Adventkranz

Der Ursprung des Adventkranzes lässt sich auf den evangelischen Theologen Johann Wichern zurückführen. Im Jahr 1838 brachte er erstmals ein Wagenrad mit 23 Kerzen (bis zu 24 kleine rote für die Werktage bis Weihnachten und vier dicke weiße für die Sonntage) im Betsaal des Rauhen Hauses, in Hamburg, an.

Der Adventskranz, eine weitverbreitete Tradition in vielen Haushalten, Kirchen und Gemeinden, hat eine faszinierende Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich waren Kränze vor allem in evangelischen Kirchen und Gebetshäusern zu finden, bevor sie später auch in vielen Wohnhäusern Einzug hielten. Die Entwicklung des Adventskranzes nahm jedoch eine interessante Wendung.

Im Jahr 1925 eroberte der Brauch schließlich auch die katholischen Kirchen. Der ursprüngliche „Wichernkranz“ war je nach Länge der Adventszeit mit bis zu 28 Kerzen geschmückt. Jedoch stellte sich heraus, dass nicht jeder genug Platz an der Decke für einen so großen Kerzenkranz hatte. Als Lösung wurde die Anzahl der Kerzen auf die vier großen Kerzen reduziert, eine für jeden Sonntag im Advent.

Die Festlegung auf genau vier Sonntage geht auf Papst Gregor I. im Mittelalter zurück. Er verfügte, dass die Adventszeit, die Vorbereitungszeit auf die Ankunft des Herrn, vier Sonntage umfassen sollte. Diese Entscheidung ermöglichte es den Gläubigen, sich angemessen auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Interessanterweise erhielt jeder Adventssonntag sogar seinen eigenen Namen.

  • 1. Adventsonntag
    Ad te levavi animam meam
    Zu dir erhebe ich meine Seele, Psalm 25,1
  • 2. Adventsonntag
    Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes
    Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, zu retten die Völker, Jesaja 30,19.30
  • 3. Adventsonntag
    Gaudete in Domino semper
    Freut euch im Herrn allezeit, Philipper 4,4
  • 4. Adventsonntag
    Rorate, caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet salvatorem
    Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor, Jesaja 45,8

Ein beeindruckendes Beispiel für die Fortführung dieser Tradition findet sich im Rauhen Haus in Hamburg wieder. Dort brennt bis heute ein Adventskranz, so groß wie ein Wagenrad, mit einer Kerze für jeden Tag des Advents. Diese kontinuierliche Praxis zeugt von der Bedeutung und Beständigkeit des Adventskranzes als Symbol der Vorfreude und Vorbereitung auf die festliche Zeit des Jahres.

Adventsingen

Das Adventsingen ist heute im gesamten Alpenraum verbreitet. Aber woher kommt es? Und was unterscheidet es eigentlich von einem Krippenspiel?

Was ist ein Adventsingen?

Ein Adventsingen ist eine musikalische Feier in der Vorweihnachtszeit, in der Regel mit Volksmusik, alpenländischem Liedgut, Texten und manchmal auch kurzen szenischen Elementen. Es findet meist in der Kirche, im Gemeindehaus oder in einem Festsaal statt, oft an einem oder mehreren Adventswochenenden.

Im Mittelpunkt steht das Singen selbst: von Ensembles, Chören, Sängerinnen und Musikanten. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sind meistens Publikum — auch wenn es je nach Tradition Momente des gemeinsamen Singens geben kann.

Das Adventsingen ist kein Krippenspiel. Der Unterschied ist klar:

  • Das Krippenspiel ist eine gespielte Darstellung der Weihnachtsgeschichte mit verteilten Rollen, Kostümen, Dialog. Es hat Schauspielcharakter und erzählt eine Geschichte.
  • Das Adventsingen ist eine musikalische Darbietung und es kann durchaus szenische Elemente, Texte oder eine rahmende Handlung enthalten, aber das Singen und Musizieren steht im Vordergrund. Es ist kein Theaterstück.

In manchen Aufführungen. besonders beim Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus, fließen szenische Elemente, Texte und Musik so eng ineinander, dass die Grenze zum oratorischen Musiktheater fließend wird. Das macht den Brauch interessant, aber auch schwerer eindeutig einzuordnen.

