Philippinacht

Die Philippinacht bezeichnet im im Voralpenland die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Der Name leitet sich vom kirchlichen Gedenktag der Heiligen Philippus und Jakobus am 1. Mai ab. In der Volksüberlieferung ist die Bezeichnung regional gebräuchlich.

Während die Walpurgisnacht in vielen Regionen namentlich dominiert, ist Philippinacht eine lokale Bezeichnung, die denselben Zeitraum meint, jedoch stärker kirchlich benannt ist. Inhaltlich sind die Motive sehr ähnlich.

Ursprünglich eine „Freinacht“, in der Burschen für Ordnung sorgen sollten, indem sie nicht weggeschlossene Gegenstände einsammelten, die dann die Besitzer am nächsten Tag abholen mussten.
Dabei ziehen sie nachts durchs Dorf und verstellen Wagen, Bänke, Tonnen oder Gartengeräte bzw. sammeln „wandernde Gegenstände“ an zentralen Plätzen. Aber alles passiert ohne Beschädigung.

In vielen Gegenden beginnt oder endet die Nacht mit dem Bewachen bzw. Vorbereiten des Maibaums und ach dem Verhindern des Maibaumdiebstahls. Diese Nacht gilt als besonders „kritisch“ für den Maibaum.

Der Brauch ist vielerorts in Unfug und Vandalismus umgeschlagen, wobei auch Sachen zerbrochen und größere Schäden angerichtet werden. Trachten- und Brauchtumsvereine versuchen, den ursprünglichen Sinn des Brauchs wieder zu vermitteln. 

Prangerstutzen

Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.

Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.

Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.

Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.

Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen

Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022

Prozession zu Fronleichnam

Der Name klingt für viele rätselhaft. „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „Fron“ bedeutet „Herr“ (im religiösen Sinne), „Leichnam“ stand damals schlicht für „Körper“ – nicht für einen Toten. Fronleichnam heißt also wörtlich: Leib des Herrn.

Gemeint ist damit das Allerheiligste: die konsekrierte Hostie, die im katholischen Glauben den Leib Jesu Christi darstellt. Das Fest feiert die reale Gegenwart Christi in der Eucharistie und ist damit ein zutiefst theologisches Fest, das aber im Volksbrauch eine sehr lebendige, fast festliche Gestalt angenommen hat.

Das Datum ist beweglich: Fronleichnam fällt auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten, also je nach Jahr zwischen Ende Mai und Ende Juni.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Das Fronleichnamsfest geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Auf Betreiben der Mystikerin Juliana von Lüttich und später durch Papst Urban IV. wurde das Fest 1264 für die gesamte Kirche eingeführt. Den Hymnus für das Fest soll Thomas von Aquin verfasst haben, darunter das bis heute gesungene Tantum Ergo.

Die Prozession als öffentliche Form des Festes entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten. Besonders nach dem Konzil von Trient (Mitte des 16. Jahrhunderts) wurde sie im katholischen Raum bewusst gefördert: als sichtbares Zeichen des Glaubens nach außen, in einer Zeit, in der die Kirche sich gegenüber der Reformation positionierte.

Im Alpenraum verwurzelte sich die Prozession tief in der bäuerlichen Lebenswelt. Sie war nicht nur religiöse Pflicht, sondern auch Gemeinschaftsereignis und ein Schutzritual für Felder, Fluren und Vieh.

Ablauf

Der Ablauf ist in vielen Gemeinden ähnlich, im Detail aber regional unterschiedlich.

