Maria Himmelfahrt

Ein doppelter Feiertag am 15. August: kirchlich und bäuerlich zugleich.

Kirchlich ist es das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel – die Kirche feiert, dass Maria nach ihrem irdischen Leben mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde. Der Glaube daran reicht weit zurück: Erste Spuren finden sich schon im 5. Jahrhundert bei Cyrill von Alexandrien, dem das Fest und seine Ansetzung auf den 15. August zugeschrieben werden; im Osten der Kirche wurde die „Entschlafung Mariens" (Koimesis) schon Jahrhunderte vor dem Westen begangen. Zum verbindlichen Dogma der römisch-katholischen Kirche wurde die leibliche Aufnahme Mariens aber erst 1950: Papst Pius XII. verkündete es in der Apostolischen Konstitution „Munificentissimus Deus" – bis heute die einzige Verlautbarung, bei der ein Papst von der 1870 beschlossenen päpstlichen Unfehlbarkeit tatsächlich Gebrauch gemacht hat.

Im Volksmund trägt der Tag zahlreiche Beinamen: „Großer Frauentag", in Tirol auch „Hoher Frauentag". Der Ehrentitel rührt daher, dass Maria als bedeutendste Heilige der Kirche gilt und ihr Fest damit über den kleineren Marienfesten im Kirchenjahr steht – etwa Mariä Lichtmess im Februar oder Mariä Verkündigung im März. Daneben sind „Würzweih" oder „Büschelfrauentag" gebräuchlich, benannt nach dem Kräuterbuschen, der an diesem Tag geweiht wird.

Im Alpenraum ist Mariä Himmelfahrt bis heute mit sichtbarem Brauchtum verbunden, das über die Kräuterweihe hinausgeht. Traditionell haben Wallfahrten zu Marien-Gnadenorten an diesem Termin Hochsaison, ebenso Bergmessen an Gipfelkreuzen, bei denen Bergsteiger und Einheimische gemeinsam Gottesdienst feiern. Vielerorts ziehen zudem Prozessionen durch die Gemeinden, bei denen geschmückte Marienstatuen durch die Straßen getragen werden. Ein besonderes Beispiel ist die grenzüberschreitende Prozession auf dem Bodensee: Jedes Jahr legen dort Schiffe aus drei Anrainerländern gemeinsam ab, ein Bild dafür, wie die Marienverehrung im Dreiländereck über Grenzen hinweg verbindet. In Bayern, wo Maria seit 1616 als Patrona Bavariae verehrt wird, markiert der 15. August zugleich den Auftakt zu Wochen besonders dichter Marienverehrung.

Der bäuerliche Teil des Feiertags lebt vor allem in der Kräuterweihe fort: Traditionell wurden an diesem Tag Kräuter, Blumen und Getreidezweige geweiht. Der Überlieferung nach war das leere Grab Mariens nach ihrer Aufnahme in den Himmel nicht etwa mit dem Geruch des Todes, sondern mit dem Wohlgeruch von Blumen und Kräutern erfüllt – ein Bild, das bis heute als Ursprung der Kräutersegnung gilt. Die geweihten Kräuter sollten Haus, Vieh und Stall das ganze Jahr über schützen. Dieser Brauch ist nach wie vor lebendig.

Maria Plain

Hoch über Salzburg, auf dem Plainberg mit freiem Blick über die Stadt und die umliegenden Berge, steht die Wallfahrtsbasilika Maria Plain – die bedeutendste Wallfahrtskirche der Landeshauptstadt. Am Anfang der Geschichte steht ein Gnadenbild, das eine dramatische Reise hinter sich hatte: Während des Dreißigjährigen Kriegs überstand die Marienikone im bayerischen Regen eine Plünderung nahezu unbeschadet, was als Wunder gedeutet wurde. 1650 brachte der Salzburger Domherr Rudolf von Grimming das Bild nach Salzburg, wo es rasch zum Ziel wachsender Pilgerströme wurde.