Die Herkunft: Salzburg, 1946

Das Salzburger Adventsingen gilt als Ursprung und Vorbild der zahlreichen Adventsingen im deutschsprachigen Raum. Es wurde 1946 von Tobi Reiser d. Ä. ins Leben gerufen. Den Beginn seiner öffentlichen Wahrnehmung markierte eine schlichte Feier im Advent 1946, die er gemeinsam mit einigen Freunden im Volksheim am Rudolfskai in Salzburg organisierte. Am bitterkalten 5. Dezember 1946, mitten in der Not und Armut der Nachkriegszeit, lud Tobi Reiser d. Ä. Freunde und Weggefährten erstmals zu einem Adventsingen. Es war eine stille, andächtige Feier mit vertrauten Liedern und Weisen, innigen Gedanken, religiöser Volksfrömmigkeit und überlieferten Bräuchen.

Zur gleichen Zeit fand in München in der damals zerstörten Universität das erste Adventsingen auf bayerischem Boden statt, ins Leben gerufen vom bayerischen Volksmusiksammler Emanuel Kiem, genannt „Kiem Pauli“.

Beide Männer, unabhängig voneinander, griffen damit eine ältere Gewohnheit auf: das gemeinschaftliche Singen in der Stube während der Adventszeit, das in bäuerlichen Haushalten schon lange vor 1946 gepflegt worden war. Was Reiser neu schuf, war das Format: eine öffentliche, kuratierte Veranstaltung mit Programm, Ensembles und Publikum.

Vom Volksheim zum Festspielhaus

Die Feierstunde wurde zur jährlichen Tradition und die Zahl der Gäste stieg von Jahr zu Jahr. Man wechselte in immer größere Räumlichkeiten, zunächst in den Kaisersaal der Residenz, dann in die Große Aula der Universität. Schließlich 1960 in das neuerbaute Große Festspielhaus, wo es bis heute aufgeführt wird. Ab 1952 trat auch der Salzburger Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl mit auf. Er las eigene Texte, darunter die Kleinen Christkindl-Geschichten. Seine heiter-besinnlichen Lesungen wurden ein prägendes Element.

Ein Hinweis zur Person Tobi Reiser

Es wäre unvollständig, Reiser nur als romantische Gründerfigur darzustellen. Historiker Oliver Rathkolb bestätigte 2016 in einem Gutachten Reisers politische Nähe zur NSDAP. Das Tobi-Reiser-Adventsingen wurde daraufhin umbenannt, eine der Nachfolge-Veranstaltungen heißt seither „Salzburger HirtenAdvent“, welches zusätzlich zum Adventsingen seit 2006 wieder in der großen Aula der Universität Salzburg stattfindet.

Dieser Umstand gehört zur Geschichte des Brauchs und sollte nicht verschwiegen werden.

Bedeutung heute

Das Salzburger Adventsingen wurde zum großen Vorbild unzähliger Adventsingen im gesamten Alpenraum. Heute gibt es das Format in unzähligen Varianten: kleine Pfarradventsingen, bei denen der Kirchenchor singt und vielleicht ein Bläserensemble spielt; größere Veranstaltungen in Gemeindehäusern; und die großen, inszenierten Festspielformate in Salzburg, Tirol oder Bayern. Allen gemeinsam ist der Gedanke: Volksmusik, Lied und Besinnlichkeit als bewusste Gegenbewegung zur kommerziellen Weihnachtsstimmung.

Das Adventsingen hat sich von einer kleinen Nachkriegs-Gedenkfeier zu einem der beliebtesten Adventsformate im deutschen Sprachraum entwickelt. Es lebt davon, dass es Menschen versammelt, nicht vor einem Bildschirm, sondern in einem Raum, mit echten Instrumenten, echten Stimmen.

Gleichzeitig ist es ein Brauch, der immer wieder neu verhandelt wird: Was gehört dazu? Wie viel Inszenierung verträgt er? Wie authentisch muss Volksmusik klingen? Diese Fragen haben keine endgültige Antwort und das macht den Brauch lebendig.

Das Adventsingen ist kein uralter Volksbrauch, der sich über Jahrhunderte entwickelt hat, sondern eine bewusste Schöpfung der Nachkriegszeit, die auf älteren Singtraditionen aufbaut. Tobi Reiser d. Ä. hat 1946 in Salzburg ein Format erfunden, das die Menschen offensichtlich gebraucht haben. Und das sie in vielen Varianten bis heute brauchen.

