Innviertler Landler

Manche Tänze lassen sich in wenigen Schritten erklären, der Innviertler Landler nicht. Er ist Tanz, Musik und Gesang gleichzeitig, ein „gemeinschaftliches Gesamtkunstwerk", wie es in der Region genannt wird – und er lässt sich nur verstehen, wenn man seine Trägerinnen und Träger kennt: die Zechen.

Die Zechen als Herzstück der Tradition

Ursprung und Fortbestand des Landlers sind untrennbar mit den Innviertler Zechen verbunden – bäuerlichen Burschenkameradschaften, die sich zusammenfanden, um bei Hochzeiten und Kirchtagen aufzuspielen und zu tanzen. Jede Zeche entwickelte dabei ihre eigene, unverwechselbare Variante des Landlers, die von einer Generation an die nächste weitergegeben wurde. Manche Details der jeweiligen Schrittfolgen – auch „Zettel", „Gsätzl" oder „Eicht" genannt – unterschieden sich bewusst von Zeche zu Zeche, sodass Auswärtige ohne Einweihung gar nicht richtig mittanzen konnten. Der Landler war damit auch ein Erkennungszeichen der eigenen Dorf- oder Talgemeinschaft.

Ein Dreiklang aus Tanz, Musik und Almer

Musikalisch erkennt man den Innviertler Landler an seinem „verzogenen" Dreivierteltakt mit einer eigenwilligen Betonung, die ihn deutlich von anderen österreichischen Landlerformen unterscheidet. Getragen wird die Musik traditionell von Streichern – zwei Geigen sowie Cello oder Bassgeige –, seit den 1920er-Jahren ergänzt um drei Blechbläser. Zum festen Bestandteil gehört außerdem der angehängte Jodler, „Almer" genannt: eine besondere Gesangstechnik, bei der Kopf- und Bruststimme über gezielte Bewegungen des Gaumensegels ineinander übergehen. Erst das Zusammenspiel aus Tanzfigur, Melodie und Almer macht den Landler zu dem, was er im Innviertel bis heute ist – kein reiner Schautanz, sondern ein gemeinsames Musizieren, Singen und Bewegen.

Vom bäuerlichen Alltag zum Kulturerbe

Ihre ersten schriftlichen Spuren reicht die Tradition bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, als eigenständige Gruppentanzform mit gemeinsamen Figurenfolgen lässt sie sich anhand von Gemälden kurz nach 1850 nachweisen – macht den Innviertler Landler zu einem Kulturgut mit einer Geschichte von deutlich mehr als 250 Jahren. Ende der 1930er-Jahre zählte man im Innviertel noch über 500 aktive Zechen. Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft, zunehmender Mobilität und einer individualisierteren Freizeitkultur setzte ab den 1950er-Jahren ein spürbares Zechensterben ein: Heute pflegen nur noch rund 15 bis 30 Zechen, Volkstanz- und Trachtengruppen die Tradition aktiv, die sich bei zwei bis vier Zechentreffen im Jahr gemeinsam präsentieren. 2013 wurde der Innviertler Landler als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt – eine Anerkennung, die zugleich die Gefährdung der lebendigen Praxis unterstreicht. Initiativen wie die Musikgruppe Hoamatlandla, die alte Stücke neu einspielt, verfolgen ausdrücklich das Ziel, den Landler „zurück ins Wirtshaus" zu holen, statt ihn nur als musealen Programmpunkt bei Festen zu bewahren.

Mehr als ein Tanzschritt

Wer den Innviertler Landler einmal live erlebt hat, versteht schnell, warum er weit mehr ist als eine Choreografie: Er trägt Dorfgeschichte, Familientradition und eine ganz eigene Klangsprache in sich, die sich von Zeche zu Zeche unterscheidet. Gerade weil diese Vielfalt an lokalen Varianten heute nur noch von wenigen Gruppen weitergetragen wird, ist jeder einzelne Auftritt ein kleines Stück gelebter Innviertler Identität – zwischen Wirtshaustisch, Dorfplatz und Konzertbühne.