  • Die Messe als Ausgangspunkt
    Die Prozession beginnt nach oder im Anschluss an die Festmesse in der Kirche. Der Priester trägt die Monstranz, in dem die konsekrierte Hostie sichtbar für alle präsentiert wird.
  • Der Zug durch den Ort
    Der Priester schreitet unter einem Baldachin, der traditionell von vier Männern gehalten wird. Um ihn herum: Ministranten mit Weihrauchfässern und Kerzen, Fahnenträger der örtlichen Vereine und Bruderschaften, Trachtler, Musikkapellen, Schulkinder in weißen Kleidern, Erstkommunikanten, Vertreter der Feuerwehr und anderer Vereine und die Gemeinde selbst.
    Der Zug bewegt sich durch die Straßen des Ortes zu vier Außenaltären. Diese werden von Familien, Vereinen oder Pfarrgruppen aufgebaut und oft aufwendig mit Blumen, Birkenreisig, Fahnen und religiösen Symbolen geschmückt.
  • Die vier Altäre
    An jedem Altar macht die Prozession halt. Der Priester stellt die Monstranz auf den Altar, es wird gebetet, ein Evangeliumsabschnitt gelesen, und am Ende erteilt er mit der Monstranz den Segen in die vier Himmelsrichtungen. Diese vier Stationen werden symbolisch mit den vier Evangelisten oder den vier Himmelsrichtungen in Verbindung gebracht. Ein Zeichen, dass der Segen die ganze Welt umfassen soll.
  • Blumen auf der Straße
    Traditionell werden die Prozessionswege mit Blumen bestreut oder dekoriert. In manchen Gemeinden entstehen aufwendige Blumenteppiche aus frischen Blüten entlang des gesamten Weges. Dieser Brauch hat sich besonders in Tirol und Teilen Bayerns erhalten.

Regionale Besonderheiten im Alpenraum

Im Voralpenland und in den Alpentälern hat die Prozession oft eine besonders intensive Gestalt angenommen, weil sie mit bäuerlichem Leben und Naturerfahrung verbunden war.

In Salzburg-Stadt zieht die Dompfarre eine große Prozession durch die Altstadt, vorbei an barocken Fassaden und historischen Plätzen. Die Verbindung von Stadtkultur, barockem Erbe und lebendiger Volksreligiosität macht diese Prozession besonders eindrucksvoll.
In Tirol sind manche Prozessionen in Berggemeinden erhalten, bei denen der Weg durch Felder und Wiesen führt, wobei die Haltepunkte teils frei in der Landschaft liegen. Hier ist der Charakter eines Flurumgangs, also eines schützenden Rundgangs über das eigene Land, noch spürbar.
In Bayern und dem Salzburger-Land haben viele Landgemeinden die Prozession als lebendigen Brauch erhalten, oft in enger Verbindung mit der Trachtenkultur. Schützenkompanien, Trachtenvereine und Musikkapellen gehören fast überall dazu.

Bedeutung heute

In Städten ist die Fronleichnamsprozession für viele Menschen kaum noch sichtbar, sie läuft als eine Veranstaltung unter vielen. In ländlichen Gemeinden des Alpenraums ist das anders. Hier ist die Prozession oft noch ein Termin, an dem ein großer Teil der Bevölkerung teilnimmt oder sie zumindest am Straßenrand erlebt.

Die Bedeutung hat sich dabei verschoben. Für manche Teilnehmer ist es ein tief religiöser Moment. Für andere ist es Tradition, Gemeinschaftsgefühl, der Rhythmus des Jahres, der Wunsch nach Kontinuität. Beides ist legitim. Die Prozession hält ein Angebot bereit: für eine Stunde gemeinsam durch den eigenen Ort zu gehen, langsam, mit Gesang, und dabei sichtbar zu machen, was eine Gemeinschaft zusammenhält.

Gebetstext Tantum ergo

Latein

Tantum ergo Sacramentum
Veneremur cernui:
Et antiquum documentum
Novo cedat ritui:
Praestet fides supplementum
Sensuum defectui.

Genitori, Genitoque
Laus et jubilatio,
Salus, honor, virtus quoque
Sit et benedictio:
Procedenti ab utroque
Compar sit laudatio.
Amen.

Deutsch

Kommt, lasst uns anbetend knien,
vor dem Sakrament so groß!
Lass die alten Bilder fliehen,
neuem Ritus mach sie los!
Glaube soll uns Kraft verleihn,
wo die Sinne nicht verstehn.

Preis und Lob dem Vater droben
und dem Sohne, der uns liebt;
Heil und Ehre sei erhoben
dem, der uns den Segen gibt!
Dem aus beiden ausgehenden
gleiche Ehr und Preis auf ewig!
Amen.