Weil die ursprüngliche kleine Kapelle dem Andrang bald nicht mehr gewachsen war, ließ Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg zwischen 1671 und 1674 nach Plänen des Baumeisters Giovanni Antonio Dario die heutige Kirche errichten. Eine kuriose Wendung nahm die Geschichte des Originalbildes dabei selbst: Es war zwischenzeitlich nach Augsburg gelangt und kehrte erst 1676 – zwei Jahre nach der Kirchweihe – endgültig nach Maria Plain zurück, wo es seither auf dem Hochaltar verehrt wird. In der ursprünglichen Gnadenkapelle blieb dafür die älteste Kopie des Bildes zurück, die bis heute dort zu sehen ist.

Die Bedeutung des Ortes wuchs über die Jahrhunderte weiter: 1952 erhob Papst Pius XII. die Kirche in den Rang einer Basilica minor – eine Auszeichnung, die nur besonders bedeutenden Wallfahrtskirchen zuteilwird. Bis heute ist Maria Plain ein lebendiger Wallfahrtsort mit eigenem Servitenkloster, Prozessionen und einem festen Platz im kirchlichen Jahr der Stadt Salzburg – zugleich einer jener Aussichtspunkte, von denen aus Einheimische wie Gäste die Silhouette der Stadt am eindrücklichsten erleben.

Maria Verkündigung

Am 25. März begeht die christliche Kirche das Fest Maria Verkündigung (lateinisch: Annuntiatio Domini), auch Mariä Verkündigung oder volkstümlich Unser Frauen Tag im März genannt. Das Fest erinnert an jenen Moment, in dem der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien und ihr die Geburt des Gottessohnes ankündigte, ein Ereignis, das im Lukasevangelium (Lk 1,26–38) überliefert ist.

Das Datum ist theologisch bewusst gewählt: Genau neun Monate vor Weihnachten (25. Dezember) markiert es den Augenblick der Menschwerdung Gottes (Incarnatio). In der katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche zählt es zu den bedeutenden Hochfesten des Kirchenjahres.

Das Fest lässt sich bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Papst Gelasius I. (492–496) erwähnte es erstmals schriftlich; im 7. Jahrhundert wurde es im gesamten Abendland als gebotener Feiertag eingeführt. In vielen Regionen Europas war der 25. März bis weit ins Mittelalter hinein auch der Jahresanfang.

Bräuche und Volksüberlieferungen

An Maria Verkündigung Kräuter und Frühblüher, vor allem die erste Gartenkresse, Veilchen und Schlüsselblumen, zur Kirche gebracht und gesegnet. Man glaubte, dass gesegnete Kräuter Haus und Vieh vor Unheil schützen.

Als einer der wichtigsten Lostage des bäuerlichen Jahres zeigte Maria Verkündigung an, wann es Zeit war, Hafer, Gerste und Flachs auszusäen. rchenkalender miteinander verzahnt waren. Wer an diesem Tag nicht säte, galt als säumig.

An Maria Verkündigung wurden geweihte Kerzen (oft Lichtmesskerzen vom 2. Februar) neu entzündet. Das Licht symbolisierte Marias „Ja“ zur Botschaft des Engels und damit das erste Aufleuchten des göttlichen Lebens in der Welt.

An Maria Verkündigung hat das Angelusgebet, das dreimal täglich gebetete Engelsgebet, seinen eigentlichen Ursprungstag. In Klöstern und Pfarrkirchen wurde es feierlicher als sonst geläutet, oft mit allen Glocken. Das Gebet nimmt direkt Bezug auf die Szene, die dieses Fest begeht.

Bedeutung heute

In der modernen Zeit ist das Fest im deutschen Sprachraum kein gesetzlicher Feiertag mehr (in Bayern und Österreich war es bis ins 19. Jahrhundert einer). In der Volksreligiosität lebt es jedoch fort: in Marienprozessionen, in blumengeschmückten Wegkapellen, im Angelusläuten und anderen regionalen Bräuchen.

Marketender

Das Wort „Marketender“ leitet sich vom Lateinischen „mercatante“ ab und bedeutet schlicht Händler oder Kaufmann. Im Deutschen ist der Begriff seit dem 16. Jahrhundert vor allem in der Soldatensprache belegt, und er bezeichnet ursprünglich Menschen, die militärische Truppen mit Waren des täglichen Bedarfs versorgten.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund

Die historischen Marketender gehörten zum Tross der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heere. Fast jede Kompanie der Landsknechte hatte einen eigenen Marketender, der die Soldaten als Händler mit Lebensmitteln versorgte.