Jakobi

Der Jakobustag am 25. Juli, galt in vielen Gegenden als Beginn des Endes der Hochsommerzeit. Die Bauernregel „Nach Jakobi kein Edelweiß mehr“ deutet auf die abnehmende Höhensommerzeit hin. Auch die Heuernte sollte bis dahin abgeschlossen sein.

Kräuterbuschen

Bei einem Kräuterbuschen muss einiges beachtet werden. Zuerst kommt die Anzahl der Kräuter.

Die Zahl der Kräuter soll magisch, symbolisch sein, mindestens sieben Kräuter müssen die Bastler also sammeln. Aber auch neun (drei mal drei), zwölf (für die Apostel) oder gar 77 sind möglich. Aber auch jeder andere durch drei teilbare Zahl ist möglich.

  • 7 – die Zahl sieben steht für die Anzahl der Schöpfungstage
  • 9 – die Zahl steht für 3×3, eben für die heilige Dreifaltigkeit
  • 12 – steht für die Zahl der Apostel oder der Stämme Israels
  • 99 – 33 x 3 steht ebenfalls als Symbol für die heilige Dreifaltigkeit
  • 24 – 2 x 12, steht für die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel

Auch die einzelnen Kräuter stehen symbolisch für Figuren aus dem katholischen Glauben oder haben eine andere tiefe Bedeutung im Volksglauben.

  • Königskerze
    Wird auch Marienkerze genannt. Als eines der wichtigsten Kräuter wird sie in der Mitte des Buschens gebunden.
  • Johanniskraut
    Dieses Kraut soll die aufgenommene Sonne an dunklen Tagen wieder abgeben und Frohsinn bereiten.
  • Baldrian
    dient zur Reinigung und ist auch ein Glücksbringer.
  • Kamille
    wird wegen ihrer beruhigenden und entzündungshemmenden Wirkung geschätzt, außerdem soll sie Glück und Liebe bringen.
  • Arnika
    ist im Alpenraum weit verbreitet als Heilpflanze. Wird sie in den Kräuterbuschen gebunden, soll Arnika vor Feuer und Hagel schützen.
  • Rosmarin
    soll zum guten Schlaf verhelfen.
  • Salbei
    wird dem Buschen hinzugefügt um Wohlstand, Weisheit und Erfolg und zu erlangen.
  • Wermut
    im Kräuterbuschen verspricht Kraft, Mut und Schutz
  • Es können aber noch sehr viele weitere heimische Kräuter in den Kräuterbuschen gebunden werden, beispielsweise Alant, Beifuß, Frauenmantel, Schafgarbe, Rainfarn, Thymian, Lebenskraut, Eibisch, Haselnusszweige, Ringelblume, Majoran, Wilde Möhre, Ysop und Goldrute.
  • Zusätzlich zu den klassischen Kräutern, werden auch andere Pflanzen in den Buschen gebunden.
    • Rosen sollen Maria symbolisieren.
    • Getreide wird als Symbol für das tägliche Brot verwendet.
    • Lillien stehen hingegen für Josef.
Kräuter für Kräuterstrauß
Kräuter für Kräuterstrauß

Kreuzauffindung

Der Begriff bezeichnet das Gedenken an ein zentrales Ereignis der frühen Kirchengeschichte: die legendäre Auffindung des Kreuzes Jesu Christi. Ab dem 7. Jahrhundert feierte die Kirche am 3. Mai diesen Tag als eigenes Fest. Für den Alpenraum war der 3. Mai auch praktisch bedeutsam: Ab diesem Fest der Kreuzauffindung wurde in der Kirche bis zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September der Wettersegen gespendet. Damit rahmte das Fest genau jene Monate ein, in denen Felder und Vieh am verwundbarsten waren.

Die Legende der heiligen Helena

Im Mittelpunkt steht eine der bekanntesten Pilgerinnen der Spätantike: Die heilige Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin, reiste um 325 nach Christus ins Heilige Land, wo das Kreuz Christi bei Grabungsarbeiten unter einem heidnischen Tempel gefunden worden sein soll.

