Blasiussegen

Am Ende eines Gottesdienstes lädt der Pfarrer zum Blasiussegen ein. Die Gläubigen stellen sich dazu auf, wie zum Empfang der Heiligen Kommunion. Der Priester hält dann jedem Einzelnen zwei gekreuzte brennende Kerzen an den Hals und spricht die Segensformel.

Auf die Fürsprache des heiligen Blasius
bewahre dich der Herr vor
Halskrankheit und allem Bösen.

Es segne dich Gott,
der Vater und
der Sohn und
der Heilige Geist.

Der Heilige Blasius und die Legende hinter dem Brauch

Der heilige Blasius von Sebaste war Bischof und zählt in der katholischen Tradition zu den Vierzehn Nothelfern. Er soll laut Legende einem Kind, das an einer Fischgräte zu ersticken drohte, durch seinen Segen geholfen haben. Auf diese Erzählung geht seine Verehrung als Schutzpatron bei Halsleiden zurück. Blasius erlitt wahrscheinlich unter Diokletian den Märtyrertod, vermutlich im Jahr 313 oder 283. Die genauen Jahreszahlen sind unsicher und die historischen Quellen zur Person des Blasius sind dünn.

Neben seiner Funktion als Patron gegen Halsleiden wird er auch als Schutzheiliger der Blasmusikanten, Weber, Tiere und Ärzte verehrt.

Herkunft und Geschichte des Brauchs

Zunächst berührte man am Gedenktag des heiligen Blasius, am 3. Februar, den Hals mit gesegneten Kerzen. Der christliche Arzt Aëtios von Amida empfahl den Blasiussegen bereits im 6. Jahrhundert als Heilmittel gegen verschluckte Fischgräten. Seit dem 17. Jahrhundert ist der heutige Brauch der Segnung zwischen zwei brennenden Kerzen bezeugt.

Ein erstes Segensgebet ist für das 7. Jahrhundert überliefert. Segnungen am Blasiustag, darunter auch Wasser, Brot, Wein und Früchte, entstanden wie der heute noch übliche Blasiussegen im 16. Jahrhundert.

Die gekreuzten Kerzen

Das auffälligste Element des Blasiussegens sind die beiden Kerzen, die der Priester in Form eines Andreaskreuzes vor Hals und Gesicht des Gläubigen hält. Woher genau dieser Brauch stammt, ist nicht eindeutig belegt. Eine mögliche Erklärung ist, dass Blasius während des Grätenwunders im Gefängnis war. Die Kerzen, durch die der Segen gespendet wird, könnten diese Gitter symbolisieren und damit zeigen, dass das Gebet durch alle Gitter dieser Welt hindurch kommen kann. Das ist eine schöne, aber volkstheologische Deutung, keine gesicherte historische Herleitung.

Früher wurden die Kerzen auf Höhe des Halses gehalten. Inzwischen ist das Halten über dem Kopf des Gläubigen gebräuchlicher.

Wann wird der Segen gespendet?

Der Blasiussegen wird traditionell am Namenstag des heiligen Blasius, am 3. Februar, am Tag zuvor oder auch in vielen Gemeinden am Sonntag danach erteilt. Brauchwiki

Er findet einen Tag nach dem Fest der Darstellung des Herrn statt, das 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, gefeiert wird. Beide Tage verbindet die besondere Bedeutung der Kerzen, denn an diesem auch Mariä Lichtmess genannten Fest werden die Kerzen für das begonnene Jahr gesegnet.

Bedeutung heute

Der Blasiussegen wird jedem einzeln gespendet, weil es um die persönliche Zusage der Nähe Gottes geht. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Segnungen, die ganze Gruppen auf einmal betreffen. Genau das macht ihn für viele Menschen besonders: Man steht einzeln vor dem Priester, die Kerzen leuchten, und für einen Moment gehört der Segen nur einem selbst.

