Almauftrieb

Als Almauftrieb, in der Schweiz auch Alpaufzug oder Alpfahrt genannt, bezeichnet man das Bringen von Weidevieh auf die Bergweiden, die sogenannten Almen. Der Termin richtet sich nach dem Pflanzenwachstum in der Höhe: Er findet, ausgerichtet am aktuellen Pflanzenwachstum auf den Almen, meist im Mai oder Juni statt. Den Abschluss des Almsommers bildet dann im Herbst der Almabtrieb.

Der Almauftrieb ist das stillere, unspektakulärere Gegenstück zum festlichen Almabtrieb im September oder Oktober. Doch gerade in dieser Schlichtheit liegt etwas Echtes: Es geht nicht ums Schauspiel, sondern ums Wirtschaften, ums Loslassen und ums Vertrauen in den Sommer.

Herkunft

Die Almwirtschaft zählt zu den ältesten Nutzungsformen im gesamten Alpenraum. Neueste Forschungen zeigen, dass bereits im 5. Jahrtausend vor Christus die natürlichen Weideflächen oberhalb der Waldgrenze in den Alpen genutzt wurden. Auf der Kelch-Alm bei Kitzbühel wurden sogar Überreste von Almtieren aus der Spätbronzezeit gefunden, also aus der Zeit zwischen 1250 und 750 vor Christus.

Ab dem 9. Jahrhundert, mit der bairischen Landnahme, sind urkundliche Belege für die Almnutzung vorhanden. Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert führte die zunehmende Bevölkerungsdichte zu verstärkten Rodungen in den Gebirgswäldern, wodurch neue Almen entstanden. Ein Rückschlag folgte durch die Kleine Eiszeit: Diese führte zu einer Verkürzung der Auftriebszeiten auf den Almen, und viele Hochalmen in den Berchtesgadener Alpen und um Oberstdorf wurden aufgegeben.

Der Grundgedanke hinter der Almwirtschaft war immer derselbe: Die Erträge aus der Landwirtschaft in den Tälern wurden für die Wintermonate gebraucht, und die Almnutzung stellte somit eine Entlastung im Sommer dar. Wer sein Vieh im Sommer in die Höhe schickte, hatte im Tal Platz, Heu für den Winter einzubringen.

Ablauf

In vielen Regionen wird der Almauftrieb mit einer Segnung begleitet. Vor dem Aufstieg versammeln sich die Bauernfamilien, Hirtinnen und Hirten mit ihren Tieren, um den Segen für eine unfallfreie Almsaison zu erhalten. In vielen Orten ist es noch Brauch, dass ein Pfarrer vor Ort ist und die Tiere vor dem Auftrieb segnet, um sie gegen die Gefahren wie Abstürze oder Krankheiten zu schützen.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Almauftrieb mit manchmal mehrtägigen Fußmärschen für Vieh und Hirten verbunden. Dabei wurden den Kühen, je nach Gegend, große Glocken umgehängt. Im Gegensatz zum festlichen Almabtrieb im Herbst wurden die Tiere beim Aufstieg traditionell nicht mit Blumenschmuck versehen. Die Stimmung war arbeitsam, nicht zeremoniell.

In vielen Almhütten ist es üblich, dass nach dem Almauftrieb eine gemeinsame Mahlzeit eingenommen wird: ein einfaches, aber herzhaftes Almfrühstück mit frischem Brot, Almbutter, Almkäse und Speck. Diese Geste des gemeinsamen Essens am ersten Tag auf der Alm symbolisiert den Beginn eines neuen Almsommers und die Verbundenheit zwischen Mensch, Tier und Berglandschaft.

In Tirol und Salzburg sind es vor allem die Genossenschaftsalmen, die gemeinschaftlich bewirtschaftet werden und beim Auftrieb ein kollektives Ereignis für mehrere Bauernfamilien darstellen. Regional unterschiedlich ist auch, welche Tiere aufgetrieben werden: Mancherorts sind es nur Kühe, anderswo Schafe, Ziegen oder in Tirol und im Pinzgau auch Haflinger-Pferde.