Durch den Wandel hin zu Söldnerheeren übernahmen zunehmend auch Frauen diese Aufgabe. Da den Söldnern das Heiraten nicht verboten war, zogen oft Ehefrauen und Kinder mit dem Heer durch die Lande. Das war keine Idylle: Das Leben einer Marketenderin bestand aus harter Arbeit, und die Gefahr, in den Kriegswirren getötet oder vergewaltigt zu werden, war allgegenwärtig. Marketenderinnen waren deshalb teilweise mit Dolchen oder Pistolen bewaffnet.

Ihre Aufgaben gingen weit über den Handel hinaus: Sie betreuten Soldaten im Lager, kochten, reparierten Kleidung, kümmerten sich um kranke und verwundete Männer. Viele Soldaten verdankten der heilkundigen Pflege einer Marketenderin ihr Leben.

Der Begriff war jedoch nicht frei von Doppeldeutigkeit. Die weibliche Form „Marketenderin“ konnte auch Prostituierte bezeichnen, die Heere im Tross begleiteten. Diese Vermengung verschiedener Frauenrollen im militärischen Tross ist historisch gut belegt und sollte nicht beschönigt werden.

Im 19. Jahrhundert verschwand die Marketenderin aus dem Bild der modernen Armeen, als stehende Heere in Friedenszeiten in Kasernen untergebracht wurden und der Tross seine Existenzgrundlage verlor.

Die Wiederentdeckung im Tiroler Schützenwesen

Hier beginnt das zweite, sehr eigenständige Leben dieser Figur. Die Marketenderin als Traditionsfigur im Schützenwesen ist eine vergleichsweise junge Erscheinung, deren „Erfindung“ und historische Wurzeln in der volkskundlichen Forschung eigens untersucht wurden.

Die Geschichte der Marketenderinnen in den Reihen der Tiroler Schützenkompanien beginnt erst etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es wird vermutet, dass die Tiroler Schützen die Figur in bewusster Erinnerung an die Franzosenkriege von 1809 neu belebt haben, als Frauen tatsächlich eine aktive Rolle im Widerstand gegen die napoleonischen Truppen spielten.

Den ersten großen Höhepunkt erreichte die weibliche Begleitung bei Schützenumzügen im Jahr 1909, beim großen Gedenkzug in Innsbruck anlässlich des 100. Jahrestages der Erhebung von 1809, im Beisein von Kaiser Franz Joseph I.

Regionale Besonderheiten

Heute wird der Begriff Marketenderin vor allem für Frauen verwendet, die eine Marsch- oder Blaskapelle begleiten und die Musiker mit Getränken versorgen, hauptsächlich in Süddeutschland, Österreich, Südtirol und dem Trentino.

Innerhalb Tirols gibt es dabei durchaus regionale Unterschiede: In Nordtirol muss eine Marketenderin ledig sein, in Ost- und Südtirol gilt das nicht zwingend.

Die Pflege des Trachtenverständnisses spielt eine zentrale Rolle: Marketenderinnen sollen nicht nur wissen, wie die jeweilige regionale Festtagstracht korrekt getragen wird, sondern auch, welche Geschichte und Bedeutung dahintersteckt. Trachtenpflege bedeutet dabei immer auch Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte und Kultur.

Bedeutung heute

Die Rolle der Marketenderin geht heute weit über das Tragen der traditionellen Tracht und das Ausschenken von Schnaps hinaus. Als Botschafterinnen ihrer Kultur, Geschichte und Werte repräsentieren Marketenderinnen den Zusammenhalt und den Stolz ihrer Gemeinschaft.

Heute ist ein Ausrücken ohne Marketenderinnen in Tirol kaum mehr vorstellbar. Frauen aller Berufsgruppen nehmen diese Rolle wahr, genießen aktives Wahlrecht in der Kompanie und sind gleichberechtigte Mitgestalterinnen des Vereinslebens.