Das deutschsprachige Benediktionale von 1978 bindet den Blasiussegen in die Messe oder einen Wortgottesdienst ein, um ein magisches Missverständnis zu unterbinden. Der Empfänger soll sich in die Heilszusage Gottes und in seine Fürsorglichkeit eingebunden erfahren.

Wer regelmäßig am Blasiussegen teilnimmt, tut das selten aus Aberglauben. Es ist Gewohnheit, Kindheitserinnerung, Gemeinschaft. Und vielleicht auch der schlichte Wunsch, das neue Jahr gesund zu beginnen.

Gansl Essen

Das traditionelle Gänseessen am Martinstag hat mehrere Erklärungsansätze und Legenden. Historisch wurde die Lehnspflicht vom Vasallen an seinen Lehnsherrn am Martinstag (11. November) fällig, und diese Abgabe war häufig eine Gans, die als Festessen diente. Eine Legende aus dem 16. Jahrhundert besagt, dass Martin von Tours sich vor der Ernennung zum Bischof in einem Gänsestall versteckte, weil er sich für unwürdig hielt. Durch ihr lautes Schnattern verrieten die Gänse ihn.

An den heiligen Martin erinnert ab auch eine Prozession, welche gerne mit Kindern gefeiert wird.

Herz Jesu Feuer

Die Herz-Jesu-Feuer sind Bergfeuer, die jedes Jahr am zweiten Sonntag nach dem Fronleichnamsfest, also am dritten Samstag oder Sonntag nach Pfingsten, in ganz Tirol entzündet werden. Sie stehen im Zusammenhang mit der sogenannten Herz-Jesu-Verehrung, einem zentralen Element der tief verwurzelten Volksreligiosität in dieser Region. Die Feuer gelten als sichtbares Zeichen eines historischen Gelöbnisses, das das Land Tirol im Jahr 1796 abgelegt hat. Heute werden sie in allen Teilen des historischen Tirol gepflegt, von Nord- und Osttirol über Südtirol bis ins Trentino und in einzelne ladinische Gemeinden.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Vorchristliche Wurzeln: Das Feuer gehörte zum Berg

Der Brauch, im Frühsommer auf den Bergen Feuer zu entzünden, geht auf vorchristliche Sonnwend- und Johannisfeuer zurück. In den Alpen war die Sommersonnenwende ein wichtiger Zeitpunkt im bäuerlichen Jahr. Die Sonne war unter den extremen Lebensbedingungen im Alpenraum entscheidend für Wachstum und Gedeihen von Natur und Mensch. Besonders wichtig im Lebensrhythmus waren die Sonnenwenden, die unter anderem durch das Entzünden großer Feuer gefeiert wurden. Mit dem Einzug des Christentums wandelten sich diese Brauchformen: Die Sonnwendfeuer wurden zum Johannisfeuer, dem Fest Johannes des Täufers am 24. Juni. Das Feuer auf dem Berg blieb, der Name und die Bedeutung änderten sich.

Das Gelöbnis von 1796

Der entscheidende Wendepunkt kommt aus einer konkreten historischen Notlage. Im Frühjahr 1796 traf der Krieg gegen Napoleon das Land Tirol vollkommen überraschend und unvorbereitet. Die Tiroler verfügten zwar über das Privileg, das Kaiser Maximilian I. im „Landlibell“ festgesetzt hatte, nämlich an keinen Kriegen außerhalb des Landes teilnehmen zu müssen, dafür aber die eigene Landesverteidigung selbst zu organisieren. Dieses Privileg hatte über Generationen gut funktioniert, doch nun stand Napoleons Heer vor der Tür.

