Prangerstutzen

Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.

Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.

Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.

Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.

Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen

Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022

Rieder Volksfest

Ende August, wenn andernorts der Sommer schon leiser wird, beginnt im oberösterreichischen Ried im Innkreis das, was die Region selbst gerne als ihre eigene fünfte Jahreszeit bezeichnet: das Rieder Volksfest. Bewusst trägt der Brauch nicht den Namen „Oktoberfest“ – auch wenn die Grundidee ähnlich ist –, sondern hat sich unter eigenem Namen zur größten und traditionsreichsten Massenveranstaltung des Innviertels entwickelt.

Die Wurzeln reichen erstaunlich weit zurück: Am 6. bis 8. Oktober 1867 fand auf der Dechantwiese in Ried das „Erste landwirtschaftliche Ausstellungsfest“ statt – die Idee dazu hatte der örtliche Druckereibesitzer Josef Kränzl ein Jahr zuvor vorgeschlagen, „statt dem Pferderennen … auf nützlichere Belustigungen zu denken“. Gezeigt wurden Hornvieh, Schweine, Schafe, Wild, Hunde und Federvieh ebenso wie landwirtschaftliche Erzeugnisse, Obst und Gartenfrüchte. Schon das zweite Fest 1868 zählte über drei Tage rund 20.000 Besucherinnen und Besucher, und mit dem Bahnanschluss der Strecke Neumarkt–Ried–Braunau stieg die Zahl 1871 auf 24.000. Weil der ursprüngliche Festplatz zu klein wurde, zog die Veranstaltung 1895 nach Ried um.

Aus der landwirtschaftlichen Leistungsschau wurde im 20. Jahrhundert eine feste Institution: 1953 erfolgte die Umbenennung zur „Österreichischen Landwirtschaftsmesse“, 1967 feierte man mit Bundespräsident Franz Jonas und rund 1.300 Ausstellern das 100-jährige Bestehen, und 1985 kamen mit 1,15 Millionen Besuchern über neun Tage so viele Menschen wie nie zuvor. Beim 150-Jahr-Jubiläum 2017 gehörte sogar ein olympisches Feuer zum Programm. Heute ruht die Rieder Messe auf vier tragenden Säulen – Landwirtschaftsmesse, Nutztierschau „Austro Tier“, Herbstmesse und eben das eigentliche Volksfest –, wobei Letzteres mit Fahrgeschäften, Festzelten, Weinhallen und freiem Eintritt bis heute den geselligen, ungezwungenen Kern der Veranstaltung bildet, während drumherum weiterhin echtes bäuerliches Ausstellungswesen stattfindet.

Sankt Kathrein stellt den Tanz ein

Am letzten Samstag vor dem 25. November füllen sich in vielen Alpenorten noch einmal die Tanzböden, bevor für Wochen Stille einkehrt. Der Kathreintanz gilt als letzter Tanz des Jahres, danach beginnt traditionell eine tanzfreie Zeit bis zum Jahreswechsel. Ihren Namen verdankt die Tanznacht der heiligen Katharina von Alexandrien: Ihr Gedenktag am 25. November zählt zu den letzten kirchlichen Festtagen vor der besinnlichen Adventszeit.

Herkunft: Kathrein stellt den Tanz ein

Grund für den plötzlichen Stopp ist der Advent: Die katholische Kirche behandelte ihn jahrhundertelang wie eine zweite, kleinere Fastenzeit – eine „geschlossene Zeit“, in der weltliche Vergnügungen wie öffentliche Bälle nicht erwünscht waren. Zwischen dem Kathreintag und dem Dreikönigstag ruhten deshalb Musik und Tanz in den Gemeinden; im Volksmund hieß es bildhaft, Bass und Geigen würden für diese Wochen weggesperrt. Genau dieses abrupte Ende hat sich im Spruch „Kathrein stellt den Tanz ein“ bis heute erhalten: Wer sich vor der stillen Zeit noch einmal auf dem Parkett austoben wollte, tat das am Vorabend oder direkt am Kathreintag selbst.

Verbreitung und heutige Praxis

Verbreitet ist der Kathreintanz bis heute in den deutschsprachigen Alpenländern und im fränkischen Raum. Als tatsächliches Verbot mit rechtlicher Wirkung ist die alte Regelung inzwischen so gut wie verschwunden – übrig geblieben ist sie nur noch an den stillen Tagen des Jahres. Als gesellschaftliches Ritual pflegen aber nach wie vor zahlreiche Heimat-, Trachten- und Volksmusikvereine den Kathreintanz als festen Termin im Vereinskalender, bei dem alpenländische Rundtänze wie Walzer, Polka, Boarischer, Zwiefacher und Dreher das Programm bestimmen.

Zu den bekanntesten Veranstaltungen zählt der Wiener Kathreintanz, der seit 2011 im Palais Ferstel stattfindet und mit rund tausend Teilnehmenden zu den größeren Terminen im Trachten- und Volkstanzkalender gehört, dort verbinden sich österreichische Volkstänze mit beliebten Rundtänzen für alle. Auch München veranstaltet, organisiert vom städtischen Kulturreferat, einen traditionsreichen Kathreintanz im Hofbräuhaus, bei dem etablierte Tanzgruppen ebenso mitwirken wie einzelne Gäste. In Meran im Südtiroler Kurhaus schließt der Kathreintanz die dortige Tanzsaison ebenfalls feierlich ab.