Bedeutung heute

Der Almauftrieb markiert den Beginn eines neuen Almsommers, fördert den Zusammenhalt in der Gemeinschaft und bewahrt jahrhundertealte Traditionen. Gleichzeitig hat er eine handfeste wirtschaftliche Funktion: Durch die Aufzucht im gesunden Bergklima wird das Almvieh besonders robust, und die verschiedenen Gebirgskräuter und -pflanzen, die von den Tieren gefressen werden, steigern die Fleisch- und Milchqualität erheblich.

Die Almwirtschaft erlebte nach einem Einbruch in den 1970er Jahren ab 1980 dank verschiedener Förderungen und des noch vorhandenen Traditionsbewusstseins einen neuen Aufschwung und ist zunehmend auch für den Tourismus ein Thema geworden.

Herz Jesu Feuer

Die Herz-Jesu-Feuer sind Bergfeuer, die jedes Jahr am zweiten Sonntag nach dem Fronleichnamsfest, also am dritten Samstag oder Sonntag nach Pfingsten, in ganz Tirol entzündet werden. Sie stehen im Zusammenhang mit der sogenannten Herz-Jesu-Verehrung, einem zentralen Element der tief verwurzelten Volksreligiosität in dieser Region. Die Feuer gelten als sichtbares Zeichen eines historischen Gelöbnisses, das das Land Tirol im Jahr 1796 abgelegt hat. Heute werden sie in allen Teilen des historischen Tirol gepflegt, von Nord- und Osttirol über Südtirol bis ins Trentino und in einzelne ladinische Gemeinden.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Vorchristliche Wurzeln: Das Feuer gehörte zum Berg

Der Brauch, im Frühsommer auf den Bergen Feuer zu entzünden, geht auf vorchristliche Sonnwend- und Johannisfeuer zurück. In den Alpen war die Sommersonnenwende ein wichtiger Zeitpunkt im bäuerlichen Jahr. Die Sonne war unter den extremen Lebensbedingungen im Alpenraum entscheidend für Wachstum und Gedeihen von Natur und Mensch. Besonders wichtig im Lebensrhythmus waren die Sonnenwenden, die unter anderem durch das Entzünden großer Feuer gefeiert wurden. Mit dem Einzug des Christentums wandelten sich diese Brauchformen: Die Sonnwendfeuer wurden zum Johannisfeuer, dem Fest Johannes des Täufers am 24. Juni. Das Feuer auf dem Berg blieb, der Name und die Bedeutung änderten sich.

Das Gelöbnis von 1796

Der entscheidende Wendepunkt kommt aus einer konkreten historischen Notlage. Im Frühjahr 1796 traf der Krieg gegen Napoleon das Land Tirol vollkommen überraschend und unvorbereitet. Die Tiroler verfügten zwar über das Privileg, das Kaiser Maximilian I. im „Landlibell“ festgesetzt hatte, nämlich an keinen Kriegen außerhalb des Landes teilnehmen zu müssen, dafür aber die eigene Landesverteidigung selbst zu organisieren. Dieses Privileg hatte über Generationen gut funktioniert, doch nun stand Napoleons Heer vor der Tür.

Vom 30. Mai bis 1. Juli 1796 trat ein 24-köpfiger Ausschuss der Tiroler Landstände in Bozen zusammen, um über die Situation zu beraten. Dort erhob sich eine Stimme mit einem ungewöhnlichen Vorschlag: Es war ursprünglich die Idee des Pfarrers Anton Paufler aus Wildermieming, die der Stamser Abt Sebastian Stöckl aufgriff und dem Tiroler Landtag vorschlug, das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ anzuvertrauen, um so göttlichen Beistand zu erhalten. Dieser Vorschlag wurde von den Ausschussmitgliedern einstimmig angenommen. Das Gelöbnis sollte jährlich erneuert werden. Als Festtag wurde der zweite Freitag nach Fronleichnam festgelegt.

Andreas Hofer und der Sieg am Bergisel

Andreas Hofer erneuerte das Gelöbnis vor der Schlacht am Bergisel 1809 gegen die Franzosen und Bayern als einigendes Band unter den Tirolern. Hofers Truppen siegten, und dies machte den Herz-Jesu-Sonntag zum hohen Feiertag. Aus einem Notgelöbnis in einer Kriegssituation war damit ein fester Bestandteil der tirolerischen Identität geworden.

