Christmette

Dieser Gottesdienst findet traditionell um Mitternacht statt, in manchen Gemeinden heute etwas früher – um 22 oder 23 Uhr –, um Familien mit Kindern entgegenzukommen.

In Salzburg und dem angrenzenden Rupertiwinkel war und ist der Weg zur Christmette ein Erlebnis für sich. Früher zogen die Menschen mit Laternen durch Schnee und Dunkelheit zur Dorfkirche. Die Lichter auf den Wegen, das Glockengeläut, der Gesang – all das gehörte untrennbar zusammen.

In der Stiftskirche St. Peter in Salzburg oder im Dom wird die Christmette bis heute mit besonderem musikalischem Aufwand gefeiert. Salzburg, die Stadt Mozarts, hat eine lebendige Tradition der Kirchenmusik in der Weihnachtsnacht. [Belegte Praxis, aktuell]

Im Rupertiwinkel – dem Landstreifen zwischen Salzach und Inn, der historisch eng mit dem Erzbistum Salzburg verbunden war – haben viele Pfarreien ihre eigene Christmette-Tradition bewahrt, oft mit regionalem Brauchtum rund um Krippenspiele und Hirtenlieder.

Glöckeln, Glöckler

Glöckeln ist ein tief verwurzelter Brauch, der in der Nacht vor dem Dreikönigstag stattfindet. Eine Schar von Sängern zieht dabei von Tür zu Tür, singt Glöckellieder und wird von den Bewohnern des Hauses bewirtet.

Die Glöckler tragen dabei spezielle Kappen, die mit verschiedenen Motiven verziert sind. Diese Kappen sind oft mit vielen kleinen Glöckchen behängt, die beim Laufen klingeln und so die bösen Geister vertreiben sollen. Oder es werden die Glocken auch an Gurten durch die Glöckler selbst getragen. Die Motive auf den Kappen sind oft sehr kunstvoll gestaltet und können verschiedene Bedeutungen haben, von traditionellen Glückssymbolen bis hin zu komplexen Darstellungen aus der Mythologie und Geschichte der Region.

Die Glöckler sind traditionell in Weiß gekleidet, und dies hat eine besondere Bedeutung. Die weiße Kleidung der Glöckler erinnert an die alte Berufstracht der Salinenarbeiter. Dies lässt darauf schließen, dass es sich ursprünglich um einen Brauch der Salinenarbeiter handelte, der an einem Perchtentermin (Dreikönig-Vorabend) durchgeführt wurde.

Die weiße Kleidung, zusammen mit den herabhängenden Papierfransen, die das Gesicht verdecken, trägt auch zur Mystik und Anonymität der Glöckler bei. Dies verstärkt die Wirkung des Brauches und trägt zur Faszination bei, die er auf die Zuschauer ausübt.

Dieser Brauch ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie sich die Bedeutung einer Tradition im Laufe der Zeit verändern kann. In Zeiten, in denen Nahrungsmittel nicht so reichlich vorhanden waren wie heute, diente das Glöckeln nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Beschaffung zusätzlicher Lebensmittel, insbesondere der begehrten Krapfen. Der traditionelle Ausspruch der Glöckler war:

Wir bitten höflich um einen Glöcklerkrapfen,
wir san zu dritt!

Ein besonderes Highlight ist der Glöcklerlauf in Schörfling am Attersee (Oberösterreich), der jedes Jahr am Abend des 5. Januar stattfindet. Mehr als sechzig Darsteller mit Glöcklerkappen führen auf dem Marktplatz ihre Figuren vor und erfreuen die zahlreichen Zuschauer. Der Glöcklerlauf hat auch in Steinbach am Attersee und Unterach am Attersee eine lange Geschichte. In der Stadt Salzburg findet am 5. Januar der Glöcklerlauf der Jung Alpenland statt, der vom Nonntal bis in die Innenstadt führt.

Herbergssuche

Als Herbergssuche bezeichnet man in der christlichen Tradition die vergebliche Suche von Josef und Maria nach einer Unterkunft vor der Geburt Jesu. Die Grundlage ist eine knappe Stelle im Lukasevangelium, die berichtet, dass Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen musste, weil kein Platz in der Herberge war. Aus dieser knappen biblischen Notiz heraus ist im Laufe der Jahrhunderte ein lebendiger Volksbrauch gewachsen.

