Allerheiligen

Allerheiligen ist kein Tag der Trauer, sondern ein Fest, das das neue Leben feiert, in das die Heiligen und Seligen eingetreten sind. In Österreich ist Allerheiligen nicht nur ein wichtiger Feiertag der römisch-katholischen Kirche, sondern auch ein gesetzlicher und arbeitsfreier Feiertag. An diesem stillen Feiertag sind Tanzveranstaltungen, Märkte, Messen und Volksfeste untersagt.

In Salzburg wird Allerheiligen auf besondere Weise begangen. Die Menschen nutzen diesen Tag, um ihrer Verstorbenen zu gedenken und die Gräber ihrer Lieben zu schmücken. Traditionell werden die Gräber mit Blumen, insbesondere Chrysanthemen oder Erika, und Kerzen dekoriert. Diese Symbole stehen für das Licht des neuen Lebens und die Hoffnung auf die Auferstehung.

Ein wichtiger Bestandteil des Brauchtums ist der Besuch der Friedhöfe. Familien versammeln sich, um gemeinsam zu beten und der Verstorbenen zu gedenken. In vielen Gemeinden finden spezielle Gottesdienste und Andachten statt, bei denen die Namen der Verstorbenen verlesen werden. Diese Zeremonien schaffen eine Atmosphäre des Trostes und der Gemeinschaft.

In Salzburg gibt es auch die Tradition des “Seelenbrotes”. Dieses Brot wird gebacken und an Bedürftige verteilt, um an die Seelen der Verstorbenen zu erinnern und ihnen zu gedenken. Es ist ein Zeichen der Nächstenliebe und der Verbundenheit mit den Verstorbenen.

Allerheiligen ist somit ein Tag des Innehaltens und der Besinnung, aber auch ein Tag der Hoffnung und des neuen Lebens. Die Traditionen und Bräuche, die in Salzburg gepflegt werden, tragen dazu bei, die Erinnerung an die Verstorbenen lebendig zu halten und die Gemeinschaft zu stärken.

Almabtrieb

Als Almabtrieb bezeichnet man im Alpenraum den Viehtrieb von den Bergweiden zurück ins Tal, wo die Tiere auf den Bauernhöfen überwintern. Je nach Region und Klima findet er zwischen Mitte September und Mitte Oktober statt. Der Brauch trägt dabei viele Namen: In der Schweiz spricht man vom Alpabzug, im Allgäu vom Viehscheid, in Südtirol auch vom Kiekemma (eine Dialektausdruck für Kühe = Kie und kommen = kemma). Der Name „Viehscheid“ erklärt sich dabei besonders anschaulich: Das Vieh wird von den Hirten, die sich den Sommer über auf den Almen um die Herden gekümmert haben, im Tal nach dem Abtrieb „geschieden“, also geteilt und seinen Besitzern zurückgegeben.

Der praktische Hintergrund ist simpel: Ab September wachsen Gras und Kräuter auf den Almen nicht mehr nach, und die Tiere finden nicht mehr genug Nahrung. Auch ist zu dieser Zeit bereits die Möglichkeit von Schneefall auf höher gelegenen Almen vorhanden. Aus dieser landwirtschaftlichen Notwendigkeit ist über die Jahrhunderte ein Fest geworden.

Herkunft

Die Wurzeln des Almabtriebs reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Die steilen Hänge, die kurze Vegetationsperiode und die langen Schneedecken zwangen die alpine Landwirtschaft schon früh zu einer saisonalen Nutzung der Höhenweiden.

Die festliche Ausgestaltung des Brauchs, also das Schmücken der Tiere, ist hingegen jünger. Belege für die ersten geschmückten Almabtriebe stammen aus dem Jahr 1746, als im Pustertal berichtet wurde, dass Tiere geschmückt und feierlich von den Almen in die Dörfer getrieben wurden. Volkskundlerin Anna Horner vom Tiroler Volkskunstmuseum weist aber darauf hin, dass der gemeinsame Abtrieb des Viehs wohl auch schon früher stattgefunden hat.