Barbarazweig

Am Gedenktag der Schutzpatronin der Bergleute werden üblicherweise Zweige von Kirschbäumen abgeschnitten und dann zu Hause ins Wasser gestellt. Die Hoffnung besteht darin, dass sie bis zum Weihnachtstag zu blühen beginnen.

Die Tradition des Barbarazweigschneidens und -aufstellens erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Dieser Brauch, der darauf hofft, dass die Zweige bis zum Heiligen Abend oder sogar genau dann aufblühen, verbreitet nicht nur festliche Stimmung, sondern bringt auch den Duft des Frühlings in die Winterzeit.

Barbarazweige als Vorboten des Frühlings

Für viele ist dieser Brauch aus der Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Auch ich schätz die Möglichkeit, mit den blühenden Zweigen im Winter einen Hauch von Frühling ins Haus zu holen. Traditionell sind es Kirschzweige, es können aber auch Zweige vom Apfel-, Zwetschken- oder Mandelbaum, von der Forsythie, dem Winterjasmin oder der Rosskastanie sein.

Pflegetipps für blühende Barbarazweige

Damit die Zweige blühen, sollten sie zuvor Frost abbekommen haben. Wenn der Frost ausbleibt, kann man nachhelfen, indem man die Zweige für zwei Tage ins Gefrierfach legt. Ein scharfes Messer oder sogar ein Hammer können dabei helfen, die Zweige vorzubereiten und ihre Aufnahmefähigkeit für Wasser zu erhöhen. Die Zweige sollten schräg angeschnitten und in eine Vase mit lauwarmem Wasser gestellt werden. Regelmäßiger Wasserwechsel und Reinigung der Vase sind wichtig, um Bakterienbildung zu verhindern.

Vom kühlen Raum in den warmen Frühling

Um die Knospen zum Erblühen zu bringen, werden die Zweige zuerst in einem kühlen Raum platziert. Sobald sich die ersten Knospen zeigen, werden die Zweige in einen wärmeren Raum gestellt. Aber nicht direkt an die Heizung oder den Ofen, sonst werden kleinen Knospen gleich wieder austrocknen Zusätzlich brauchen die Barbarazweige genügend Luftfeuchtigkeit, beispielsweise durch das Besprühen der Zweige mit Wasser.

Wenn du alles richtig machst und auch noch das bisschen Glück hast, dann blühen deine Barbarazweige genau am Heilig Abend auf.

Die Legende der Heiligen Barbara

Der Brauch der Barbarazweige ist mit der Überlieferung verbunden, dass die im kalten Winter verdorrten Blüten auf dem Grab der Heiligen Barbara am Abend des 24. Dezembers wieder aufblühen sollten. Die botanischen Fakten stehen dieser Legende gegenüber, aber der Brauch vermittelt dennoch den Zauber eines künstlichen Frühlings und symbolisiert das Grün als Hoffnungsträger in der dunklen Winterzeit.

Barbarazweige sind nicht nur eine festliche Tradition, sondern auch ein zauberhafter Weg, den Frühling ins eigene Zuhause zu bringen. Mit den blühenden Barbarazweigen kann man die Finsternis des Winters durchbrechen und Licht, Leben und die Hoffnung auf Jesus Christus ins Herz des eigenen Heims bringen.

Christbaum

Die Tradition, einen Baum ins Haus zu holen und ihn festlich zu schmücken, ist nicht so alt, wie man vielleicht denken könnte. In Goethes “Die Leiden des jungen Werther”, das 1774 veröffentlicht wurde, war der Weihnachtsbaum von Lotte noch eine Neuheit. Die “Erscheinung eines geschmückten Baums mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln” war bemerkenswert genug, um erwähnt zu werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass ein Weihnachtsbaum in der Vergangenheit ein Luxus war, den sich nur die Wohlhabenden leisten konnten. Nur Fürsten und Adelige hatten die Mittel, sich einen eigenen Baum zu gönnen. Erst im ab dem 19. Jahrhundert wurde der Christbaum in wohlhabenden Bürgerhaushalten aufgestellt. Für Bauern blieb der Baum unerschwinglich und wurde erst in der Zwischenkriegszeit zu einer Tradition. Jedoch waren Christbäume auf den Dorfplätzen auch schon im 19. Jahrhundert zu sehen.

Wer in erfunden hat ist nicht wirklich geklärt. Sicher ist, dass das Christentum – wie viele andere Traditionen auch – diesen Brauch für sich vereinnahmt hat. Ob jetzt der Fruchtbarkeitsgott Saturn der Römer oder die alten Germanen mit Tannenzweigen den Frühling anlocken wollten ist egal. Heute ist es ein schöner Brauch geworden.