Der Brauch hat seinen Ursprung in den mittelalterlichen Weihnachtsspielen als geistlichen und liturgischen Spielen und verselbständigte sich im 16. Jahrhundert. Die heutigen Formen der Herbergssuche haben ihren Ursprung in diesen mittelalterlichen Weihnachtsspielen, die vor allem von den Jesuiten weitergetragen und verbreitet wurden.

Aus dem Jesuitenorden heraus entwickelte sich eine besonders eindrückliche Variante: Meist neun Abende vor dem Heiligen Abend wurde ein Marienbild, eine geschnitzte Heilige Familie oder eine Marienstatue von der Kirche zu einer Familie gebracht, die ihr für einen Abend „Asyl“ gewährte. Damit sollte symbolisiert werden, dass die Menschen bereit waren, Jesus Platz in ihren Häusern zu geben.

Wie läuft die Herbergssuche ab?

Der Brauch kennt im Wesentlichen zwei Formen, die sich im Laufe der Zeit nebeneinander entwickelt haben.

Die ältere, spielerische Form ist eine szenische Darstellung: Dabei übernehmen zwei Kinder die Rollen von Maria und Josef, während der Vater oder ein älteres Kind den sie abweisenden Herbergsvater spielt. Meist gibt einer der bekannten Wechselgesänge dem Spiel den Rahmen, etwa das Lied Wer klopfet an?.

Die zweite, heute oft verbreitetere Form ist das Wandern einer Figur durch die Gemeinde: Eine Darstellung von Maria und Josef wird im Dorf von Haus zu Haus getragen und jeweils für einen Tag als Gast aufgenommen. In einem solchen Haus ist für die Marienfigur bereits ein kleiner Hausaltar vorbereitet. Im Haus wird gebetet, es werden Marienlieder gesungen, danach gibt es eine kleine Jause und ein gemütliches Beisammensein. Nach einer Stunde ist die kleine Feier beendet, und die Statue oder das Bild bleibt über Nacht in diesem Haus.

Regionale Besonderheiten im Alpenraum

Im Salzburger Land und in Tirol kennt man für diese wandernde Figur einen eigenen Begriff: das Frauentragen. Die Art des Frauentragens kann je nach Ort unterschiedlich sein. In einigen Orten wird das Fraubild vom Priester von Haus zu Haus getragen, in anderen Orten von Männern. In Rauris beispielsweise trugen sie die Figur früher sogar auf einer Tragkraxn. Dabei gibt es eine genaue Einteilung, in welcher Reihenfolge das Bild zu den Bauern getragen wird. Verwandte Bezeichnungen für denselben Brauch sind regional auch „Fraubeten“ oder „Frausingen“.

Der älteste schriftliche Nachweis im Land Salzburg über das Frauentragen fand sich nach dem Forschungsstand von 1972 erst im Jahr 1870. Das bedeutet aber nicht, dass der Brauch nicht älter ist, nur dass er bis dahin kaum schriftlich festgehalten wurde.

Allein in einer 180-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Amstetten in Niederösterreich sind vier verschiedene Varianten des Herbergsuchens üblich, was zeigt, wie stark sich dieser Brauch regional ausdifferenziert hat.

Bedeutung heute

Mancherorts wurde der Brauch erst in den letzten Jahren wieder belebt oder neu eingeführt. Die Herbergssuche ist damit kein starres museales Ritual, sondern ein Brauch, der sich immer wieder neu erfindet. Pfarren, Familien und Nachbarschaften greifen ihn auf und gestalten ihn nach ihren Möglichkeiten.

Was dabei entsteht, ist mehr als eine religiöse Übung: In einer Zeit, in der Nachbarschaften oft anonym sind, schafft die Herbergssuche echte Begegnungen. Man klopft an, man wird eingelassen, man sitzt zusammen, singt und isst. Das Einfache daran hat seine eigene Kraft.