Überliefert ist die Geschichte durch mehrere frühe Quellen, die sich in Details unterscheiden. Aus der Totenrede des Kirchenvaters Ambrosius für Kaiser Theodosius aus dem Jahr 395 erfahren wir: Helena begab sich auf Golgatha, ließ den Boden aufgraben, und stieß dabei auf drei durcheinander liegende Marterhölzer, die Schutt und Erde verdeckt hatten.

Wie das richtige Kreuz unter den dreien erkannt wurde, ist ebenfalls Legende: Der Überlieferung zufolge wurde eine verstorbene Frau mit zwei Kreuzen berührt, ohne Wirkung, beim Kontakt mit dem dritten Kreuz aber soll sie lebendig geworden sein.

Teile des aufgefundenen Kreuzes wurden anschließend an verschiedene Hauptkirchen gesandt, unter anderem nach Konstantinopel und Rom, wo Kreuzfragmente noch heute verehrt werden. Der in Jerusalem verbliebene Teil des Kreuzes gelangte später in ein goldenes Gefäß und wurde dem Volk zur Verehrung gezeigt, woraus das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September entstand.

Zur historischen Einordnung muss man ehrlich sein: Die historischen Wurzeln der Kreuzauffindung liegen im Dunkeln. Archäologische Belege existieren nicht. Die Geschichte der heiligen Helena ist Glaubenstradition, keine gesicherte Geschichtsschreibung.

Der Wettersegen

Im Alpenraum war die Kreuzauffindung weniger das theologisch bedeutsame Fest der Reliquienverehrung als vielmehr der Startschuss für einen ganz praktischen Brauch: den Wettersegen. Mit dem Ruf

Vor Hagel, Blitz und Ungewitter,
bewahre uns Herr Jesus Christus!

beten viele katholische Gemeinden traditionell den Wettersegen, der vom 3. Mai bis zum 14. September, dem Fest der Kreuzerhöhung, erteilt wurde.

Wer weiß, dass Hagelschlag und Sommergewitter im Alpenvorland eine Ernte über Nacht vernichten konnten, versteht die tiefe Ernsthaftigkeit hinter dieser Bitte. Der Wettersegen war keine Folklore, sondern für viele Bauernfamilien eine religiöse Existenzsicherung. In dieser Hinsicht lässt sich auch die Verbindung zur Wetterkerze (Schauerkerze) sehen, die ebenfalls dem Schutz vor Gewitterschäden diente.

Die Liturgiereform

Das Fest der Kreuzauffindung hat eine turbulente Kirchengeschichte hinter sich. Im Zuge der Neuordnung des liturgischen Kalenders durch Papst Johannes XXIII. im Jahr 1960 wurde das Fest nahezu vollständig aus dem allgemeinen Kalender gestrichen. Seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird am Fest der Kreuzerhöhung am 14. September zugleich auch der Kreuzauffindung gedacht.

Doch wie so oft im Volksbrauchtum: Ungeachtet der Änderung des liturgischen Kalenders blieb der 3. Mai vielerorts ein im Brauchtum bedeutender Termin. In traditionell ausgerichteten Gemeinden und im überlieferten Ritus wird das Fest bis heute begangen. Gläubige, die den alten Rhythmus des Kirchenjahres kennen und schätzen, halten am 3. Mai als Erinnerungsdatum fest.

Regionale Bedeutung

Eine dezidierte alpine oder bayerisch-österreichische Regionalvariante der Kreuzauffindungsfeier mit eigenen spezifischen Bräuchen ist in der verfügbaren Volkskundeliteratur nicht eindeutig dokumentiert. Was sich aber klar sagen lässt: Das Fest war als Beginn des Wettersegens für die bäuerliche Bevölkerung im gesamten katholischen Alpenraum ein fester Orientierungspunkt im liturgischen Jahr. In Kombination mit anderen Schutzpraktiken wie Palmbuschen, Wetterkerzen und den Kreuzzeichen im Feld bildete es Teil eines dichten Netzes religiöser Schutzhandlungen, das die Monate von Mai bis September begleitete.