Vom 30. Mai bis 1. Juli 1796 trat ein 24-köpfiger Ausschuss der Tiroler Landstände in Bozen zusammen, um über die Situation zu beraten. Dort erhob sich eine Stimme mit einem ungewöhnlichen Vorschlag: Es war ursprünglich die Idee des Pfarrers Anton Paufler aus Wildermieming, die der Stamser Abt Sebastian Stöckl aufgriff und dem Tiroler Landtag vorschlug, das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ anzuvertrauen, um so göttlichen Beistand zu erhalten. Dieser Vorschlag wurde von den Ausschussmitgliedern einstimmig angenommen. Das Gelöbnis sollte jährlich erneuert werden. Als Festtag wurde der zweite Freitag nach Fronleichnam festgelegt.

Andreas Hofer und der Sieg am Bergisel

Andreas Hofer erneuerte das Gelöbnis vor der Schlacht am Bergisel 1809 gegen die Franzosen und Bayern als einigendes Band unter den Tirolern. Hofers Truppen siegten, und dies machte den Herz-Jesu-Sonntag zum hohen Feiertag. Aus einem Notgelöbnis in einer Kriegssituation war damit ein fester Bestandteil der tirolerischen Identität geworden.

Die Feuer kommen später dazu

Ein wichtiger Hinweis für alle, die meinen, die Bergfeuer seien von Anfang an Teil des Brauchs gewesen: Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert werden auf den Bergen Tirols Herz-Jesu-Feuer als Zeichen der Erneuerung des Gelöbnisses von 1796 entzündet. Das Gelöbnis selbst ist also deutlich älter als die Feuerpraxis, die wir heute kennen. Damals nutzte man Bergfeuer als Signalmittel, um den Landsturm einzuberufen. Diese Signalfeuer hatten aber auch etwas Überirdisches an sich, sodass sie anlässlich des Herz-Jesu-Festtags entzündet wurden und die Sonnwendfeuer dabei zunehmend in den Hintergrund traten.

Ablauf und typische Elemente

Der Herz-Jesu-Sonntag

Der Festtag beginnt mit einem feierlichen Gottesdienst. Die Tiroler Landesregierung erneuert das Gelöbnis jedes Jahr bei einem Landesgelöbnisgottesdienst in der Jesuitenkirche in Innsbruck. Dabei wird das Gebet zur Gelöbniserneuerung gesprochen und ein Lied gesungen, das erstmals bei der 100-Jahrfeier 1896 erklang.

Die Feuer auf den Bergen

Am Abend des Herz-Jesu-Sonntags beginnt das eigentliche Spektakel. Freiwillige, häufig organisiert durch Bergsteiger- und Schützenvereine, tragen Holz, Laternen und Brennmittel auf die Berghänge und Gipfel. Die Feuer werden in Form von Herzen, Kreuzen oder den Zeichen Christi, also „INRI“ oder „IHS“, angeordnet. In Innsbruck und Umgebung werden sie auf den höchsten Berggipfeln entzündet. Einige Gruppen verbringen die Nacht auf den Bergen, damit die Feuer sicher abbrennen.

Ein dunkles Kapitel: Die Feuernacht 1961

Dieser Abschnitt gehört zur ehrlichen Darstellung des Brauchs. Am Herz-Jesu-Festtag 1961 sprengten Aktivisten des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) im Rahmen der sogenannten „Feuernacht“ 37 Strommasten in Südtirol. Die Wahl dieses symbolisch hoch aufgeladenen Datums war bewusst und zeigt, wie eng religiöse Symbole und politische Identität in der Südtiroler Geschichte verknüpft waren. Der Brauch wurde damit instrumentalisiert. Diese Dimension sollte nicht verschwiegen werden, wenn man über die Herz-Jesu-Feuer schreibt.