Der Tiroler Maler Jakob Placidus Altmutter hielt 1812 eine Almabtriebsszene als getönte Federzeichnung fest, die sich heute im Besitz des Landesmuseums Ferdinandeum befindet. Auch Autoren wie Beda Weber, Ludwig Steub oder Adolf Pichler beschrieben das jährliche Ereignis.

Kranz, Glocken und die Kranzkuh

Der Kopfschmuck der Tiere ist wohl das auffälligste Element des Almabtriebs. Aber nicht jedes Jahr darf jede Herde ihn tragen. Nur wenn der Almsommer für Mensch und Tier ohne tödliche Unfälle verlaufen ist, werden die Herden in vielen Gegenden für den Abtrieb kunstvoll geschmückt. Gab es Verluste durch Krankheit, Steinschlag oder Unwetter, zieht die Herde ungeschmückt ins Tal. Der Kranz ist also kein bloßes Dekorationselement, sondern ein sichtbares Zeichen: Der Sommer ist gut verlaufen, Gott sei Dank.

Die wichtigste Figur im Zug ist die sogenannte Kranzkuh. Sie erhält einen ungewöhnlich großen Kopfschmuck, der aufwändig aus Zweigen, Blumen, Gräsern und Bändern in Form einer Krone geflochten wird. Meist zeigt der Kranz ein Kreuz, womit um den Schutz des Himmels gefleht wird, sowie Spiegel und Glocken. Nach überlieferter Deutung sollen Glocke und Spiegel Unheil und böse Geister abwehren.

Für den Kopfschmuck werden traditionell Almrausch oder Latschen verwendet, sowie Silberdistel und Seidenblumen. Das Schmücken hatte auch eine soziale Dimension: Je wohlhabender der Bauer war, desto prächtiger waren seine Tiere geschmückt. Der Almabtrieb war auch eine Prestigesache.

Regionale Unterschiede

Der Brauch ist im gesamten Alpenraum lebendig, aber nirgends gleich. Mal werden neben den Kühen auch Schafe oder Ziegen zur Überwinterung ins Tal getrieben, und in Tirol und Pinzgau treibt man sogar die blonden Haflinger-Pferde ins Tal. Einer der größten Schaf-Almabtriebe ist der Tarrenzer Schafschied bei Imst in Tirol, bei dem rund 1.000 Schafe und ihre Lämmer von den Almwiesen ins Tal kommen.

Im Berchtesgadener Land heißen die schmückenden Gestänge „Fuikeln“ (kugelförmige Kronen), ein Beispiel dafür, wie tief der Brauch regional verwurzelt ist und eigene Begriffe hervorgebracht hat.

Auch beim Glockenklang kennen Kenner den Unterschied: Schellen werden aus Blech geschmiedet, ausgehämmert und gestanzt, während Glocken rund gegossen werden und heller klingen, fast wie Kirchenglocken. Schellen sind für das Jungvieh, Glocken für die Kühe.

Bedeutung heute

Die Frage, ob der ursprüngliche Tierschmuck ein vorchristlicher Schutzzauber gewesen sei, wird in der Wissenschaft heute differenzierter betrachtet. Die Tatsache, dass in vielen Orten nur ausgewählte Tiere geschmückt wurden und beim Auftreten von Verlusten gänzlich ungeschmückt heimgefahren wurde, spricht eher gegen eine apotropäische Deutung (abwehren von Unglück, Dämonen) im engeren Sinne.

Was bleibt, ist ein Brauch, der vieles auf einmal ist: Dankbarkeit für einen guten Sommer, Abschluss einer harten Arbeitssaison, soziales Ereignis und bäuerliches Fest. In Tirol allein finden am Ende der Almsaison über 40 größere und zahlreiche kleinere Almabtriebe statt. Die Veranstaltungen ziehen heute Tausende Besucher an. Einheimische und Touristen stehen gemeinsam am Straßenrand.

