf, Tittmoning und Teisendorf auf bayerischer Seite sowie in Liefering, Maxglan, Anthering, Bergheim, Gois, Wals und Siezenheim auf Salzburger Seite.

Am bedeutendsten ist das jährliche Rupertigau-Preisschnalzen, das über 100 allgemeine Gruppen und mehr als 50 Jugendgruppen zusammenbringt und von mehreren tausend Zuschauern besucht wird. Den Siegern winkt unter anderem eine Wandergoaßl als Preis.

Das Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel wurde 2013 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die Anerkennung gilt zunächst für die österreichischen Schnalzergruppen; die bayerischen Gruppen sind daran eng beteiligt, aber noch nicht formal einbezogen.

In Südtirol lebt die Goaßl unter dem Namen „Goaslschnöllen“ weiter. Dort treten sogenannte Gaslkrocher, Goaslschnöller und Schnalzer bei Volksfesten und Kirchtagen auf.

Bedeutung heute

Die Goaßl ist kein museales Objekt. In Bayern, Salzburg und Südtirol wird das Schnalzen aktiv geübt und weitergegeben, in Vereinen organisiert, bei Wettbewerben ausgetragen und an Jugendliche vermittelt. Der Brauch ist eng mit einer handwerklichen Tradition verbunden: Eine gute Goaßl wird noch immer von Hand geflochten, das Hanfseil mit Pech eingelassen, und der Umgang mit ihr erfordert echtes Können.

Was bleibt, ist ein Brauch, der laut ist, körperlich, und unmittelbar: ein Knall, der die Schallmauer durchbricht, und dabei eine jahrhundertealte Verbindung zwischen Mensch, Tier, Jahreszeit und Gemeinschaft aufruft.

Halterbua

Halterbua ist bairisch-österreichisch und bedeutet im wörtlichen Sinn: der Bub, der das Vieh hält. Also: der Hirt. Wer in einer steirischen oder salzburgischen Almhütte aufgewachsen ist, kennt den Begriff noch gut. Andernorts sagt man schlicht Halterbuam (Plural), im Steierischen besonders verbreitet, in Bayern und Salzburg ebenfalls geläufig.

Das Wort Halter hat dabei eine lange Geschichte. Im Mittelhochdeutschen bedeutete haltære ganz direkt „Hirt“ oder „Bewahrer“. Der Stamm geht auf althochdeutsch haltan zurück, was ursprünglich „hüten“ und „weiden“ meinte, also das Betreuen einer Herde. Erst später verschob sich die Bedeutung in Richtung „festhalten“ oder „aufbewahren“, wie wir es heute kennen. Der Halterbua ist demnach keine folkloristische Erfindung, sondern ein echtes, altes Berufswort.

Wer war der Halterbua?

In der bäuerlichen Welt des Alpenraums, die über Jahrhunderte von der Almwirtschaft geprägt war, gab es auf jeder Alm jemanden, der das Vieh betreute. Das war nicht immer der Bauer selbst. Oft war es ein Knecht, ein älterer Pensionist oder tatsächlich ein junger Bub aus der Nachbarschaft, der für einen Sommer die Aufgabe übernahm, die Tiere zu hüten, zu zählen, auf ihren Gesundheitszustand zu achten und sie morgens auf die Weide und abends wieder ein.

Der Halterbua lebte während der Sommermonate auf der Alm, oft in einer einfachen Hütte ohne Strom, mit Wasser aus dem Brunnen. Die Entlohnung war gering, die Arbeit täglich und wetterabhängig. Man kannte seine Tiere beim Namen oder zumindest am Aussehen, wusste welche zu welchem Hof gehörte, und bemerkte sofort, wenn eins fehlte.

Der Dienst begann meist Anfang Juni, wenn die Kühe auf die Alm getrieben wurden, und dauerte bis in den Herbst. Täglich ging es auf einen Rundgang, um die Vollzähligkeit der Herde und den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen.

In der Almwirtschaft verwurzelt

Die Almwirtschaft gehört seit Jahrhunderten zum Leben der Alpenregionen. Auf Almen werden die Weideflächen während des Sommers von Nutztieren genutzt, die seit Generationen bewirtschaftet werden. Wenn die Tage kühler werden und der Almsommer vorbei ist, ziehen die Tiere zurück ins Tal. Der Halterbua war in diesem System eine wichtige, wenn auch wenig glamouröse Rolle: Er sorgte dafür, dass alles seinen geordneten Gang nahm.