Schwendtag

Der Schwendtag war der traditionell festgelegte Gemeinschaftstag, an dem Bäuerinnen und Bauern, Nachbarn und Knechte gemeinsam ausrückten, um die Arbeit des „Schwendens“ zu erledigen. Kein einzelner hätte das allein geschafft.

Als fester Gemeinschaftstag war der Schwendtag in vielen Talgemeinden des Salzkammerguts, der Steiermark, Tirols und Salzburgs bekannt. Er war häufig in die sogenannte Nachbarschaftshilfe (auch „Nachbarschaft“ oder „Gmoa-Arbeit„) eingebettet – ein altes System gegenseitiger Verpflichtung, das in ländlichen Alpengemeinden das soziale Miteinander regelte.

Die genauen Termine richteten sich nach dem Kalender, nach Erfahrung und nach dem Wetter – oft lagen sie im späten Frühjahr oder Frühsommer, bevor die Almwirtschaft in vollem Gange war.

Ein Schwendtag war keine romantische Landpartie, sondern harte körperliche Arbeit. Typischerweise war es früher so aufgeteilt:

  • Früher Aufbruch
    Die Arbeit begann in den Morgenstunden, oft nach dem ersten Gebet oder der Frühmesse. Werkzeug wurde mitgebracht: Sensen, Sicheln, Schlegeln, Äxte, Rechen.
  • Gemeinschaftliche Einteilung
    Wer welche Fläche übernimmt, war oft durch alte Gemeinderechte oder mündliche Absprachen geregelt. In manchen Gemeinden gab es einen sogenannten Weidevogt oder Almbauern, der die Arbeit koordinierte.
  • Das Verbrennen des Schnittguts
    Abgeschnittener Adlerfarn, Farnkraut und Strauchwerk wurden zu Haufen zusammengerecht und – wenn Witterung und Brauch es erlaubten – verbrannt. In manchen Gegenden galt das Feuer dabei auch als reinigendes Element.
  • Das gemeinschaftliche Essen
    Kein Schwendtag ohne Vesper. Die Bäuerinnen brachten Brot, Speck, Käse und Most. Wer eine größere Fläche zu bieten hatte, lud die Helfer zum Festessen ein – ähnlich wie beim Dreschen oder beim Hausbau.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land und im Salzkammergut ist das Schwenden heute noch bekannt, vor allem im Zusammenhang mit dem Erhalt der typischen Streuwiesen und Almweiden, die unter Naturschutz stehen.

In Tirol und der Steiermark lebte der Schwendtag besonders auf Almen fort, wo die Weidegemeinschaften (Agrargemeinschaften) gemeinsam für die Pflege der Flächen zuständig waren und es sind.

In Bayern, besonders im Chiemgau und Berchtesgadener Land, ist der Begriff weniger geläufig, das Prinzip jedoch dasselbe – unter anderen Namen wie „Almputzen“ oder „Weideräumen“.

Bedeutung heute

Der Schwendtag erlebt gerade eine stille Renaissance – allerdings aus einem anderen Grund als früher. Wo er einst wirtschaftliche Notwendigkeit war, ist er heute oft ein Akt des Naturschutzes. Viele Almwiesen und Streuwiesen im Alpenraum sind wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere – aber nur, wenn sie offen gehalten werden. Dies geschah früher durch das Beweiden der Flächen durch Kühe, Schafe, Pferde oder Zeigen. Da dies heute oft unrentabel ist, muss es mit Hand gemacht werden, um die Verbuschung der offenen Almflächen zu verhindern.

Gemeinden, Naturschutzvereine, Almbauern und freiwillige Helfer organisieren heute Schwend- oder Pflegetage, um überalterte Böschungen, verbrachte Weidehänge und verfilzte Randstreifen zu pflegen. Was früher Pflicht war, ist heute freiwilliges Engagement – und genau deshalb auch Zeichen einer lebendigen Beziehung zur Landschaft.

Der soziale Aspekt ist dabei geblieben: gemeinsam anpacken, gemeinsam essen, gemeinsam über das Land reden.