Bedeutung heute

Aus dem ursprünglich religiösen Gedanken ist heute ein Brauchtum geworden, das auch touristisch vermarktet wird. Das klingt nüchtern, beschreibt aber eine Entwicklung, die viele traditionsreiche Bräuche durchmachen. Für die meisten Tiroler sind die Herz-Jesu-Feuer beides: ein Stück kollektiver Erinnerung und ein Gemeinschaftserlebnis. Wer auf einer sommerlichen Hüttenwanderung erlebt, wie nach Einbruch der Dunkelheit an den gegenüberliegenden Hängen die Feuer aufflackern, begreift ohne lange Erklärungen, warum dieser Brauch seit über 200 Jahren lebt.

Herz Jesu Sonntag

Der Herz-Jesu-Sonntag ist der dritte Sonntag nach Pfingsten und in Tirol ein hoher Festtag: An ihm erneuern Land, Kirche und Schützen jährlich ein Gelöbnis, mit dem sich Tirol 1796 in höchster Not dem Schutz des Heiligsten Herzens Jesu anvertraute. Am Vorabend und am Festtag selbst brennen auf zahlreichen Bergen die sogenannten Herz-Jesu-Feuer – dieser Feuerbrauch hat sich jedoch als eigenständige Tradition entwickelt und wird an anderer Stelle ausführlich behandelt. Der Herz-Jesu-Sonntag selbst ist zunächst ein kirchlicher und landespolitischer Erinnerungstag, getragen von Gottesdienst, Gelöbnis und Gemeinschaft.

Die Verehrung des Herzens Jesu reicht als religiöse Idee weit über Tirol hinaus zurück. Schon in mittelalterlicher Mystik galt das Herz als Sitz der göttlichen Liebe, doch zu einer eigenen, weit verbreiteten Frömmigkeitsform wurde sie erst im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Ausschlaggebend waren die Visionen der Ordensfrau Margareta Maria Alacoque, die 1673 im burgundischen Kloster Paray-le-Monial das Herz Christi von Flammen umgeben und von einer Lanzenwunde gezeichnet gesehen haben will. Über den Orden der Jesuiten verbreitete sich diese Andachtsform in den folgenden Jahrzehnten in weiten Teilen des katholischen Europas und wurde später auch offiziell in den Festkalender der Kirche aufgenommen, als Fest am Freitag nach der Fronleichnamsoktav.

In Tirol erhielt diese allgemeine Frömmigkeit 1796 eine ganz konkrete, politische Zuspitzung. Als im Frühjahr jenes Jahres die Truppen Napoleons dem Land bedrohlich nahekamen, suchte man in Innsbruck und Bozen nach einem letzten Ausweg. Den entscheidenden Anstoß gab der Pfarrer von Wildermieming (Anton Paufler), der die Idee einer Landesweihe an das Herz Jesu vorschlug; der Stamser Abt griff den Gedanken auf und brachte ihn vor einen eigens einberufenen Ausschuss der Tiroler Landstände. Dieser fasste den Beschluss, das Land dem Schutz des „Heiligsten Herzens Jesu“ zu unterstellen – verbunden mit dem Versprechen, dieses Gelöbnis von nun an jedes Jahr feierlich zu erneuern.

Endgültig in die kollektive Erinnerung eingeschrieben hat sich das Gelöbnis erst durch die Ereignisse von 1809. Als Andreas Hofer und seine Truppen gegen die mit Napoleon verbündeten Bayern und Franzosen zogen, erneuerten sie zuvor das Herz-Jesu-Gelöbnis – und der überraschende Sieg am Bergisel wurde vielerorts als Bestätigung des göttlichen Beistands gedeutet. Aus einem Notgelöbnis in akuter Kriegsgefahr wurde damit ein fixer Bestandteil der Tiroler Landesidentität, der bis heute in allen Teilen des historischen Tirol – Nord-, Ost- und Südtirol ebenso wie im Trentino – gepflegt wird.