Bedeutung heute

Das Fest der Kreuzauffindung ist im allgemeinen Bewusstsein weitgehend verschwunden. Die meisten Menschen kennen den 3. Mai heute nicht mehr als kirchlichen Termin. Was bleibt, ist die Geschichte der heiligen Helena als prägende Erzählung der frühen Christenheit, die Praxis des Wettersegens in einigen traditionstreuen Gemeinden sowie das Datum als stiller Erinnerungspunkt für jene, die das alte Kirchenjahr noch in seiner vollen Dichte kennen.

In einer Zeit, in der das Bewusstsein für Wetterrisiken und Naturgewalten durch den Klimawandel neu geschärft wird, hat die Grundidee des Festes eine eigentümliche Aktualität: der Wunsch nach Schutz vor unkontrollierbaren Naturkräften ist so alt wie die Landwirtschaft selbst.

Kreuzerhöhung

Der Begriff klingt zunächst etwas sperrig. Gemeint ist das feierliche Zeigen, das Hochhalten und Verehren des Kreuzes Christi. Das lateinische Wort exaltatio bedeutet sowohl Erhebung als auch Zeigen und meint genau das: Das Kreuz wird den Gläubigen buchstäblich vor Augen geführt, hinaufgehoben, damit alle es sehen und verehren können.

Ab dem 6. Jahrhundert wurde dieses Fest als Erhöhung bezeichnet, mit der doppelten Bedeutung von Erhebung und Zeigen des Kreuzes, ein Begriff, der die theologische Absicht des Johannesevangeliums gut wiedergibt.

Herkunft

Die Geschichte hinter dem Fest ist erstaunlich vielschichtig. Sie beginnt im 4. Jahrhundert in Jerusalem. Am 14. September 335 wurde in Jerusalem die Grabeskirche geweiht, errichtet im Auftrag von Kaiser Konstantin. Einen Tag nach der Weihe soll das Kreuz den Gläubigen erstmals hocherhoben gezeigt worden sein.

Das Fest erinnert an die Auffindung des Kreuzes Jesu, die Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin, zugeschrieben wird. Im Laufe der Zeit rückte jedoch der Ritus, dass das Kreuz an diesem Tag den Gläubigen zur Verehrung gezeigt wird, gegenüber der Erinnerung an seine Auffindung in den Vordergrund.

Dazu kommt noch eine zweite, dramatische Erzählung: Nachdem Perser das Kreuz aus Jerusalem geraubt hatten, besiegte Kaiser Heraklius von Byzanz die Perser im Jahr 627 und brachte das zurückgewonnene Kreuz nach Jerusalem zurück. Das Kreuz wurde in einem erneuerten Bau aufgestellt.

Im Jahr 629 wurde das Fest schließlich auf den 14. September festgesetzt, seitdem ist es oft mit der Verehrung von Kreuzreliquien verbunden.

Bis 1960 gab es im katholischen Kirchenjahr übrigens noch ein eigenes Fest der Kreuzauffindung am 3. Mai. Heute ist beides in das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September integriert.

Ablauf

Da das Fest Kreuzerhöhung in der liturgischen Ordnung des Kirchenjahres den höheren Rang eines Herrenfestes hat, verdrängt es in Jahren, in denen es auf einen Sonntag fällt, den Sonntag im Jahreskreis. Das ist liturgisch gesehen eine Besonderheit, die der Kreuzerhöhung mehr Gewicht verleiht als viele andere Heiligenfeste.
Am Fest ist es üblich, dass Gläubige das Kreuz besonders verehren und Kruzifixe oder Kreuzanhänger segnen lassen.

In der orthodoxen Kirche gibt es einen eigenen, eindrucksvollen Ritus: Der Priester neigt an diesem Tag ein großes Kreuz langsam in die vier Himmelsrichtungen, womit das Kreuz geehrt und zugleich das Volk gesegnet wird.