Walpurgisnacht

Walpurgisnacht

Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai trägt den Namen einer angelsächsischen Heiligen: Walburga, auch Walpurga oder Walpurgis genannt, war eine Missionarin, die im 8. Jahrhundert ins Frankenreich kam, Klöster gründete und Kranke heilte. Am 1. Mai 870 wurde sie heiliggesprochen – und damit war der Termin gesetzt. Dass ausgerechnet dieser Tag zur bekanntesten Hexennacht des Jahres wurde, hat weniger mit der frommen Äbtissin zu tun als mit dem, was an diesem Datum schon lange vor ihr gefeiert wurde.

Der 30. April markierte in vorchristlicher Zeit einen der großen Wendepunkte im Jahreskreis: den Übergang vom Winter in den Sommer. Für die Kelten war es das Fest Beltane, für germanische Völker ein Zeitpunkt, an dem die Grenzen zwischen der Welt der Lebenden und der Geister als besonders durchlässig galten. Die Kirche legte das Fest der heiligen Walburga bewusst auf diesen Termin, in der Hoffnung, die alten Bräuche zu überlagern. Das ist nur halb gelungen – der alte Glaube blieb hartnäckig, er zog sich einfach in neue Formen zurück.

Im Mittelalter verdichtete sich rund um diese Nacht eine besondere Vorstellung: Hexen fliegen auf ihren Besen aus, um auf dem Blocksberg – dem Brocken im Harz – ihren großen Sabbat zu feiern, dort mit dem Teufel zu tanzen und Unheil zu schmieden. Diese Bilder waren nicht harmlos, sie nährten die Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit. Im Alpenraum kennt man ähnliche Vorstellungen, nur mit anderem Personal: Hier sind es Perchten, Dämonen und wilde Geister, die in dieser Nacht umgehen und besonders dem Vieh gefährlich werden können – die Milch verderben, Tiere krank machen.

Das volkskundliche Gegenmittel war vielfältig. Feuer wurde entzündet, um böse Geister fernzuhalten, Lärm sollte sie vertreiben, Weißdorn- und Brennnesselzweige kamen an Türen und Stallungen. Vielerorts wurden Besen umgekehrt vor die Haustür gestellt, damit keine Hexe einreiten konnte. Im ländlichen Alpenraum galt es vor allem, Haus und Stall gut zu sichern – ein bewachter Stall in der Walpurgisnacht war keine Abergläubigkeit, sondern gelebte Fürsorge.

Heute ist die Walpurgisnacht vielerorts zu einem fröhlichen Volksfest geworden. In Deutschland brennen die Walpurgisfeuer, besonders rund um den Brocken im Harz ist der Brauch mit Kostümen und Feiern lebendig. Im Alpenraum hat sich das ursprünglichere Feuerbrauchtum stärker gehalten: Höhenfeuer, die den Frühling begrüßen und gleichzeitig an die alte Schutzfunktion des Feuers erinnern. Der Name der heiligen Walburga ist dabei längst in den Hintergrund getreten – geblieben ist die Nacht selbst, mit all dem, was die Menschen schon immer in sie hineingelegt haben.

Weißer Sonntag

Der Weiße Sonntag ist der Sonntag nach Ostern und damit der zweite Sonntag der Osterzeit. Mit ihm endet die sogenannte Osteroktav, also jene acht Tage vom Ostersonntag an, die in der katholischen Liturgie allesamt als Hochfest begangen werden. Im offiziellen Kirchenkalender heißt er seit der Liturgiereform von 1970 schlicht Zweiter Sonntag der Osterzeit, doch im deutschsprachigen Raum hat sich die volkstümliche Bezeichnung Weißer Sonntag bis heute gehalten. Sein frühester möglicher Termin ist der 29. März, der späteste der 2. Mai.

Woher kommt der Name?