Die Almwirtschaft im Alpenraum lässt sich bis zu vier Jahrtausende zurückverfolgen. Durch jahrhundertelange Bewirtschaftung dieser hochgelegenen Flächen entstand eine Kulturlandschaft von hohem Wert. Der Halterbua war über all diese Zeit ein Fixpunkt im Betrieb der Alm.

Nicht Senne, nicht Bauer

Es lohnt sich, den Begriff vom Senner oder der Sennerin abzugrenzen, mit dem er manchmal durcheinandergebracht wird. Sennerinnen und Senner sind Hirtinnen und Hirten, die auf der Alm das Vieh betreuen und gleichzeitig die Milch zu Käse, Butter und anderen Milchprodukten verarbeiten. Der Halterbua hingegen war reiner Viehhüter, ohne die Verantwortung für die Milchverarbeitung. Diese Unterscheidung war in der Praxis nicht immer trennscharf, aber begrifflich ist sie vorhanden.

Heute: zwischen Erinnerung und Realität

Der Begriff Halterbua klingt heute für viele nach einer versunkenen Welt. Das stimmt zum Teil: Die klassische Figur des Kindes oder Jungbauern, der allein mit der Herde auf der Alm verbringt, ist in der modernen Landwirtschaft weitgehend verschwunden. Eingezäunte Weiden, Mobiltelefone und veränderte Arbeitsverhältnisse haben das Berufsbild grundlegend gewandelt.

Und doch: Das Leben als Halterbua ist heute eher Berufung als Beruf, da man von der Entlohnung für diese Arbeit kaum leben könnte. Die Bezahlung erfolgt durch die Gemeinschaft der Bauern, deren Tiere auf der Alm betreut werden, und auch eine Unterkunft muss gestellt werden. Es gibt also noch Menschen, die diese Rolle übernehmen, meistens aus Leidenschaft zur Natur und zu den Tieren, nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit.

Im Volksmund lebt der Halterbua auch als Figur der Volksmusik weiter. Das Lied „Der Halterbua“ des Ischler Viergesangs ist nur eines von mehreren Beispielen, wie diese Rolle romantisiert und gleichzeitig bewahrt wurde.

Hoagascht

Ist im Bayrischen, Salzburgischen und bis ins Südtirol gebräuchlich. Grundlegend war es ein Treffen, eine Unterhaltung außerhalb der eigenen vier Wände. Man tauschte sich aus und es war üblich hier keine Streitigkeiten zu pflegen.

In neuerer Zeit werden auch Musikantentreffen oder andere Treffen rund ums Brauchtum mit dem Begriff Hoagascht zu bezeichnen. Damit wird einfach auf die Gemütlichkeit dieser Zusammenkünfte angespielt. Auch Gasthäuser und Fernsehsender nutzen diesen Begriff immer mehr, da er eine typische gemütliche Heimatverbundenheit ausdrückt.

Er dürfte sich von den beiden Begriffen Hoam, Homat (für deheim, Heimat) und Goarden (Garten) ableiten. Früher hatte jeder Hof eine Bank neben dem Eingang stehen, auf der die seltenen Pausen verbracht wurden oder auch die Altbäuerin und der Altbauer saßen. Man setzt sich dazu und konnte sich gemütlich unterhalten, Erfahrungen austauschen oder einfach „heimkommen“.

Marketender

Das Wort „Marketender“ leitet sich vom Lateinischen „mercatante“ ab und bedeutet schlicht Händler oder Kaufmann. Im Deutschen ist der Begriff seit dem 16. Jahrhundert vor allem in der Soldatensprache belegt, und er bezeichnet ursprünglich Menschen, die militärische Truppen mit Waren des täglichen Bedarfs versorgten.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Die historischen Marketender gehörten zum Tross der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heere. Fast jede Kompanie der Landsknechte hatte einen eigenen Marketender, der die Soldaten als Händler mit Lebensmitteln versorgte.

Durch den Wandel hin zu Söldnerheeren übernahmen zunehmend auch Frauen diese Aufgabe. Da den Söldnern das Heiraten nicht verboten war, zogen oft Ehefrauen und Kinder mit dem Heer durch die Lande. Das war keine Idylle: Das Leben einer Marketenderin bestand aus harter Arbeit, und die Gefahr, in den Kriegswirren getötet oder vergewaltigt zu werden, war allgegenwärtig. Marketenderinnen waren deshalb teilweise mit Dolchen oder Pistolen bewaffnet.

Ihre Aufgaben gingen weit über den Handel hinaus: Sie betreuten Soldaten im Lager, kochten, reparierten Kleidung, kümmerten sich um kranke und verwundete Männer. Viele Soldaten verdankten der heilkundigen Pflege einer Marketenderin ihr Leben.