Krampuslauf / Krampus

Wenn Anfang Dezember die Nächte kalt und dunkel werden, hört man in vielen Orten im Voralpenland ein tiefes, dumpfes Glockenläuten und schrilles Scheppern in den Gassen. Es ist die Zeit des Krampuslaufens, eines der eindrucksvollsten Bräuche des Alpenraums. Der Krampus ist der wilde Begleiter des heiligen Nikolaus und verkörpert das Strafende, Dunkle und Mahnende. Während der Nikolaus die braven Kinder belohnt, erinnert der Krampus daran, dass Fehlverhalten Folgen haben kann – eine symbolische Darstellung des Gegensatzes von Gut und Böse, Licht und Schatten.

Für die Braven das Gute,
fpr die Bösen die Rute,

Der Ursprung des Brauchs reicht weit zurück. Schon im Mittelalter gab es Nikolausspiele, bei denen finstere Gestalten als Begleiter des Bischofs auftraten. Volkskundler vermuten aber, dass das Krampuslaufen noch ältere, vorchristliche Wurzeln hat, als man in den Wintermonaten böse Geister austreiben und die Sonne zurückholen wollte. Im Laufe der Jahrhunderte verband sich dieser alte Winterbrauch mit dem kirchlichen Nikolausfest (6. Dezember). Der Krampus erhielt Hörner, Fell, eine Rute und oft eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske, die sogenannte Larve.

Heute ist das Krampuslaufen weit mehr als nur ein Schreckensspektakel. In Salzburg, Tirol, der Steiermark und Teilen Bayerns organisieren sich hunderte Krampus- und Perchtenvereine (beispielsweise die Salzburger Schiachpechrt’n und Krampusse oder den Salzburger Nockstoa Perchtn), die großen Wert auf Tradition, Handwerk und Disziplin legen. Besonders bekannt sind die Läufe im Pongau, in St. Johann, Anif oder Salzburg Stadt, wo hunderte Maskenträger – meist in Gruppen, sogenannten Passen – durch die Straßen ziehen. Viele Gruppen arbeiten eng mit Schnitzern (beispielsweise Franz Metzger oder Rettei), Fellmachern und Ausstattern zusammen, um alte Formen zu erhalten und das traditionelle Handwerk weiterzugeben.

Lichtmesskerzen

Die Lichtmesskerze ist eine Kerze, die am Fest Mariä Lichtmess, dem 2. Februar, in der Kirche gesegnet wird. Sie ist kein Schmuckgegenstand und kein Adventslicht. Sie ist ein Schutzgegenstand. Im alpinen Raum und im Alpenvorland gilt das geweihte Licht als aktive Schutzmacht gegen Unheil, Gewitter, Dämonen und Krankheit. Kurz gesagt: Man weihte die Kerze im Winter, stellte sie weg und holte sie in der Not hervor.

Bei der Prozession am Lichtmesstag wurden schon im 8. Jahrhundert brennende Kerzen getragen. Seit dem 10. Jahrhundert empfingen diese Kerzen die kirchliche Weihe und wurden dadurch zum hochgeschätzten kirchlichen Sakramentale. Ihre Einsatzgebiete sind bemerkenswert vielfältig und zeigen, wie tief der Glaube an ihre Schutzwirkung saß.

  • Beim Gewitter
    Bereits seit dem 9. Jahrhundert werden am Lichtmesstag die Kerzen gesegnet, und schon immer wurde den Lichtmesskerzen große Bedeutung zugemessen. So brennt noch heute bei Unwetter, Blitz und Donner in so mancher Familie die geweihte Wetterkerze.
  • Am Krankenbett und Sterbebett
    Eine besonders wichtige Rolle spielt die Kerze am Sterbebett. Sie brennt neben dem Sterbenden, um ihn vor Angriffen böser Mächte zu schützen und der Seele den rechten Weg zu weisen.
  • Bei Geburt und Wochenbett
    In Bayern lassen die Frauen meist einen roten Wachsstock weihen. Er dient besonders dazu, um Hand, Fuß und Geräte der Wöchnerin gewunden zu werden, damit aller Zauber von Mutter und Kind fernbleibe.
  • Als Wachskreuz an der Tür: In der Eifel befestigte man ein kleines wächsernes Kreuz aus Stücken der Lichtmesskerze hinter der Stubentür, wenn ein Kind geboren war. Ähnliche Bräuche fanden sich auch im Alpenraum.