Die Wurzel des Namens liegt in einer frühen christlichen Taufpraxis: In der Osternacht wurden Erwachsene getauft und empfingen dabei auch erstmals die Eucharistie. Die Neugetauften trugen ihre weißen Taufgewänder als sichtbares Zeichen des neuen Lebens in Christus acht Tage lang weiter, die gesamte Osteroktav hindurch. Am achten Tag, dem Sonntag nach Ostern, legten sie die Gewänder feierlich ab. Der lateinische Name des Tages, Dominica post albas, bedeutet wörtlich Sonntag nach den weißen Gewändern.

Interessanterweise hieß ursprünglich ein anderer Tag Weißer Sonntag: der erste Fastensonntag, an dem die Taufbewerber in Rom erstmals in weißen Kleidern in die Kirche einzogen. Erst nach dem Konzil von Trient im 16. Jahrhundert setzte sich die Bezeichnung immer mehr für den Sonntag nach Ostern durch.

Vom Tauftag zum Kommuniontag

Mit der zunehmenden Verbreitung der Kindstaufe verschwand die früher übliche Einheit von Taufe und Erstkommunion. Der Bezug zur Taufe blieb aber geistlich erhalten, und der Weiße Sonntag galt fortan als Tag des Taufgedächtnisses. Da die erste Kommunion als bewusste Erneuerung der Taufe und Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche verstanden wird, wurde er besonders ab dem 17. Jahrhundert bevorzugt als Termin für dieses Sakrament festgelegt. Im 19. Jahrhundert verfestigte sich das durch bischöfliche Weisungen zum festen Datum.

Das weiße Kleid der Erstkommunionkinder heute hat übrigens eine eigene Geschichte: Es greift zwar die Symbolik des Weiß auf, geht aber ursprünglich nicht auf die alte Tauftradition zurück, sondern ist ein bürgerlicher Brauch.

Eigene Namen

Der Ahnlsonntag in Oberösterreich

Im Voralpenland gibt es eine besonders schöne volkstümliche Überlieferung rund um diesen Tag. In Teilen Oberösterreichs trägt der Weiße Sonntag den eigenen Namen Ahnlsonntag, also der Sonntag für die Ahnen. Kinder besuchen dabei ihre Großeltern und erhalten von ihnen ein Ahnlkipferl, ein großes Kipferl aus Germteig, oft mit Rosinen. In manchen Bäckereien werden diese Kipferl eigens für diesen Anlass gebacken. Der Brauch lebt heute noch in einigen Teilen Oberösterreichs, etwa im Mühlviertel, in der Pyhrn-Priel-Region, im Kremstal und rund um Gmunden.

In der Oststeiermark und in Teilen Oberösterreichs finden am Weißen Sonntag außerdem traditionell kleine Kirtage statt, also Kirchtagsfeste mit Markt und Volksbelustigung.

Der Barmherzigkeitssonntag

Seit dem Jubiläumsjahr 2000 trägt der Weiße Sonntag einen zweiten Namen: Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, auch Barmherzigkeitssonntag. Papst Johannes Paul II. legte diesen Themensonntag am 30. April 2000 für die gesamte römisch-katholische Kirche fest. Der Barmherzigkeitssonntag geht auf Privatoffenbarungen der polnischen Ordensschwester Faustina Kowalska zurück, die Botschaften Jesu über die göttliche Barmherzigkeit empfangen haben soll und die Johannes Paul II. an eben jenem Tag heiligsprach.

Bedeutung heute

Der Weiße Sonntag ist in weiten Teilen Österreichs, Bayerns und des deutschsprachigen Raums bis heute einer der lebendigsten Feiertage im Kirchenjahr, gerade für Familien. Die Erstkommunionfeier ist nach wie vor ein wichtiges Ereignis im Leben vieler Kinder und Gemeinden. Auch die alte Verbindung zur Taufe findet in manchen Gemeinden neue Beachtung: Erwachsenentaufen in der Osternacht erleben seit einigen Jahren einen Aufschwung, was den ursprünglichen Sinn des Tages wieder sichtbarer macht.

Der Ahnlsonntag in Oberösterreich zeigt zudem, wie sich kirchliche Feiertage mit lokaler Familientradition verbinden können, auf eine Art, die wenig mit großem Aufwand zu tun hat, aber viel mit Zusammengehörigkeit.