Der Begriff war jedoch nicht frei von Doppeldeutigkeit. Die weibliche Form „Marketenderin“ konnte auch Prostituierte bezeichnen, die Heere im Tross begleiteten. Diese Vermengung verschiedener Frauenrollen im militärischen Tross ist historisch gut belegt und sollte nicht beschönigt werden.

Im 19. Jahrhundert verschwand die Marketenderin aus dem Bild der modernen Armeen, als stehende Heere in Friedenszeiten in Kasernen untergebracht wurden und der Tross seine Existenzgrundlage verlor.

Die Wiederentdeckung im Tiroler Schützenwesen

Hier beginnt das zweite, sehr eigenständige Leben dieser Figur. Die Marketenderin als Traditionsfigur im Schützenwesen ist eine vergleichsweise junge Erscheinung, deren „Erfindung“ und historische Wurzeln in der volkskundlichen Forschung eigens untersucht wurden.

Die Geschichte der Marketenderinnen in den Reihen der Tiroler Schützenkompanien beginnt erst etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es wird vermutet, dass die Tiroler Schützen die Figur in bewusster Erinnerung an die Franzosenkriege von 1809 neu belebt haben, als Frauen tatsächlich eine aktive Rolle im Widerstand gegen die napoleonischen Truppen spielten.

Den ersten großen Höhepunkt erreichte die weibliche Begleitung bei Schützenumzügen im Jahr 1909, beim großen Gedenkzug in Innsbruck anlässlich des 100. Jahrestages der Erhebung von 1809, im Beisein von Kaiser Franz Joseph I.

Regionale Besonderheiten

Heute wird der Begriff Marketenderin vor allem für Frauen verwendet, die eine Marsch- oder Blaskapelle begleiten und die Musiker mit Getränken versorgen, hauptsächlich in Süddeutschland, Österreich, Südtirol und dem Trentino.

Innerhalb Tirols gibt es dabei durchaus regionale Unterschiede: In Nordtirol muss eine Marketenderin ledig sein, in Ost- und Südtirol gilt das nicht zwingend.

Die Pflege des Trachtenverständnisses spielt eine zentrale Rolle: Marketenderinnen sollen nicht nur wissen, wie die jeweilige regionale Festtagstracht korrekt getragen wird, sondern auch, welche Geschichte und Bedeutung dahintersteckt. Trachtenpflege bedeutet dabei immer auch Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte und Kultur.

Bedeutung heute

Die Rolle der Marketenderin geht heute weit über das Tragen der traditionellen Tracht und das Ausschenken von Schnaps hinaus. Als Botschafterinnen ihrer Kultur, Geschichte und Werte repräsentieren Marketenderinnen den Zusammenhalt und den Stolz ihrer Gemeinschaft.

Heute ist ein Ausrücken ohne Marketenderinnen in Tirol kaum mehr vorstellbar. Frauen aller Berufsgruppen nehmen diese Rolle wahr, genießen aktives Wahlrecht in der Kompanie und sind gleichberechtigte Mitgestalterinnen des Vereinslebens.

Jedoch ist die Rolle auf ein Geschlecht bezogen kritisch zu betrachten. Denn immer mehr vermischen sich die tradierten Rollenbilder. Auch Männer sind heutzutage Marketender, wie auch Frauen als aktive Schützinnen auftreten. Dies ist in allen Bereichen des Brauchtums zu sehen und führt oft zu problematischen Situationen. Denn hergebrachte, oft fälschlich geglaubte Traditionen, verbieten manchen die Offenheit für verschieden Geschlechter in manchen Rollen. Wobei wir hier eindeutig festhalten:

Brauchtum und Rollen im Brauchtum,
sind heute nicht mehr an ein Geschlecht oder
andere Personenmerkmale geknüpft und
stehen jedem Menschen offen!

Materl

Eine katholische kleine Gedenkstätte in der freien Landschaft. Sie erinnern meist an eine Verstorbene oder einen Verstorbenen, die an der Stelle verstorben oder verunglückt sind. Oft sind sie an Wanderwegen, Wegränder oder anderen gefährlichen Stellen in der Landschaft zu finden.

Taferlbua

Wer schon einmal einem Festzug im bayerisch-österreichischen Alpenraum zugeschaut hat, dem ist er vielleicht aufgefallen: ein Kind in Tracht oder Vereinskleidung, das ganz alleine an der Spitze einer Abordnung marschiert und ein hölzernes Schild vor sich herträgt. Dieses Kind ist der Taferlbua und seine Aufgabe ist kleiner als sie aussieht, aber bedeutsamer als man zunächst denken mag.