Zum Schmücken des Baumes und Aufstellen gibt es verschiedene (teilweise von der Familie abhängige) Traditionen. Die einen stellen ihn schon während des Advents und schmücken ihn als Familie gemeinsam. Bei anderen wird der Baum am Tag des heiligen Abends aufgestellt und geschmückt, so dass es für die Kinder eine Überraschung ist.

Abgebaut wird er entweder am Drei-Königs-Tag (moderne Tradition) oder nach klassischer Sitte am Tag zu Maria Lichtmess. Auf Landwirtschaften oder auch in den meisten katholischen Kirchen wird noch immer der 2. Februar verwendet.

Die Art den Baum zu schmücken unterscheidet sich von Region zu Region und ist auch von Familien abhängig. In den letzten Jahren unterliegt der Schmuck immer mehr einer jährlichen Mode und unterscheidet sich von früher, als der Christbaumschmuck vererbt und immer wieder verwendet wurde.

Christmette

Dieser Gottesdienst findet traditionell um Mitternacht statt, in manchen Gemeinden heute etwas früher – um 22 oder 23 Uhr –, um Familien mit Kindern entgegenzukommen.

In Salzburg und dem angrenzenden Rupertiwinkel war und ist der Weg zur Christmette ein Erlebnis für sich. Früher zogen die Menschen mit Laternen durch Schnee und Dunkelheit zur Dorfkirche. Die Lichter auf den Wegen, das Glockengeläut, der Gesang – all das gehörte untrennbar zusammen.

In der Stiftskirche St. Peter in Salzburg oder im Dom wird die Christmette bis heute mit besonderem musikalischem Aufwand gefeiert. Salzburg, die Stadt Mozarts, hat eine lebendige Tradition der Kirchenmusik in der Weihnachtsnacht. [Belegte Praxis, aktuell]

Im Rupertiwinkel – dem Landstreifen zwischen Salzach und Inn, der historisch eng mit dem Erzbistum Salzburg verbunden war – haben viele Pfarreien ihre eigene Christmette-Tradition bewahrt, oft mit regionalem Brauchtum rund um Krippenspiele und Hirtenlieder.

Herbergssuche

Als Herbergssuche bezeichnet man in der christlichen Tradition die vergebliche Suche von Josef und Maria nach einer Unterkunft vor der Geburt Jesu. Die Grundlage ist eine knappe Stelle im Lukasevangelium, die berichtet, dass Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen musste, weil kein Platz in der Herberge war. Aus dieser knappen biblischen Notiz heraus ist im Laufe der Jahrhunderte ein lebendiger Volksbrauch gewachsen.

Der Brauch hat seinen Ursprung in den mittelalterlichen Weihnachtsspielen als geistlichen und liturgischen Spielen und verselbständigte sich im 16. Jahrhundert. Die heutigen Formen der Herbergssuche haben ihren Ursprung in diesen mittelalterlichen Weihnachtsspielen, die vor allem von den Jesuiten weitergetragen und verbreitet wurden.

Aus dem Jesuitenorden heraus entwickelte sich eine besonders eindrückliche Variante: Meist neun Abende vor dem Heiligen Abend wurde ein Marienbild, eine geschnitzte Heilige Familie oder eine Marienstatue von der Kirche zu einer Familie gebracht, die ihr für einen Abend „Asyl“ gewährte. Damit sollte symbolisiert werden, dass die Menschen bereit waren, Jesus Platz in ihren Häusern zu geben.

Wie läuft die Herbergssuche ab?

Der Brauch kennt im Wesentlichen zwei Formen, die sich im Laufe der Zeit nebeneinander entwickelt haben.

Die ältere, spielerische Form ist eine szenische Darstellung: Dabei übernehmen zwei Kinder die Rollen von Maria und Josef, während der Vater oder ein älteres Kind den sie abweisenden Herbergsvater spielt. Meist gibt einer der bekannten Wechselgesänge dem Spiel den Rahmen, etwa das Lied Wer klopfet an?.