Im Zentrum der heutigen Feier steht der Landes-Gelöbnisgottesdienst, der traditionell in der Innsbrucker Jesuitenkirche stattfindet. Neben dem Bischof nehmen die Tiroler Landesregierung, Abordnungen der Schützenkompanien, Musikkapellen und Traditionsverbände teil. Gesprochen wird ein eigenes Gelöbnisgebet, gesungen ein Gelöbnislied, das erstmals zur Hundertjahrfeier 1896 erklang. Parallel dazu feiern viele Tiroler Pfarren an diesem Sonntag eigene Festgottesdienste mit lokalen Schützenkompanien. Eine Ausnahme bildet die Gemeinde Weerberg, die dem alten Kalender folgend nach wie vor an einem Freitag feiert und dabei eine der größten Glocken des Landes läuten lässt.

Zu dieser historischen Grundlage ist in den vergangenen Jahren eine zusätzliche, zeitgemäße Lesart hinzugekommen. Ein kirchlich getragener Gedächtnisverein hat den Festtag 2016 mit dem Motto „Offene Herzen” verknüpft und ihn dadurch zusätzlich zu einem Tag der Herzlichkeit gemacht, an dem freiwilliges Engagement und Nächstenhilfe im Vordergrund stehen. So verbindet der Herz-Jesu-Sonntag heute mehrere Ebenen: religiöse Verehrung, historisches Landesgedächtnis und eine bewusst gepflegte Gemeinschaftskultur, die weit über den engeren kirchlichen Rahmen hinausreicht.

Martinsumzug

Der Sankt-Martins-Tag geht zurück auf Martin von Tours, der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebte. Er war der dritte Bischof von Tours und ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Der heilige Martin ist er für seine Nächstenliebe und Barmherzigkeit bekannt. Viele Lieder, Geschichten und Gemälde erzählen davon, wie er einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gab.

Ein zentrales Element des Sankt-Martins-Tages ist der Laternenumzug, der auf die Lichterprozession zurückgeht, die am 11. November 397 die Überführung von Martins Leichnam per Boot nach Tours begleitete. Kinder ziehen mit selbstgebastelten Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder. Manchmal wird der Umzug von einem Reiter in rotem Mantel auf einem weißen Pferd angeführt, der die Mantelteilung nachstellt.

Der Laternenumzug ist ein besonderes Highlight des Sankt-Martins-Tages. Kinder basteln in den Wochen vor dem Fest bunte Laternen, die sie stolz bei den Umzügen tragen. Diese Laternen sind oft kunstvoll gestaltet und leuchten in den verschiedensten Farben. Während des Umzugs singen die Kinder traditionelle Martinslieder wie “Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne” und „Ich geh mit meiner Laterne“.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Mit Lichtern hell sind wir zur Stell,
rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Mein Licht ist schön, könnt Ihr es sehn?
Rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Ich trag mein Licht, ich fürcht mich nicht!
Rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir.

Mein Licht brennt aus, wir gehn nach Haus.
Rabimmel, rabammel, rabum

Volkslied

Ein weiterer Höhepunkt des Umzugs ist die Darstellung der Mantelteilung. Ein Reiter, der den heiligen Martin darstellt, teilt symbolisch seinen Mantel mit einem Bettler. Diese Szene erinnert an die berühmte Legende und vermittelt den Kindern die Werte der Nächstenliebe und Barmherzigkeit.

Der Sankt-Martins-Umzug ist ein beliebtes Ereignis in vielen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die Umzüge finden meist am 11. November oder an den Tagen davor oder danach statt. Neben den Laternenumzügen gibt es oft auch Martinsfeuer oder eine Martinigans, bei denen Kinder und Erwachsene zusammenkommen, um die Geschichte des heiligen Martin zu feiern und sich an seiner Nächstenliebe zu erinnern.

Prangerstutzen

Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.

Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.

Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.

Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.

Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen

Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022

Prangtag

Wenn im Salzburger Pongau und Lungau meterhohe, dicht mit Blüten umwundene Holzstangen durch die Dörfer und in die Kirchen getragen werden, steckt darin schon der Name des Brauchs: Prangen bedeutete im Mittelhochdeutschen ursprünglich „prahlen“ oder „sich brüsten“ und wandelte sich erst später zur heutigen Bedeutung von „in Glanz und Pracht erscheinen“. Genau das tun die Prangstangen bis heute: Während wohlhabende städtische Zünfte im Barock aufwendig verzierte Kerzen durch die Straßen der Residenzstädte trugen, schufen Bauernfamilien im Salzburger Land ihr eigenes, aus den Mitteln der Landwirtschaft geschöpftes Gegenstück – aus Holz und Feldblumen statt aus Wachs und Gold.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Im Pongau, insbesondere im Gebiet um St. Johann, sind Prangstangen bereits seit dem 16. Jahrhundert schriftlich belegt. Ihre große Verbreitung verdanken sie vor allem der Gegenreformation: Mit aufwendigem, sinnlich beeindruckendem Brauchtum versuchte die katholische Kirche, die Bevölkerung im Land Salzburg im überwiegend katholischen Glauben zu halten beziehungsweise protestantisch gewordene Gebiete zurückzugewinnen. Den Stangen selbst wurde daneben eine ganz praktische Schutzfunktion zugeschrieben: Sie sollten Haus und Hof vor Blitzschlag bewahren.

Im Lungau erzählt die Überlieferung eine andere Ursprungsgeschichte. Demnach hätten die Bauern während einer verheerenden Heuschreckenplage – manche Quellen datieren sie auf das Jahr 1340, der Volkskundler Bertl Göttl bringt sie eher mit einer Plage gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Verbindung – ein Gelübde abgelegt: Nur die Margerite, im Lungau auch „Sonnwendla“ genannt, blieb von den Heuschrecken verschont. Aus Dankbarkeit gelobten die Bauern, ihr fortan alljährlich eine eigene Blütenstange zu widmen. Wurzeln reichen darüber hinaus wohl noch weiter zurück, bis zu mittelalterlichen katholischen Prozessionen, die biblische Figuren mitführten – ein theatralischer Brauch, der erst Ende des 18. Jahrhunderts abgeschafft und in seine weltlichen und kirchlichen Bestandteile aufgeteilt wurde. Über Salzburger Holzknechte gelangte die Tradition im 17. Jahrhundert schließlich sogar bis ins niederösterreichische Rohr im Gebirge, wo sie bis heute gepflegt wird.

Herstellung

Für eine Prangstange wird zunächst ein entrindeter, gerade gewachsener Stamm ausgewählt, der je nach Ort sechs bis acht Meter hoch aufragt. Um diesen Kern winden Helferinnen und Helfer spiralförmig Girlanden aus frisch gepflückten Wiesen- und Almblumen: Margeriten, Enzian, Pfingstrosen, Frauenmantel, Vergissmeinnicht und Klatschmohn gehören zu den gebräuchlichsten Blüten. Je nach Größe und Region werden für eine einzige Stange bis zu 40.000, nach manchen Angaben sogar bis zu 60.000 Blüten benötigt – gesammelt in den Wochen vor dem jeweiligen Festtag und zu einem fertigen Gebinde verarbeitet, das mehrere hundert Arbeitsstunden verschlingt und am Ende bis zu 80, in besonders reich verzierten Fällen sogar bis zu 100 Kilogramm wiegt.

Ablauf und Termine

Getragen werden die fertigen Prangstangen traditionell von unverheirateten Burschen, meist zu zweit oder zu dritt je Stange, in einer feierlichen, oft rund zwei Stunden dauernden Prozession durch den Ort und schließlich in die Kirche. Je nach Gemeinde ist der Anlass ein anderer:

  • Fronleichnam – unter anderem in Bischofshofen, Hüttau, Pfarrwerfen, Werfenweng und Mühlbach am Hochkönig (Pongau)
  • Johannistag, 24. Juni – in Zederhaus (Lungau)
  • Peter und Paul, 29. Juni – in Muhr (Lungau)
  • Herz-Jesu-Sonntag (erster Sonntag im Juli) – in Werfenweng

In der Kirche bleiben die Stangen anschließend als sichtbares Zeichen des Lebens stehen – bis zum 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt.