Mehr als ein frommer Brauch

Im inneralpinen Raum gehört Lichtmess zu den mächtigsten Brauchtagen des Jahres. Im Zentrum steht die geweihte Kerze, der höchste Schutzkräfte zugeschrieben werden. Mit ihr schützt man Haus, Stall und Vieh. Wachs wird an Türen, Balken und Stallungen angebracht oder zu kleinen Kreuzen geformt. Auch gemeinschaftliche Bräuche sind verbreitet. Jugendliche ziehen mit brennenden Kerzen umher, es wird gesungen oder gesammelt. Lichtmess ist hier nicht nur ein häuslicher, sondern auch ein sozialer Tag.

In Bayern und auch Teilen Salzburgs war der Tag lange auch ein wirtschaftlicher Einschnitt: Bis 1912 war dieser Tag in Bayern sogar ein gesetzlicher Feiertag und ein wichtiger Tag im Bauernkalender. Denn am Lichtmesstag wurde der Lohn für das abgelaufene Jahr ausgezahlt und in der Regel ein neuer Dienstvertrag mit den Knechten und Mägden abgeschlossen. Das Licht und das Leben, der Jahreslohn und der göttliche Schutz – an Lichtmess liefen viele Fäden zusammen.

Ein Volksglaube mit Eigenlogik

Interessant ist auch, was der Volksbrauch um die Kerze an Aberglaube angereichert hat. Am Lichtmessabend vereinigte man sich in den Häusern zu gemeinsamem Beten und zündete Kerzen an; wessen Licht zuerst erlosch, der musste zuerst sterben. Solche Deutungen zeigen, wie eng Schutzmagie, Gemeinschaft und Todesangst in dieser Jahreszeit miteinander verwoben waren.

Nahezu überall dient Lichtmess dem Schutz. Haus, Stall, Vieh, Kranke, Sterbende und Neugeborene werden durch Kerzen, Wachs, Rauch oder rituelle Umgänge gesichert. Besonders empfindliche Übergänge, wie Geburt, Krankheit und Tod werden an diesem Tag mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht.

Bedeutung heute

In katholischen Kirchen findet auch heute noch an Maria Lichtmess eine Kerzensegnung statt, gelegentlich verbunden mit einer Lichterprozession. Die geweihte Kerze mit nach Hause zu nehmen ist in vielen Familien, vor allem im ländlichen Alpenraum, noch üblich. Ob sie dann wirklich beim nächsten Gewitter entzündet wird, ist und von Familie zu Familie verschieden.

Maria Lichtmess

Jedes Jahr, genau 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, feiert die katholische Kirche ein besonderes Fest, das als “Darstellung des Herrn” bekannt ist. Dieses Fest wird im Volksmund auch “Maria Lichtmess” genannt und markiert traditionell das Ende des weihnachtlichen Festkreises. Es war einst Brauch, erst an diesem Tag die Krippe und den Weihnachtsbaum aus dem Wohnzimmer zu entfernen. Doch seit der Liturgiereform in der katholischen Kirche endet die Weihnachtszeit nun mit dem Fest “Taufe des Herrn” am ersten Sonntag nach dem 6. Januar.

Maria Lichtmess hat eine besondere Bedeutung für die Kirche und die Gläubigen. An diesem Tag wird der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen traditionell geweiht. Aber nicht nur das, auch die Gläubigen bringen ihre eigenen Kerzen mit, die sie zu Hause verwenden möchten, um sie in dem feierlichen Gottesdienst segnen zu lassen.

Es gibt einen alten Glauben, der bis heute in einigen Teilen erhalten geblieben ist, dass diese gesegneten Kerzen Unheil abwehren können. Insbesondere die sogenannten “Donnerkerzen”, schwarze Wetterkerzen, sollen Schutz vor Gewittern und Stürmen bieten. Diese werden auch in Maria Kirchental in der Kirche gegen eine Opfergabe das ganze Jahr angeboten.

Im Anschluss an die Messfeier wird oft der Blasiussegen erteilt, der vor Krankheiten schützen soll. Obwohl der Gedenktag des heiligen Blasius eigentlich erst einen Tag später, am 3. Februar, begangen wird, ist es üblich, diesen Segen bereits an Maria Lichtmess zu spenden.

Auch in der Landwirtschaft hat der Tag eine ganz besondere Bedeutung, er läutet den Beginn eines neuen Bauernjahres ein.