Jedoch ist die Rolle auf ein Geschlecht bezogen kritisch zu betrachten. Denn immer mehr vermischen sich die tradierten Rollenbilder. Auch Männer sind heutzutage Marketender, wie auch Frauen als aktive Schützinnen auftreten. Dies ist in allen Bereichen des Brauchtums zu sehen und führt oft zu problematischen Situationen. Denn hergebrachte, oft fälschlich geglaubte Traditionen, verbieten manchen die Offenheit für verschieden Geschlechter in manchen Rollen. Wobei wir hier eindeutig festhalten:

Brauchtum und Rollen im Brauchtum,
sind heute nicht mehr an ein Geschlecht oder
andere Personenmerkmale geknüpft und
stehen jedem Menschen offen!

Martini

Martin von Tours teilte seinen Mantel – das weiß man aus der Schule. Was weniger bekannt ist: Sein Festtag war jahrhundertelang der wichtigste bäuerliche Steuer- und Zahlungstermin in weiten Teilen Mitteleuropas. Pacht, Zehnt, Schulden – vieles wurde zu Martini am 11. November fällig.

Auch der Beginn der Fastenzeit vor Weihnachten fiel traditionell auf diesen Tag, was ihn zu einem letzten großen Schmausefest machte – die Martinsgans hat hier ihren Ursprung. Heute wird der Tag oft mit einem Laternenumzug mit Kindern begangen

Materl

Eine katholische kleine Gedenkstätte in der freien Landschaft. Sie erinnern meist an eine Verstorbene oder einen Verstorbenen, die an der Stelle verstorben oder verunglückt sind. Oft sind sie an Wanderwegen, Wegränder oder anderen gefährlichen Stellen in der Landschaft zu finden.

Michaeli

Der Erzengel Michael gilt als Schutzpatron der Hirten und Krieger. Sein Festtag am 29. September war einer der wichtigsten Lostage des Jahres – Pachtverträge endeten, Almhirten kamen ins Tal zurück, und das Vieh wurde für den Winter in den Stall gebracht. Michaeli war in vielen Regionen auch ein Zahltag.

Mysterienspiel

Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort mysterion ab, was so viel wie Geheimnis bedeutet. Im kirchlichen Gebrauch meinte man damit die heilsgeschichtlichen Ereignisse aus dem Leben Jesu Christi, die für den Glauben von zentraler Bedeutung sind. Ein Mysterienspiel ist also im Kern ein religiöses Schauspiel, das diese Glaubensinhalte sichtbar und erlebbar machen soll.

In Fachkreisen wird der Begriff heute eher vermieden. Das Österreichische Musiklexikon empfiehlt stattdessen den präziseren Oberbegriff Geistliches Spiel sowie dessen Unterformen wie Oster-, Passions-, Weihnachts- oder Legendenspiel. Doch im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich Mysterienspiel„als Sammelbegriff für das religiöse Theater des Mittelalters und seine Nachfolgeformen bis heute gehalten.

Vom Kirchenraum auf den Marktplatz

Seit dem 11. Jahrhundert sind Mysterienspiele belegt, anfangs dargeboten von Geistlichen und Klosterschülern auf Latein. Im 13. Jahrhundert wanderten die Aufführungen zunehmend in die Volkssprache und damit auch in die Öffentlichkeit.

Aus dem liturgischen Rahmen des Gottesdienstes herausgewachsen, fanden die Spiele nun auf Marktplätzen und anderen öffentlichen Orten statt. Biblische Geschichten, Totentänze oder Darstellungen des Jüngsten Gerichts wurden aufgeführt. Die Rollen übernahmen mehr und mehr Mitglieder der städtischen Zünfte, wobei jede Zunft für ein bestimmtes Stück zuständig war. Das Spektakel war damit fest in der Gemeinschaft verankert, ein kollektives Projekt aus Glaube und Stadtleben.

Aus einfachen Osterspielen entwickelten sich mit der Zeit umfangreiche Passionsspiele. Ab dem 14. Jahrhundert wuchsen sie in Umfang und Aufwand, bis Aufführungen bisweilen mehrere Tage dauerten. Bekannte Zyklen entstanden etwa in St. Gallen, in Alsfeld, in Bozen und in Erl in Tirol.