Was bedeutet der Begriff?

Als Taferlbua, Taferlbub oder Tafelbub bezeichnet man im bairisch-österreichischen Sprachraum einen Knaben (oder natürlich auch Mädchen als Taferlmadl oder Taferldirndl), der bei einem Festzug mit dem Schild seines Vereins vor der Vereinsabordnung marschiert. Das Wort setzt sich zusammen aus „Taferl“ (das kleine Schild oder Täfelchen) und „Bua“ (der Bub, der Junge) bzw. Madl/Dirndl (für wie).

Das Taferl selbst ist ein auf einem Holzstab befestigtes Schild, auf dem der Name des Vereins steht. Wenn ein Verein auswärts bei einem Zusammentreffen oder Brauchtum auftritt, soll jeder wissen, wer da kommt und woher sie stammen.

Herkunft und historischer Hintergrund

Eine präzise historische Erstbelegung des Brauchs ist schwierig nachzuweisen. Fest steht, dass das Vereinswesen im bayerisch-österreichischen Raum seit dem 19. Jahrhundert stark zugenommen hat, Schützenvereine, Musikkapellen, Trachtler, Feuerwehren, Krampusse, Perchten und mit ihm die Festzugskultur. Das Taferl als Erkennungszeichen eines Vereins im Umzug ist eine praktische wie symbolische Lösung: Es kündigt die Gruppe an, bevor die Fahne sichtbar wird.

Besonders bei den bayerischen Gebirgsschützenkompanien ist der Taferlbua seit Langem fester Bestandteil des Auftretens bei Festzügen. Ähnliche Gepflogenheiten finden sich auch in Trachtenvereinen, Blaskapellen, Feuerwehren, Perchten und Krampusvereinen. Je nach Gegend und Verein kann es Unterschiede in der Gestaltung des Taferls, der Tracht des Taferlbua und den genauen Gepflogenheiten geben.

Ablauf und typische Elemente

Beim Festzug wird die Vereinsabordnung vom Taferlbua angeführt, der das Vereinstaferl trägt, gefolgt von der Fahnenabordnung mit der Vereinsfahne und den weiteren Mitgliedern.

Das Taferl wird an einer Stange getragen und vor dem Körper gehalten. Da ein solches Holztaferl je nach Größe durchaus einiges wiegen kann, gibt es inzwischen speziell gefertigte Ledertragegurte für Kinder. Ein Kreuztragegurt verteilt das Gewicht gleichmäßig auf beide Schultern, verhindert ein Verrutschen und hält die Stange mittig vor dem Körper.

Das Tragen des Vereinstaferls gilt für Kinder und Jugendliche als besondere Ehre.Mit Stolz und Freude laufen sie an der Spitze ihres Vereins und kündigen ihn an.

Regionale Besonderheiten

Der Taferlbua ist vorwiegend in Bayern und im österreichischen Voralpenland verbreitet, in Regionen also, in denen das Vereinsleben und die Festzugskultur noch sehr lebendig sind. Schützenvereine, Blaskapellen und Trachtenvereine in Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich sowie weiten Teilen Bayerns kennen den Brauch.

In manchen Vereinen übernehmen diese Aufgabe ausschließlich Söhne oder Töchter von Vereinsmitgliedern oder junge, aktive Vereinsmitglieder. Andernorts ist die Aufgabe offen für alle Kinder im Vereinsumfeld. In kirchlichen Prozessionen wie Fronleichnam kann eine ähnliche Rolle von Kindern übernommen werden, die Vereins- oder Pfarrtafeln tragen, auch wenn der Begriff „Taferlbua“ dort nicht immer verwendet wird.

Bedeutung heute

Wer heute als Taferlbua oder Taferlmadl mitläuft, trägt nicht einfach ein Stück Holz durch die Straßen. Er oder sie übernimmt eine Aufgabe mit Verantwortung und steht dabei buchstäblich ganz vorne. Für viele Kinder ist das der erste bewusste Berührungspunkt mit dem Vereinsleben ihrer Gemeinde, eine Art Initiationsmoment, bevor man später vielleicht selbst Fahnenträger oder aktives Mitglied wird.

Dass es heute eigens gefertigte Tragegurte und gepflegte Holztaferln gibt, zeigt: Dieser scheinbar kleine Brauch wird ernsthaft und liebevoll weitergepflegt. Er verbindet Kinder mit der Vereinstradition ihrer Region und gibt ihnen einen sichtbaren, stolzen Platz im Festzug.