Die Feuer kommen später dazu

Ein wichtiger Hinweis für alle, die meinen, die Bergfeuer seien von Anfang an Teil des Brauchs gewesen: Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert werden auf den Bergen Tirols Herz-Jesu-Feuer als Zeichen der Erneuerung des Gelöbnisses von 1796 entzündet. Das Gelöbnis selbst ist also deutlich älter als die Feuerpraxis, die wir heute kennen. Damals nutzte man Bergfeuer als Signalmittel, um den Landsturm einzuberufen. Diese Signalfeuer hatten aber auch etwas Überirdisches an sich, sodass sie anlässlich des Herz-Jesu-Festtags entzündet wurden und die Sonnwendfeuer dabei zunehmend in den Hintergrund traten.

Ablauf und typische Elemente

Der Herz-Jesu-Sonntag

Der Festtag beginnt mit einem feierlichen Gottesdienst. Die Tiroler Landesregierung erneuert das Gelöbnis jedes Jahr bei einem Landesgelöbnisgottesdienst in der Jesuitenkirche in Innsbruck. Dabei wird das Gebet zur Gelöbniserneuerung gesprochen und ein Lied gesungen, das erstmals bei der 100-Jahrfeier 1896 erklang.

Die Feuer auf den Bergen

Am Abend des Herz-Jesu-Sonntags beginnt das eigentliche Spektakel. Freiwillige, häufig organisiert durch Bergsteiger- und Schützenvereine, tragen Holz, Laternen und Brennmittel auf die Berghänge und Gipfel. Die Feuer werden in Form von Herzen, Kreuzen oder den Zeichen Christi, also „INRI“ oder „IHS“, angeordnet. In Innsbruck und Umgebung werden sie auf den höchsten Berggipfeln entzündet. Einige Gruppen verbringen die Nacht auf den Bergen, damit die Feuer sicher abbrennen.

Ein dunkles Kapitel: Die Feuernacht 1961

Dieser Abschnitt gehört zur ehrlichen Darstellung des Brauchs. Am Herz-Jesu-Festtag 1961 sprengten Aktivisten des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) im Rahmen der sogenannten „Feuernacht“ 37 Strommasten in Südtirol. Die Wahl dieses symbolisch hoch aufgeladenen Datums war bewusst und zeigt, wie eng religiöse Symbole und politische Identität in der Südtiroler Geschichte verknüpft waren. Der Brauch wurde damit instrumentalisiert. Diese Dimension sollte nicht verschwiegen werden, wenn man über die Herz-Jesu-Feuer schreibt.

Bedeutung heute

Aus dem ursprünglich religiösen Gedanken ist heute ein Brauchtum geworden, das auch touristisch vermarktet wird. Das klingt nüchtern, beschreibt aber eine Entwicklung, die viele traditionsreiche Bräuche durchmachen. Für die meisten Tiroler sind die Herz-Jesu-Feuer beides: ein Stück kollektiver Erinnerung und ein Gemeinschaftserlebnis. Wer auf einer sommerlichen Hüttenwanderung erlebt, wie nach Einbruch der Dunkelheit an den gegenüberliegenden Hängen die Feuer aufflackern, begreift ohne lange Erklärungen, warum dieser Brauch seit über 200 Jahren lebt.

Pfingstfeuer

Das Pfingstfeuer ist ein Brauchtumsfeuer, das am Abend vor Pfingsten oder am Pfingstsonntag entzündet wird. Die lodernde Flamme gilt dabei einerseits als Symbol des Heiligen Geistes, andererseits als Zeichen der Reinigung und Erleuchtung der Gläubigen.

Es ist ein Brauch, der heute längst nicht mehr überall gepflegt wird. Im Symbol des Feuers ist die Geistsymbolik der Heiligen Schrift am sinnfälligsten zu erfahren. Dort, wo das Pfingstfeuer noch lebt, verbindet es kirchliche Frömmigkeit mit dem alten menschlichen Impuls, sich am Feuer zu versammeln.