Regionale Bedeutung

Im bäuerlichen Leben des Alpenraums und in Bayern hatte der 14. September eine sehr praktische Bedeutung. Er markierte das Ende der Wettersegensaison.

Vom Tag der Kreuzauffindung am 3. Mai bis zum Tag der Kreuzerhöhung am 14. September wurde täglich der Wettersegen am Ende der heiligen Messe erteilt. Die Kirche bat damit gemeinsam mit den Gläubigen um gutes, förderliches Wetter für die Ernte und um Verschonung vor Katastrophen, Hagel und Unwettern. Die Verbindung eines solchen Wettersegens mit der Messfeier ist bereits im 12. Jahrhundert belegt.

Der Zeitraum variiert nach örtlichen Gegebenheiten, traditionell aber zwischen dem früheren Festtermin der Kreuzauffindung am 3. Mai und dem Fest der Kreuzerhöhung am 14. September. Regional ist es üblich, den Wettersegen auch bereits ab dem Fest des heiligen Markus am 25. April zu erteilen.

Für die Bauern war das kein Formalakt. In einer Zeit, in der eine einzige Hagelwoche eine ganze Ernte vernichten konnte, war der Segen gegen Unwetter existenziell.

Zur Kreuzerhöhung gehört auch eine bekannte Bauernregel:

Ist’s hell am Kreuzerhöhungstag,
folgt ein strenger Winter nach.

Wallfahrten und lokale Bräuche

Im nordburgenländischen Baumgarten ist der Tag der Kreuzerhöhung Termin für eine Wallfahrt der umliegenden Pfarren zum sogenannten Öden Kloster, der Klosterkirche zum Heiligen Kreuz. Eucharistiefeiern werden dort sowohl in deutscher als auch in kroatischer Sprache gefeiert. Die Pfarre nennt den Tag auch Klosterkirtag, am weiträumigen Platz vor dem Kloster wird ein Markt abgehalten.

Bedeutung heute

Das Fest der Kreuzerhöhung ist kein volkskundliches Schauspiel und kein Brauchtumsspektakel, sondern ein stilles Kirchenfest. Wer es kennt, erlebt es meistens in der Pfarrkirche oder einer Wallfahrtskapelle, beim Segnen von Kreuzanhängern oder beim Nachdenken darüber, was das Kreuz als Symbol heute noch bedeutet.

Seinen brauchtumlichen Widerhall findet es vor allem durch den Wettersegen, der in manchen Pfarreien noch immer regelmäßig gespendet wird, sowie durch die Bauernregel, die den Septembertag als Wetterscheide im Jahreskreis verankert hat.

Kreuzweg

Der Kreuzweg ist eine der ältesten und bis heute lebendigsten Andachtsformen der katholischen Kirche: In 14 Stationen wird der Leidensweg Jesu von seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Grablegung nachgegangen – im Gebet, im Bild oder tatsächlich zu Fuß. Ursprung ist die Via Dolorosa in Jerusalem, jener Weg, den Pilger schon im frühen Mittelalter im Heiligen Land abschritten, um sich die letzten Stunden Jesu vor Augen zu führen. Da eine Pilgerreise ins Heilige Land den wenigsten offenstand, entstand seit dem Spätmittelalter, vor allem durch die Franziskaner, die Praxis, den Kreuzweg vor Ort nachzubilden – mit 14 Stationsbildern an den Wänden der Pfarrkirche oder als eigener Weg im Freien.

Besonders in den Alpenländern haben sich diese Kreuzwege oft nicht innerhalb der Kirchenmauern, sondern als Weg durch die Landschaft erhalten: gemauerte Bildstöcke oder schlichte Holztafeln, die einen Hang hinauf zu einem Kalvarienberg führen, jenem symbolischen Golgota am Ortsrand. Wer zu Fuß von Station zu Station geht, verbindet das Gebet mit Bewegung – eine Form der Andacht, die besonders in der Fastenzeit gepflegt wird.