Dass dabei auch der Tourismusdruck steigt und manche Orte den Brauch stärker für das Publikum inszenieren als andere, ist eine Spannung, die im Alpenraum offen diskutiert wird. Aber selbst wo das Festzelt nebenan aufgebaut ist: Die Kühe mit ihren schweren Glocken ziehen ins Tal, und das Brauchtum lebt.

Apfelorakel

Das Apfelorakel war eines der beliebtesten Liebesorakel der Andreasnacht – und eine der ältesten Verbindungen zwischen einer schlichten Frucht und der Sehnsucht nach dem, was noch kommen mag.

Das Apfelorakel ist ein Heirats- und Liebesorakel, das in der Andreasnacht (Nacht auf den 30. November) praktiziert wurde. Es gibt davon mehrere Varianten – gemeinsam ist ihnen der Apfel als Mittler zwischen dem Mädchen und seinem unbekannten Zukünftigen.

Wer Genaueres über seinen künftigen Partner erfahren wollte, versuchte es mit dem weit verbreiteten Apfelorakel: Hierzu wurde ein Apfel so geschält, dass die Schale ein unzerschnittenes, langes Band bildete. Dieses wurde anschließend nach hinten über die linke Schulter geworfen. Aus der Lage der Apfelschale konnte dann mit etwas Phantasie der Anfangsbuchstabe des Zukünftigen erahnt werden.

Das Entscheidende lag im Werfen – und im Deuten. Die Schale durfte dabei nicht reißen. Die Schale wirft das Mädchen mit der rechten Hand über die linke Schulter rückwärts über den Kopf: Es ersieht dann aus der Figur der Schale den Anfangsbuchstaben des künftigen Geliebten.

Die Varianten des Apfelorakels

Das Apfelorakel war kein einheitlicher Brauch – es gab davon mehrere Spielformen, die je nach Region und Gelegenheit unterschiedlich praktiziert wurden.

  • Die Apfelschale
    Die weitaus bekannteste Form, wie oben beschrieben: Schälen, werfen, deuten.
  • Die Apfelhälfte unter dem Kopfkissen
    Ein Mädchen erbat sich in der Andreasnacht von einer Witwe einen Apfel, teilte ihn schweigend in zwei Hälften, aß die eine davon und legte die andere unter das Kopfkissen, um den Zukünftigen im Traum zu sehen.
  • Drei Namen auf drei Äpfeln
    Kannte eine Frau drei Heiratskandidaten und konnte sich nicht für einen entscheiden, schrieb sie in der Andreasnacht die drei Namen getrennt auf drei Äpfel und legte die Früchte unters Kopfkissen. Von welchem sie dann träumte – der war der Richtige.
  • Apfelkerne ins Feuer
    Während ein Mädchen den Namen des Angebeteten murmelte, warf sie Apfelkerne ins Feuer. Platzten in der Hitze die Kerne hörbar, durfte sie auf Gegenliebe hoffen – verbrannten diese ohne Geräusch, konnte sie sicher sein, dass ihr die kalte Schulter gezeigt wurde.

Warum ausgerechnet der Apfel?

Der Apfel ist keine zufällig gewählte Frucht. Er ist eine der symbolisch aufgeladensten Früchte des europäischen Kulturraums überhaupt.

Als Sinnbild der Fruchtbarkeit und Liebe galt der Apfel im Altertum – und ebenso als verbotene Frucht im Paradies, damit als Symbol der Erbsünde und der Sinneslust. Dass ausgerechnet die Frucht, mit der Liebe, Verführung und Lebenskraft verbunden wurden, im Liebesorakel zum Einsatz kam, ist kein Zufall.

Wilde beziehungsweise verwilderte Apfelbäume waren schon zu Tacitus‘ Zeiten in Germanien einheimisch. Um den Apfelbaum haben sich heidnische Gebräuche früh gewoben, und auch die hohe Bedeutung des Apfels in der germanischen Mythologie bestätigt das.