Bedeutung heute

Zu Mariä Himmelfahrt werden die Prangstangen im Rahmen der Kräuterweihe schließlich abgeschmückt: Die getrockneten Blüten gelten fortan als geweihtes Kräuterwerk und finden in den Rauhnächten und zu Dreikönig als Räucherwerk beim Rauchengehen Verwendung – der sommerliche Blütenschmuck begleitet die Bauernhöfe damit symbolisch bis tief in den Winter hinein. Auch wenn die ursprünglichen Beweggründe – Schutz vor Blitzschlag, Abwehr von Plagen, konfessionelle Werbung – heute kaum noch im Vordergrund stehen, bleibt der immense gemeinschaftliche Arbeitsaufwand rund um Ernte, Bindung und Prozession ein lebendiges Zeugnis dörflicher Zusammenarbeit und ländlicher Frömmigkeit im Salzburger Land.

Prozession zu Fronleichnam

Der Name klingt für viele rätselhaft. „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „Fron“ bedeutet „Herr“ (im religiösen Sinne), „Leichnam“ stand damals schlicht für „Körper“ – nicht für einen Toten. Fronleichnam heißt also wörtlich: Leib des Herrn.

Gemeint ist damit das Allerheiligste: die konsekrierte Hostie, die im katholischen Glauben den Leib Jesu Christi darstellt. Das Fest feiert die reale Gegenwart Christi in der Eucharistie und ist damit ein zutiefst theologisches Fest, das aber im Volksbrauch eine sehr lebendige, fast festliche Gestalt angenommen hat.

Das Datum ist beweglich: Fronleichnam fällt auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten, also je nach Jahr zwischen Ende Mai und Ende Juni.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Das Fronleichnamsfest geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Auf Betreiben der Mystikerin Juliana von Lüttich und später durch Papst Urban IV. wurde das Fest 1264 für die gesamte Kirche eingeführt. Den Hymnus für das Fest soll Thomas von Aquin verfasst haben, darunter das bis heute gesungene Tantum Ergo.

Die Prozession als öffentliche Form des Festes entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten. Besonders nach dem Konzil von Trient (Mitte des 16. Jahrhunderts) wurde sie im katholischen Raum bewusst gefördert: als sichtbares Zeichen des Glaubens nach außen, in einer Zeit, in der die Kirche sich gegenüber der Reformation positionierte.

Im Alpenraum verwurzelte sich die Prozession tief in der bäuerlichen Lebenswelt. Sie war nicht nur religiöse Pflicht, sondern auch Gemeinschaftsereignis und ein Schutzritual für Felder, Fluren und Vieh.

Ablauf

Der Ablauf ist in vielen Gemeinden ähnlich, im Detail aber regional unterschiedlich.