In der Fastenzeit, von Aschermittwoch bis Karfreitag, wird der Kreuzweg in den Pfarren regelmäßig gebetet – oft an Freitagen, häufig auch gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in eigens dafür verfassten, zeitgemäßen Texten. Höhepunkt ist der Karfreitag, an dem vielerorts Kreuzwegprozessionen stattfinden: Die Gemeinde zieht gemeinsam die Stationen ab, ein Vorbeter liest jeweils den Text, dazwischen wird gesungen oder in Stille verharrt.

Über die historische Erinnerung hinaus versteht man den Kreuzweg bis heute auch als Einladung, das eigene Leid und das Leid in der Welt mit dem Leidensweg Jesu in Verbindung zu bringen – manche Pfarren gestalten die Stationen daher bewusst mit Bezug auf aktuelle Not und Ungerechtigkeit.

Kropfkette

Dies ist eine breite Kette welche zum Dirndl oder der regionalen Tracht getragen wird. In früherer Zeit diente die Kette zum Verdecken eines Kropfes (Vergrößerung der Schilddrüse auf Grund von Jodmangel).

Meistens wurde dieser Schmuck in Tirol und der Stiermark getragen. Findet aber jetzt als modisches Accessoire auch verbreitung in den anderen Regionen.

Latschenkiefer

Wer im Sommer durch die Alpen wandert, stößt früher oder später auf ein eigentümliches Gewächs: ein zähes, niedrig bleibendes Nadelgehölz, das sich gleichsam in die Hänge hineinschmiegt, krümmt und verbiegt, als wolle es trotzig den Bergwind und die Schneelast auslachen. Das ist die Latschn, auch Latschenkiefer oder Bergkiefer genannt. Ihr botanischer Name lautet Pinus mugo, und sie ist unter einer ganzen Reihe von Bezeichnungen bekannt: Bergföhre, Legföhre, Legkiefer, Krummholzkiefer, Zunter oder schlicht Krüppelkiefer. Im Volksmund wird sie mancherorts auch liebevoll „Bergsegen“ gerufen, was bereits viel über ihren Ruf in der Alpenbevölkerung verrät.

Herkunft und Verbreitung

Die Bergkiefer stammt ursprünglich aus den Gebirgen Mittel- und Osteuropas und gedeiht dort in teils extremen Höhenlagen von etwa 1.000 bis 2.700 Metern. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt oberhalb der potenziellen Hochwaldgrenze, und in Lawinenbahnen steigt sie mitunter sogar in tiefere Lagen herab. Sie ist damit keine Baumart des gemütlichen Mittelgebirges, sondern eine echte Pionierin der Extremlagen, eine Pflanze, die dort Fuß fasst, wo andere längst aufgegeben haben.

Egal ob schneereiche Winter oder starke Winde: Die Latschenkiefer trotzt den Bedingungen. Mit verzweigten Wurzeln findet sie auch in steinigen Steillagen Halt und übernimmt so eine wichtige Funktion als Lawinenschutz.

Erscheinungsbild: klein, zäh, eigenwillig

Die vielstämmige, strauchige Wuchsform erreicht in der Regel eine Höhe zwischen drei und fünf Metern. Charakteristisch ist der kriechende Wuchs der bodennahen Stämme, die sich erst zum Kronenbereich hin aufrichten. Die Borke am unteren Stammbereich ist schuppig, tief- bis graubraun, gelegentlich fast schwärzlich gefärbt. Die Nadeln sind dunkelgrün und etwa drei bis vier Zentimeter lang. Die Zapfen sind eiförmig und nehmen im zweiten Jahr eine satte Braunfärbung an.

Der typische, gedrungene Wuchs ist kein Zufall, sondern eine Überlebensstrategie: Wer nicht aufrecht steht, kann auch nicht so leicht abbrechen. Die Schneelast drückt die Äste nieder, die Pflanze gibt nach und federt zurück, sobald der Frühling kommt.