Der Alpenraum als besonderes Zentrum

Die Forschung hält den Ostalpenraum für eine der bedeutendsten mittelalterlichen Pflegestätten des lateinischen geistlichen Spiels im deutschsprachigen Raum. Frühe Trägerzentren waren die Kathedralklöster in Passau, Salzburg, Chiemsee, Seckau und Brixen. Schon im Mittelalter hatte der Alpenraum also eine besondere Dichte an religiösem Theater.

In Österreich wurde diese Tradition 1751 durch ein obrigkeitliches Verbot abgebrochen. Erst im 20. Jahrhundert lebte sie wieder auf, stark beeinflusst durch die Passionsspiele von Oberammergau in Bayern, die als einzige im Alpenraum eine ununterbrochene Aufführungstradition besitzen.

In Thiersee in Tirol etwa gelobten die Bewohner 1799, um die Kriegsnot von ihrem Ort fernzuhalten, alljährlich in der Fastenzeit ein Mysterienspiel aufzuführen, eine Tradition, die bis heute weiterlebt. Ähnliche Lokaltraditionen entstanden in der Steiermark und im Salzburger Raum.

In Salzburg selbst hat das Mysterienspiel eine besondere Geschichte: Schon im Mittelalter wurden dort große Mysterienspiele aufgeführt, und am Domplatz inszenierte Max Reinhardt 1920 den Jedermann von Hugo von Hofmannsthal. Die Premiere am 22. August 1920 markierte zugleich die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele, und das Stück steht seither, mit einer Unterbrechung während der NS-Zeit, ununterbrochen auf dem Spielplan.

Formen und typische Elemente

Unter den Begriff Mysterienspiel fallen verschiedene Spielformen, je nach Thema und liturgischem Anlass:

  • Passionsspiel
    Das Leiden und Sterben Jesu, vom Einzug in Jerusalem bis zur Kreuzigung. Die bekannteste Form, vor allem in Oberammergau weltweit bekannt.
  • Osterspiel
    Die Auferstehung Christi, ursprünglich aus der Osterliturgie herausgewachsen.
  • Weihnachtsspiel
    Geburt Jesu, Verkündigung, Krippe. Im Alpenraum bis heute lebendig in Form von Krippenspielen und den Oberuferer Weihnachtsspielen.
  • Fronleichnamsspiel
    Aufführungen zum Fronleichnamsfest, mit besonderem Bezug auf die Eucharistie.

Der Übergang zur volkstümlichen Unterhaltung war dabei fließend: Fahrende Schausteller und ihre Darbietungen standen bei der Kirche nicht immer in hohem Ansehen, während kirchliche Rituale selbst schon immer eine theatralische Dimension hatten.

Bedeutung heute

Das klassische Mysterienspiel des Mittelalters ist in seiner ursprünglichen Form kaum noch lebendig. Nur vereinzelt gibt es noch Aufführungen, zum Beispiel in Meckenheim-Lüftelberg, wo jedes Jahr zu Fronleichnam das Leben verschiedener Heiliger gespielt wird.

Was fortlebt, sind seine Nachfolgeformen: die Passionsspiele in Tirol und der Steiermark, die Krippenspiele in Advent und Weihnacht, und im übertragenen Sinn auch der Jedermann auf dem Salzburger Domplatz. Dieser Entwicklungsstrang führte vom religiösen Spiel zum Volksschauspiel, einem nichtprofessionellen Rollenspiel außerhalb des regulären Theaterbetriebs, getragen von Menschen, die in einem lebendigen Brauchtumsgefüge stehen.

Das ist vielleicht die entscheidende Pointe: Das Mysterienspiel war nie bloßes Theater. Es war der Versuch einer Gemeinschaft, das Heilige greifbar zu machen, nicht auf der Distanz einer Bühne, sondern mitten unter den Menschen.