Dienstmägde und Knechte, die auf den Bauernhöfen einfache Arbeiten verrichten, erhalten an diesem Tag ihren wohlverdienten Lohn. Aber Mariä Lichtmess ist nicht nur ein Tag der Bezahlung, sondern auch ein Tag des Neubeginns. Viele Dienstboten beenden an diesem Tag ihr Arbeitsverhältnis mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber, um auf einem anderen Bauernhof eine neue Stelle anzutreten. Dieser Wechsel der Arbeitsstelle wird als “Dienstbotenwandern” bezeichnet.

Neujahrssingen

Beim Neujahrssingen ziehen Kinder – manchmal auch Jugendliche oder ganze Familiengruppen – am Neujahrstag oder in den ersten Januartagen von Haus zu Haus. Sie tragen kurze Lieder vor, sprechen Glückwünsche aus und erhalten dafür kleine Gaben: Süßigkeiten, Münzen, Nüsse oder Äpfel. Der Kern des Brauchs ist das gesprochene oder gesungene Wort als Träger von Segen und Glück. Wer es annimmt, darf auf ein gutes Jahr hoffen. Wer gut beschenkt, gibt das Glück weiter.

Der genaue Ursprung ist nicht eindeutig belegt, wie es bei vielen alten Volksbräuchen ist. Volkskundler vermuten, dass das Neujahrssingen auf vorchristliche Winterbräuche zurückgeht, bei denen Lärm, Gesang und rituelles Umhergehen böse Geister vertreiben und gute Mächte anlocken sollten. Der Jahreswechsel galt als gefährliche Schwellenzeit, in der die Ordnung der Dinge noch nicht gefestigt war.

Mit der Christianisierung wurden diese Bräuche überformt, aber nicht verdrängt. Das Singen bekam einen frommen Rahmen: Die Lieder handelten von Gottes Segen, vom Neujahr als Gnadenzeit, von Gesundheit und Ernte und verlagerte sich zum Sternsingen am Drei-Königs-Tag. In manchen Regionen sollen die Sänger früher auch Zweige mitgebracht haben, ähnlich wie beim Palmbuschen, um den Segen symbolisch ins Haus zu tragen.

Ablauf, Lieder und typische Elemente

Der Brauch ist einfach in seiner Form, aber reich in seiner Wirkung. Die Kinder erscheinen meist zu zweit oder zu dritt, klopfen an und starten ohne viel Vorgeplänkel ihr Lied. Typische Texte wünschen dem Haus Gesundheit, dem Stall gutes Vieh und dem Acker reiche Ernte, alte Sorgen, in neue Verse gekleidet. Ein klassischer Anfang lautet sinngemäß:

Ich wünsch euch ein glückseliges Jahr,
langes Leben und was euch lieb und teuer war!

Die Melodien sind meist schlicht, eingängig, leicht zu lernen. Nach dem Vortrag folgt die Gabe: Früher war es das, was der Hof hergab, eben ein Ei, ein Stück Brot, Nüsse. Heute sind es Münzen oder Süßigkeiten. Die Kinder bedanken sich, und weiter geht’s zum nächsten Haus. Als klassischer Heischebrauch, gab er die Möglichkeit den kargen Winter mit milden Gaben zu überstehen.

Regionale Besonderheiten

Das Neujahrssingen ist vor allem im ländlichen Raum lebendig: in Salzburg, Tirol, der Steiermark, in Teilen Oberösterreichs und im bayerischen Voralpenland.

In manchen Gegenden wird der Brauch auch als Anklöpfeln bezeichnet, je nachdem, ob er am 1. Jänner oder in den Tagen bis zum Dreikönigstag (6. Jänner) stattfindet.

Das Neujahrssingen ist nicht das Sternsingen. Das Sternsingen findet zu Dreikönig statt, hat einen kirchlich organisierten Rahmen (Caritas, Kolpingwerk) und einen klar missionarischen Charakter. Das Neujahrssingen ist volkstümlicher, ungebundener und älter in seiner Erscheinungsform. Beide Bräuche können in einer Region nebeneinander existieren.