  • Die Messe als Ausgangspunkt
    Die Prozession beginnt nach oder im Anschluss an die Festmesse in der Kirche. Der Priester trägt die Monstranz, in dem die konsekrierte Hostie sichtbar für alle präsentiert wird.
  • Der Zug durch den Ort
    Der Priester schreitet unter einem Baldachin, der traditionell von vier Männern gehalten wird. Um ihn herum: Ministranten mit Weihrauchfässern und Kerzen, Fahnenträger der örtlichen Vereine und Bruderschaften, Trachtler, Musikkapellen, Schulkinder in weißen Kleidern, Erstkommunikanten, Vertreter der Feuerwehr und anderer Vereine und die Gemeinde selbst.
    Der Zug bewegt sich durch die Straßen des Ortes zu vier Außenaltären. Diese werden von Familien, Vereinen oder Pfarrgruppen aufgebaut und oft aufwendig mit Blumen, Birkenreisig, Fahnen und religiösen Symbolen geschmückt.
  • Die vier Altäre
    An jedem Altar macht die Prozession halt. Der Priester stellt die Monstranz auf den Altar, es wird gebetet, ein Evangeliumsabschnitt gelesen, und am Ende erteilt er mit der Monstranz den Segen in die vier Himmelsrichtungen. Diese vier Stationen werden symbolisch mit den vier Evangelisten oder den vier Himmelsrichtungen in Verbindung gebracht. Ein Zeichen, dass der Segen die ganze Welt umfassen soll.
  • Blumen auf der Straße
    Traditionell werden die Prozessionswege mit Blumen bestreut oder dekoriert. In manchen Gemeinden entstehen aufwendige Blumenteppiche aus frischen Blüten entlang des gesamten Weges. Dieser Brauch hat sich besonders in Tirol und Teilen Bayerns erhalten.

Regionale Besonderheiten im Alpenraum

Im Voralpenland und in den Alpentälern hat die Prozession oft eine besonders intensive Gestalt angenommen, weil sie mit bäuerlichem Leben und Naturerfahrung verbunden war.

In Salzburg-Stadt zieht die Dompfarre eine große Prozession durch die Altstadt, vorbei an barocken Fassaden und historischen Plätzen. Die Verbindung von Stadtkultur, barockem Erbe und lebendiger Volksreligiosität macht diese Prozession besonders eindrucksvoll.
In Tirol sind manche Prozessionen in Berggemeinden erhalten, bei denen der Weg durch Felder und Wiesen führt, wobei die Haltepunkte teils frei in der Landschaft liegen. Hier ist der Charakter eines Flurumgangs, also eines schützenden Rundgangs über das eigene Land, noch spürbar.
In Bayern und dem Salzburger-Land haben viele Landgemeinden die Prozession als lebendigen Brauch erhalten, oft in enger Verbindung mit der Trachtenkultur. Schützenkompanien, Trachtenvereine und Musikkapellen gehören fast überall dazu.

Bedeutung heute

In Städten ist die Fronleichnamsprozession für viele Menschen kaum noch sichtbar, sie läuft als eine Veranstaltung unter vielen. In ländlichen Gemeinden des Alpenraums ist das anders. Hier ist die Prozession oft noch ein Termin, an dem ein großer Teil der Bevölkerung teilnimmt oder sie zumindest am Straßenrand erlebt.

Die Bedeutung hat sich dabei verschoben. Für manche Teilnehmer ist es ein tief religiöser Moment. Für andere ist es Tradition, Gemeinschaftsgefühl, der Rhythmus des Jahres, der Wunsch nach Kontinuität. Beides ist legitim. Die Prozession hält ein Angebot bereit: für eine Stunde gemeinsam durch den eigenen Ort zu gehen, langsam, mit Gesang, und dabei sichtbar zu machen, was eine Gemeinschaft zusammenhält.

Gebetstext Tantum ergo

Latein

Tantum ergo Sacramentum
Veneremur cernui:
Et antiquum documentum
Novo cedat ritui:
Praestet fides supplementum
Sensuum defectui.

Genitori, Genitoque
Laus et jubilatio,
Salus, honor, virtus quoque
Sit et benedictio:
Procedenti ab utroque
Compar sit laudatio.
Amen.

Deutsch

Kommt, lasst uns anbetend knien,
vor dem Sakrament so groß!
Lass die alten Bilder fliehen,
neuem Ritus mach sie los!
Glaube soll uns Kraft verleihn,
wo die Sinne nicht verstehn.

Preis und Lob dem Vater droben
und dem Sohne, der uns liebt;
Heil und Ehre sei erhoben
dem, der uns den Segen gibt!
Dem aus beiden ausgehenden
gleiche Ehr und Preis auf ewig!
Amen.