Herkunft

Pfingsten selbst ist ein altes Fest. Im Jahr 130 n. Chr. wurde Pfingsten zum ersten Mal als christliches Fest erwähnt. Der Name leitet sich vom griechischen pentekoste hemera ab, was einfach der fünfzigste Tag bedeutet, denn Pfingsten wird genau fünfzig Tage nach Ostern gefeiert.

Viele christliche Feiertage haben im Zuge der Christianisierung ehemals heidnische Feste abgelöst. Entsprechend wurden weltliche Bräuche in ein christliches Gewand gekleidet, zeitlich verlegt oder christlichen Festen angegliedert. Das gilt auch für manche Pfingstbräuche, wobei beim Pfingstfeuer im Besonderen die christliche Symbolik im Vordergrund steht. Wikipedia

Ablauf

Das Pfingstfeuer wird in der Regel am Vorabend von Pfingsten oder am Pfingstsonntag entzündet, oft auf einer Anhöhe oder einem freien Platz am Dorfrand. Am Vorabend des Pfingstfestes leuchtet dann und wann noch ein Pfingstfeuer auf der Höhe. Früher brannte jeder Hirtenbube in seinem Berg ein Feuer ab. Das war kein stilles Ritual, sondern ein geselliges Ereignis, bei dem gejohlt und gefeiert wurde.

Neben dem Pfingstfeuer und der Pfingsttaube gehören auch die Pfingstrose und der Pfingstochse zu den Pfingstsymbolen. Das Feuer ist also eines von mehreren Elementen, die das Fest sinnlich erfahrbar machen.

Regionale Besonderheiten

Im Salzburger Land hat sich eine besondere Form erhalten: In katholischen Gemeinden im Salzburger Land werden brennende Wergflocken durch das sogenannte Heiliggeistloch an der Kirchendecke auf die Gemeinde gestreut. Diese dramatische Darstellung der Feuerzungen findet also nicht draußen, sondern direkt im Kirchenraum statt, was sie zu einer eindrucksvollen liturgischen Handlung macht.

In Tirol hingegen dominiert zu Pfingsten ein anderer, eng verwandter Brauch: Statt Sonnwendfeuern brennen in Tirol am dritten Freitag nach Pfingsten die Herz-Jesu-Feuer, die eine eigene historische Geschichte haben und an den Tiroler Widerstand gegen Napoleon erinnern. Sie sind nicht mit dem Pfingstfeuer gleichzusetzen, entstammen aber demselben Grundimpuls: Feuer als gemeinschaftliches Zeichen.

Ob ein Pfingstfeuer als Gemeinschaftsbrauch, als kirchliches Element oder gar nicht mehr gepflegt wird, hängt stark von der einzelnen Gemeinde ab. Eine flächendeckende, einheitliche Tradition im Alpenraum gibt es nicht.

Bedeutung heute

Das Pfingstfeuer ist kein Brauch, der große Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es gibt keine spektakulären Veranstaltungen wie beim Sonnwendfeuer oder beim Krampuslauf. Wo es noch lebt, lebt es still: als Feuer nach der Pfingstmesse, als Flamme auf dem Hügel hinter dem Dorf, als Teil eines Gottesdienstes im Freien.

Gerade diese Stille macht es interessant. Das Pfingstfeuer erinnert daran, dass Pfingsten mehr ist als ein verlängertes Wochenende im Frühling. Es ist ein Fest des Lichts, der Verwandlung und der Gemeinschaft, und das Feuer macht das spürbar, ohne viele Worte zu brauchen.

Pfingstschnalzen

Beim Pfingstschnalzen knallen Burschen und Männer mit langen Peitschen, in der Volkskunde als sogenannte Lärmbrauch eingestuft. Der erzeugte Knall entsteht, wenn die Peitschenschnur mit Schwung durch die Luft geführt wird und die Schnurspitze die Schallmauer im Kleinen durchbricht. Der Klang ist scharf, weithin hörbar und unverkennbar. In der Steiermark ist der Brauch des Pfingstschnalzens am Pfingstsamstag noch immer üblich. Auch in Teilen Oberösterreichs hat er sich erhalten.