Nagei

Wer im Alpenraum, besonders im Salzburger Land, von einem Nagei spricht, meint schlicht eine Nelke. Das Wort ist eine dialektale Verkleinerungsform, die im bairisch-österreichischen Sprachraum gebräuchlich ist. Neben Nagei trifft man auch auf Nägele oder Nägeli, je nach Region und Mundart.
Innergebirg, also im Pinzgau oder Pongau, wird oft auch eine spezielle Form des Enzians so bezeichnet.

Woher kommt der Name?

Die umgangssprachliche Bezeichnung Nagei für duftende Nelken geht wahrscheinlich auf den ähnlichen Duft der Gewürznelke zurück, die wegen ihrer nagelförmigen Form so benannt wurde. Aber auch die Nelke selbst liefert eine visuelle Erklärung: Ausgezupfte Blütenblätter, Knospen- und Samenkapselform erinnern an die Form eines spitzigen Nagels. Der Botaniker Leonhart Fuchs bezeichnete die Gartennelke bereits als Negelin oder Negelblum. Das Wort hat also eine nachvollziehbare Wurzel im Aussehen und Duft der Pflanze, ist keine bloße Laune des Dialekts.

Die Nelke als Hutschmuck

Im Alpenraum hat der Hut als Teil der Männertracht traditionell eine eigene Sprache. Federn, Gamsbärte, Edelweiß oder eben frische Blumen am Hut sind kein purer Zierrat, sondern können Zugehörigkeit, Anlass oder sozialen Stand anzeigen. Das kleine Blumengesteck am Hut, ob aus Nelken, Alpenblumen oder anderem Grünzeug, nennt man allgemein auch Hutgesteck oder Buschen.

Beim Liachtbratlmontag auf der Rettenegghütte auf der Postalm ist der Brauch belegt, dass Gäste mit Hut ein solches Nagei als kleines Gesteck überreicht bekommen. Die genaue Entstehung dieses Brauchs speziell für diesen Anlass ist nicht volkskundlich dokumentiert, soweit mir bekannt. Es handelt sich vermutlich um einen lokal gewachsenen Festbrauch, der den besonderen Charakter des Tages unterstreichen soll.

Das Nagei ist also zunächst einmal ein ganz konkretes, bodenständiges Wort: Nelke auf Salzburgerisch. Dass ausgerechnet diese duftende, farbige Blume als Hutschmuck beim Liachtbratlmontag gereicht wird, passt gut in den Rahmen eines Feiertags, der das Ende der langen Sommertage markiert und den Übergang in die dunklere Jahreszeit festlich begeht.

Nothelfer

Die 14 Nothelfer sind eine Gruppe von Heiligen, die im Mittelalter besonders in Süddeutschland und Österreich verehrt wurden. Sie werden in schwierigen Notlagen angerufen und gelten als tatkräftige Fürbitter und Helfer. Die Gruppe besteht aus elf männlichen und drei weiblichen Heiligen, die meist als Märtyrer starben.

  1. Achatius – 8. Mai
    Helfer bei Todesangst
  2. Ägidius – 1. September
    Helfer bei der Beichte und der stillenden Mütter
  3. Barbara – 4. Dezember
    Schutzpatronin der Bergleute und Helferin bei Blitzschlag
  4. Blasius – 3. Februar
    Helfer bei Halskrankheiten
  5. Christophorus – 24. Juli
    Schutzpatron der Reisenden
  6. Cyriacus – 8. August
    Helfer in der Stunde des Todes
  7. Dionysius – 9. Oktober
    Helfer bei Kopfschmerzen
  8. Erasmus – 2. Juni
    Helfer bei Magenkrankheiten
  9. Eustachius – 20. September
    Helfer in schwierigen Situationen
  10. Georg – 23. April
    Schutzpatron der Ritter und Soldaten
  11. Katharina – 25. November
    Schutzpatronin der Gelehrten
  12. Margareta – 20. Juli
    Schutzpatronin der Wöchnerinnen
  13. Pantaleon – 27. Juli
    Schutzpatron der Ärzte
  14. Vitus – 15. Juni
    Helfer bei Epilepsie und Nervenkrankheiten

Diese Heiligen werden in der katholischen Kirche als Schutzpatrone im Gebet angerufen.