Da das Teilen eines Apfels als Zeichen der Liebe gilt, teilt das ledige Mädchen einen Apfel, den sie sich von einer Witwe erbettelt hat. Das Teilen eines Apfels mit jemandem war also – lange vor dem Orakel – schon selbst eine Geste der Zuneigung. Das Orakel machte daraus ein Ritual.

In der Andreasnacht – und darüber hinaus

Das Apfelorakel war kein reiner Andreastags-Brauch. Die Schale konnte das Mädchen an dem Andreas-, Christ– oder Sylvesterabend abschälen – das Orakel funktionierte an all diesen Lostagen (Losnächten). Der Andreastag war jedoch der bevorzugte Termin, da er als erste große Losnacht des Jahres galt und damit besondere Weissagungskraft zugeschrieben bekam.

Bedeutung heute

Das Apfelorakel ist heute kaum noch lebendig – jedenfalls nicht als ernsthaft gemeintes Brauchtum. Als Spielform zu Silvester oder in pädagogischen Brauchtumsprojekten taucht die Apfelschalen-Variante gelegentlich noch auf.

Was bleibt, ist die Geschichte hinter dem Brauch: die Frage junger Frauen nach ihrer Zukunft, der Versuch, etwas Ungewisses in eine Form zu bringen – und sei es eine zufällig gefallene Apfelschale. Darin liegt eine tiefe, sehr menschliche Logik. Man weiß, dass der Buchstabe Zufall ist. Aber man schaut trotzdem hin.

Dirndlgwandlsonntag

Erstmals in Niederösterreich im Jahr 2009 einen Dirndlgwandlsonntag rund um den 13. September (2. Sonntag im Spetember) aus. Es sollte als Zeichen der Gemeinsamkeit die Tracht (eben im Dirndl und in Lederhose oder Trachtenanzug)zum Kirchgang angezogen werden. Die Aktion war so erfolgreich, dass sie sich schrittweise auf immer mehr Regionen in Österreich ausbreitet.

Als Tag wurde bewusst die Heilige Notburga ausgewählt, die sie als Patronin der Dienstmägde und der Landwirtschaft verehrt wird. In zahlreichen Bundesländern gilt sie auch als Patronin der Trachtenträger und -förderer.

Erntedank

Erntedank ist ein kirchliches Fest im Herbst, bei dem für die Ernte des Jahres gedankt wird. Die Feierlichkeiten finden in den Pfarren zu unterschiedlichen Terminen statt, meist an einem Sonntag zwischen Ende September (Michaelitag am 29. September) und Mitte Oktober. Häufig wird Erntedank jedoch am ersten Sonntag im Oktober begangen.

Typischerweise beginnt das Fest mit einer feierlichen Prozession zur Kirche. Dabei werden eine kunstvoll gestaltete Erntekrone sowie Erntegaben wie Brot, Eier, Honig, Wein, Blumen und verschiedene Feld- und Gartenfrüchte mitgeführt und gesegnet. Am Festzug beteiligen sich oft Musikkapellen, Kindergartenkinder, SchülerInnen, MinistrantInnen, Trachtengruppen, die Landjugend sowie die Bauern- und Jägerschaft. Viele Menschen bringen Körbe mit Obst, Gemüse oder Brot zur Segnung mit. Manchmal wird das Erntedankfest durch Frühschoppen, Pfarrfeste oder Kirtage zu einem großen Ereignis. Im Salzburger Raum wird gerne ein Stück Brot als Zeichen des Danks nach der Festmesse verteilt.

Das heutige kirchliche Erntedankfest hat seine Wurzeln in einem weltlichen Brauch des bäuerlichen Arbeitslebens, den die Kirche im 18. Jahrhundert übernahm.