Herkunft

Der Ursprung des Pfingstschnalzens liegt im bäuerlichen Alltag. Mit dem Pfingstfest begann früher die Weideperiode, und es galt, die jungen Burschen in ihre Pflichten als Halterbuben einzuweisen. Um zu zeigen, dass sie kräftig genug waren, um mit den schweren Halterpeitschen umzugehen, veranstalteten die künftigen Halterbuben mancherorts Spiele, Wettkämpfe und Lärmbräuche wie das Pfingstschnalzen.

Der Halterbub, also derjenige, der das Vieh über den Sommer auf die Weide trieb und beaufsichtigte, brauchte die Peitsche als tägliches Arbeitswerkzeug. Das Schnalzen diente also nicht nur dem Spaß, sondern war auch ein praktischer Kompetenznachweis: Wer eine schwere Goaßl sicher führen konnte, war reif für die Alm.

Ob dem Peitschenknallen darüber hinaus auch eine apotropäische Funktion zugeschrieben wurde, also das Vertreiben böser Geister, wird in manchen Quellen erwähnt, ist aber nicht eindeutig belegt. Die volkstümliche Deutung, das Pfingstschnalzen mit Peitschen vertreibe böse Geister, ist verbreitet, aber volkskundlich nicht abschließend gesichert.

Das Pfingstschnalzen steht nicht allein. Es ist eingebettet in einen bunten Strauß an Pfingstbräuchen, die das Ende des Frühlings und den Einzug des Sommers feiern. Neben dem Pfingstschnalzen gibt es in Oberösterreich weitere Bräuche, die in den ländlichen Gegenden fixer Bestandteil des Jahreskreises sind: Pfingsttänze und Spiele unter freiem Himmel sollen den Sommer begrüßen, Pfingstbäume werden aufgestellt und Pfingstmaien verteilt.

Der Zusammenhang mit dem Aperschnalzen

Wer sich mit dem Pfingstschnalzen befasst, stößt unweigerlich auf seinen verwandten Brauch: das Aperschnalzen. Beide verwenden die Goaßl, beide gehören zur Kategorie der Lärmbräuche, aber der Zeitpunkt und die Herkunft unterscheiden sich. Beim Aperschnalzen, das im bayerischen Rupertiwinkel und im Salzburger Flachgau gepflegt wird, soll der laute Knall der Goaßl symbolisch den Winter vertreiben und auf den wiederkehrenden Frühling überleiten. Das Aperschnalzen findet zwischen dem Dreikönigstag und dem Faschingsdienstag statt, also mitten im Winter.

Das Pfingstschnalzen hingegen kommt rund drei Monate später, wenn der Frühling längst angekommen ist. Es ist kein Winteraustreiber mehr, sondern ein Sommereinläuter. Die beiden Bräuche mögen dieselben Werkzeuge und ähnliche Motive teilen, sind aber historisch und geographisch unterschiedlich verwurzelt.

Das Pfingstschnalzen ist heute vor allem in der Steiermark und in Teilen Oberösterreichs bekannt. In anderen Teilen des Alpenraums, etwa im Salzburger Zentralraum oder in Tirol, ist es als eigenständiger Pfingstbrauch weniger präsent, auch wenn die Goaßl dort durch das Aperschnalzen fest im Brauchtum verankert ist. Wie verbreitet das Pfingstschnalzen früher genau war, lässt sich anhand verfügbarer Quellen nicht präzise rekonstruieren.

Bedeutung heute

Das Pfingstschnalzen lebt dort weiter, wo Menschen bewusst Brauchtum pflegen. Es ist kein Massenspektakel wie mancher Krampuslauf, sondern ein Brauch, der eher im Stillen fortbesteht, auf Dorfplätzen, bei Vereinstreffen und im Familienkreis. Dass er überhaupt noch ausgeübt wird, verdankt er dem Engagement von Trachten- und Brauchtumsgruppen, die die Goaßl nicht verstauben lassen wollen.

Es ist auch ein Brauch, der erdet. Er erinnert daran, dass Pfingsten früher nicht nur ein religiöser Feiertag war, sondern der Startschuss für eine neue Jahreszeit, für die Alm, für die Ernte, für das Leben draußen.