Die Latschn im Krummholzgürtel

Die Latsche ist zusammen mit der Grünerle eine charakteristische Baumart des Krummholzgürtels, jener Vegetationszone knapp unterhalb und um die alpine Baumgrenze herum. In den Bayerischen Hochalpen prägt sie weite Landschaftsabschnitte und behauptet sich langfristig, weil ihr genau die Standorte liegen, auf denen konkurrenzstärkere Baumarten nicht mehr gedeihen: Lawinenschneisen, Geröllfelder, windzerzauste Gipfelbereiche.

In Deutschland steht die Latschenkiefer unter Naturschutz. In Bayern ist sie zusätzlich auf der Roten Liste geführt, gilt dort zwar noch nicht als gefährdet, befindet sich aber auf der Vorwarnstufe. Vor allem in Blockmeeren und Gipfellagen des Bayerischen Waldes zeichnen sich Beeinträchtigungen durch Wanderwege, Kletterrouten und Baumaßnahmen ab.

Volksmedizin und das berühmte Latschenöl

Für die Bergbevölkerung war die Latschn nie bloß Landschaft, sondern auch Apotheke. In der Volksmedizin wurden Produkte aus der Latschenkiefer schon lange bei Erkältungskrankheiten, rheumatischen Beschwerden und Muskelschmerzen eingesetzt.

Die Idee, daraus ein industriell gefertigtes Heilmittel zu gewinnen, entwickelte ein Apotheker aus Bad Reichenhall Mitte des 19. Jahrhunderts. Seither wird aus den Zweigen und Nadeln durch Wasserdampfdestillation das ätherische Öl gewonnen und gegen Atemwegserkrankungen, Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen eingesetzt.

Für einen Liter Latschenkieferöl werden rund 300 Kilogramm Kiefernnadeln benötigt, was die Kostbarkeit des Rohstoffs erklärt und auch den Grund liefert, warum die Pflanze nicht einfach wild geerntet werden darf.

Das Latschenöl ist heute aus Saunaaufgüssen, Franzbranntwein, Erkältungsbalsamen und Fußbädern nicht wegzudenken: ein echter Klassiker der alpinen Hausapotheke, der seinen Weg vom Bergkraut zur Drogerieware gemacht hat, ohne dabei seinen Ursprung zu verleugnen.

Bedeutung heute

Die Latschn ist heute mehr als ein botanisches Randphänomen. Als Landschaftsprägerin der Hochlagen, als Schutzpflanze gegen Erosion und Lawinen und als Rohstofflieferantin für eine lebendige Tradition der alpinen Volksmedizin hat sie eine Bedeutung, die weit über ihre bescheidene Gestalt hinausgeht. Dass sie unter Naturschutz steht und trotzdem zunehmend unter Druck gerät, macht sie auch zu einem Symbol für die Fragilität alpiner Ökosysteme im Tourismuszeitalter.

Lederhosendonnerstag

Manche Bräuche reichen Jahrhunderte zurück, andere sind noch keine fünfzehn Jahre alt und trotzdem schon fest im Alltag verankert. Der Lederhosendonnerstag gehört zur zweiten Sorte: Er ist jung, er ist unkompliziert, und er zeigt, wie sich Tracht auch außerhalb von Kirchgang und Festtag behaupten kann.

Eine Schnapsidee, die sich hielt

Entstanden ist der Lederhosendonnerstag im August 2013, als die beiden Salzburger Christian Eibl und Georg Klampfer beschlossen, ihre Lederhosen nicht nur zu besonderen Anlässen wie dem Rupertikirtag aus dem Schrank zu holen, sondern mindestens einmal wöchentlich zu tragen. Als Tag fiel die Wahl auf den Donnerstag – unabhängig davon, wo man sich gerade befand oder was das Wetter dazu sagte. Erste Fotos auf Instagram, eine eigene Facebook-Gruppe mit dem programmatischen Motto „eine im Entstehen begriffene Tradition, an der man donnerstags Lederhosen trägt" – mehr brauchte es nicht, um daraus mehr als eine private Marotte zu machen.