Die zweite, heute oft verbreitetere Form ist das Wandern einer Figur durch die Gemeinde: Eine Darstellung von Maria und Josef wird im Dorf von Haus zu Haus getragen und jeweils für einen Tag als Gast aufgenommen. In einem solchen Haus ist für die Marienfigur bereits ein kleiner Hausaltar vorbereitet. Im Haus wird gebetet, es werden Marienlieder gesungen, danach gibt es eine kleine Jause und ein gemütliches Beisammensein. Nach einer Stunde ist die kleine Feier beendet, und die Statue oder das Bild bleibt über Nacht in diesem Haus.

Regionale Besonderheiten im Alpenraum

Im Salzburger Land und in Tirol kennt man für diese wandernde Figur einen eigenen Begriff: das Frauentragen. Die Art des Frauentragens kann je nach Ort unterschiedlich sein. In einigen Orten wird das Fraubild vom Priester von Haus zu Haus getragen, in anderen Orten von Männern. In Rauris beispielsweise trugen sie die Figur früher sogar auf einer Tragkraxn. Dabei gibt es eine genaue Einteilung, in welcher Reihenfolge das Bild zu den Bauern getragen wird. Verwandte Bezeichnungen für denselben Brauch sind regional auch „Fraubeten“ oder „Frausingen“.

Der älteste schriftliche Nachweis im Land Salzburg über das Frauentragen fand sich nach dem Forschungsstand von 1972 erst im Jahr 1870. Das bedeutet aber nicht, dass der Brauch nicht älter ist, nur dass er bis dahin kaum schriftlich festgehalten wurde.

Allein in einer 180-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Amstetten in Niederösterreich sind vier verschiedene Varianten des Herbergsuchens üblich, was zeigt, wie stark sich dieser Brauch regional ausdifferenziert hat.

Bedeutung heute

Mancherorts wurde der Brauch erst in den letzten Jahren wieder belebt oder neu eingeführt. Die Herbergssuche ist damit kein starres museales Ritual, sondern ein Brauch, der sich immer wieder neu erfindet. Pfarren, Familien und Nachbarschaften greifen ihn auf und gestalten ihn nach ihren Möglichkeiten.

Was dabei entsteht, ist mehr als eine religiöse Übung: In einer Zeit, in der Nachbarschaften oft anonym sind, schafft die Herbergssuche echte Begegnungen. Man klopft an, man wird eingelassen, man sitzt zusammen, singt und isst. Das Einfache daran hat seine eigene Kraft.

Krippenspiele

Ein Krippenspiel ist eine szenische Darstellung der Weihnachtsgeschichte – der Geburt Jesu in Bethlehem, wie sie in den Evangelien nach Lukas und Matthäus überliefert ist. Hirten, Engel, die Heiligen Drei Könige, Maria und Josef: Sie alle treten auf, gespielt von Menschen – meist Kindern, manchmal auch Erwachsenen.

Der Name leitet sich von der Krippe ab, also der Futterkrippe, in der das Jesuskind nach der Überlieferung lag. Krippenspiele können in Kirchen, auf Plätzen, in Schulen oder Pfarrsälen aufgeführt werden. Mal als stilles, andächtiges Spiel, mal als aufwendige Inszenierung mit Kostümen, Musik und Sprechchören.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Der Ursprung der Krippenspiele lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Franz von Assisi: Er soll im Jahr 1223 in Greccio (Umbrien, Italien) die erste lebende Krippe aufgestellt haben – mit echten Tieren, echten Menschen und einem Strohbett für das Jesuskind. Ziel war es, die Weihnachtsgeschichte für das einfache Volk erlebbar zu machen, das weder lesen konnte noch Latein verstand.

Ob diese Überlieferung historisch exakt so stimmt, lässt sich heute nicht vollständig belegen – aber sie ist in der Kirchengeschichte fest verankert und gilt als Gründungsmoment des Krippenspiels.

Aus diesen frühen lebenden Krippen entwickelten sich im Laufe des Mittelalters sogenannte Mysterienspiele – aufwendige Theateraufführungen mit biblischen Stoffen, die vor oder in Kirchen stattfanden. Die Krippenspiele im engeren Sinn, wie wir sie heute kennen, entstanden dann vor allem im Umfeld der Gegenreformation im 16. und 17. Jahrhundert. Die Jesuiten nutzten das Theaterspiel bewusst als Mittel der Volksfrömmigkeit und Glaubensvermittlung.