So ist der Kathreintanz heute weniger ein tatsächliches Innehalten vor einer strengen Fastenzeit als vielmehr ein bewusst gepflegtes Ritual: ein letztes, ausgelassenes Fest, bevor mit dem Advent eine ruhigere, besinnlichere Zeit beginnt.

Schuhorakel

Das Schuh-Orakel ist ein Losorakel, das im Rahmen der sogenannten Andreasnacht praktiziert wurde. Die Schuhe der Mädchen wurden geworfen mit dem Spruch:

Schuah aus, Schuah ein,
wo wer i übers Johr sein?

Wenn die Schuhspitze ins Zimmer schaute, blieb das Mädchen im Haus – wenn der Schuh hinauszeigt, würde es heiraten.

Die Andreasnacht ist die Nacht zum 30. November, dem Todestag des hl. Andreas. Nach altem Volksglauben ist diese Nacht als sogenannte Losnacht besonders dazu geeignet, den gewünschten künftigen Ehepartner zu erkennen – weil der hl. Andreas nicht nur Schutzheiliger der Fischer, sondern auch der Liebenden und des Ehestandes ist.

Das Schuh-Orakel steht in einer langen europäischen Tradition der Bewegungsorakel: Die Richtung, in die ein zufällig geworfener Gegenstand zeigt, gilt als Zeichen. Der Schuh als Symbol ist dabei kein Zufall – er steht für Fortbewegung, für Aufbruch, für den Weg ins Leben. Schuhspitze hinaus bedeutet: Du gehst. Schuhspitze hinein bedeutet: Du bleibst.

Schwendtag

Der Schwendtag war der traditionell festgelegte Gemeinschaftstag, an dem Bäuerinnen und Bauern, Nachbarn und Knechte gemeinsam ausrückten, um die Arbeit des „Schwendens“ zu erledigen. Kein einzelner hätte das allein geschafft.

Als fester Gemeinschaftstag war der Schwendtag in vielen Talgemeinden des Salzkammerguts, der Steiermark, Tirols und Salzburgs bekannt. Er war häufig in die sogenannte Nachbarschaftshilfe (auch „Nachbarschaft“ oder „Gmoa-Arbeit„) eingebettet – ein altes System gegenseitiger Verpflichtung, das in ländlichen Alpengemeinden das soziale Miteinander regelte.

Die genauen Termine richteten sich nach dem Kalender, nach Erfahrung und nach dem Wetter – oft lagen sie im späten Frühjahr oder Frühsommer, bevor die Almwirtschaft in vollem Gange war.

Ein Schwendtag war keine romantische Landpartie, sondern harte körperliche Arbeit. Typischerweise war es früher so aufgeteilt:

  • Früher Aufbruch
    Die Arbeit begann in den Morgenstunden, oft nach dem ersten Gebet oder der Frühmesse. Werkzeug wurde mitgebracht: Sensen, Sicheln, Schlegeln, Äxte, Rechen.
  • Gemeinschaftliche Einteilung
    Wer welche Fläche übernimmt, war oft durch alte Gemeinderechte oder mündliche Absprachen geregelt. In manchen Gemeinden gab es einen sogenannten Weidevogt oder Almbauern, der die Arbeit koordinierte.
  • Das Verbrennen des Schnittguts
    Abgeschnittener Adlerfarn, Farnkraut und Strauchwerk wurden zu Haufen zusammengerecht und – wenn Witterung und Brauch es erlaubten – verbrannt. In manchen Gegenden galt das Feuer dabei auch als reinigendes Element.
  • Das gemeinschaftliche Essen
    Kein Schwendtag ohne Vesper. Die Bäuerinnen brachten Brot, Speck, Käse und Most. Wer eine größere Fläche zu bieten hatte, lud die Helfer zum Festessen ein – ähnlich wie beim Dreschen oder beim Hausbau.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land und im Salzkammergut ist das Schwenden heute noch bekannt, vor allem im Zusammenhang mit dem Erhalt der typischen Streuwiesen und Almweiden, die unter Naturschutz stehen.

In Tirol und der Steiermark lebte der Schwendtag besonders auf Almen fort, wo die Weidegemeinschaften (Agrargemeinschaften) gemeinsam für die Pflege der Flächen zuständig waren und es sind.

In Bayern, besonders im Chiemgau und Berchtesgadener Land, ist der Begriff weniger geläufig, das Prinzip jedoch dasselbe – unter anderen Namen wie „Almputzen“ oder „Weideräumen“.

Bedeutung heute

Der Schwendtag erlebt gerade eine stille Renaissance – allerdings aus einem anderen Grund als früher. Wo er einst wirtschaftliche Notwendigkeit war, ist er heute oft ein Akt des Naturschutzes. Viele Almwiesen und Streuwiesen im Alpenraum sind wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere – aber nur, wenn sie offen gehalten werden. Dies geschah früher durch das Beweiden der Flächen durch Kühe, Schafe, Pferde oder Zeigen. Da dies heute oft unrentabel ist, muss es mit Hand gemacht werden, um die Verbuschung der offenen Almflächen zu verhindern.

Gemeinden, Naturschutzvereine, Almbauern und freiwillige Helfer organisieren heute Schwend- oder Pflegetage, um überalterte Böschungen, verbrachte Weidehänge und verfilzte Randstreifen zu pflegen. Was früher Pflicht war, ist heute freiwilliges Engagement – und genau deshalb auch Zeichen einer lebendigen Beziehung zur Landschaft.

Der soziale Aspekt ist dabei geblieben: gemeinsam anpacken, gemeinsam essen, gemeinsam über das Land reden.