Gansl Essen

Das traditionelle Gänseessen am Martinstag hat mehrere Erklärungsansätze und Legenden. Historisch wurde die Lehnspflicht vom Vasallen an seinen Lehnsherrn am Martinstag (11. November) fällig, und diese Abgabe war häufig eine Gans, die als Festessen diente. Eine Legende aus dem 16. Jahrhundert besagt, dass Martin von Tours sich vor der Ernennung zum Bischof in einem Gänsestall versteckte, weil er sich für unwürdig hielt. Durch ihr lautes Schnattern verrieten die Gänse ihn.

An den heiligen Martin erinnert ab auch eine Prozession, welche gerne mit Kindern gefeiert wird.

Liachtbratlmontag

Der Liachtbratlmontag fällt auf den ersten Montag nach dem Michaelistag, dem 29. September. An diesem Tag durften Handwerker in früheren Zeiten erstmals im Herbst wieder Kerzen oder Unschlittlampen in der Werkstatt anzünden, um bei der Arbeit genug Licht zu haben. Mit dem Ende des Sommers, wenn die Tage spürbar kürzer werden, war das Tageslicht einfach nicht mehr ausreichend. Das künstliche Licht musste her, und dieser Moment bekam seinen eigenen Feiertag.

Der dazugehörige Volksspruch bringt es kurz und bündig auf den Punkt:

Der Michel zündt’s Licht an.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

In den langen Sommertagen wurde möglichst im Freien oder ganz ohne Lichtquellen gearbeitet, schlicht um Geld zu sparen. Vom so Ersparten stiftete der Meister oder Betriebsherr seiner Belegschaft einen Braten, dazu gab es Bier oder Wein.

Was heute wie eine nette Geste klingt, war damals ein echtes Ereignis. Da das Essen von Fleisch zu früheren Zeiten nur an Sonn- und Feiertagen oder zu besonderen Anlässen üblich, finanzierbar oder im Feudalismus sogar erlaubt war, stach dieser Brauch deutlich aus dem Alltagseinerlei hervor. Kein Wunder also, dass er von den Gesellen gerne eingefordert und weitergegeben wurde.

Wann das Brauchtum genau begonnen hat, lässt sich nicht exakt bestimmen. Neben dem Begriff Liachtbratlmontag gibt es auch die Bezeichnungen distelblauer Montag, lichtblauer Montag oder schlicht Lichtbratelmontar nach Michaeli:

Der Michaelistag selbst hatte im bäuerlichen und handwerklichen Leben noch eine weitere Bedeutung: Er war neben anderen Terminen im Jahreskalender ein üblicher und teils vorgeschriebener Termin für die Kündigung und Neuaufnahme von Dienstverhältnissen, etwa von Knechten, Mägden und Dienstboten. Der Liachtbratlmontag markierte also nicht nur den Beginn der Lichtsaison, sondern fiel in eine Zeit des Übergangs und der Neuordnung.

Regionale Ausprägungen

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Brauch noch in größeren Teilen Österreichs bekannt, eine Publikation von 1928 erwähnt ihn sogar in einigen Bezirken Wiens, allerdings bereits damals auf dem Rückzug. Im 21. Jahrhundert hat er sich vor allem im oberösterreichischen Salzkammergut und im Land Salzburg erhalten.

Eine besondere Stellung nimmt heute Bad Ischl im Salzkammergut ein. In Bad Ischl hat sich aus dem alten Handwerksbrauch ein eigener Feiertag für Altersjubilare entwickelt: Die 50er, 60er, 70er, 80er, 90er und 100er werden in einem Festzug geehrt und ziehen durch die Ischler Innenstadt. Der Liachtbratlmontag in Bad Ischl wurde 2013 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Das unterstreicht, dass es sich nicht um bloße Folklore handelt, sondern um einen lebendigen Brauch mit echter gesellschaftlicher Funktion.

Im Salzburger Land wird der Brauch unter anderem auf der Rettenegghütte auf der Postalm zelebriert, traditionell am Michaelistag selbst, oder am darauffolgenden Montag wenn der 29. September kein Montag ist. Dort ist es außerdem Brauch, dass Gäste mit Hut ein Nagei, ein kleines Blumengesteck, erhalten.