Ablauf und typische Elemente

Ein Krippenspiel folgt in der Regel dem biblischen Erzählbogen – mit einigen fest etablierten Szenen:

  • Die Verkündigung
    Der Engel Gabriel erscheint Maria und kündigt die Geburt Jesu an.
  • Die Reise nach Bethlehem
    Maria und Josef suchen vergeblich eine Herberge. Die Szene mit dem „Kein Platz in der Herberge“ gehört zu den einprägsamsten Momenten.
  • Die Geburt im Stall
    Das Jesuskind kommt zur Welt, Hirten und Engel versammeln sich.
  • Die Hirten auf dem Feld
    Die Engel verkünden den Hirten die frohe Botschaft.
  • Die Ankunft der Heiligen Drei Könige
    Oft als abschließende Szene, manchmal auch am Dreikönigstag (6. Januar) separat aufgeführt.

Dazwischen: Gesang, oft bekannte Weihnachtslieder wie Stille Nacht oder Es ist ein Ros entsprungen, manchmal auch regional überlieferte Hirtenlieder.

Bedeutung heute

Das Krippenspiel ist lebendig und das ist bemerkenswert. Während viele alte Bräuche nur noch in Museen oder Festschriften existieren, wird das Krippenspiel jedes Jahr aufs Neue einstudiert, geprobt, aufgeführt.

Der Grund liegt vielleicht genau in seiner Einfachheit: Es braucht kein großes Theater, keine Profikostüme, kein Budget. Ein paar Kinder, ein Strohballen und eine Kerze reichen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, trägt es etwas weiter: eine Geschichte, eine Gemeinschaft, ein Innehalten mitten im Advent.

Für Kinder ist es oft das erste Mal, dass sie selbst Teil eines religiösen Rituals werden, nicht als Zuschauer, sondern als Handelnde. Das hinterlässt Spuren, auch bei denen, die später nicht mehr praktizierende Christen sind.

Gleichzeitig verändern sich Krippenspiele: In manchen Gemeinden werden sie mehrsprachig aufgeführt, um Familien mit Migrationshintergrund einzubeziehen. Andernorts entstehen moderne Adaptionen, die die Herbergssuche in aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge stellen.

Liachtbratlmontag

Der Liachtbratlmontag fällt auf den ersten Montag nach dem Michaelistag, dem 29. September. An diesem Tag durften Handwerker in früheren Zeiten erstmals im Herbst wieder Kerzen oder Unschlittlampen in der Werkstatt anzünden, um bei der Arbeit genug Licht zu haben. Mit dem Ende des Sommers, wenn die Tage spürbar kürzer werden, war das Tageslicht einfach nicht mehr ausreichend. Das künstliche Licht musste her, und dieser Moment bekam seinen eigenen Feiertag.

Der dazugehörige Volksspruch bringt es kurz und bündig auf den Punkt:

Der Michel zündt’s Licht an.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

In den langen Sommertagen wurde möglichst im Freien oder ganz ohne Lichtquellen gearbeitet, schlicht um Geld zu sparen. Vom so Ersparten stiftete der Meister oder Betriebsherr seiner Belegschaft einen Braten, dazu gab es Bier oder Wein.

Was heute wie eine nette Geste klingt, war damals ein echtes Ereignis. Da das Essen von Fleisch zu früheren Zeiten nur an Sonn- und Feiertagen oder zu besonderen Anlässen üblich, finanzierbar oder im Feudalismus sogar erlaubt war, stach dieser Brauch deutlich aus dem Alltagseinerlei hervor. Kein Wunder also, dass er von den Gesellen gerne eingefordert und weitergegeben wurde.

Wann das Brauchtum genau begonnen hat, lässt sich nicht exakt bestimmen. Neben dem Begriff Liachtbratlmontag gibt es auch die Bezeichnungen distelblauer Montag, lichtblauer Montag oder schlicht Lichtbratelmontar nach Michaeli:

Der Michaelistag selbst hatte im bäuerlichen und handwerklichen Leben noch eine weitere Bedeutung: Er war neben anderen Terminen im Jahreskalender ein üblicher und teils vorgeschriebener Termin für die Kündigung und Neuaufnahme von Dienstverhältnissen, etwa von Knechten, Mägden und Dienstboten. Der Liachtbratlmontag markierte also nicht nur den Beginn der Lichtsaison, sondern fiel in eine Zeit des Übergangs und der Neuordnung.

Regionale Ausprägungen

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Brauch noch in größeren Teilen Österreichs bekannt, eine Publikation von 1928 erwähnt ihn sogar in einigen Bezirken Wiens, allerdings bereits damals auf dem Rückzug. Im 21. Jahrhundert hat er sich vor allem im oberösterreichischen Salzkammergut und im Land Salzburg erhalten.