Vom Freundeskreis zum stadtbekannten Ritual

Aus der kleinen Idee wurde rasch eine Bewegung mit mehreren tausend Followern. Was als Spaß unter Freunden begann, trifft heute in Salzburg auf handfeste Strukturen: Monatliche „Feierabendbier"-Treffen in Tracht ziehen inzwischen hunderte Teilnehmer an, vor allem in den wärmeren Monaten. Manche Firmen erinnern ihre Belegschaft am Mittwoch per Mail daran, dass am Folgetag Tracht angesagt ist – der Lederhosendonnerstag hat also längst den Sprung vom privaten Vergnügen ins Berufsleben geschafft. Getragen wird er unabhängig vom Ort: In Salzburg selbst ebenso wie in Wien, München, New York oder Südafrika, wo Salzburger die Idee mitgenommen haben.

Die Salzburger Lederhose als Erkennungszeichen

Wer donnerstags in Salzburg genau hinschaut, erkennt regionale Details: hellblaue Strümpfe, die sogenannten Stutzen, sowie der charakteristische runde Sitzflicken auf der Rückseite, der „Salzburger Teller" genannt wird. Die Kombination lässt sich festlich tragen, aber ebenso leger mit T-Shirt und Turnschuhen – für die Initiatoren kein Widerspruch, solange es sich um echtes Handwerk handelt und nicht um Faschings-Lederhosen aus dem Discounter. Kitschige Wiesn-Optik ohne Bezug zur Herkunft lehnen sie ausdrücklich ab, kombinierbar mit anderen Kleidungsstilen ist die Tracht für sie trotzdem.

Ein neuer Brauch neben dem alten

Der Lederhosendonnerstag versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zu etablierten Anlässen wie dem Dirndlgwandlsonntag, bei dem die Tracht zum sonntäglichen Kirchgang angezogen wird, sondern als dessen Ergänzung im Alltag: Wo der Dirndlgwandlsonntag Tracht an einem bestimmten Tag im Jahr sichtbar macht, holt der Lederhosendonnerstag sie wöchentlich ins Büro, ins Wirtshaus und auf die Straße. Dass sogar Karl Lagerfeld eine Chanel-Kollektion einmal im Rahmen einer Lederhosendonnerstag-Veranstaltung in Salzburg präsentierte, zeigt, wie weit sich die ursprünglich private Idee inzwischen herumgesprochen hat. Für die Gründer bleibt die Botschaft dabei einfach: Tracht soll kein Museumsstück sein, sondern gelebter Alltag – ähnlich selbstverständlich, wie andere Länder ihre nationalen Symbole tragen.

Lostag

Ein Lostag ist in der Volkskunde ein bestimmter Kalendertag, dessen Wetter nach altem Volksglauben als Hinweis/„Vorzeichen“ für die Witterung der kommenden Wochen gilt – und damit (früher) auch als Orientierung für landwirtschaftliche Arbeiten wie Aussaat, Heu, Ernte.

Ein zentrales Element vieler Bauernfeiertage sind die Lostage – Tage, an denen das Wetter als Vorzeichen für kommende Wochen oder Monate galt. Diese Bauernregeln klingen manchmal skurril, haben aber oft einen erfahrungsbasierten Kern. Sie entstanden durch langjährige Beobachtung regionaler Wetterphänomene und wurden in gereimter Form weitergegeben, damit sie leichter zu merken waren.

Das Wortteil „Los“ meint hier nicht „Gewinnlos“, sondern „Geschick / Weissagung“ (also: das, was einem „beschieden“ ist). Der Lostag ist damit sinngemäß ein „Schicksals-/Omen-Tag“ fürs Wetter.

Als Tradition sind Lostage vor allem Erfahrungswissen und Merkhilfe. Einzelne Regeln (z. B. rund um den Siebenschläfertag) werden heute gelegentlich meteorologisch eingeordnet – teils mit dem Hinweis, dass sie nicht immer zuverlässig sind und stark von Großwetterlagen abhängen.