In Salzburg und im Salzkammergut gibt es Berichte, dass die Neujahrslieder früher von Haus zu Haus unterschiedlich klangen, jede Familie hatte ihr eigenes kleines Repertoire, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Bedeutung heute

In vielen Dörfern ist das Neujahrssingen leise geworden – oder ganz verstummt. Wo früher ein Dutzend Kindergruppen an die Tür klopften, kommt heute vielleicht noch eine. Wo es noch gelebt wird, hat es eine besondere Qualität. Es bringt Nachbarn ins Gespräch. Es gibt Kindern eine kleine Rolle im Jahreslauf. Und es erinnert daran, dass ein gutes Jahr nicht einfach passiert, sondern dass man es sich wünscht, laut, singend, und gemeinsam.

Einige Volkshochschulen, Musikschulen und Trachtenvereine im Alpenraum bemühen sich aktiv darum, das Neujahrssingen wieder zu beleben und alte Liedtexte zu sammeln.

Nikolausbesuch

Der Heilige Nikolaus war Bischof in Myra (heutige Türkei) und starb vermutlich um das Jahr 350 n. Chr. – seine Verehrung reicht bis ins 6. Jahrhundert zurück. In der Volksfrömmigkeit gilt er als Schutzpatron der Kinder, der Reisenden und vieler anderer Gruppen. Im Alpenraum – insbesondere in Salzburg und Voralpenland – entwickelte sich der Nikolaus-Brauch im Advent bzw. am 5. und 6. Dezember als feststehender Bestandteil der Winter- und Kinderkultur.

Ablauf und typische Rituale

  • Am Abend des 5. Dezember werden in traditionellen Familien geputzte Stiefel, Schuhe oder Strümpfe vor die Tür oder ans Fenster gestellt – der Nikolaus füllt sie über Nacht mit kleinen Gaben (Äpfel, Nüsse, Mandarinen, Süßigkeiten).
  • In manchen Gemeinden zieht eine Gruppe mit dem Nikolaus (oft in Bischofskleidung: Mitra, Krummstab) von Haus zu Haus – er lobt die braven Kinder, liest aus dem „Goldenen Buch“ vor, und bei den weniger braven Kindern kommt eine Begleitfigur wie der Krampus (oder regional anders genannt) hinzu. Welcher die mahnende Funktion übernimmt.
  • In Salzburg findet sich etwa der Brauch des „Nikolausgartens“: Ein kleines dekoriertes Brett mit Figuren des Nikolaus und seines Begleiters sowie Gaben, das am 5. Dezember aufgestellt wird.

Für die Region Salzburg und das Voralpenland ist der Brauch besonders bedeutsam, weil er eine feste Brücke zwischen kirchlicher Tradition (Heiligenverehrung) und lokaler Volkskultur schlägt. So wird Nikolaus nicht nur als religiöse Größe wahrgenommen, sondern als liebevoll-vertrauter Gabenbringer und Erzieherfigur: Er erinnert Kinder daran, dass gutes Verhalten wahrgenommen wird. Gleichzeitig ist der Besuch durch Nikolaus und die Begleitung einer oder mehrerer Krampusse ein soziales Ereignis in der Familie oder im Dorf.

Heutzutage wird der Nikolaus-Brauch vielfach modernisiert (in Kindergärten, Schulen, Einkaufszentren). Dennoch bleibt der Kern derselbe: gutes Verhalten wird belohnt, schlechtes ggf. gerügt. Zudem wirkt der Nikolausbesuch heute weniger furchteinflößend als früher – viele Eltern wählen eine „sanftere“ Variante ohne Rute oder abschreckende Figuren.

Der Nikolaus-Brauch im Salzburger und Voralpenland ist eine lebendige Mischung aus kirchlicher Heiligenverehrung, kindgerechtem Ritual und ländlich-alpenländischer Volkskultur. Er verbindet Wertevermittlung (Güte, Dankbarkeit) mit Gemeinschaftserlebnis (Familie, Nachbarschaft) und festlichem Brauch (Advent).

Nikolausgarten

Der Nikolausgarten, auch „Nikologartl“ oder regional „Goldberg“ genannt, ist eine traditionelle Advents- und Nikolausform, die im Salzburger Land sowie Teilen Niederösterreichs und Oberösterreichs beheimatet ist.