Bedeutung heute

Was einmal die schlichte wirtschaftliche Notwendigkeit war, Lichtkosten im Sommer zu sparen, ist heute ein Anlass für Gemeinschaft und Erinnerung. Der Liachtbratlmontag erinnert daran, dass das Handwerk früher ganz unmittelbar mit den Jahreszeiten und dem natürlichen Licht lebte, und dass selbst kleine Einschnitte im Alltag feiernswert waren. In Bad Ischl hat der Brauch eine zweite, ganz eigene Bedeutungsschicht bekommen: die Ehrung des Alters und des gelebten Lebens.

Martinsumzug

Der Sankt-Martins-Tag geht zurück auf Martin von Tours, der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebte. Er war der dritte Bischof von Tours und ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Der heilige Martin ist er für seine Nächstenliebe und Barmherzigkeit bekannt. Viele Lieder, Geschichten und Gemälde erzählen davon, wie er einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gab.

Ein zentrales Element des Sankt-Martins-Tages ist der Laternenumzug, der auf die Lichterprozession zurückgeht, die am 11. November 397 die Überführung von Martins Leichnam per Boot nach Tours begleitete. Kinder ziehen mit selbstgebastelten Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder. Manchmal wird der Umzug von einem Reiter in rotem Mantel auf einem weißen Pferd angeführt, der die Mantelteilung nachstellt.

Der Laternenumzug ist ein besonderes Highlight des Sankt-Martins-Tages. Kinder basteln in den Wochen vor dem Fest bunte Laternen, die sie stolz bei den Umzügen tragen. Diese Laternen sind oft kunstvoll gestaltet und leuchten in den verschiedensten Farben. Während des Umzugs singen die Kinder traditionelle Martinslieder wie “Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne” und „Ich geh mit meiner Laterne“.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Mit Lichtern hell sind wir zur Stell,
rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Mein Licht ist schön, könnt Ihr es sehn?
Rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Ich trag mein Licht, ich fürcht mich nicht!
Rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Mein Licht brennt aus, wir gehn nach Haus.
Rabimmel, rabammel, rabum

Volkslied

Ein weiterer Höhepunkt des Umzugs ist die Darstellung der Mantelteilung. Ein Reiter, der den heiligen Martin darstellt, teilt symbolisch seinen Mantel mit einem Bettler. Diese Szene erinnert an die berühmte Legende und vermittelt den Kindern die Werte der Nächstenliebe und Barmherzigkeit.

Der Sankt-Martins-Umzug ist ein beliebtes Ereignis in vielen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die Umzüge finden meist am 11. November oder an den Tagen davor oder danach statt. Neben den Laternenumzügen gibt es oft auch Martinsfeuer oder eine Martinigans, bei denen Kinder und Erwachsene zusammenkommen, um die Geschichte des heiligen Martin zu feiern und sich an seiner Nächstenliebe zu erinnern.

Prangerstutzen

Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.

Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.

Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.

Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.

Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen

Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022

Sankt Kathrein stellt den Tanz ein

Der Merkspruch „Sankt Kathrein stellt den Tanz ein“ zeigt somit an, dass nun eine Zeit des Fastens und der Einkehr beginnt. Darum wird an diesem Tag ein letzter Tanzabend veranstaltet. Heimat- oder Trachtenvereine laden zu traditionellen Volkstänzen ein um noch einmal vor der Fastenzeit ausgelassen zu feiern.

Dieser Brauch in den deutschsprachigen Alpenländern gepflegt. Hier gibt es drei bekannte Kathreintänze

  • Wiener Kathreintanz
  • Münchner Kathreintanz
  • Meraner Kathreintanz

Dies sind aber nur die bekanntesten, denn es gibt in vielen Orten im Alpenvorland diese Tanzveranstaltung. Die Kleiderordnung bei den Kathreintänzen ist natürlich Tracht!