Eine besondere Stellung nimmt heute Bad Ischl im Salzkammergut ein. In Bad Ischl hat sich aus dem alten Handwerksbrauch ein eigener Feiertag für Altersjubilare entwickelt: Die 50er, 60er, 70er, 80er, 90er und 100er werden in einem Festzug geehrt und ziehen durch die Ischler Innenstadt. Der Liachtbratlmontag in Bad Ischl wurde 2013 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Das unterstreicht, dass es sich nicht um bloße Folklore handelt, sondern um einen lebendigen Brauch mit echter gesellschaftlicher Funktion.

Im Salzburger Land wird der Brauch unter anderem auf der Rettenegghütte auf der Postalm zelebriert, traditionell am Michaelistag selbst, oder am darauffolgenden Montag wenn der 29. September kein Montag ist. Dort ist es außerdem Brauch, dass Gäste mit Hut ein Nagei, ein kleines Blumengesteck, erhalten.

Bedeutung heute

Was einmal die schlichte wirtschaftliche Notwendigkeit war, Lichtkosten im Sommer zu sparen, ist heute ein Anlass für Gemeinschaft und Erinnerung. Der Liachtbratlmontag erinnert daran, dass das Handwerk früher ganz unmittelbar mit den Jahreszeiten und dem natürlichen Licht lebte, und dass selbst kleine Einschnitte im Alltag feiernswert waren. In Bad Ischl hat der Brauch eine zweite, ganz eigene Bedeutungsschicht bekommen: die Ehrung des Alters und des gelebten Lebens.

Lichtmesskerzen

Die Lichtmesskerze ist eine Kerze, die am Fest Mariä Lichtmess, dem 2. Februar, in der Kirche gesegnet wird. Sie ist kein Schmuckgegenstand und kein Adventslicht. Sie ist ein Schutzgegenstand. Im alpinen Raum und im Alpenvorland gilt das geweihte Licht als aktive Schutzmacht gegen Unheil, Gewitter, Dämonen und Krankheit. Kurz gesagt: Man weihte die Kerze im Winter, stellte sie weg und holte sie in der Not hervor.

Bei der Prozession am Lichtmesstag wurden schon im 8. Jahrhundert brennende Kerzen getragen. Seit dem 10. Jahrhundert empfingen diese Kerzen die kirchliche Weihe und wurden dadurch zum hochgeschätzten kirchlichen Sakramentale. Ihre Einsatzgebiete sind bemerkenswert vielfältig und zeigen, wie tief der Glaube an ihre Schutzwirkung saß.

  • Beim Gewitter
    Bereits seit dem 9. Jahrhundert werden am Lichtmesstag die Kerzen gesegnet, und schon immer wurde den Lichtmesskerzen große Bedeutung zugemessen. So brennt noch heute bei Unwetter, Blitz und Donner in so mancher Familie die geweihte Wetterkerze.
  • Am Krankenbett und Sterbebett
    Eine besonders wichtige Rolle spielt die Kerze am Sterbebett. Sie brennt neben dem Sterbenden, um ihn vor Angriffen böser Mächte zu schützen und der Seele den rechten Weg zu weisen.
  • Bei Geburt und Wochenbett
    In Bayern lassen die Frauen meist einen roten Wachsstock weihen. Er dient besonders dazu, um Hand, Fuß und Geräte der Wöchnerin gewunden zu werden, damit aller Zauber von Mutter und Kind fernbleibe.
  • Als Wachskreuz an der Tür: In der Eifel befestigte man ein kleines wächsernes Kreuz aus Stücken der Lichtmesskerze hinter der Stubentür, wenn ein Kind geboren war. Ähnliche Bräuche fanden sich auch im Alpenraum.

Mehr als ein frommer Brauch

Im inneralpinen Raum gehört Lichtmess zu den mächtigsten Brauchtagen des Jahres. Im Zentrum steht die geweihte Kerze, der höchste Schutzkräfte zugeschrieben werden. Mit ihr schützt man Haus, Stall und Vieh. Wachs wird an Türen, Balken und Stallungen angebracht oder zu kleinen Kreuzen geformt. Auch gemeinschaftliche Bräuche sind verbreitet. Jugendliche ziehen mit brennenden Kerzen umher, es wird gesungen oder gesammelt. Lichtmess ist hier nicht nur ein häuslicher, sondern auch ein sozialer Tag.