Der Brauch entstand bei den Schiffern der Stadt Oberndorf bei Salzburg: Die Schiffer, oft einem raueren Lebensrhythmus ausgesetzt, stellten für ihre Kinder zu Nikolaus kleine Gärten auf – auf einem Brett mit Moos, Tannenreisig, kleinen Figuren und Nüssen sowie Äpfeln als Gaben.

In den 1890er Jahren war das Nikolausgärtlein bereits auf dem Salzburger Nikolaimarkt (dem Vorläufer heutiger Christkindlmärkte) käuflich erhältlich. Der Brauch verschwand dann weitgehend, wurde aber in den 1920er/30er Jahren im Rahmen einer Brauchtumspflege-Bewegung wiederbelebt.

  • Ein quadratisches Holzbrett (ca. 30–40 cm Seitenlänge) mit einem kleinen Zaun (8–10 cm hoch) rundum.
  • Der Boden wird grün gestrichen oder mit Moos belegt, als Symbol-Unterlage.
  • An drei Seiten werden Tannenzweige oder Buchsbaumzweige eingesetzt, so dass ein „Wäldchen“ entsteht.
  • Vorn sind vier kleine Kerzen am Zaun angebracht — diese symbolisieren oft die vier Adventsonntage.
  • In den vier Ecken stehen auf etwa 30 cm hohen Stäben vergoldete Nüsse – ebenfalls symbolisch für die Adventzeit.
  • Im Inneren stehen die Figuren des heiligen Nikolaus und seines alpenländischen Begleiters (z. B. Krampus) – davor liegen Gaben: rote Äpfel, vergoldete Nüsse, Feigen, Zwetschgen, Süßigkeiten.

Diese Miniaturlandschaft mit Symbolen spiegelt eine Art „Vorweihnachts­bescherung“ wider – Jahre vor der heutigen Geschenke-Bescherung am 24. Dezember.

Der Brauch war zeitweise fast verschwunden, doch es gibt inzwischen wieder eine verstärkte Aufmerksamkeit: In Orten wie Oberndorf oder im Tennengau/Kuchl engagieren sich Krippenbauvereine oder Heimatpflegevereine, um das „Nikologartl“ neu aufzulegen.

So wurde beispielsweise ein Themenweg durch Oberndorf und Laufen eingerichtet, bei dem auf acht Stationen Nikolausgärten aufgestellt wurden – ein Adventspaziergang durch den Brauch selbst.

Prangerstutzen

Prangerstutzen, als Handböller, spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum und werden den Lärmbräuchen zugeordnet. Das Schießen mit Prangerstutzen ist ausschließlich den „Festschützen“ vorbehalten und darf nur in gemeldeten Vereinen praktiziert werden. Die Handböller sind Vorderlader, die 50 bis 70 cm lang und 15 bis 30 kg schwer sind, und sie werden mit Schwarzpulver betrieben.

Die Prangerschützen rücken zu allen großen weltlichen und kirchlichen Festen des Jahres- und Lebensbrauchtums aus. Auch beim Empfang von hohen Gäste, bei Gratulationen bei Hochzeiten und Geburtstagen oder für Ehrerweisungen bei Beerdigungen werden Prangerstutzen eingesetzt.

Das Prangerstutzenschießen ist Teil der sogenannten Lärmbräuche, die dazu dienen, Freude auszudrücken und einen festlichen Charakter zu verleihen. Die Ursprünge dieses Brauchs können bis ins späte 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden, basierend auf einer eingravierten Jahreszahl in einem Stutzenrohr.

Aufgrund der Verwendung von Schwarzpulver darf dieser Brauch nur in behördlich genehmigten Vereinen ausgeübt werden. Die Herstellung der Stutzen selbst unterliegt der Gewerbeordnung. Früher galten die festlichen Kanonenschüsse, die von den Armeen der Herrscher bei besonderen Ereignissen abgefeuert wurden, als Vorbilder. Einige Regionen praktizieren diese Tradition sogar noch heute. Mit der technischen Entwicklung wurde der Prangerstutzen schließlich zu einer Art gewehrähnlichem Gegenstand.

Anschießen eines runden Geburtstags im Jänner 2024 der Salzburger Festungs-Prangerstutzen-Schützen

Silvesteranschießen in Salzburg, Silvester 2022