In Bayern und auch Teilen Salzburgs war der Tag lange auch ein wirtschaftlicher Einschnitt: Bis 1912 war dieser Tag in Bayern sogar ein gesetzlicher Feiertag und ein wichtiger Tag im Bauernkalender. Denn am Lichtmesstag wurde der Lohn für das abgelaufene Jahr ausgezahlt und in der Regel ein neuer Dienstvertrag mit den Knechten und Mägden abgeschlossen. Das Licht und das Leben, der Jahreslohn und der göttliche Schutz – an Lichtmess liefen viele Fäden zusammen.

Ein Volksglaube mit Eigenlogik

Interessant ist auch, was der Volksbrauch um die Kerze an Aberglaube angereichert hat. Am Lichtmessabend vereinigte man sich in den Häusern zu gemeinsamem Beten und zündete Kerzen an; wessen Licht zuerst erlosch, der musste zuerst sterben. Solche Deutungen zeigen, wie eng Schutzmagie, Gemeinschaft und Todesangst in dieser Jahreszeit miteinander verwoben waren.

Nahezu überall dient Lichtmess dem Schutz. Haus, Stall, Vieh, Kranke, Sterbende und Neugeborene werden durch Kerzen, Wachs, Rauch oder rituelle Umgänge gesichert. Besonders empfindliche Übergänge, wie Geburt, Krankheit und Tod werden an diesem Tag mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht.

Bedeutung heute

In katholischen Kirchen findet auch heute noch an Maria Lichtmess eine Kerzensegnung statt, gelegentlich verbunden mit einer Lichterprozession. Die geweihte Kerze mit nach Hause zu nehmen ist in vielen Familien, vor allem im ländlichen Alpenraum, noch üblich. Ob sie dann wirklich beim nächsten Gewitter entzündet wird, ist und von Familie zu Familie verschieden.

Maria Lichtmess

Jedes Jahr, genau 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, feiert die katholische Kirche ein besonderes Fest, das als “Darstellung des Herrn” bekannt ist. Dieses Fest wird im Volksmund auch “Maria Lichtmess” genannt und markiert traditionell das Ende des weihnachtlichen Festkreises. Es war einst Brauch, erst an diesem Tag die Krippe und den Weihnachtsbaum aus dem Wohnzimmer zu entfernen. Doch seit der Liturgiereform in der katholischen Kirche endet die Weihnachtszeit nun mit dem Fest “Taufe des Herrn” am ersten Sonntag nach dem 6. Januar.

Maria Lichtmess hat eine besondere Bedeutung für die Kirche und die Gläubigen. An diesem Tag wird der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen traditionell geweiht. Aber nicht nur das, auch die Gläubigen bringen ihre eigenen Kerzen mit, die sie zu Hause verwenden möchten, um sie in dem feierlichen Gottesdienst segnen zu lassen.

Es gibt einen alten Glauben, der bis heute in einigen Teilen erhalten geblieben ist, dass diese gesegneten Kerzen Unheil abwehren können. Insbesondere die sogenannten “Donnerkerzen”, schwarze Wetterkerzen, sollen Schutz vor Gewittern und Stürmen bieten. Diese werden auch in Maria Kirchental in der Kirche gegen eine Opfergabe das ganze Jahr angeboten.

Im Anschluss an die Messfeier wird oft der Blasiussegen erteilt, der vor Krankheiten schützen soll. Obwohl der Gedenktag des heiligen Blasius eigentlich erst einen Tag später, am 3. Februar, begangen wird, ist es üblich, diesen Segen bereits an Maria Lichtmess zu spenden.

Auch in der Landwirtschaft hat der Tag eine ganz besondere Bedeutung, er läutet den Beginn eines neuen Bauernjahres ein.

Dienstmägde und Knechte, die auf den Bauernhöfen einfache Arbeiten verrichten, erhalten an diesem Tag ihren wohlverdienten Lohn. Aber Mariä Lichtmess ist nicht nur ein Tag der Bezahlung, sondern auch ein Tag des Neubeginns. Viele Dienstboten beenden an diesem Tag ihr Arbeitsverhältnis mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber, um auf einem anderen Bauernhof eine neue Stelle anzutreten. Dieser Wechsel der Arbeitsstelle wird als “Dienstbotenwandern” bezeichnet.